Allein ins Kino – Ein Plädoyer

Ich behaupte mal ganz lässig, kein Mof zu sein. Dennoch gehöre ich zu den eigentümlichen 13% aller Menschen, die (auch) allein ins Kino gehen (laut FFA). Im Rückblick ist dieser Wert übrigens schon gestiegen, 2013 waren es nur 10%.

„Aber… man geht doch nicht allein ins Kino!?“

Selbst eine Mini-Umfrage im cineastisch geprägten Filmnächte-Programmbeirat zeigt: Die Mehrheit zieht eher selten (10% aller Filmsichtungen) ohne Begleitperson los, manche sogar „NIEMALS!!“. Nur ein Kollege konsumiert Kinofilme ähnlich wie ich häufig (2/3 aller Besuche) „allein, allein…“. Und er -kaum zu glauben- hat dabei Spaß!

GIF aus "Die fabelhafte Welt der Amelie": Amelie sitzt im Kino

Aus diesen stümperhaft erfassten Daten und meiner eigenen Erfahrung will ich hiermit eine Lanze brechen (*knack*) und Gründe darlegen, weshalb es sich lohnt, allein ins Kino zu gehen.

Euer Ehren, ich plädiere für Freispruch!

Grund #1 – Keine Kompromisse

Das ist auch gleich der offensichtlichste Grund: Schluss mit „Wenn, dann…“ und „Ja, aber…“!

Einige Beispiele:

  • Die Freundin rebelliert gegen Sci-Fi, der Arbeitskollege sträubt sich gegen Animationsfilme
  • Eure Kumpels gehen immer Samstagabend zur überteuerten Prime Time, die früheren Mitbewohner nur dienstags, ausgerechnet während eures Judo-Kurses
  • Hannah hasst Multiplex-Kinos, Peter kommt ungünstig zum Clubkino raus
  • Freund A hat den neusten Blockbuster längst gesehen, Freund B streamt ihn planmäßig im Heimkino und Freund C wollte sowieso lieber ins Theater…

Und verzweifelt ihr nicht auch daran, Weihnachten einen für die ganze Sippschaft geeigneten Kinofilm herauszufiltern, der nicht mit der durchgeplanten Festtags-Agenda kollidiert? Nach hitzigen Debatten läuft das meist darauf hinaus, dass man sich wie im Simpsons-Intro auf die heimische Couch zwängt und zum 100. Mal „Kevin allein zu Haus“ anguckt. Nichts gegen Kevin und altmodischen Slapstick, aber, puuuh…

Wer alleine loszieht, bestimmt hingegen Kino, Uhrzeit, Sitzreihe, Snacks und natürlich den Film selbst. Eine Freiheit, die auch Spontanität erlaubt. Schon mal dem wahnwitzigen Reflex nachgegeben, sich nach dem Abspann gleich in den nächsten Film zu setzen? Elektrisierend, ich kann’s nur empfehlen (Bezahlen nicht vergessen)!

Blog-Autor Jakob mit zwei Pokémon-Sammelkarten, draußen in der Chemnitzer Innenstadt

Nachmittags im Kino, und dann auch noch zu „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ – nerdiger geht’s wohl nicht? Tja, ich konnte ja auch Zeit und Film selbst bestimmen…

Grund #2 – Völlige Hingabe

Gehört ihr auch zu denjenigen, die bei einer bewegenden Abschieds-Szene lieber nochmal in ihre Chipstüte greifen oder sich schmerzhaft auf die Zunge beißen, anstatt einfach eine Träne zu verdrücken? Wenn einen die neuen Kollegen oder unbekannte Schönheiten im Kinosessel flankieren, möchte man seinen Emotionen vielleicht sagen: „Bis hierhin und nicht weiter, ich bin unter Menschen!“

Dabei hat es der Film möglicherweise verdient, dass man sich seiner Handlung, den Motiven oder Bildern vollends hingibt. Wer alleine in der letzten Reihe sitzt, darf hingegen nach Herzenslust schluchzen, lachen und fluchen.

Für mich gehört dazu auch, die Armlehnen hochzuklappen, Schuhe auszuziehen und sich richtig in den Sitz zu fläzen. Ziemt sich nicht in der Öffentlichkeit? Stellt ihr’s einigermaßen bedacht an, sieht es doch keiner!

