Naaaaaaaants ingonyamaaaaaaa bagithi baba…“ – Na, erkannt? Wer bekommt nicht sofort Gänsehaut, sobald diese vertrauten afrikanischen Gesänge erklingen. Im imposanten Sonnenaufgang begeben sich die Tiere zum Königsfelsen, um den neugeborenen Simba zu bestaunen – so unvergesslich beginnt „Der König der Löwen“. Für viele in meinem Alter dürfte es nicht nur der Liebling unter den Disney-Klassikern, sondern auch der erste im Kino erlebte Film überhaupt sein. Ich weiß noch, dass die Schlange vor unserem Kleinstadt-Kino einfach nicht aufhören wollte.

Mein Herz allerdings eroberte schon eine andere Zeichentrick-Legende. Am 14. November 1993 feierte ich meinen 6. Geburtstag, vier Tage später feierte „Aladdin“ den seinen im Kino. Mit orientalischen Schauplätzen, spektakulären Kamerafahrten, einer hyperaktiv-liebenswerten Figur wie dem Dschinni und natürlich der beschwingten Musik überwältigte mich Walt Disneys morgenländisches Abenteuer. Ich muss so fasziniert gewesen sein, dass ich zu Weihnachten sogar „Aladdin“-Bettwäsche bekam!

Den Film habe ich inzwischen bestimmt 22 Mal gesehen (wahrscheinlich nicht mal rhetorisch übertrieben). Und nun kommen Micky Maus‘ Stiefeltern und machen daraus einen Spielfilm – natürlich ohne finanziellen Hintergedanken, sondern weil sie eine künstlerische Vision haben…!

Wer braucht Disney-Realverfilmungen?

Filmplakat zum König der Löwen-Remake von Walt Disney

Tritt in große Fußspuren: Plüsch-Simba

Von A wie „Arielle, die Meerjungfrau“ bis Z wie… oder zumindest S wie „Schneewitchen“, Disneys Liste der geplanten Realverfilmungen ist lang. Auch wenn 1996 mit „101 Dalmatiner“ und Welpen-Killerin Glenn Close noch nicht der Durchbruch gelang, sind die fotorealistischen Disney-Remakes seit Tim Burtons „Alice im Wunderland“ und spätestens seit „The Jungle Book“ Selbstläufer. Meisterwerk aus der Schublade ziehen, Schablone drauf, Superstars oder CGI dazu, fertig ist der Live-Action-Kracher. Los geht’s, 3-4 Stück im Jahr sind drin!

Okay, one step back. Wenn man mich fragt, muss (Disney-)Remakes nicht zwingend die schöpferische Identität fehlen. Ich sehe Potential bei Filmen mit menschlichen Protagonisten und komplexen moralischen Themen wie „Der Glöckner von Notre Dame“, vielleicht auch „Pinoccio“. Bei tierischen Figuren schrillt bei mir jedoch die CGI-Alarmglocke.

Statt farbenprächtigem Cartoon-Look versprüht zum Beispiel der 2019er „Lion King“ eher den Charme einer Natur-Doku.

Ein mystisches „Aladdin“-Abenteuer mit erfahrenen Schauspielern, Originalschauplätzen und state-of-the-art-Effekten habe ich mir hingegen immer gewünscht – was davon liefert der neue Streifen jetzt?

Be careful what you wish for

Eins vorneweg: Die Neuauflage von „Aladdin“ macht genug Spaß, um Kinder und junggebliebene Erwachsene für gut zwei Stunden märchenhaft zu unterhalten. Dafür sorgen die energiegeladenen Musical- bzw. Tanznummern, einige Gags und interessante Perspektivwechsel in der Story. Die Klasse des Originals allerdings bleibt mehrere fliegende Teppichlängen entfernt.

