Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Jurassic World: Ein neues Zeitalter

Jurassic World III: Ein neues Zeitalter – Einer der großen Kinostarts 2022 und das merkt man auch daran, dass dieser Film offiziell schon seit Mittwoch in den Kinos läuft. Nach so viel Vorgeschichte ist die Neugier groß, wie die zweite Trilogie enden wird. Wer nochmal schauen will, wie und wo die Sage um Jurassic Park und World begann, der kann ruhig mal in den extra angefertigten Prolog von allem reinschauen.

Lieblingsfilm-Potential: Die Filme der Jurassic-Reihe gehören seit 1993 zu den ganz großen Filmen für die ganze Familie. Und da gehört auch Ein neues Zeitalter mit dazu. Doch was nimmt man neben Unterhaltung noch aus dem Film mit? Vielleicht die Frage, welchen Platz der Mensch in einer Welt mit diesen Dinosauriern finden würde. Und wer die Spitzenprädatoren sind oder sein werden.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Belle – In regelmäßigen Abständen zeigen unsere Kinos Anime-Filme. Und diese Woche startet Belle. Im japanischen Zeichentrickfilm geht es um ein Mädchen, welches sich in einer digitalen Welt verwirklichen will, abseits ihrer realen Probleme. Sie hat mit Gesang Erfolg, muss aber bald viel mehr leisten, um diese digitale Welt vor einem (möglichen) Störer zu schützen.

Unabhängig von der Story sind diese Kinoerlebnisse ganz anders als üblich. Diese Anime-Filme werden nicht primär für das Filmverständnis Europas oder den USA produziert. Man erlebt dadurch einen Hauch japanischer Kultur. Dazu kommt noch die Vorführungsvariante. Interessierte und Fans möchten diese Filme absichtlich in OmU (japanische Originalversion mit deutschem Untertitel) sehen. Und ich selbst nehme da auch gern diese Variante, auch weil ich es bisher nicht zu den japanischen Sprachkursen geschafft habe.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Der schlimmste Mensch der Welt

Im Film Der schlimmste Mensch der Welt möchte Joachim Trier (Regie, Drehbuch mit Eskil Vogt) nicht über eine gewisse schlimmste Person erzählen. Er greift beim Titel auf die norwegische Redensart „Ich glaube, ich bin der schlimmste Mensch der Welt!“ zurück. Diesen Spruch sagt man, wenn bei einem etwas einfach nicht klappen will. Im Leben von Julie, der Titelfigur des Films, klappt so einiges nicht, könnte man meinen.

Dieser Film ist hoch dekoriert – denn er schmückt sich mit zwei Oscars-Nominierungen (Internationaler Film, Originaldrehbuch) und ist Gewinner bei mehreren Filmfestivals. Doch was hat das zu sagen? Wie kommt man selbst mit solchen Filmen klar? Ich selbst habe da so manchmal meine Probleme, deshalb gehe ich gern in drei Schritte vor, oder soll ich „Kapitel“ sagen (der Film hat zwölf davon).

Prolog: Sich für den Film interessieren und neugierig sein. Kapitel 1: Den Film anschauen und die Filmkunst genießen oder auch manchmal einfach ertragen. Kapitel 2: Reflektieren, wie man selbst den Film empfunden hat und was die Macher mit dem Film aufzeigen könnten. Kapitel 3: Mit anderen diskutieren, vielleicht Hilfe bei den Kritikern und Filmemachern suchen und deren Sicht hinterfragen. Epilog: Akzeptieren, dass manche Filme für einen selbst nichts sind, für andere aber alles.

Das Schauen lässt sich im Juni und Anfang Juli leicht angehen. Das Metropol Chemnitz und Clubkino Siegmar haben den Film im Programm. Danach kann man überlegen, inwieweit der Film nur eine frei erfundene Geschichte oder eine beeindruckende Dokumentation von Joachim Trier über das Leben mancher 25-bis-35-Jährigen ist.

