Oscars vs Covid-19- ein Duell der Giganten?

Posted by Anne Friedrich. Categories: Uncategorized.

Es war anders. Es war bunt. Es war lustig. Es schrieb Geschichte. Es war nicht ohne Pannen. Es fehlte so einiges. Und im Endeffekt fragten wir uns alle inständig, ob diese eine Nacht nicht die langersehnte Premiere eines sehr kontrovers diskutierten ethnischen Narratives war, welcher sich im Mantel eines 3 aktigen Dramas in bewegten Bildern in Millionen von Haushalten auf der ganzen Welt hüllte. Und das Beste daran? Wir alle waren seit Monaten und mithilfe unserer digitalen Stimmen unterbezahlte Komparsen, die von ihrem Glück bis zum Ende hin nichts wussten….

Teaser

Doch fangen wir einmal ganz von vorne an. Wir alle wussten, dass die 93.Oscarverleihung eine ganz Besondere werden wird. Nicht nur, weil sie wie jedes Jahr den Höhepunkt einer intensiven und eigentlich auch sehr kurzweiligen Awardseason darstellt, sondern auch, weil die Academy besonders in diesem Jahr durch ihr asynchrones Verhalten vor der Verleihung viele Gerüchte hat selbst aufkommen lassen. Gewöhnlich standen die Nominierten bereits einige Wochen nach den Golden Globes© Ende Januar fest, gefolgt von der Ankündigung eines oder mehrer Moderator*Innen, sowie bis spätestens Mitte Februar das Thema des Abends. Danach folgten fast täglich neue News bezüglich der prominenten Laudator*Innen. So weit. So gut. Doch all dies fiel dieses Jahr irgendwie weg und den cineastischen Anhängern wurde erst in der allerletzten Sekunde das letzte Fünkchen an Informationen serviert. Reichte ja nicht aus, dass wir dank Covid-19 nur einen Bruchteil aller nominierten Filme sehen konnten- an dieser Stelle sollte man alle VPNs zu Hulu und HBO Max heilig sprechen- und somit nicht der Pegel an sich, sondern allein seine Höhe im nächtlichen Oscarquiz hinterfragt werden musste. All das führte bis Mitte März 2021 zu einem mehrheitlichen Unbehagen und eigentlich hatten wir alle nach den vielen misslungenen Zuschalten der vorherigen Preisverleihungen, also falls es denn wirklich eine Zuschalte gab und nicht die Kuh in Tennesee mal wieder auf der hauseigenen Leitung stand, irgendwie auch keine Lust mehr auf ein Fremdschämen des Goldjungen in 2.0. Somit erreichte der Teaser dieses Spielfilms nur sehr wenige Klicks und die Engagement Rate auf den Distributionskanälen musste definitiv zunehmen. In diesem Fall wurden wir mit der Ankündigung einer neuen Location, einem völlig neuem Setdesign und einer Neuausrichtung im Ablauf gekapert. Der Slogan war „weg vom altehrwürdigen Dolby Theatre und hin zu einer die Welten verbindenden Union Station“. Vor allem der Outdoorbereich sollte dabei an einen Aufenthalt im „Garden of Allah“, einem Gemälde von Maxfield Parrish aus dem Jahre 1918, erinnern und den Slogan auch visuell neu interpretieren. Und ich meine, die ersten Skizzen sahen doch sehr vielversprechend aus, oder?

Doch mehr geschah leider nicht und den Fans blieb also nichts anderes übrig als am 26.04.2021 ab 00:40 Uhr deutscher Zeit dem Trailerbombing des deutschen Haussenders Pro7 und seinem amerikanischen Schwesterkinder ABC in einer Art Pre-Show beizuwohnen und einfach dann keine Chance mehr auf ein Wegschalten zu haben….

Trailer

Als fleißige Social Media Follower habt ihr ja bereits während unseres „Filmnächte Oscar Special“ erfahren, dass dieser rote Teppich, die wohl wichtigste PR-Veranstaltung vor der eigentlichen Verleihung ist. Es wird nicht nur darauf geachtet, von wem das Kleid und der Schmuck stammt oder wen man als sein ganz persönliches Eyecandy an der Hand über den Roten Teppich führt, nein, es geht hier vielmehr darum vor der internationalen Presse Sympathiepunkte zu sammeln. Es ist völlig egal wie du arbeitest oder welchen Eindruck du bei deinen Kolleg*Innen hinterlässt, auf dem Roten Teppich sind wir alle ein Team, eine große Familie und eine Front, über der seit vielen Jahren eine Vielzahl an Hashtags zur verbalen Auspeitschen eines eingerosteten Systems hängt. Die letzten Jahre hatte man durch die Größe und die zugelassene Masse der Menschen am Roten Teppich dieses Auspeitschen mit seinem eigenen Verhalten vorzuführen oder vielleicht doch dem Bemühen der Academy Tribut zu zollen. Dieses Jahr war es dahingehend besonders spannend, weil sich 1. insgesamt nur rund 170 Nominierte und Laudator*Innen in der ganzen Location aufhalten durften, 2. weil es keine „Red Carpet Lanes“ zum Verstecken oder schnellen Hindurchlaufen gab und weil 3. auch insgesamt nur 12 internationale Presseteams am roten Teppich standen und man so zwar selektiver, aber auch viel empathischer, agieren musste.

Mein persönliches Highlight war in diesem Zusammenhang das Aufeinandertreffen von Leslie Odom Jr. und Glenn Close. Ich meine, c´mon! Alexander Burr aus „Hamilton“ trifft auf Nora Desmond aus „Sunset Boulevard“– also wenn das keine theatralisch/ musikalische Explosion darstellt, dann weiß ich auch nicht. Die beiden kannten sich aus früheren New Yorker Theatertagen und so wirkte es weder gekünselt noch gespielt, sondern mit sehr viel Respekt und in enorm ehrlicher Anerkennung der gegenseitigen Leistung. Ganz anders und vor allem sehr befremdlich fand ich dagegen das Aufeinandertreffen von Carey Mulligan und und Vanessa Kirby. Beide für ihre sehr guten Leistungen in der Kategorie der „besten Hauptdarstellerin“ nominiert, versuchte unser deutsches Pendant Steven Gätjen sich den eigenen Wunsch eines Interviews mit Vanessa Kirby zu erfüllen und gleichzeitig mit aller Macht einen ähnlich schönen Moment zwischen diesen beiden zu (er)schaffen, wie es zwischen Leslie und Glenn der Zufall wollte. Vergebens und mit Verlust vieler Sympathiepunkte seitens Vanessa Kirby muss ich ehrlich zugeben.

