Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Moonfall

Schaut man lieber den Trailer zu „Moonfall“ oder schaut man lieber das Official Lyric Video zu Creedence Clearwater Revivals Song „Bad Moon Rising“ (1969), um sich auf diesen Film einzustimmen?

Das kann man beides machen.

„Moonfall“ ist nach dem ruhigeren Sci-Fi-Film „Tides“ (4 Auszeichnungen Deutscher Filmpreis 2021, R. Emmerich Produzent) definitiv ein Kracher. Trotzdem bekommt „Moonfall“ nicht so ohne weiteres grünes Licht. Schließlich waren die Meinungen damals nach „Independence Day II“ ganz schön gespalten. Aber wenn dieser Film etwas von der herrlichen Übertriebenheit von „2012“ und von der pathetischen Aufladung von „ID1“ hat, dann wird das ein Leinwandspektakel für die großen Kinosäle.

Vielleicht nimmt man sich einfach eine Strichliste zu den Etappen des CCR-Songs mit und hakt ab, was so passiert. Und es wird so einiges passieren…

  • Der besondere Aufgang dieses bösen Mondes
  • Erdbeben
  • Blitze
  • Hurrikans
  • Überschwellende Flüsse

Nun muss ja „Moonfall“ nicht so enden, wie CCR es im Song andeutet, schließlich haben wir hier Roland Emmerich am Werk – und unsere Helden – auf 2 Stunden Actionpass.

Lieblingsfilm-Potential: Mir kam es am Montag in der OV-Sneak so vor, als wäre „Moonfall“ eine Art Best-of-Movie, vergleichbar mit den Best-of-Alben der Musikbranche, was das Schaffen von Roland Emmerich angeht. „Moonfall“ funktioniert als unterhaltsamer Actionfilm (mit mal ein Auge zudrücken, oder noch eines), welchen man sich mit der Clique anschauen sollte – denn mit wem soll man die ganzen schrägen Geschehnisse sonst auswerten? Aber bis zum Lieblingsfilm-Status wird es „Moonfall“ wohl nicht schaffen.

Alternativ-Empfehlung der Woche: An Hercule Poirots Ermittlungsgeschick führt mit „Tod auf dem Nil“ nichts vorbei. Nach „Mord im Orient Express“ von 2017 ist „Tod auf dem Nil“ die nächste Wiederverfilmung eines Romans von Agatha Christie mit Starbesetzung.

Allein ins Kino – Ein Plädoyer

Ich behaupte mal ganz lässig, kein Mof zu sein. Dennoch gehöre ich zu den eigentümlichen 13% aller Menschen, die (auch) allein ins Kino gehen (laut FFA). Im Rückblick ist dieser Wert übrigens schon gestiegen, 2013 waren es nur 10%.

„Aber… man geht doch nicht allein ins Kino!?“

Selbst eine Mini-Umfrage im cineastisch geprägten Filmnächte-Programmbeirat zeigt: Die Mehrheit zieht eher selten (10% aller Filmsichtungen) ohne Begleitperson los, manche sogar „NIEMALS!!“. Nur ein Kollege konsumiert Kinofilme ähnlich wie ich häufig (2/3 aller Besuche) „allein, allein…“. Und er -kaum zu glauben- hat dabei Spaß!

GIF aus "Die fabelhafte Welt der Amelie": Amelie sitzt im Kino

Aus diesen stümperhaft erfassten Daten und meiner eigenen Erfahrung will ich hiermit eine Lanze brechen (*knack*) und Gründe darlegen, weshalb es sich lohnt, allein ins Kino zu gehen.

Euer Ehren, ich plädiere für Freispruch!

Grund #1 – Keine Kompromisse

Das ist auch gleich der offensichtlichste Grund: Schluss mit „Wenn, dann…“ und „Ja, aber…“!

Einige Beispiele:

  • Die Freundin rebelliert gegen Sci-Fi, der Arbeitskollege sträubt sich gegen Animationsfilme
  • Eure Kumpels gehen immer Samstagabend zur überteuerten Prime Time, die früheren Mitbewohner nur dienstags, ausgerechnet während eures Judo-Kurses
  • Hannah hasst Multiplex-Kinos, Peter kommt ungünstig zum Clubkino raus
  • Freund A hat den neusten Blockbuster längst gesehen, Freund B streamt ihn planmäßig im Heimkino und Freund C wollte sowieso lieber ins Theater…

Und verzweifelt ihr nicht auch daran, Weihnachten einen für die ganze Sippschaft geeigneten Kinofilm herauszufiltern, der nicht mit der durchgeplanten Festtags-Agenda kollidiert? Nach hitzigen Debatten läuft das meist darauf hinaus, dass man sich wie im Simpsons-Intro auf die heimische Couch zwängt und zum 100. Mal „Kevin allein zu Haus“ anguckt. Nichts gegen Kevin und altmodischen Slapstick, aber, puuuh…

Wer alleine loszieht, bestimmt hingegen Kino, Uhrzeit, Sitzreihe, Snacks und natürlich den Film selbst. Eine Freiheit, die auch Spontanität erlaubt. Schon mal dem wahnwitzigen Reflex nachgegeben, sich nach dem Abspann gleich in den nächsten Film zu setzen? Elektrisierend, ich kann’s nur empfehlen (Bezahlen nicht vergessen)!