Lieblingsfilm-Potential: Dieser Film wird mir definitiv in Erinnerung bleiben! Ich konnte ihn in der Sneak-Preview im CineStar sehen. Obwohl diese Machart nicht meine allerliebste ist, war ich von diesem Hyperrealismus beeindruckt. Der Film fühlte sich so nah an der Wirklichkeit an, dass man denken könnte, die Geschichte stammt von der besten Freundin oder dem besten Freund.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Wie wäre es mit einem Kammerspiel? Letzte Woche lief ebenfalls in der Sneak-Preview der Film The Outfit – Verbrechen nach Maß. Irgendwie ist der Maßschneider Leonard Burling (Mark Rylance) in die Mühlen der Mafia geraten. Das mag auch daran liegen, dass die Mafia der Arbeitgeber einiger seiner Kunden ist und diese dessen Diskretion schätzen. So muss der Maßschneider eines Abends Verbrechernothilfe leisten. Dieser Film wird auch im Home Cinema funktionieren und es war eine Freude dem Spiel von Mark Rylance (u.a. Bridge of Spies, Dunkirk, Ready Player One) zuzuschauen, man könnte meinen die Rolle sei ihm auf den Leib geschneidert worden.

Hinweis zum norwegischen Zitat: Selbstaussage von Joachim Tier gemäß Interview beim BR

https://www.br.de/nachrichten/kultur/kino-wunder-aus-norwegen-der-schlimmste-mensch-der-welt,T7J1u7N

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Top Gun 2: Maverick

Das Timing passt: Vor wenigen Tagen erschien der erste Teaser-Trailer zum neuen „Mission Impossible“ (Teil 7 schon), der seinen Titelhelden erneut als unkaputtbaren Tausendsassa zeigt. Tom Cruise ist trotz seiner 59 (!) Jahre offenbar noch topfit und nach wie vor nicht bereit, auch nur eine einzige Liegestütze seinem Stuntdouble zu überlassen. 

Jede Actionszene mit Tom Cruise kitzelt diesen sensationslüsternen „Fast & Furious“-Nerv: immer absurdere Stunts und Settings gezeigt bekommen. Nur eben nicht mit CGI-Autos, sondern mit einem risikofreudigen und an superlativen interessierten Schauspieler. Sein Engagement für handgemachte bzw. „Mach ich selbst“-Action lassen andere Stars in ihren Franchisen (Bond, Marvel & Co.) schnell alt aussehen. Das alles gilt nun auch für „Top Gun 2: Maverick“. In Sachen „neue Action-Maßstäbe setzen“ lösen die Trailer ihr Versprechen nicht nur ein, sondern übertrumpfen sie sogar. Sämtliche Flug- und Kampf-Szenen wirken auf der großen Leinwand so viel intensiver, als ich sie hier beschreiben könnte. Ich hätte nicht erwartet, dass mir ausgerechnet dieser Film solche Momente beschert, in denen das Herz zwischen Gänsehaut und Adrenalinausschüttung in die Hose zu rutschen droht. Momente, bei denen man kurz vergisst, dass man einfach nur in einem Kinosaal sitzt und einen Spielfilm schaut. Solche Augenblicke des Mitfieberns und der Schnappatmung, die ich z. B. im Endkampf von „Avatar“, „Herr der Ringe“ oder „Endgame“ durchlebt habe, gibt es auch hier. Das liegt vor allem an der jederzeit spürbaren Gefahr in den realistischen Flug-Sequenzen, denn tatsächlich saßen die Schauspieler ja wohl in Original-Kampfjets, auch wenn in den waghalsigsten Szenen ausgebildete Armeepiloten die Steuerung übernahmen.
Für mich als Nicht-Kenner des Originals (Shame, shame!) funktioniert „Top Gun 2: Maverick“ übrigens trotzdem wunderbar, auch wenn so manche Anspielung bestimmt unter dem Radar verlief. Die emotionalen Anker und Motive aus dem Originalfilm sind eindeutig und ziehen sich bis zum Finale, bei dem zentrale Story-Konflikte mittels Dialogen aufgelöst werden. Solche ruhigeren Szenen, in denen sich Charaktere wortgewandt unterhalten, sind jedoch nicht alle von gleicher Qualität.
Spannend ist noch, dass der Film allen Patriotismus und auch jedweden politischen Hintergrund auf ein Minimum zurückschraubt. Das funktioniert gut und lässt Platz für die  „technische“ Seite der Mission; nur wenn bei der Einsatzbesprechung schablonenhaft „ein Schurkenstaat“ gesagt wird, wirkt das ein bisschen arg zurechtgestutzt. Das war aber auch der einzige Moment, bei dem ich mal kurz aus dem Filmerlebnis „rausgerissen“ wurde. 