Und was nehmen wir sonst noch von der eigentlichen Reizüberflutung, auch genannt Red Carpet, mit? Kaum Interviews und gefühlt war der gesamte Teppich eine komplette „Fast Lane“. Ganz zu schweigen vom UnSATZ des Abends. „Yes, I will come back later!“ und Zack- vollends in der Location verschwunden. Es gab vergleichsweise wenig wirkliche Fashionmomente und man muss auch ehrlicherweise zugeben, dass niemand an den zeitlosen Glamour einer Charlize Theron oder der Exotik einer Cher rankommt. Dennoch wissen wir, dass ALLES im Bereich des Kinos eines Weile braucht, um vollkommen verstanden zu werden. Und so passiert es auch, dass, wenn wir uns einige Kleider und Anzüge im Nachgang der Verleihung noch einmal ganz genau anschauen und ordentlich Recherche betreiben, wir feststellen, dass jedes einzelne von Ihnen bedeutungsvoller und intimer als jemals zuvor war. Amanda Seyfried trug ein Kleid von Armani Privé, welches den Glanz des alten Hollywoods wieder zum strahlen brachte und welcher für sie der Auslöser ihrer Schauspielkarriere war. H.E.R. trug einen Cape-Look von Dundas, der an das Oscaroutfit ihres Vorbilds Prince von 1985 erinnern sollte, in dem Jahr als „Purple Rain“ einen Oscar als „Bester Song“ erhielt. Und der zweifache Oscranominiée Leslie Odom Jr. trug einen goldenen Anzug von Brioni, dessen Farbe ein leuchtendes Symbol der mehrfach vertretenen schwarzen Community im diesjährigen Oscarrennen und der sich verändernden Filmwelt darstellen sollte- „Vanity Fair Oscar Portrait Studio 2021“:

Der Trailer, in welchem wir uns nunmehr seit einigen Absätzen befinden, gibt jedem potentiellen Kinobesucher bereits in den heimischen 4 Wänden ein erstes Gefühl für all das was auf ihn zukommt. Wir entscheiden uns danach ganz individuell für oder gegen diese absolut nachvollziehbare Geldanlage, auch Kinokarte genannt. Und so hieß es ab 02:00 Uhr deutscher Zeit- Licht?Ja.Kamera?Ja.Action! und das Drama-oh Pardon- ich meine natürlich die Verleihung- nach einem Vorbild von Aristoteles und produziert vom Pandemieexperten Steven Soderbergh nahm in 3 konkurrierenden Akten unweigerlich seinen Lauf.

Akt 1

Im 1. Akt eines Regeldramas werden alle (zu) handelnden Personen vorgestellt und der dramatische Konflikt kündigt sich an. In unserem speziellen Fall wurden die unterschiedlichen Rollen der zu handelnden Personen den angekündigten Laudator*Innen zugeschrieben. Denn wer sonst kann eine filmische Handlung so ins Schwanken bringen, wie die Laudotr*Innen, die mit ihrer Verkündung alle vorherigen Prognosen auf den Kopf stellen. Vorgestellt wurden all diese Atlanten durch einen inszenierten Vorspann, in dem sich Regina King in einem epischen Walk, inklusive Oscarstatue in ihrer rechten Hand, aus dem „Garten von Allah“ in die eigentliche Location in der Union Station aufmachte und einerseits für den gekonnten Umgang mit ihrem Kleid und dem meiner Meinung nach sehr sympathischen Stolperer am Ende des Walks sicher von Heidi Klum ein Ticket für die Top 10 bekommen hätte. Wenn nicht, wäre sicher auch in Starlight Express noch eine Rolle für sie frei gewesen….

Im Anschluss daran übernahm Regina King die Aufgabe der altbekannten Moderatorin und begrüßte die 170 Nominierten zu Beginn der knapp 3 stündigen Show mit einer Rede, die zwar sehr wenig persönliche Emotionalität zeigte, aber den Nagel auf den Kopf traf. Denn ja, es gibt zum jetzigen Zeitpunkt und in dieser einen Welt sicher Wichtigeres als den heutigen Abend. Aber er soll uns helfen nicht die Balance und vor allem nicht das zu verlieren, was uns zu dem gemacht hat, das wir heute sind. Und ja, es ist absolut korrekt, dass in der Welt der Filmschaffenden der Oscar, seine meist überdimensionierte Inszenierung und alle Diskussionen, die danach noch über Monate hinweg geführt werden, einfach dazu gehören. Es ist Teil eines Gesamtkonstruktes und alleine die Tatsache, dass ich dieser Thematik einen ganzen Blogbeitrag widme, zeigt doch eigentlich schon, dass die Macher ihr Ziel absolut nicht verfehlt haben.

Ich möchte es an dieser Stelle vermeiden euch jetzt jeden einzelnen Gewinner des Abends vorzustellen. Aber ich denke, ich werde in den verschiedenen Akten kurze Highlights ansprechen, die definitiv Geschichte geschrieben haben. Und so beginnen wir direkt mit der (chronologisch) ersten strahlenden Gewinnerin des Abends- Emerald Fennell. Sie gewann in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ für „Promising Young Woman“ und hell yes, was war das bitte für eine unglaublich sympathische Rede? Nicht nur, dass die 35-jährige Britin zusammen mit Chloé Zhao als einzige Frau seit Kathryn Bigelows Sieg im Jahre 2009 überhaupt mal wieder in der Kategorie „Beste Regie“ nominiert war und so schon Oscargeschichte schrieb, nein, uns allen kam das Gesicht doch irgendwie bekannt vor, oder? Absolut korrekt. Hier sehen wir Camilla Parker-Bowles, welche in Episode 8 aus Staffel 3 der 39-fach für einen Emmy nominierten britischen Erfolgsserie „The Crown“ uns alle das erste Mal zwischen Freude und Hass verzweifeln ließ. Mit Tränen in den Augen sprach sie allen eingefleischten Cineasten aus der Seele, denn wer von uns hat nicht schon einmal unter der Dusche seine Oscarrede einstudiert und gemerkt, dass 90 Sekunden wirklich eine fast unmögliche Herausforderung zum ausschweifenden Danken ist. Doch auch das war dieses Jahr ein wenig anders. Es gab kein Live-Orchester, auch nicht wie sonst immer in einem anderen Gebäude. Nein. Nichts. Und durch die fehlende Orchesterbespielung, konnten die Gewinner*Innen während ihrer Dankesrede nicht ausgeblendet werden. Für viele Anwesende war das ein sehr verwirrender Umstand, aber ich persönlich fand, dass man selbst als Zuschauer so besser und eher gespannt bis zum Ende jeder einzelnen Rede lauschte, ohne direkt auch selbst Angst zu haben, dass man beim musikalischen Überspielen das Wichtigste der Rede verpasst. Ja, man kann fast sagen, dass es wortwörtlich zu mehr Ruhe in der Verleihung führte. Der Gewinn Fennells war für mich in jeglicher Hinsicht ein absolut verdienter Gewinn, denn Talent trifft hier auf den richtigen Charakter. Und sollten wir sie in Zukunft erst einmal eine Weile nicht vor oder hinter der Kamera arbeiten sehen, obvisouly aus mehreren Gründen, rate ich jedem sich ein Ticket für Andrew Lloyd Webers neu komponiertes Musical „Cinderella“ im Gillian Lynne Theatre im Londoner West End zu kaufen, denn da war bzw. ist Fennell für das Schreiben der vertonten Buchvorlage zuständig. An dieser Stelle noch ein kleiner Nerdalarm– dieses Musical wurde komplett neu komponiert und inszeniert und ist bitte nicht mit der 1957er Version von Rodgers & Hammerstein „Cinderella“ zu verwechseln, in welchem die göttliche Julie Andrews die Hauptrolle spielte.