Luxuriöser Kinosessel mit Snacks und Kaffeebecher

Toll: Die besten Reihen im Luxussaal (hier das „Pollux“ in Paderborn) für sich alleine haben und in Ruhe einen Film genießen

Auch entgeht man so unsensiblen („Hey, ist nur’n Film, der Hund ist nicht wirklich tot“), nervigen („Das war ja soo klar…“) und überhasteten  („So, können wir los? Was gibt’s heute Abend zu essen?“) Kommentaren während oder nach dem Film. (Tatsächlich wurde ich mal MITTEN im Film, völlig kontextlos, von meinem Sitznachbarn gefragt: „Und du singst also im Chor?“)

 

Grund #3 – Trotzdem sozial

Lasst mich etwas ausholen: Habt ihr jemals in Betracht gezogen, alleine feiern zu gehen? Für die meisten ist es schon der blanke Horror, im Club seine Clique eine Viertelstunde lang aus den Augen zu verlieren. Als ich das Experiment vor einigen Jahren wagte, kam ich mit unzähligen Fremden ins Gespräch – eine tolle Erfahrung!

Auch alleine im Kino kann das gelingen, besonders nach dem Abspann. Einfach ungeniert ins Gefachsimpel der Nachbargruppe einsteigen oder auf das mürrisch grummelnde Pärchen hinter einem eingehen: „Euch hat’s wohl nicht so gefallen?“. Keine clevere Gesprächseröffnung nötig, das Topic ist ja glasklar. Ein bisschen Überwindung ist natürlich nötig, aber der innerliche Schubser lohnt sich.

Gerade in arthousigeren Filmen bemerke ich zudem immer häufiger Gäste ohne Begleitung, die bestimmt für einen Plausch zu haben sind (wenn nicht gerade ihr Interesse an einer Toilette größer ist). Genauso wie ihr wollten sie den Film jedenfalls unbedingt sehen.

Fakt ist: Während der Vorstellung quasselt man eh nicht, aber der anschließende Meinungsaustausch fehlt mir als ‚Kinosaal-Single‘ tatsächlich manchmal. Glücklicherweise geht das im Programmbeirat, aber auch im Internet oder auf Partys, sobald das Thema ‚Kino‘ aufploppt. Und sogar bei den Filmnächten! Der Programmbeirat wuselt fast immer in Biertisch-Reichweite oder in der Oscar-Lounge herum (Gesichter einprägen!), also gerne mal nach Filmende rüberkommen und ‚Hallo‘ sagen.

Ausgang der Filmnächte Chemnitz mit Schrifttafel "Schön, dass Du da warst."

Niemand will mitkommen? Heul doch! Oder geh halt alleine – willkommen bist DU nämlich trotzdem!

Und das Urteil lautet: Gönn dir, trau dich!

Kino funktioniert als Gruppenerlebnis. Aber egal, ob ihr mit eigenem Grüppchen oder alleine unterwegs seid – als Teil der Saalgemeinschaft eint euch kurzzeitig das gemeinsame Interesse am Film. Darüber hinaus hat es viele Vorteile, alleine im Kino aufzuschlagen: Flexibilität, 100%ige Konzentration auf die Leinwand und dennoch die Chance auf ein deutlich sozialeres Erlebnis, als zuhause allein eine DVD zu gucken.

Und, was bislang vielleicht nicht erwähnt wurde: „Masturdating“ tut jedem mal gut!

Wie sieht’s aus: Wart ihr schon mal alleine im Kino? Konnte ich ggf. eure ‚Geht gar nicht‘-Meinung ins Wanken bringen? Teilt es uns über Facebook oder per Mail mit.

10 Filmnächte-Songs zum Mitsingen

Posted by Jakob Nützler. Categories: Uncategorized.

Am Lagerfeuer, im Chor, unter der Dusche. Irgendwo singt doch jeder! Dass man auch auf dem Theaterplatz leise summend oder fortissimo gröhlend in vertraute Melodien einstimmen darf, ist nur vielleicht nicht jedem klar. Dabei ist das Programm gerade dieses Jahr durchdrungen von echten Ohrwürmern.

Hier präsentieren wir euch 10 beschwingte Filmnächte-Songs aus der aktuellen Saison in chronologischer Reihenfolge – komplett mit Lyrics, damit ihr fleißig üben und mehr als bloß den Refrain mitsingen könnt. Dazu haben wir euch auch eine Youtube Playlist zusammengestellt. Also ölt eure Stimmbänder, holt die Feuerzeuge raus und fangt einfach an, mitzuträllern!

Übrigens: Konzerte klammern wir hier aus, sie hätten eine eigene Liste verdient.