Lieblingsfilm-Potential: Frisch aus dem Kino kommend, bin ich immer noch im siebten Fliegerhimmel; quasi wie weggeblasen von diesem Blockbuster-Feuerwerk. Wie muss es sich erst anfühlen, wenn man den ersten „Top Gun“ vergöttert hat? Fest steht: „Top Gun 2: Maverick“ kann man als neuen Lieblingsfilm wieder und wieder angucken, aber immer unbedingt auf der großen Leinwand! Ich merk‘ mir die zweite Sichtung für die Filmnächte vor.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Es gibt eine riesige Auswahl für unser Filmnächte-Programm, was aktuelle deutsche Komödien/Dramen angeht. Da etwas hochkarätiges herauszupicken, etwas mit Stil und einem Alleinstellungsmerkmal, ist die Herausforderung. „Alles in bester Ordnung“ mit Corinna Harfouch als Messi und Daniel Sträßer als Minimalist punktet auf jeden Fall mit einer spannenden Prämisse und einem tollen Trailer. Seht selbst:

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Leander Haußmanns Stasikomödie

In Leander Haußmanns Stasikomödie sind wir mit dabei, wie Ludger Fuchs sich an so einige besondere Momente im Zusammenhang mit der Stasi zurückerinnert. Und das alles nur, weil er sich seine Stasi-Akte hat übergeben lassen, denn diese soll dauerhaft für die Nachwelt archiviert werden. Doch am Wohnzimmertisch kommt es beim Einblick mit Frau und Familie zu Unstimmigkeiten und der zunächst verschwommene Rückblick wird Stück für Stück klarer und für uns Zuschauer interessanter.

Der Film ist vollgepackt mit Szenen, die viele bekannte und weniger bekannte Klischees der Stasi und der DDR abbilden und aufs Korn nehmen. Die unschönen Elemente der Real-Stasi-Vergangenheit finden in ausgewähltem Umfang auch Berücksichtigung. Und wir müssen uns überlegen, was wir von Ludger Fuchs halten sollen.

Nachdem der Film zu Ende ist, ist man ganz zufrieden, wie die Handlung abgeschlossen wurde, ja, man freut sich sogar für die Beteiligten. Doch darf das sein? Schließlich steht die Stasi für jede Menge Schicksale, die ein anderes Ende gefunden haben. Da kommt der Filmtitel Leander Haußmanns Stasikomödie noch mal ganz gelegen. Halten wir fest, dass der Film als Komödie zu verstehen ist und dass es Leander Haußmanns Sichtweise ist.

Lieblingsfilm-Potential: Wenn der Film dabei hilft, die Geschichte über das Ministerium für Staatssicherheit wieder in die Diskussion zu bekommen und der Film auch beim jüngeren Publikum dafür Interesse weckt, wie die Stasi im DDR-Inland gegen Menschenrechte und auch gegen die Verfassung der DDR verstoßen hatte, dann finde ich den Film sehr gut und wertvoll.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Wie wäre es mal wieder mit einem Film mit Tieren? Und zwar so als Roadmovie? In Dog – Das Glück hat vier Pfoten muss ein Hund von einer Militärbasis zur Beerdigung seines Herrchens gebracht werden. Obwohl man am Anfang des Films schon das Ende fast voraussagen kann, ist der Film recht angenehm. Es macht Spaß, die Entwicklung der belgischen Schäferhündin, die ja unter Kriegstraumata leidet, und ihres Reisebegleiters zu beobachten. – Da kann man nur hoffen, dass bei den Tierheimen kein „Hollywood-Effekt“ eintritt, weil vielleicht manch Zuschauer nun vorschnell sich einen Hund anschaffen mag.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Meine schrecklich verwöhnte Familie