Akt 2

Im 2.Akt eines Regeldramas liegt der gesamte Fokus der Handlung auf der Verschärfung der Gesamtsituation und der Steigerung der Handlung bis zum erregenden Finalmoment in Akt 3. In unserem Fall haben wir hier im 2.Akt so einige Momente zu nennen, die exakt diesem zu erwartenden Schema entsprechen. Zu aller erst wäre da der historische Oscargewinn von Chloé Zhao in der Kategorie „Beste Regie“. Nicht nur schrieb die Nominierung an sich neben einer weiteren von Emerald Fennell in derselben Kategorie Geschichte, nein, auch so war die 30-jährige Chinesin die erste „Woman of Colour“ die diesen Preis gewann. Und seien wir doch mal ehrlich, was können wir in diesem Zusammenhang von den derzeit erfolgreichsten Frauen in der Filmindustrie lernen? Bodenständigkeit. Denn Fennell, als auch Zhao, trugen unter ihren Kleidern Sneaker. Optisch kann man somit nicht noch mehr auf den starren Dresscode dieser Verleihung s****. Apropos…kommen wir in diesem Zusammenhang zu einem der, meiner Meinung nach, 2 größten Arschlochmomente des Abends- der Übergabe des sogenannten „Jean Hersholt Humanitatian Award“. Als respektable Auszeichnung aller sich in der Filmindustrie über das reine Filme machen hinaus engagierenden Menschen, soll dieser Award für Aufmerksamkeit bezüglich eines ganz individuellen humanitären Engagements sorgen. Nehmen wir also einen Bryan Cranston in einem nagelneuen Smoking, der in einem verlassenen Dolby Theatre auf, vor allem derzeit durch Covid-19 von der Außenwelt abgeschnittene, ehemalige Filmschaffende verweist, die ihren letzten Abend aufgrund einer jahrzehntelangen hauptsächlich migartionsbedingten Unterbezahlung auf die Hilfe des Motion Picture & Television Fund, „MPFT“, angewiesen sind. Egal ob bezüglich eines altersgerechten Wohnsitzes oder etwaiger sozialer bzw. finanzieller Leistungen. Die „MPFT“ kümmert sich um ihr Netzwerk an Filmschaffenden bis ins hohe Alter. So die Theorie. An sich ist das natürlich eine schöne Geste, jedoch frage ich mich ernsthaft, wie es 1. überhaupt so weit kommt, dass man Filmschaffende so sehr unterstützen muss und 2. fand ich die Inszenierung der Übergabe absolut daneben und von oben herab. Gilt der Dresscode nicht für alle? Ach nein, Normalsterbliche in dieser Branche werden weder gesponsert, noch können sie sich einen Smoking oder Abendkleid im 4stelligen Bereich leisten. Schade. Die Idee war vielleicht gut, der Rest dahinter aber absoluter Müll. Und ja, meinen Recherchen zufolge wird dieser Award in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder verliehen, wenn die Not am größten und das Ego der Academy am leisten war. Aber bis dato war er kein prominenter Teil der Oscarverleihung.

Womit wir auch schon beim 2. Arschlochmoment des Abends wären- „In Memorian“. Grundsätzlich finde ich es überhaupt nicht verhandelbar, dass in einer so denkwürdigen Verleihung verstorbene Filmschaffende NICHT gewürdigt werden. Die letzten Jahre war dieser Moment immer einer der Emotionalsten, begleitet von einer Live-Performance, die wirklich jeden Zuschauer zum Weinen brachte. Doch als Angela Basset ihre Rede über mehr als 3 Millionen Tote weltweit begann, wurde mir irgendwie klar, dass diese Form der Würdigung dieses Jahr eine absolut Falsche werden würde. Nicht nur hatte ich das Gefühl, dass sich mit dieser Aktion die Filmindustrie wieder einmal über alles stellt, nein, vor allem die musikalische Untermalung war unpassend, genau wie das Tempo. Blinzelte man einmal kurz, waren Christopher Plummer, Helen McCrory und Ennio Morricone direkt schon durchs Bild gezischt. Ich kann es ehrlich nicht genau sagen und vielleicht war genau dieser Moment der eingangs von Regina King erwähnte Balanceakt im bekannten Gesamtkonstrukt, der vor allem in Hinblick auf ein Leben nach Covid-19 so wichtig ist. Aber nein, pietätvoll wäre sicher etwas anderes gewesen…. Apropos musikalische Untermalung….klingelt da was bei euch? Nein? Bei mir auch nicht, denn es gab ja keine richtige Untermalung. Ok, der amerikanische Schlagzeuger und Produzent Ahmir Khalib Thompson, auch bekannt als „?estlove“, sollte zusammen mit seiner Hip-Hop-Band „The Roots“, bekannt aus der Late Night-Show von Jimmy Fallon, speziell für diesen Abend mit eigens komponierten Sounds für unverwechselbare Momente sorgen. Doch hieß das von Anfang an, dass wir auf Gänsehautmomente durch Live-Performances verzichten müssen? Wo waren die Nominierten in der Kategorie „Bester Song“? Im Vorfeld der Verleihung wussten wir ja, dass alle Songs dieser Kategorie bereits in unterschiedliche Locations live aufgenommen wurden. Und so dachte jeder Zuschauer, dass diese Aufzeichnung dann in der Show gezeigt werden würden. Aber nein. Einzig und allein der Auftritt von Leslie Odom Jr. mit seinem Song „Speak Now“ aus dem Film „One Night in Miami“ wurde als Teil der ABC Pre-Show dem amerikanischen Publikum exklusiv gezeigt. Eine unschöne Entscheidung, die einen großen Schatten über die Qualität der 93. Oscarverleihung wirft.