Disneys Aladdin-Film von 2019: Dschinnie Will Smith berät Aladin

„Da ist ne riesige Grauzone in: ‚Mach‘ mir nen geiles Remake’…“

Vielleicht geht es euch ähnlich: Nostalgie spielt eine entscheidende Rolle bei Realfilm-Revivals. Und als solches tritt es in große Fußstapfen, zum Beispiel was Flaschengeist Dschinni angeht. 2014 verstarben Robin Williams und auch seine deutsche Stimme, Peer Augustinski – beide hatten dem Dschinni unendlich viel Witz verliehen. Die ersten Trailer zum Remake ließen nun nichts Gutes erahnen: Das ganze Internet lästerte über ‚Papa Schlumpf‘ Will Smith als hämisch dreinblickendes Dschinni-Ungetüm.

Doch wie sich herausstellt, ist Smith der ‚ungeschliffene Diamant‘ unter den ausrangierten Hollywood-Stars. In jeder Szene schöpft er mit sichtlichem Genuss aus seinem Schauspiel-Repertoire – mal „Der Prinz von Bel-Air“, mal „Hitch – Der Date Doktor“ oder eine Prise „Men in Black“. Hat mir gefallen!

Unpopulärer sind die Darsteller von Aladdin, Jasmin und Dschafar, die (offenbar?) ihr Bestes geben. Leider bleibt besonders der hinterlistige Großwesir ein schemenhafter Bösewicht mit dem Charisma eines „Game of Thrones“-Statisten. Immerhin, zwischen unseren turtelnden Protagonisten ist ansatzweise eine Chemie zu spüren. Zudem rückt Jasmins Charakter etwas mehr ins Rampenlicht (sie schmettert sogar einen neuen, emotionsgeladenen Song). Dieser Fokus erklärt vielleicht, warum der Film im Cinestar als ‚CineLady‘ durchging?

Die Sache mit der Nostalgie

Dennoch, als 22-facher Betrachter des Originals ertappte ich mich nicht selten bei dem Gedanken: „Moment, die Liedzeile geht aber anders…“ oder „Ähm, was habt ihr bitte mit dieser Szene gemacht?“. Sprechen da einfach nur verklärte Kindheitserinnerungen? Die alte Leier ‚Früher war alles besser‘?

Es klingt komisch, aber viele Szenen des 2019er „Aladdin“-Spielfilms, gedreht mit echten Menschen und an echten Sets, wirken auf mich wie Karikaturen ihrer Zeichentrick-Vorlagen.

Ähnlich ging’s mir mit anderen Disney-Realverfilmungen. Dann besser ganz neu aufrollen, wie in „Maleficent“ oder „Alice im Wunderland“ („Dumbo“ scheint hier trotz Neuausrichtung im Plot kein Paradebeispiel zu sein).

Sei hier Gast

Viele Filmnächte-Besucher übrigens lieben Nostalgie. Sei es „Dirty Dancing“ oder „Mamma Mia!“ zum zigsten Mal; auf dem Theaterplatz dürfen sich Fans in allerhand filmischen Erinnerungen suhlen. Auch Disneys Magie funktioniert häufig über Nostalgie, schätze ich. In Gedenken an verregnete Nachmittage voller Disney-Videokassetten zeigen Eltern ihrem Nachwuchs Klassiker wie „Die Schöne und das Biest“ – oder eben deren Neuverfilmungen. Schließlich war das Musical-Märchen mit Emma Watson 2017 Besucherliebling bei den Filmnächten.

Ob „Aladdin“ ebenfalls den Theaterplatz zu füllen vermag? Wenn für den Zuschauerandrang exemplarisch meine Schwester ein Indiz sein könnte, die NIE ins Kino geht (ich glaube zuletzt zu „Biene Maja“), können wir wohl damit rechnen – „Aladdin“ sah sie direkt am Start-Wochenende. Disney schafft es offenbar immer noch, zu verzaubern. Ich hingegen bleibe skeptisch. Und fiebere statt „Der König der Löwen“ lieber brandneuen Kreationen entgegen, wie Pixars „Toy Story 4“. Hakuna Matata!

Dirty Dancing 2017

Tjaja, NOSTALGIE wird bei uns großgeschrieben!

Was haltet ihr von den Realfilm-Versionen berühmter Walt Disney-Klassiker? Würdet ihr die Neuauflage von „Aladdin“ gerne dieses Jahr bei den Filmnächten sehen?

Jakob Nützler

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