Geld ist nicht alles. Auf diese Binsenweisheit lässt sich die französische Filmkomödie „Meine schrecklich verwöhnte Familie“ (Regie Nicolas Cuche) am Ende zurückführen. Ohne die Handlung zu sehr zu spoilern, sei Folgendes verraten: Ein reicher, schon etwas in die Jahre gekommener und lange alleinerziehender Vater stellt fest, dass seine drei Sprösslinge (alle schon erwachsen) zu allem zu taugen scheinen, außer zu etwas Nützlichem. Das Wort Arbeit kennen sie nur vom Hörensagen und zu ihrer Faulheit und Verschwendungssucht gesellt sich noch ein Maß an Arroganz, das am Ende das Fass zum Überlaufen bringt. Damit muss ein für alle Mal Schluss sein! Ohne die drei auch nur im Geringsten einzuweihen, verfällt der Vater auf eine List, die das Leben aller Beteiligten gehörig umkrempeln wird. Der Film ist übrigens das Remake einer erfolgreichen mexikanischen Komödie aus dem Jahr 2015. Der Streifen, der erfreulicherweise die früher übliche Filmlänge von reichlich anderthalb Stunden nicht wesentlich übersteigt, ist eine durchaus von turbulenter Handlung geprägte Komödie, die flott erzählt wird, witzige Dialoge bereithält und damit gutes Sommerkino darstellt, bei dem man sich weder beim Zuschauen quälen noch tiefgründig nachsinnen muss. Das alles muss ja auch erlaubt sein. Ist man erst einmal in der Handlung drin, passiert im Wesentlichen das Erwartbare, das aber charmant filmisch umgesetzt wird.

Einen im Wortsinn bezaubernden Nebeneffekt stellt dar, dass der Film in Monaco und Marseille gedreht wurde, was auch von der Optik her so richtiges Sommerfeeling verbreitet. Ganz kurz beschlich den Kinofilmbeschauer bei den Bildern von der Cote d’Azur der Gedanke, angesichts dieser wundervollen Landschaft vielleicht auch lieber nicht arbeiten zu wollen. Dann hat er sich aber ganz schnell des Gedankens geschämt… und diese Kritik geschrieben.

Lieblingsfilm-Potential: Die Frage nach dem Lieblingsfilm-Potential lässt sich recht einfach beantworten. Es handelt sich um einen handwerklich gut gemachten Film ohne allzugroßen Tiefgang, der aber durchaus sehenswert ist und geeignet scheint, den ansonsten vielleicht trüben Alltag etwas aufzuhellen. Auf einer Skala von 1 bis 10 käme er ganz sich auf einen Wert von 6 bis 7. Der Kinofilmbeschauer jedenfalls hatte einen angenehmen Kinoabend mit einem kurzweiligen Film, der geeignet ist, schon jetzt ein wenig Sommerfeeling zu verbreiten. Ganz, ganz großes Kino ist der Film aber sicher nicht.


Alternativ-Empfehlung der Woche von Jens:
 Wieder ein Film mit Stephen-King-Material im Kino. Firestarter. Da ich es wohl nie schaffen werde, alle Romane von Stephen King zu lesen, habe ich mich auf die Sichtweise von Blumhouse & Team gefreut. – Interessant für mich war der Einfluss der bisherigen X-Men-Filme auf die eigene Wahrnehmung während des Schauens. Wem es gelingt, diese Erinnerungen für die anderthalb Stunden aus dem Gedächtnis zu verbannen, der bekommt ein manchmal an Horror angelehntes Familiendrama in geradliniger Erzählung. – Es ist okay, dass der Film eine FSK16-Einstufung erhalten hat, aber für mich wäre auch FSK12 vorstellbar gewesen, mit der oft gelesenen Begründung „Zuschauer ab 12 können klar Fiktion und Wirklichkeit trennen, weil …“ (aber möglicherweise wurde das Ende besonders berücksichtigt). Wer Firestarter gern sehen möchte, um einmal mehr Überblick über das Schaffen von Stephen King zu erhalten, dem sei der Film nicht ausgeredet. Aber falls der Roman Feuerkind zu den eigenen Top 5 gehört, dann sollte man lieber auf die nächste Interpretation warten.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Liftoff – Mit dir zum Mars

Was wolltet ihr schon immer und unbedingt mal machen? Ich wollte schon immer ganz viele Katzen besitzen und alt und grau im Vorgarten sitzen und denen zuschauen und streicheln. Ich schweife ab… Oder doch nicht?