Und nein, da kann auch die epische „Da Butt“-Einlage von der leider größten Verliererin des Abends Glenn Close, welche von 8 Nominierungen in ihrer gesamten Schauspielkarriere unverständlicherweise noch keinen einzigen Goldjungen mit nach Hause nehmen konnte, auch nichts mehr rausreißen. Somit sehe ich es als meine Aufgabe, euch zumindest meine diesjährigen „Bester Song“ Favoriten „Husavik“ aus dem Film „Eurovision Song Contest“ mit Rachel McAdams und Will Ferrell etwas näher zu bringen. Also, klick and enjoy und ja, das im Hintergrund sind echte Polarlichter!

Ich denke wir sind jetzt am richtigen Punkt angekommen, um über den eigentlichen Höhepunkt dieser Verleihung zu sprechen…

Akt 3

Im 3.Akt eines Regeldramas befinden wir uns auf dem Höhepunkt der Handlung. Es ist der Punkt über den jeder Zuschauer noch lange nach dem Beenden der Geschichte sprechen wird. Und was wäre hierbei passender als die Preisvergabe in der Kategorie „Bester Film“. Eigentlich war uns allen der Sieger klar, aber als dann doch wirklich „Nomadland“ gewann und wir ein La La Land-Gate ausschließen konnten, fühlten wir, dass gerade eben Geschichte geschrieben wurde. Nicht nur erhielt Chloé Zhao ihren 2.Oscar mit ihrer 2.Nominierung überhaupt, auch gab es uns ganz bewusst ein Gefühl von Freiheit. Die Freiheit Inhalte an die Spitze zu wählen, die ja, in dem einen Jahr sehr gesellschaftpolitsich sind, aber in einem anderen die Sehnsucht aller Cineasten nicht schöner hätte vereinen könnte. Und mit diesem Gefühl sollte man einen Spielfilm, wie es die 93.Oscarvelreihung auch sein sollte, getrost beenden. Als Zuschauer*Innen geht man jetzt aus dem Kinosaal und lässt alles erst einmal auf sich wirken. Man entscheidet ganz spontan, ob einem dieser Film gefallen hat oder nicht und ja, erst dann, denkt man über Special Effects, Musik oder eben zuletzt auch die Hauptdarsteller*in nach. Deshalb finde ich die Reihenfolge der Preisübergabe im diesjährigen Rahmen unfassbar intelligent gemacht und es hat tatsächlich vieles für mich unheimlich aufgewertet. Was aber danach passierte, hatte keiner so in seinen Büchern stehen.

Abspann

Im Abspann war so weder der Gewinn von Frances McDormand in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ für „Nomadland“ noch der von Sir Anthony Hopkins- ja, für den exakten Titel muss man schon noch Zeit finden- in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für „The Father“ absehbar. Es wurde einfach immer weiter Geschichte geschrieben und Frances McDormand erklimm neben Meryl Streep und direkt hinter Katharine Hepburn das Treppchen mit den meisten Oscargewinnen überhaupt. Aber nicht nur das, nein, sie ist bis dato die einzige Frau in der Oscargeschichte, die alle 3 Nominierungen direkt in Gewinne umwandeln konnte. Und Sir Anthony Hopkins? Ja, der ist mit seinen 83 Jahren der nun älteste Oscargewinner. Ich denke, da kann man ihm sein Verschlafen zur Verleihung mehr als nur verzeihen.

So Freunde der Sonne und was nehmen wir nun aus diesem ganz besonderen Abend mit? Für mich persönlich ist sehr vieles schief gelaufen, aber es gab auch genauso viele wunderschöne Momente. Dass wir in Zeiten einer Pandemie leben und somit bei vielem auch Abstriche machen müssen, ist uns allen nach über 1 Jahr mehr als klar. Aber dieser Umstand darf nicht als Entschuldigung für fehlende Kreativität missbraucht werden. Es war ein historischer Abend in vielerlei Hinsicht, was mich einerseits sehr gefreut und andererseits auch sehr stutzig gemacht hat. Wird die Academy dieses Level an Diversität auch die nächsten Jahre halten können? Ich meine den ersten sehr vagen Voraussagen zufolge, können wir uns auf ein sehr spannendes Kinojahr 2021/2022 freuen…oder um es mit den Worten von Frances McDormand zu sagen:

„[…] Please watch (our) movie(s) on the largest screen possible, And one day very, very soon, take everyone you know into a theater, shoulder to shoulder in that dark space and watch every film that’s represented here tonight. […]“

…denn darum geht es bei allem dem doch eigentlich auch nur. Um das Teilen einer gemeinsamen Liebe für die noch so kleinsten Geschichten unseres Lebens auf der großen Leinwand.

Allein ins Kino – Ein Plädoyer

Ich behaupte mal ganz lässig, kein Mof zu sein. Dennoch gehöre ich zu den eigentümlichen 13% aller Menschen, die (auch) allein ins Kino gehen (laut FFA). Im Rückblick ist dieser Wert übrigens schon gestiegen, 2013 waren es nur 10%.

„Aber… man geht doch nicht allein ins Kino!?“

Selbst eine Mini-Umfrage im cineastisch geprägten Filmnächte-Programmbeirat zeigt: Die Mehrheit zieht eher selten (10% aller Filmsichtungen) ohne Begleitperson los, manche sogar „NIEMALS!!“. Nur ein Kollege konsumiert Kinofilme ähnlich wie ich häufig (2/3 aller Besuche) „allein, allein…“. Und er -kaum zu glauben- hat dabei Spaß!