1. Shallow (A Star Is Born)

Vor ausverkauftem Haus erwies sich „A Star Is Born“ als pompöse Ouvertüre für die diesjährige Filmnächte-Saison – und ich habe im Publikum bereits jemanden bemerkt, der die oscarprämierte Ballade „Shallow“ leise mitgesungen hat! Lady Gaga und Bradley Cooper geben hier alles (unvergesslich auch ihre gefühlvolle Performance bei den Oscars). Schnappt euch am besten einen Duettpartner und eifert ihnen nach!

Zugabe: Look What I Found (im Windschatten von „Shallow“ hätte hier aber jeder der übrigen 18 Original-Songs stehen können)

2. Weisstunoch (Gundermann)

Der mehrfach ausgezeichnete Musikfilm über den singenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann ist der verträumte Sonderfall auf dieser Liste. Nicht ganz leicht ins Ohr zu kriegen, kaum auf Youtube zu finden – aber deutsche Songtexte, die direkt ins Herz gehen. Alexander Scheer mimt den DDR-Liedermacher und interpretiert seine Werke mit viel Respekt, wie diese Studio-Aufnahme von Weisstunoch” zeigt. Auf dass dieser Sommer nicht so schnell vorbei geht.

Die Lyrics bitte in diesem besonderen Fall separat aufrufen!

Zugabe: Linda (auch Regisseur Andreas Dresen stimmt behutsam zum vielleicht beliebtesten „Gundermann“-Song ein; hier der Text dazu)

3. Night Fever (Saturday Night Fever)

Kaum zu glauben, dass dieser Tanzfilm von 1977 nicht früher bei den Filmnächten lief. John Travolta sorgt darin für schillernde Bilder und heiße Moves, die Bee Gees für den unvergesslichen, noch und nöcher verkauften Soundtrack. Der ikonische „Night Fever“ ist sicherlich etwas hoch, um ihn optimal nachzusingen, damit aber der perfekte Song zum Vorglühen und Feiern. Wo bleibt die „Saturday Night Fever“-Party, analog zu „Dirty Dancing“ und „Mamma Mia!“?

Zugabe: How Deep Is Your Love (genau der richtige Kontrast zum oft so ausgeflippten Disco-Klang der Bee Gees)

4. We Are The Champions (Bohemian Rhapsody)

Wie soll man bei einem Biopic über die wahrscheinlich größte Rockband aller Zeiten bitteschön nicht mitsingen?! Eben. In den USA wurde deshalb eine Sing-Along-Version in die Kinos gebracht. Und im fulminanten Finale des Films dürfte es auch dem größten deutschen Gesangsmuffel schwer fallen, nicht zumindest zaghaft singend Teil des „We Are The Champions“-Chors zu werden – so ging’s mir jedenfalls, und ich bin nicht mal richtiger Fan!

Ratschlag zum Schluss: „Bohemian Rhapsody“ ist mit Abstand der stärkste Film im Vorverkauf. Also zögert nicht zu lange, falls ihr am 20.07. Freddie Mercury & Co. auf dem Theaterplatz erleben wollt!

Zugabe: Don’t Stop Me Now (schließt im Film direkt an „We are The Champions“ an und eröffnet die Credits – lasst euch also nicht aufhalten, sondern singt weiter!)

5. Rocketman (Rocketman)

Der erste Trailer zum Elton-John-Biopic ließ mich nach dem grandiosen Queen-Portrait eher kalt, doch inzwischen höre ich den Soundtrack rauf und runter – und singe mich mit „Rocketman“ und „Saturday Night’s Alright“ warm für unseren Musiksamstag am 27.07.! Laut Kritikern ist das Drama gar besser gelungen als „Bohemian Rhapsody“. Habt ihr’s schon gesehen? Taron Egerton erhielt von Elton John jedenfalls viel Lob für seine Performance – was ich gerne glaube, schließlich überzeugte er stimmlich schon im Animationsfilm „Sing“.

Zugabe: Saturday Night’s Alright (For Fighting) (die Strophen sind knifflig, der „Saturday“-Refrain umso spaßiger und einfach zu merken)

6. Mamma Mia (Mamma Mia!)

Keine Ausreden mehr: Dieses mit Meryl Streep, ABBA-Ohrwürmern und Sommer-Feeling gespickte Kult-Musical schreit einem „Sing mit!!!“ geradezu entgegen. Beide „Mamma Mia!“-Filme gibt’s ja inzwischen auch als richtige Sing-Along-Ausgaben. Unter den 24 gefeatureten Songs einen Stellvertreter auszuwählen, ist da eigentlich unmachbar. Also bleiben wir beim titelgebenden „Mamma Mia“. Schillernde Kostüme, eine amüsante Handlung und die anschließende Party sind Pflichtprogramm bei den Filmnächten – passt nur auf, dass ihr am nächsten Morgen nicht total heiser seid!