Walt ist Barista in der College-Buchhandlung. Er will schon seit er ein kleines Kind ist zum Mars fliegen. Aber er hat kein Geld. Es gibt ein Programm, bei dem man sich anmelden kann – leider wird er zum 37. Mal abgelehnt. Im Café lernt er ein Mädchen kennen, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Sie geht an Bord des Raumschiffes, um zum Mars zu fliegen. Und von ihr bekommt er das allererste interstellare Katzenvideo zu sehen! Eine Katze schmuggelte sich an Board und bringt Walt auf den Plan, es ihr gleich zu tun. In dem Café sitzt auch Sophie und trauert um ihren Freund, der bereits auf dem Mars ist – eine sehr weite Fernbeziehung. Nun entschied sie zum Mars zu fliegen. Die Gelegenheit für Walt, er schließt sich an. Und wo landet Walt, als er sich in die Raumkapsel schmuggelt? Ihr ahnt es schon… Mehr wird nicht verraten.

Der Film ist eine leichte Teenie-Komödie, die so vor sich hinplätschert und zum Abschalten einlädt. Das Ende ist in gewisser Weise vorhersehbar und doch irgendwie nachfühlbar. Aber immerhin spielt eine Katze am Anfang und am Ende kurz mit. Somit war der Film doch noch etwas für mich – und das, obwohl ich wahrscheinlich nicht die richtige Zielgruppe bin.

Lieblingsfilm-Potential: Es ist immer wieder erfrischend, wenn eine Liebeskomödie zumindest im Setting ein wenig von der Norm abweicht, wie es hier der Fall ist. Wer sich also grundlegend einem locker-leichten SciFi-Teenie-Movie hingeben möchte und den Trailer ansprechend findet, dürfte einen entspannten Kinonachmittag oder -abend mit „Liftoff“ erleben.

Alternativ-Empfehlung der Woche: An Dr. Strange in the Multiverse of Madness kommen Comic-Fans diese Woche wohl nicht vorbei, auch wenn wohl nicht die Klasse von Endgame & Co. erreicht wird (und auch wenn mit Thor: Love and Thunder in wenigen Monaten schon der nächste Marvel-Blockbuster wartet).

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Everything Everywhere All At Once

„Everything Everywhere All At Once“ ist einer dieser Filme. Einer, …

  • …dessen Name zu holprig ist, um ihn an der Kinokasse korrekt bzw. komplett auszusprechen. 
  • …dem kein ultrabekannter Cast zu mehr Aufmerksamkeit verhilft.
  • …der sich bequem in die Ecke „zu spezielles Asia-Kino“ schieben lässt. 
  • …der nicht aggressiv in der Oscar-Saison releast wird, um die ein oder andere Trophäe abzustauben.
  • …dessen vergleichsweise geringes Budget vor allem ins Endprodukt fließt und nicht maßgeblich ins Marketing oder in Schauspieler-Gagen.
  • …der sich offenbar nicht spoilern lässt, weil man sowieso nichts kapieren würde.
  • …der selbst experimentierfreudigen Streaming-Diensten zu ausgefallen und bekloppt war.
  • …den niemand auf dem Zettel hatte. 
  • … der sein Publikum spalten und den Mainstream vielleicht nie erreichen wird.  
  • …der im Vorfeld von Kritikern und YouTubern gefeiert wird und der es trotzdem in kaum ein Kino schafft!

So ist es auch in Chemnitz, wo zum Bundesstart stattdessen „Downton Abbey II: Eine neue Ära“ anläuft. Ein Sequel, basierend auf einer jahrelang etablierten Marke – wie sollte es anders sein. Für Studios, Verleiher, für Kinos, auch für die unbedarften Zuschauer eine sichere Bank. Aber „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“ gilt eben nicht für „Everything Everywhere All At Once“, das machen schon Titel und Trailer klar. In diesem Multiversum-Film passiert alles gleichzeitig und überall, in mehreren Universen, jedoch laut Pressestimmen durchaus kreativer, menschlicher und intelligenter als es ein „Dr. Strange 2“ angehen wird (der im stetig wachsenden MCU-Portfolio doch auch einfach eine „sichere Bank“ sein will). 