GIF aus "Die fabelhafte Welt der Amelie": Amelie sitzt im Kino

Aus diesen stümperhaft erfassten Daten und meiner eigenen Erfahrung will ich hiermit eine Lanze brechen (*knack*) und Gründe darlegen, weshalb es sich lohnt, allein ins Kino zu gehen.

Euer Ehren, ich plädiere für Freispruch!

Grund #1 – Keine Kompromisse

Das ist auch gleich der offensichtlichste Grund: Schluss mit „Wenn, dann…“ und „Ja, aber…“!

Einige Beispiele:

  • Die Freundin rebelliert gegen Sci-Fi, der Arbeitskollege sträubt sich gegen Animationsfilme
  • Eure Kumpels gehen immer Samstagabend zur überteuerten Prime Time, die früheren Mitbewohner nur dienstags, ausgerechnet während eures Judo-Kurses
  • Hannah hasst Multiplex-Kinos, Peter kommt ungünstig zum Clubkino raus
  • Freund A hat den neusten Blockbuster längst gesehen, Freund B streamt ihn planmäßig im Heimkino und Freund C wollte sowieso lieber ins Theater…

Und verzweifelt ihr nicht auch daran, Weihnachten einen für die ganze Sippschaft geeigneten Kinofilm herauszufiltern, der nicht mit der durchgeplanten Festtags-Agenda kollidiert? Nach hitzigen Debatten läuft das meist darauf hinaus, dass man sich wie im Simpsons-Intro auf die heimische Couch zwängt und zum 100. Mal „Kevin allein zu Haus“ anguckt. Nichts gegen Kevin und altmodischen Slapstick, aber, puuuh…

Wer alleine loszieht, bestimmt hingegen Kino, Uhrzeit, Sitzreihe, Snacks und natürlich den Film selbst. Eine Freiheit, die auch Spontanität erlaubt. Schon mal dem wahnwitzigen Reflex nachgegeben, sich nach dem Abspann gleich in den nächsten Film zu setzen? Elektrisierend, ich kann’s nur empfehlen (Bezahlen nicht vergessen)!

Blog-Autor Jakob mit zwei Pokémon-Sammelkarten, draußen in der Chemnitzer Innenstadt

Nachmittags im Kino, und dann auch noch zu „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ – nerdiger geht’s wohl nicht? Tja, ich konnte ja auch Zeit und Film selbst bestimmen…

Grund #2 – Völlige Hingabe

Gehört ihr auch zu denjenigen, die bei einer bewegenden Abschieds-Szene lieber nochmal in ihre Chipstüte greifen oder sich schmerzhaft auf die Zunge beißen, anstatt einfach eine Träne zu verdrücken? Wenn einen die neuen Kollegen oder unbekannte Schönheiten im Kinosessel flankieren, möchte man seinen Emotionen vielleicht sagen: „Bis hierhin und nicht weiter, ich bin unter Menschen!“

Dabei hat es der Film möglicherweise verdient, dass man sich seiner Handlung, den Motiven oder Bildern vollends hingibt. Wer alleine in der letzten Reihe sitzt, darf hingegen nach Herzenslust schluchzen, lachen und fluchen.

Für mich gehört dazu auch, die Armlehnen hochzuklappen, Schuhe auszuziehen und sich richtig in den Sitz zu fläzen. Ziemt sich nicht in der Öffentlichkeit? Stellt ihr’s einigermaßen bedacht an, sieht es doch keiner!

Luxuriöser Kinosessel mit Snacks und Kaffeebecher

Toll: Die besten Reihen im Luxussaal (hier das „Pollux“ in Paderborn) für sich alleine haben und in Ruhe einen Film genießen

Auch entgeht man so unsensiblen („Hey, ist nur’n Film, der Hund ist nicht wirklich tot“), nervigen („Das war ja soo klar…“) und überhasteten  („So, können wir los? Was gibt’s heute Abend zu essen?“) Kommentaren während oder nach dem Film. (Tatsächlich wurde ich mal MITTEN im Film, völlig kontextlos, von meinem Sitznachbarn gefragt: „Und du singst also im Chor?“)

 

Grund #3 – Trotzdem sozial

Lasst mich etwas ausholen: Habt ihr jemals in Betracht gezogen, alleine feiern zu gehen? Für die meisten ist es schon der blanke Horror, im Club seine Clique eine Viertelstunde lang aus den Augen zu verlieren. Als ich das Experiment vor einigen Jahren wagte, kam ich mit unzähligen Fremden ins Gespräch – eine tolle Erfahrung!

Auch alleine im Kino kann das gelingen, besonders nach dem Abspann. Einfach ungeniert ins Gefachsimpel der Nachbargruppe einsteigen oder auf das mürrisch grummelnde Pärchen hinter einem eingehen: „Euch hat’s wohl nicht so gefallen?“. Keine clevere Gesprächseröffnung nötig, das Topic ist ja glasklar. Ein bisschen Überwindung ist natürlich nötig, aber der innerliche Schubser lohnt sich.

Gerade in arthousigeren Filmen bemerke ich zudem immer häufiger Gäste ohne Begleitung, die bestimmt für einen Plausch zu haben sind (wenn nicht gerade ihr Interesse an einer Toilette größer ist). Genauso wie ihr wollten sie den Film jedenfalls unbedingt sehen.

Fakt ist: Während der Vorstellung quasselt man eh nicht, aber der anschließende Meinungsaustausch fehlt mir als ‚Kinosaal-Single‘ tatsächlich manchmal. Glücklicherweise geht das im Programmbeirat, aber auch im Internet oder auf Partys, sobald das Thema ‚Kino‘ aufploppt. Und sogar bei den Filmnächten! Der Programmbeirat wuselt fast immer in Biertisch-Reichweite oder in der Oscar-Lounge herum (Gesichter einprägen!), also gerne mal nach Filmende rüberkommen und ‚Hallo‘ sagen.

Ausgang der Filmnächte Chemnitz mit Schrifttafel "Schön, dass Du da warst."

Niemand will mitkommen? Heul doch! Oder geh halt alleine – willkommen bist DU nämlich trotzdem!

Und das Urteil lautet: Gönn dir, trau dich!

Kino funktioniert als Gruppenerlebnis. Aber egal, ob ihr mit eigenem Grüppchen oder alleine unterwegs seid – als Teil der Saalgemeinschaft eint euch kurzzeitig das gemeinsame Interesse am Film. Darüber hinaus hat es viele Vorteile, alleine im Kino aufzuschlagen: Flexibilität, 100%ige Konzentration auf die Leinwand und dennoch die Chance auf ein deutlich sozialeres Erlebnis, als zuhause allein eine DVD zu gucken.