Zugabe: Lay All Your Love On Me (Habt ihr einen ABBA liebenden Mann, der sich nicht zu schade ist, hier mitzusingen? Dann haltet an ihm fest!)

7. (I’ve Had) The Time Of My Life (Dirty Dancing)

Wenn es ein Song verdient hat, als ultimative Filmnächte-Hymne betitelt zu werden, dann dieser Schmuseklassiker. Der 1988er-Oscar für „The Time Of My Life“ scheint im Rückblick so selbstverständlich wie Melonenbowle, Wunderkerzen und „Dirty Dancing“-Party bei den Filmnächten (am 10.08. auf dem Theaterplatz). Unterschätzt aber nicht, wie schwer die hohen Passagen mitzusingen sind – oder kümmert euch einfach nicht um die Tonhöhe, sondern fühlt einfach die Musik!

Zugabe: Hungry Eyes (gleich der nächste 80s-Hit, der im Film zur unvergesslichen Tanzunterricht-Szene eingespielt wird)

8. The Place Where Lost Things Go (Mary Poppins‘ Rückkehr)

Auch wenn die Lieder im Musical-Sequel nicht ganz die Klasse eines „Supercalifragilisticexpialigetisch“ erreichen, erschafft Emily Blunt mit „The Place Where Lost Things Go“ einen wundervollen, tröstenden Song über den Verlust der Familie Banks. Völlig verdient gab’s dafür eine Oscar-Nominierung – und einen Platz in dieser Liste.

„Mary Poppins‘ Rückkehr“ landet bei uns 17:30 Uhr im Tageskino und läuft natürlich auf Deutsch – hier präsentieren wir aber das Original (sogar mit Filmszene aus der offiziellen Sing-Along-Edition). Mitsingen lässt sich natürlich auch die deutsche Version von Annett Lousan (hier die Lyrics).

Zugabe: A Cover Is Not The Book (jetzt aber noch was Fröhliches, bei dem die verantwortlichen Zeichentrick-Künstler und „Hamilton“-Star Lin-Manuel Miranda richtig zeigen dürfen, was sie drauf haben)

9. Speechless (Aladdin)

Gleich nochmal Disney, diesmal ein waschechtes Remake! Trotzdem werdet ihr „Speechless“, kraftvoll vorgetragen von Naomi ‚Jasmin‘ Scott, nicht sofort mitschmettern können. Die Ballade wurde unter anderem von den Komponisten von „La La Land“ eigens für den 2019er „Alladin“ geschrieben. Ein sicherer Oscar-Song für 2020? Möglich, bei mir weckt er Erinnerungen an Disneys „Let It Go“. Julia Scheeser singt übrigens in der deutschen Übersetzung „Ich werd niemals schweigen“. Und das solltet auch ihr nicht, wenn ihr am 16.8. zur Film-Vorstellung vorbeischaut – egal wie ausgefeilt eure Stimme ist!

Zugabe: Friend Like Me (Klassischer Disney-Hit, diesmal verziert von Will Smiths Rap- und Beatbox-Einlagen)

10. All You Need Is Love (Yesterday)

Nach Queen und ABBA nun also zum dritten Mal die Mammutaufgabe, lediglich EINEN Song aus dem umfangreichen Repertoire einer Top-Band auszuwählen: den Beatles! Weil „All You Need Is Love“ wohl das große Sing-Along-Finale der Musik-Komödie „Yesterday“ darstellt, fällt die Wahl auf eben diesen Chartstürmer von John Lennon und Paul McCartney. Die Prämisse des Films, der am 21.07. läuft, klingt echt amüsant: Nach einem Stromausfall kann sich keiner an die Beatles oder ihre legendären Pop-Hits erinnern, außer ein erfolgloser Singer-Songwriter… Schauspieler Himesh Patel macht hierbei eine echt gute Figur dabei, „Yesterday“ &. Co nachzusingen! Aber hört selbst.

Zugabe: Let It Be (aber mal ehrlich, wer braucht dazu noch einen Songtext?)

Viertel vor Sommer: Alles zu Neuerungen & Aufbau

Posted by Jakob Nützler. Categories: Uncategorized.