Blog-Autor Jakob mit zwei Pokémon-Sammelkarten, draußen in der Chemnitzer Innenstadt

Nachmittags im Kino, und dann auch noch zu „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ – nerdiger geht’s wohl nicht? Tja, ich konnte ja auch Zeit und Film selbst bestimmen…

Grund #2 – Völlige Hingabe

Gehört ihr auch zu denjenigen, die bei einer bewegenden Abschieds-Szene lieber nochmal in ihre Chipstüte greifen oder sich schmerzhaft auf die Zunge beißen, anstatt einfach eine Träne zu verdrücken? Wenn einen die neuen Kollegen oder unbekannte Schönheiten im Kinosessel flankieren, möchte man seinen Emotionen vielleicht sagen: „Bis hierhin und nicht weiter, ich bin unter Menschen!“

Dabei hat es der Film möglicherweise verdient, dass man sich seiner Handlung, den Motiven oder Bildern vollends hingibt. Wer alleine in der letzten Reihe sitzt, darf hingegen nach Herzenslust schluchzen, lachen und fluchen.

Für mich gehört dazu auch, die Armlehnen hochzuklappen, Schuhe auszuziehen und sich richtig in den Sitz zu fläzen. Ziemt sich nicht in der Öffentlichkeit? Stellt ihr’s einigermaßen bedacht an, sieht es doch keiner!

Luxuriöser Kinosessel mit Snacks und Kaffeebecher

Toll: Die besten Reihen im Luxussaal (hier das „Pollux“ in Paderborn) für sich alleine haben und in Ruhe einen Film genießen

Auch entgeht man so unsensiblen („Hey, ist nur’n Film, der Hund ist nicht wirklich tot“), nervigen („Das war ja soo klar…“) und überhasteten  („So, können wir los? Was gibt’s heute Abend zu essen?“) Kommentaren während oder nach dem Film. (Tatsächlich wurde ich mal MITTEN im Film, völlig kontextlos, von meinem Sitznachbarn gefragt: „Und du singst also im Chor?“)

 

Grund #3 – Trotzdem sozial

Lasst mich etwas ausholen: Habt ihr jemals in Betracht gezogen, alleine feiern zu gehen? Für die meisten ist es schon der blanke Horror, im Club seine Clique eine Viertelstunde lang aus den Augen zu verlieren. Als ich das Experiment vor einigen Jahren wagte, kam ich mit unzähligen Fremden ins Gespräch – eine tolle Erfahrung!

Auch alleine im Kino kann das gelingen, besonders nach dem Abspann. Einfach ungeniert ins Gefachsimpel der Nachbargruppe einsteigen oder auf das mürrisch grummelnde Pärchen hinter einem eingehen: „Euch hat’s wohl nicht so gefallen?“. Keine clevere Gesprächseröffnung nötig, das Topic ist ja glasklar. Ein bisschen Überwindung ist natürlich nötig, aber der innerliche Schubser lohnt sich.

Gerade in arthousigeren Filmen bemerke ich zudem immer häufiger Gäste ohne Begleitung, die bestimmt für einen Plausch zu haben sind (wenn nicht gerade ihr Interesse an einer Toilette größer ist). Genauso wie ihr wollten sie den Film jedenfalls unbedingt sehen.

Fakt ist: Während der Vorstellung quasselt man eh nicht, aber der anschließende Meinungsaustausch fehlt mir als ‚Kinosaal-Single‘ tatsächlich manchmal. Glücklicherweise geht das im Programmbeirat, aber auch im Internet oder auf Partys, sobald das Thema ‚Kino‘ aufploppt. Und sogar bei den Filmnächten! Der Programmbeirat wuselt fast immer in Biertisch-Reichweite oder in der Oscar-Lounge herum (Gesichter einprägen!), also gerne mal nach Filmende rüberkommen und ‚Hallo‘ sagen.

Ausgang der Filmnächte Chemnitz mit Schrifttafel "Schön, dass Du da warst."