Und, was bislang vielleicht nicht erwähnt wurde: „Masturdating“ tut jedem mal gut!

Wie sieht’s aus: Wart ihr schon mal alleine im Kino? Konnte ich ggf. eure ‚Geht gar nicht‘-Meinung ins Wanken bringen? Teilt es uns über Facebook oder per Mail mit.

10 Filmnächte-Songs zum Mitsingen

Posted by Jakob Nützler. Categories: Uncategorized.

Am Lagerfeuer, im Chor, unter der Dusche. Irgendwo singt doch jeder! Dass man auch auf dem Theaterplatz leise summend oder fortissimo gröhlend in vertraute Melodien einstimmen darf, ist nur vielleicht nicht jedem klar. Dabei ist das Programm gerade dieses Jahr durchdrungen von echten Ohrwürmern.

Hier präsentieren wir euch 10 beschwingte Filmnächte-Songs aus der aktuellen Saison in chronologischer Reihenfolge – komplett mit Lyrics, damit ihr fleißig üben und mehr als bloß den Refrain mitsingen könnt. Dazu haben wir euch auch eine Youtube Playlist zusammengestellt. Also ölt eure Stimmbänder, holt die Feuerzeuge raus und fangt einfach an, mitzuträllern!

Übrigens: Konzerte klammern wir hier aus, sie hätten eine eigene Liste verdient.

1. Shallow (A Star Is Born)

Vor ausverkauftem Haus erwies sich „A Star Is Born“ als pompöse Ouvertüre für die diesjährige Filmnächte-Saison – und ich habe im Publikum bereits jemanden bemerkt, der die oscarprämierte Ballade „Shallow“ leise mitgesungen hat! Lady Gaga und Bradley Cooper geben hier alles (unvergesslich auch ihre gefühlvolle Performance bei den Oscars). Schnappt euch am besten einen Duettpartner und eifert ihnen nach!

Zugabe: Look What I Found (im Windschatten von „Shallow“ hätte hier aber jeder der übrigen 18 Original-Songs stehen können)

2. Weisstunoch (Gundermann)

Der mehrfach ausgezeichnete Musikfilm über den singenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann ist der verträumte Sonderfall auf dieser Liste. Nicht ganz leicht ins Ohr zu kriegen, kaum auf Youtube zu finden – aber deutsche Songtexte, die direkt ins Herz gehen. Alexander Scheer mimt den DDR-Liedermacher und interpretiert seine Werke mit viel Respekt, wie diese Studio-Aufnahme von Weisstunoch” zeigt. Auf dass dieser Sommer nicht so schnell vorbei geht.

Die Lyrics bitte in diesem besonderen Fall separat aufrufen!

Zugabe: Linda (auch Regisseur Andreas Dresen stimmt behutsam zum vielleicht beliebtesten „Gundermann“-Song ein; hier der Text dazu)

3. Night Fever (Saturday Night Fever)

Kaum zu glauben, dass dieser Tanzfilm von 1977 nicht früher bei den Filmnächten lief. John Travolta sorgt darin für schillernde Bilder und heiße Moves, die Bee Gees für den unvergesslichen, noch und nöcher verkauften Soundtrack. Der ikonische „Night Fever“ ist sicherlich etwas hoch, um ihn optimal nachzusingen, damit aber der perfekte Song zum Vorglühen und Feiern. Wo bleibt die „Saturday Night Fever“-Party, analog zu „Dirty Dancing“ und „Mamma Mia!“?

Zugabe: How Deep Is Your Love (genau der richtige Kontrast zum oft so ausgeflippten Disco-Klang der Bee Gees)

4. We Are The Champions (Bohemian Rhapsody)

Wie soll man bei einem Biopic über die wahrscheinlich größte Rockband aller Zeiten bitteschön nicht mitsingen?! Eben. In den USA wurde deshalb eine Sing-Along-Version in die Kinos gebracht. Und im fulminanten Finale des Films dürfte es auch dem größten deutschen Gesangsmuffel schwer fallen, nicht zumindest zaghaft singend Teil des „We Are The Champions“-Chors zu werden – so ging’s mir jedenfalls, und ich bin nicht mal richtiger Fan!

Ratschlag zum Schluss: „Bohemian Rhapsody“ ist mit Abstand der stärkste Film im Vorverkauf. Also zögert nicht zu lange, falls ihr am 20.07. Freddie Mercury & Co. auf dem Theaterplatz erleben wollt!

Zugabe: Don’t Stop Me Now (schließt im Film direkt an „We are The Champions“ an und eröffnet die Credits – lasst euch also nicht aufhalten, sondern singt weiter!)

5. Rocketman (Rocketman)

Der erste Trailer zum Elton-John-Biopic ließ mich nach dem grandiosen Queen-Portrait eher kalt, doch inzwischen höre ich den Soundtrack rauf und runter – und singe mich mit „Rocketman“ und „Saturday Night’s Alright“ warm für unseren Musiksamstag am 27.07.! Laut Kritikern ist das Drama gar besser gelungen als „Bohemian Rhapsody“. Habt ihr’s schon gesehen? Taron Egerton erhielt von Elton John jedenfalls viel Lob für seine Performance – was ich gerne glaube, schließlich überzeugte er stimmlich schon im Animationsfilm „Sing“.

Zugabe: Saturday Night’s Alright (For Fighting) (die Strophen sind knifflig, der „Saturday“-Refrain umso spaßiger und einfach zu merken)

6. Mamma Mia (Mamma Mia!)

Keine Ausreden mehr: Dieses mit Meryl Streep, ABBA-Ohrwürmern und Sommer-Feeling gespickte Kult-Musical schreit einem „Sing mit!!!“ geradezu entgegen. Beide „Mamma Mia!“-Filme gibt’s ja inzwischen auch als richtige Sing-Along-Ausgaben. Unter den 24 gefeatureten Songs einen Stellvertreter auszuwählen, ist da eigentlich unmachbar. Also bleiben wir beim titelgebenden „Mamma Mia“. Schillernde Kostüme, eine amüsante Handlung und die anschließende Party sind Pflichtprogramm bei den Filmnächten – passt nur auf, dass ihr am nächsten Morgen nicht total heiser seid!

Zugabe: Lay All Your Love On Me (Habt ihr einen ABBA liebenden Mann, der sich nicht zu schade ist, hier mitzusingen? Dann haltet an ihm fest!)