„Everything Everywhere All At Once“ scheint völlig überdreht und audiovisuell herausfordernd zu sein und er scheint an den Sehgewohnheiten der Zuschauerschaft zu rütteln – zumindest erhoffe ich mir das. Hinter dem Projekt stehen die „Daniels“, die sich künstlerisch schon mit „Swiss Army Man“ (Daniel Radcliffe als furzende Leiche, was gibt es schöneres!) ausgetobt haben und die vor keinem Risiko zurückschrecken, um ihrer Vision gerecht zu werden. 

Ihr merkt es: Meine Erwartungen sind exorbitant hoch. Auch wenn die Vorfreude nicht so lange reifen konnte wie bei einem frühzeitig angekündigten „Inception“ oder „Tenet“ – dies ist ein Film, den ich einfach lieben WILL. Schließlich sehne ich mich immer nach dem nächsten „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ (mein Lieblingsfilm, absolut nerdig), dem nächsten „Matrix“ (Martial Arts innovativ und eindrucksvoll verpackt) oder dem nächsten „Arrival“ (mutiges Sci-Fi). Oder kann ich mit dieser Erwartungshaltung nur verlieren…? Vielleicht ist „Everything Everywhere All At Once“ ja doch nur ein auf Hochglanz poliertes „Kung Pow“ oder ein vergleichsweise unpopulärer „Parasite“-Verschnitt. 

Zumindest ist die Zukunft von „Everything Everywhere All At Once“ ungewiss. Manche sehen ihn als Oscar-Kandidaten für 2023, andere als absolutes Nischenthema. Ein kurioser Film, der schnell wieder von der Bildfläche verschwinden und der höchstens in manch einer „Top 10“-Liste gegen Jahresende auftauchen wird. Er wird seinen Weg in das ein oder andere Heim- und Programmkino finden, da bin ich mir sicher. Aber für den großen Durchbruch oder gar ein Umdenken bei den Produktionsfirmen, die auf Planungssicherheit und etablierte Filmreihen setzen, wird es wahrscheinlich nicht reichen.  

Daneben startet in Chemnitz übrigens noch die deutsche Produktion „Wolke unterm Dach“, ein Familiendrama mit Frederick Lau und Hannah Herzsprung – laut den ersten Kritiken berührend, aber durchaus kitschig. Ich wette, auch davon hat bis letzte Woche kaum jemand gehört. Trotzdem ist es verglichen mit „Everything Everywhere All At Once“ offenbar die „sicherere“ Bank. Tja. 

Lieblingsfilm-Potential: Hoch, hoch, hoch!! Also, wenn ihr nicht schon beim Trailer denkt: „Was für ein Blödsinn“…

Alternativ-Empfehlung der Woche: Als drittes läuft in Chemnitz noch der kleine, aber durchaus feine „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ an. Eine sehr spannende wahre Geschichte, die übrigens auch das Metropol gleich zum Bundesstart bringt. Vielleicht auch etwas für unsere Filmnächte-Saison im Sommer?

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: The Lost City – Geheimnis der verlorenen Stadt

„Dirty Dancing“ und „Mamma Mia“ lassen grüßen: Laut Umfragen sind die allermeisten Filmnächte-Gäste Frauen. Demnach könnte auch das CineLady-Event im örtlichen Cinestar eine gute Kompassnadel sein, um Highlights für die kommende Filmnächte-Saison aufzuspüren. Es wäre meine erste „CineLady“ überhaupt gewesen, wenn ich den Film nicht schon in der Sneak erwischt hätte: „The Lost City – Geheimnis der verlorenen Stadt“. Ein abgedrehter Abenteuerfilm mit Star-Besetzung, wohlwollende Kritikerstimmen, darauf hatte ich Bock! Auch wenn ich erst nach der Vorstellung verstand, warum ausgerechnet dieser Film als „CineLady“ ausgewählt wurde, denn im Comedy-Gewand versteckt sich eigentlich eine Romcom (und die Stars dürften ebenso ihren Anteil haben)… 

Vorab: Allein weil Brad Pitt seinen Namen für dieses Projekt hergibt, hatte ich mir ein bisschen mehr vom Gesamtpaket erhofft. Aber so ist es halt mit der Erwartungshaltung. Ich empfehle auch, den Trailer zu überspringen oder nur sehr oberflächlich anzuschauen, weil – wie so oft bei Komödien – die besten Gags schon im Trailer verbraten werden. 