In letzter Zeit mal mit Auto oder Straßenbahn am Theaterplatz vorbeigedüst? Dann dürften euch ein paar hervorblitzende weiße Zipfelmützen aufgefallen sein – die Gastro- und Lounge-Zelte stehen!

Seit fast 2 Wochen hämmern, schrauben, wuchten, schwitzen, malern, konstruieren, basteln und fachsimpeln bis zu 16 emsige Handwerker am Aufbau der Filmnächte Chemnitz. Teilweise am Wochenende und trotz Affenhitze. Völlig Banane! Und völlig verdient, dass wir deshalb mal genauer in Augenschein nehmen, wohin ab Freitag alle filmbegeisterten Chemnitzer pilgern.

Der große Wiederaufbau

Lastwagen auf dem Theaterplatz

„Nicht noch eine Baustelle….“ Aber hey, hier entsteht für Sie ein Freiluftkino!

Am Anfang war das Nichts…

…und ein leeres, ungenutztes Theaterplätzchen. Rückblende: Bei Nacht (aber ohne Nebel) treffen am Abend des 19.06. mehrere schwer beladene Lastwagen vor dem Opernhaus ein. Am darauffolgenden Morgen, lange noch vor dem ersten Knoppers, fällt der Startschuss für Produktions-Guru Markus Richter und sein Team. Unter Hochdruck wird alles entladen – das Abenteuer „Filmnächte-Aufbau 2019“ beginnt!

Der Aufbau ist, ganz ähnlich wie „Avengers“ oder auch „Kill Bill“, aufgesplittet in zwei spannungsgeladene Parts.

So endet die erste Hälfte nach einer knappen Woche für Lounge, Gastro-Pagoden und Cocktailbar, mit einem unbefriedigenden Cliffhanger: ein Kino ohne Leinwand und Stühle!

Eine kleine Verschnaufpause für alle Beteiligten ist das große Nachbarschaftsfest, welches am 29.06. auf dem Theaterplatz gastiert. Am 30.6. geht’s dann für die Filmnächte-Baumeister ins Endgame: Es bleiben 5 Tage für die nagelneue Oscar-Lounge, Airscreen-Leinwand, Büro- und Kassencontainer sowie gefühlt zweiundzwanzig weitere Elemente. Ein Zeitplan, enger gestrickt als je zuvor. Schaffbar? Vielleicht nur mit Zeitreisen…

Rekordverdächtig

Das aufwändigste Unterfangen steht gleich zu Beginn: 4 Lounge-Pagoden mit Zelten, Treppen, Zäunen und Schwerlastböden müssen hochgezogen werden. Und das gelingt den toughen Aufbau-Avengers sogar schneller als erwartet, auch dank Unterstützung eines opulenten Krans! Von dem liegen mir zwar keine Fotos vor – Augenzeugen berichten aber, er wäre ungefähr dreimal so hoch wie die Petrikirche!

Exorbitant sind auch die Zahlen rund um die Leinwand.

Deren Beschwerungen wiegen allein 18 Tonnen, damit Sturmtiefs trotz archaisch klingenden Vornamen nichts wegwirbeln können.

Genug des Vorgeplänkels, worauf dürfen sich Film-Fans denn nun freuen? Aufbau-Profi Markus Richter und Festival-Leiter Michael Claus haben mir ein paar Einblicke verschafft…

Neuerungen der Filmnächte-Saison 2019

Oscar-Lounge

Ihr seid gleich zu diesem Abschnitt vorgesprungen, gebt’s zu! Na schön: Am Rondell, auf den heiligen Stufen hinab zum Theaterplatz, thront erstmals die brandneue „Oscar-Lounge“. Ein exklusives, überdachtes Plätzchen hinter der Cocktailbar – ein bisschen also wie die Winkelgasse hinter dem „Tropfenden Kessel“.

Kundenevents wie XING Backstage haben das Areal bereits für sich entdeckt. Aber nicht nur Firmen frönen hier ausgelassen der Networking- oder Kinolust – auch der Otto-Normal-Gast darf in der Oscar-Lounge auf Liegestühlen chillen und mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen. Auch nach dem Abspann noch, zum Beispiel weil die Nachtlinie im Stau steht oder der Film einen so mitgenommen hat! Nur reguläre Platzkarten gibt es für diesen Bereich nicht zu kaufen.