7. (I’ve Had) The Time Of My Life (Dirty Dancing)

Wenn es ein Song verdient hat, als ultimative Filmnächte-Hymne betitelt zu werden, dann dieser Schmuseklassiker. Der 1988er-Oscar für „The Time Of My Life“ scheint im Rückblick so selbstverständlich wie Melonenbowle, Wunderkerzen und „Dirty Dancing“-Party bei den Filmnächten (am 10.08. auf dem Theaterplatz). Unterschätzt aber nicht, wie schwer die hohen Passagen mitzusingen sind – oder kümmert euch einfach nicht um die Tonhöhe, sondern fühlt einfach die Musik!

Zugabe: Hungry Eyes (gleich der nächste 80s-Hit, der im Film zur unvergesslichen Tanzunterricht-Szene eingespielt wird)

8. The Place Where Lost Things Go (Mary Poppins‘ Rückkehr)

Auch wenn die Lieder im Musical-Sequel nicht ganz die Klasse eines „Supercalifragilisticexpialigetisch“ erreichen, erschafft Emily Blunt mit „The Place Where Lost Things Go“ einen wundervollen, tröstenden Song über den Verlust der Familie Banks. Völlig verdient gab’s dafür eine Oscar-Nominierung – und einen Platz in dieser Liste.

„Mary Poppins‘ Rückkehr“ landet bei uns 17:30 Uhr im Tageskino und läuft natürlich auf Deutsch – hier präsentieren wir aber das Original (sogar mit Filmszene aus der offiziellen Sing-Along-Edition). Mitsingen lässt sich natürlich auch die deutsche Version von Annett Lousan (hier die Lyrics).

Zugabe: A Cover Is Not The Book (jetzt aber noch was Fröhliches, bei dem die verantwortlichen Zeichentrick-Künstler und „Hamilton“-Star Lin-Manuel Miranda richtig zeigen dürfen, was sie drauf haben)

9. Speechless (Aladdin)

Gleich nochmal Disney, diesmal ein waschechtes Remake! Trotzdem werdet ihr „Speechless“, kraftvoll vorgetragen von Naomi ‚Jasmin‘ Scott, nicht sofort mitschmettern können. Die Ballade wurde unter anderem von den Komponisten von „La La Land“ eigens für den 2019er „Alladin“ geschrieben. Ein sicherer Oscar-Song für 2020? Möglich, bei mir weckt er Erinnerungen an Disneys „Let It Go“. Julia Scheeser singt übrigens in der deutschen Übersetzung „Ich werd niemals schweigen“. Und das solltet auch ihr nicht, wenn ihr am 16.8. zur Film-Vorstellung vorbeischaut – egal wie ausgefeilt eure Stimme ist!

Zugabe: Friend Like Me (Klassischer Disney-Hit, diesmal verziert von Will Smiths Rap- und Beatbox-Einlagen)

10. All You Need Is Love (Yesterday)

Nach Queen und ABBA nun also zum dritten Mal die Mammutaufgabe, lediglich EINEN Song aus dem umfangreichen Repertoire einer Top-Band auszuwählen: den Beatles! Weil „All You Need Is Love“ wohl das große Sing-Along-Finale der Musik-Komödie „Yesterday“ darstellt, fällt die Wahl auf eben diesen Chartstürmer von John Lennon und Paul McCartney. Die Prämisse des Films, der am 21.07. läuft, klingt echt amüsant: Nach einem Stromausfall kann sich keiner an die Beatles oder ihre legendären Pop-Hits erinnern, außer ein erfolgloser Singer-Songwriter… Schauspieler Himesh Patel macht hierbei eine echt gute Figur dabei, „Yesterday“ &. Co nachzusingen! Aber hört selbst.

Zugabe: Let It Be (aber mal ehrlich, wer braucht dazu noch einen Songtext?)

Viertel vor Sommer: Alles zu Neuerungen & Aufbau

Posted by Jakob Nützler. Categories: Uncategorized.
In letzter Zeit mal mit Auto oder Straßenbahn am Theaterplatz vorbeigedüst? Dann dürften euch ein paar hervorblitzende weiße Zipfelmützen aufgefallen sein – die Gastro- und Lounge-Zelte stehen!

Seit fast 2 Wochen hämmern, schrauben, wuchten, schwitzen, malern, konstruieren, basteln und fachsimpeln bis zu 16 emsige Handwerker am Aufbau der Filmnächte Chemnitz. Teilweise am Wochenende und trotz Affenhitze. Völlig Banane! Und völlig verdient, dass wir deshalb mal genauer in Augenschein nehmen, wohin ab Freitag alle filmbegeisterten Chemnitzer pilgern.

Der große Wiederaufbau

Lastwagen auf dem Theaterplatz

„Nicht noch eine Baustelle….“ Aber hey, hier entsteht für Sie ein Freiluftkino!

Am Anfang war das Nichts…

…und ein leeres, ungenutztes Theaterplätzchen. Rückblende: Bei Nacht (aber ohne Nebel) treffen am Abend des 19.06. mehrere schwer beladene Lastwagen vor dem Opernhaus ein. Am darauffolgenden Morgen, lange noch vor dem ersten Knoppers, fällt der Startschuss für Produktions-Guru Markus Richter und sein Team. Unter Hochdruck wird alles entladen – das Abenteuer „Filmnächte-Aufbau 2019“ beginnt!

Der Aufbau ist, ganz ähnlich wie „Avengers“ oder auch „Kill Bill“, aufgesplittet in zwei spannungsgeladene Parts.

So endet die erste Hälfte nach einer knappen Woche für Lounge, Gastro-Pagoden und Cocktailbar, mit einem unbefriedigenden Cliffhanger: ein Kino ohne Leinwand und Stühle!

Eine kleine Verschnaufpause für alle Beteiligten ist das große Nachbarschaftsfest, welches am 29.06. auf dem Theaterplatz gastiert. Am 30.6. geht’s dann für die Filmnächte-Baumeister ins Endgame: Es bleiben 5 Tage für die nagelneue Oscar-Lounge, Airscreen-Leinwand, Büro- und Kassencontainer sowie gefühlt zweiundzwanzig weitere Elemente. Ein Zeitplan, enger gestrickt als je zuvor. Schaffbar? Vielleicht nur mit Zeitreisen…

Rekordverdächtig

Das aufwändigste Unterfangen steht gleich zu Beginn: 4 Lounge-Pagoden mit Zelten, Treppen, Zäunen und Schwerlastböden müssen hochgezogen werden. Und das gelingt den toughen Aufbau-Avengers sogar schneller als erwartet, auch dank Unterstützung eines opulenten Krans! Von dem liegen mir zwar keine Fotos vor – Augenzeugen berichten aber, er wäre ungefähr dreimal so hoch wie die Petrikirche!