Niemand will mitkommen? Heul doch! Oder geh halt alleine – willkommen bist DU nämlich trotzdem!

Und das Urteil lautet: Gönn dir, trau dich!

Kino funktioniert als Gruppenerlebnis. Aber egal, ob ihr mit eigenem Grüppchen oder alleine unterwegs seid – als Teil der Saalgemeinschaft eint euch kurzzeitig das gemeinsame Interesse am Film. Darüber hinaus hat es viele Vorteile, alleine im Kino aufzuschlagen: Flexibilität, 100%ige Konzentration auf die Leinwand und dennoch die Chance auf ein deutlich sozialeres Erlebnis, als zuhause allein eine DVD zu gucken.

Und, was bislang vielleicht nicht erwähnt wurde: „Masturdating“ tut jedem mal gut!

Wie sieht’s aus: Wart ihr schon mal alleine im Kino? Konnte ich ggf. eure ‚Geht gar nicht‘-Meinung ins Wanken bringen? Teilt es uns über Facebook oder per Mail mit.

Über Walt Disneys Remake-Wahn, Aladdin und Kindheitserinnerungen

Naaaaaaaants ingonyamaaaaaaa bagithi baba…“ – Na, erkannt? Wer bekommt nicht sofort Gänsehaut, sobald diese vertrauten afrikanischen Gesänge erklingen. Im imposanten Sonnenaufgang begeben sich die Tiere zum Königsfelsen, um den neugeborenen Simba zu bestaunen – so unvergesslich beginnt „Der König der Löwen“. Für viele in meinem Alter dürfte es nicht nur der Liebling unter den Disney-Klassikern, sondern auch der erste im Kino erlebte Film überhaupt sein. Ich weiß noch, dass die Schlange vor unserem Kleinstadt-Kino einfach nicht aufhören wollte.

Mein Herz allerdings eroberte schon eine andere Zeichentrick-Legende. Am 14. November 1993 feierte ich meinen 6. Geburtstag, vier Tage später feierte „Aladdin“ den seinen im Kino. Mit orientalischen Schauplätzen, spektakulären Kamerafahrten, einer hyperaktiv-liebenswerten Figur wie dem Dschinni und natürlich der beschwingten Musik überwältigte mich Walt Disneys morgenländisches Abenteuer. Ich muss so fasziniert gewesen sein, dass ich zu Weihnachten sogar „Aladdin“-Bettwäsche bekam!

Den Film habe ich inzwischen bestimmt 22 Mal gesehen (wahrscheinlich nicht mal rhetorisch übertrieben). Und nun kommen Micky Maus‘ Stiefeltern und machen daraus einen Spielfilm – natürlich ohne finanziellen Hintergedanken, sondern weil sie eine künstlerische Vision haben…!

Wer braucht Disney-Realverfilmungen?

Filmplakat zum König der Löwen-Remake von Walt Disney

Tritt in große Fußspuren: Plüsch-Simba

Von A wie „Arielle, die Meerjungfrau“ bis Z wie… oder zumindest S wie „Schneewitchen“, Disneys Liste der geplanten Realverfilmungen ist lang. Auch wenn 1996 mit „101 Dalmatiner“ und Welpen-Killerin Glenn Close noch nicht der Durchbruch gelang, sind die fotorealistischen Disney-Remakes seit Tim Burtons „Alice im Wunderland“ und spätestens seit „The Jungle Book“ Selbstläufer. Meisterwerk aus der Schublade ziehen, Schablone drauf, Superstars oder CGI dazu, fertig ist der Live-Action-Kracher. Los geht’s, 3-4 Stück im Jahr sind drin!

Okay, one step back. Wenn man mich fragt, muss (Disney-)Remakes nicht zwingend die schöpferische Identität fehlen. Ich sehe Potential bei Filmen mit menschlichen Protagonisten und komplexen moralischen Themen wie „Der Glöckner von Notre Dame“, vielleicht auch „Pinoccio“. Bei tierischen Figuren schrillt bei mir jedoch die CGI-Alarmglocke.

Statt farbenprächtigem Cartoon-Look versprüht zum Beispiel der 2019er „Lion King“ eher den Charme einer Natur-Doku.

Ein mystisches „Aladdin“-Abenteuer mit erfahrenen Schauspielern, Originalschauplätzen und state-of-the-art-Effekten habe ich mir hingegen immer gewünscht – was davon liefert der neue Streifen jetzt?

Be careful what you wish for

Eins vorneweg: Die Neuauflage von „Aladdin“ macht genug Spaß, um Kinder und junggebliebene Erwachsene für gut zwei Stunden märchenhaft zu unterhalten. Dafür sorgen die energiegeladenen Musical- bzw. Tanznummern, einige Gags und interessante Perspektivwechsel in der Story. Die Klasse des Originals allerdings bleibt mehrere fliegende Teppichlängen entfernt.