Wie die Oscar-Lounge aussehen wird? Keine Ahnung, ganz ehrlich! Müsst ihr Freitag wohl selbst zum ‚Grand Opening‘ vorbeikommen…

Handwerker malert Holzplatte rot

Hoffentlich beißt sich das Rot nicht mit dem Filmnächte-Blau…

Parkett und Stühle

An den Stuhlreihen hat sich nicht allzu viel verändert – ich empfehle weiterhin, Sitzkissen mitzubringen. Zum Glück wurden jedoch die Abstände zum Sitznachbarn vergrößert, sodass keiner Angst haben muss, andere Besucher mit kleinsten Bewegungen beim Schluchzen, Schnäuzen oder Lachen physisch zu belästigen. Nice!

Um den Konzert-Veranstaltern zu John Fogerty, Amy Mcdonald & Co. Sorgenfalten beim ständigen Umbau zu ersparen, fällt der Parkett-Fußboden samt Lautsprecher-Armada weg. Bedeutet, dass Bierchen oder Cocktails sich nun nicht mehr auf den klobigen Boxen parken lassen, womit wir zum nächsten Punkt kommen…

Neues Soundsystem

Es ist zwar erstmal eine Testphase, aber die Sound-Technik der Filmnächte-Kindheit 2011 ist inzwischen erwachsen geworden: Nun ist Frontbeschallung für den gesamten Platz möglich! Zwei Lautsprecher sollen dieses Jahr von vorne für den guten Ton sorgen.

Dadurch überhört man auch auf den seitlichen Bierbänken oder als ‚Nachholer‘ am Gastro-Schalter keinen flotten Spruch mehr. Außerdem sollen generell Dialoge besser zu verstehen sein (auch in der Lounge, wo zusätzliche Lautsprecher installiert sind).

Für die Zukunft ist so endlich auch hochwertiger Surround-Sound denkbar. Bin gespannt, wie sich das Ganze in natura anhört – ihr auch?

Fazit: ‚Schnugglisch‘, wie der Sachse sagt!

Mir gefällt, dass die Filmnächte nicht auf der Stelle treten, sondern trotz Kostendruck immer etwas Neues wagen. Und was man davon bisher sieht, scheint wirklich gelungen!

Zudem ein großes Lob an die vielen fleißigen Beleuchter, Tischler, Sound-Experten und Helfer jeglicher Art – ab Freitag präsentiert sich der Theaterplatz dank euch in seinem schönstem Sommer-Dress, nämlich dem strahlenden Filmnächte-Blau-Gelb! Überzeugt euch selbst…

Zum Schluss noch 3 Fragen an…
Markus Richter (Produktionsleitung)

Mit wie viel Vorlauf vor der Saison beginnt dein Einsatz für die Filmnächte?

Die Planung startet bereits ein Dreivierteljahr vorher, wenn über Neuerungen und Verbesserungen gesprochen wird. Tatsächliche Meetings mit Ämtern, der Stadt etc. folgen dann etwa ein halbes Jahr vor Festival-Beginn.

Markus Richter in der Filmnächte-Lounge

Koordiniert und dirigiert sein Team, packt aber auch fleißig selbst mit an: Markus Richter

Wenn dir eine gute Produktions-Fee 100.000 € mehr zur Verfügung stellen würde, wofür würdest du die Knete investieren?

Natürlich für einen exzessiven Mallorca-Urlaub! Spaß beiseite, das Geld würde als erstes in eine hochwertige Parkett-Bestuhlung gehen. Danach wäre die Lounge dran, die man als Containermodell auf zwei Etagen aufteilen könnte –

im „Erdgeschoss“ gäbe es Popcorn, Getränke & Co., oben würden -mit perfekter Aussicht- die Lounge-Gäste sitzen.

Ein anderes Investment wäre eine stattliche LED-Leinwand – mit Firmen wie Samsung als Vorreiter sind die inzwischen so leuchtstark und funktionstüchtig, dass sie auch bei Tageslicht alles gut zeigen. Für die Zukunft auf jeden Fall ein spannendes Thema, das mit dem Tageskino ja bereits ausprobiert wird.

Wenn du nicht gerade bei 36 Grad an der Filmnächte-Kulisse werkelst – wie genießt du den Sommer am liebsten?

Ganz klar auf dem Rennrad – da ich in Dresden wohne, meistens den Elberadweg entlang. An der Ostsee widme ich mich auch gerne dem Segeln.

Bonus-Frage: Verrätst du, wo man am besten sieht und hört?

Aber nicht weitersagen, okay? Reihe 8-10, also tatsächlich ziemlich mittig im Parkett!

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