Exorbitant sind auch die Zahlen rund um die Leinwand.

Deren Beschwerungen wiegen allein 18 Tonnen, damit Sturmtiefs trotz archaisch klingenden Vornamen nichts wegwirbeln können.

Genug des Vorgeplänkels, worauf dürfen sich Film-Fans denn nun freuen? Aufbau-Profi Markus Richter und Festival-Leiter Michael Claus haben mir ein paar Einblicke verschafft…

Neuerungen der Filmnächte-Saison 2019

Oscar-Lounge

Ihr seid gleich zu diesem Abschnitt vorgesprungen, gebt’s zu! Na schön: Am Rondell, auf den heiligen Stufen hinab zum Theaterplatz, thront erstmals die brandneue „Oscar-Lounge“. Ein exklusives, überdachtes Plätzchen hinter der Cocktailbar – ein bisschen also wie die Winkelgasse hinter dem „Tropfenden Kessel“.

Kundenevents wie XING Backstage haben das Areal bereits für sich entdeckt. Aber nicht nur Firmen frönen hier ausgelassen der Networking- oder Kinolust – auch der Otto-Normal-Gast darf in der Oscar-Lounge auf Liegestühlen chillen und mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen. Auch nach dem Abspann noch, zum Beispiel weil die Nachtlinie im Stau steht oder der Film einen so mitgenommen hat! Nur reguläre Platzkarten gibt es für diesen Bereich nicht zu kaufen.

Wie die Oscar-Lounge aussehen wird? Keine Ahnung, ganz ehrlich! Müsst ihr Freitag wohl selbst zum ‚Grand Opening‘ vorbeikommen…

Handwerker malert Holzplatte rot

Hoffentlich beißt sich das Rot nicht mit dem Filmnächte-Blau…

Parkett und Stühle

An den Stuhlreihen hat sich nicht allzu viel verändert – ich empfehle weiterhin, Sitzkissen mitzubringen. Zum Glück wurden jedoch die Abstände zum Sitznachbarn vergrößert, sodass keiner Angst haben muss, andere Besucher mit kleinsten Bewegungen beim Schluchzen, Schnäuzen oder Lachen physisch zu belästigen. Nice!

Um den Konzert-Veranstaltern zu John Fogerty, Amy Mcdonald & Co. Sorgenfalten beim ständigen Umbau zu ersparen, fällt der Parkett-Fußboden samt Lautsprecher-Armada weg. Bedeutet, dass Bierchen oder Cocktails sich nun nicht mehr auf den klobigen Boxen parken lassen, womit wir zum nächsten Punkt kommen…

Neues Soundsystem

Es ist zwar erstmal eine Testphase, aber die Sound-Technik der Filmnächte-Kindheit 2011 ist inzwischen erwachsen geworden: Nun ist Frontbeschallung für den gesamten Platz möglich! Zwei Lautsprecher sollen dieses Jahr von vorne für den guten Ton sorgen.

Dadurch überhört man auch auf den seitlichen Bierbänken oder als ‚Nachholer‘ am Gastro-Schalter keinen flotten Spruch mehr. Außerdem sollen generell Dialoge besser zu verstehen sein (auch in der Lounge, wo zusätzliche Lautsprecher installiert sind).

Für die Zukunft ist so endlich auch hochwertiger Surround-Sound denkbar. Bin gespannt, wie sich das Ganze in natura anhört – ihr auch?

Fazit: ‚Schnugglisch‘, wie der Sachse sagt!

Mir gefällt, dass die Filmnächte nicht auf der Stelle treten, sondern trotz Kostendruck immer etwas Neues wagen. Und was man davon bisher sieht, scheint wirklich gelungen!

Zudem ein großes Lob an die vielen fleißigen Beleuchter, Tischler, Sound-Experten und Helfer jeglicher Art – ab Freitag präsentiert sich der Theaterplatz dank euch in seinem schönstem Sommer-Dress, nämlich dem strahlenden Filmnächte-Blau-Gelb! Überzeugt euch selbst…

Zum Schluss noch 3 Fragen an…
Markus Richter (Produktionsleitung)

Mit wie viel Vorlauf vor der Saison beginnt dein Einsatz für die Filmnächte?

Die Planung startet bereits ein Dreivierteljahr vorher, wenn über Neuerungen und Verbesserungen gesprochen wird. Tatsächliche Meetings mit Ämtern, der Stadt etc. folgen dann etwa ein halbes Jahr vor Festival-Beginn.

Markus Richter in der Filmnächte-Lounge

Koordiniert und dirigiert sein Team, packt aber auch fleißig selbst mit an: Markus Richter

Wenn dir eine gute Produktions-Fee 100.000 € mehr zur Verfügung stellen würde, wofür würdest du die Knete investieren?

Natürlich für einen exzessiven Mallorca-Urlaub! Spaß beiseite, das Geld würde als erstes in eine hochwertige Parkett-Bestuhlung gehen. Danach wäre die Lounge dran, die man als Containermodell auf zwei Etagen aufteilen könnte –

im „Erdgeschoss“ gäbe es Popcorn, Getränke & Co., oben würden -mit perfekter Aussicht- die Lounge-Gäste sitzen.

Ein anderes Investment wäre eine stattliche LED-Leinwand – mit Firmen wie Samsung als Vorreiter sind die inzwischen so leuchtstark und funktionstüchtig, dass sie auch bei Tageslicht alles gut zeigen. Für die Zukunft auf jeden Fall ein spannendes Thema, das mit dem Tageskino ja bereits ausprobiert wird.

Wenn du nicht gerade bei 36 Grad an der Filmnächte-Kulisse werkelst – wie genießt du den Sommer am liebsten?

Ganz klar auf dem Rennrad – da ich in Dresden wohne, meistens den Elberadweg entlang. An der Ostsee widme ich mich auch gerne dem Segeln.

Bonus-Frage: Verrätst du, wo man am besten sieht und hört?

Aber nicht weitersagen, okay? Reihe 8-10, also tatsächlich ziemlich mittig im Parkett!

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