Disneys Aladdin-Film von 2019: Dschinnie Will Smith berät Aladin

„Da ist ne riesige Grauzone in: ‚Mach‘ mir nen geiles Remake’…“

Vielleicht geht es euch ähnlich: Nostalgie spielt eine entscheidende Rolle bei Realfilm-Revivals. Und als solches tritt es in große Fußstapfen, zum Beispiel was Flaschengeist Dschinni angeht. 2014 verstarben Robin Williams und auch seine deutsche Stimme, Peer Augustinski – beide hatten dem Dschinni unendlich viel Witz verliehen. Die ersten Trailer zum Remake ließen nun nichts Gutes erahnen: Das ganze Internet lästerte über ‚Papa Schlumpf‘ Will Smith als hämisch dreinblickendes Dschinni-Ungetüm.

Doch wie sich herausstellt, ist Smith der ‚ungeschliffene Diamant‘ unter den ausrangierten Hollywood-Stars. In jeder Szene schöpft er mit sichtlichem Genuss aus seinem Schauspiel-Repertoire – mal „Der Prinz von Bel-Air“, mal „Hitch – Der Date Doktor“ oder eine Prise „Men in Black“. Hat mir gefallen!

Unpopulärer sind die Darsteller von Aladdin, Jasmin und Dschafar, die (offenbar?) ihr Bestes geben. Leider bleibt besonders der hinterlistige Großwesir ein schemenhafter Bösewicht mit dem Charisma eines „Game of Thrones“-Statisten. Immerhin, zwischen unseren turtelnden Protagonisten ist ansatzweise eine Chemie zu spüren. Zudem rückt Jasmins Charakter etwas mehr ins Rampenlicht (sie schmettert sogar einen neuen, emotionsgeladenen Song). Dieser Fokus erklärt vielleicht, warum der Film im Cinestar als ‚CineLady‘ durchging?

Die Sache mit der Nostalgie

Dennoch, als 22-facher Betrachter des Originals ertappte ich mich nicht selten bei dem Gedanken: „Moment, die Liedzeile geht aber anders…“ oder „Ähm, was habt ihr bitte mit dieser Szene gemacht?“. Sprechen da einfach nur verklärte Kindheitserinnerungen? Die alte Leier ‚Früher war alles besser‘?

Es klingt komisch, aber viele Szenen des 2019er „Aladdin“-Spielfilms, gedreht mit echten Menschen und an echten Sets, wirken auf mich wie Karikaturen ihrer Zeichentrick-Vorlagen.

Ähnlich ging’s mir mit anderen Disney-Realverfilmungen. Dann besser ganz neu aufrollen, wie in „Maleficent“ oder „Alice im Wunderland“ („Dumbo“ scheint hier trotz Neuausrichtung im Plot kein Paradebeispiel zu sein).

Sei hier Gast

Viele Filmnächte-Besucher übrigens lieben Nostalgie. Sei es „Dirty Dancing“ oder „Mamma Mia!“ zum zigsten Mal; auf dem Theaterplatz dürfen sich Fans in allerhand filmischen Erinnerungen suhlen. Auch Disneys Magie funktioniert häufig über Nostalgie, schätze ich. In Gedenken an verregnete Nachmittage voller Disney-Videokassetten zeigen Eltern ihrem Nachwuchs Klassiker wie „Die Schöne und das Biest“ – oder eben deren Neuverfilmungen. Schließlich war das Musical-Märchen mit Emma Watson 2017 Besucherliebling bei den Filmnächten.

Ob „Aladdin“ ebenfalls den Theaterplatz zu füllen vermag? Wenn für den Zuschauerandrang exemplarisch meine Schwester ein Indiz sein könnte, die NIE ins Kino geht (ich glaube zuletzt zu „Biene Maja“), können wir wohl damit rechnen – „Aladdin“ sah sie direkt am Start-Wochenende. Disney schafft es offenbar immer noch, zu verzaubern. Ich hingegen bleibe skeptisch. Und fiebere statt „Der König der Löwen“ lieber brandneuen Kreationen entgegen, wie Pixars „Toy Story 4“. Hakuna Matata!

Dirty Dancing 2017

Tjaja, NOSTALGIE wird bei uns großgeschrieben!

Was haltet ihr von den Realfilm-Versionen berühmter Walt Disney-Klassiker? Würdet ihr die Neuauflage von „Aladdin“ gerne dieses Jahr bei den Filmnächten sehen?

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