Und dennoch: „The Lost City“ funktioniert als romantisch-alberne Dschungel-Comedy im Stile der neuen „Jumanji“-Verfilmungen. Statt Dwayne Johnson führt hier Sandra Bullock den launigen Cast an. Nach ihrer Extrem-Verwandlung im Netflix-Thriller „The Unforgivable“ kehrt sie schauspielerisch zu ihren „Miss Undercover“-Wurzeln zurück und mimt diesmal die erfolgreiche Liebesroman-Autorin Loretta Sage. Bei einer Promo-Tour ihres neuen Buches wird sie plötzlich von Milliardär Fairfax (Daniel Radcliffe) gekidnappt, den sie zum Schatz der antiken verlorenen Stadt aus einem ihrer Romane führen soll. Ausgerechnet Lorettas nerviges Cover-Modell Alan (Channing Tatum) reist ihr zur Rettung in den Urwald hinterher – aber vielleicht steckt hinter dem verwöhnten Schönling mehr, als sie all die Jahre glaubte…? 

Wie ihr schon merkt, ist allein die Prämisse an den Haaren herbeigezogener Nonsens – an Channing Tatums Haaren wohlgemerkt, so dünn sind Logik und Handlung! Aber den Stars beim Rumblödeln zuzusehen, während sie sich unbeholfen durch den Dschungel kämpfen und zu verliebten Möchtegern-Schatzjägern werden, macht Freude und rettet den Film. Besonders gefallen haben mir abseits von Bullock und Chatum übrigens Daniel Radcliffe, der einiges aus seiner Bösewicht-Rolle rausholt und natürlich Brad Pitt. Sein brachialer Auftritt erinnert an die stärksten „Kingsman“-Momente und hätte länger sein dürfen (müssen!), aber trotzdem ist er mein heimliches Highlight. 

Lieblingsfilm-Potential: Schatzsuch-Parodie, Insel-Romanze oder irrsinnige Action – ich hätte mir gewünscht, dass sich „The Lost City“ ein bisschen mehr für eine Richtung entscheidet, denn nicht alle Gags sitzen, niemals kommt echte Gefahr auf und die romantische Entwicklung wird dem Zuschauer eher halbherzig verkauft. Trotzdem empfinde ich das Urwald-Abenteuer als gelungene, popcorn-leichte Unterhaltung – und ich will nicht ausschließen, dass sich hier für Sandra Bullock-Fans sogar ein neuer Romcom-Favorit verbirgt.  

Alternativ-Empfehlung der Woche: Wenn es diese Woche eine CineMen gegeben hätte, wäre es auf Garantie „The Northman“ geworden. Ganz im Stile von „The Revenant“ wird diesmal Alexander Skarsgård als rachelüsterner Mann inSzene gesetzt. Dass man seine bildgewaltige Wikinger-Reise absolut verpflichtend auf der großen Leinwand genießen sollte und dass es an brachialen Gefechten à la „Game of Thrones“ wohl nicht mangelt, wird mich definitiv ins Kino locken.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Eingeschlossene Gesellschaft

Die zwölf sechs Geschworenen? Ja, irgendwie geht die Drama-Satire Eingeschlossene Gesellschaft in diese Richtung. Zumindest in der ersten Hälfte. Nur geht es nicht um eine Grand Jury in einem Mordprozess, sondern um eine ad-hoc einberufene Lehrerkonferenz bezüglich eines magischen Punktes für den Schüler Fabian. Denn schließlich geht es aus des Vaters Sicht um die ganz große Zukunft seines Sohnes und um Auseinandersetzung der Lehrer mit dessen Leistungen.

Obwohl die Aufgabe vom Vater ganz klar gestellt ist, muss das Lehrerkollegium erstmal intensiv über sich selbst Gericht abhalten. Da wird es unterhaltsam, welches Päckchen jeder so zu tragen hat.

Man darf diese Drama-Satire wirklich nicht zu ernst nehmen. Sicher, einige Schulen mögen einige Eigenschaften aus dem Film haben. Und möglicherweise haben einige Lehrer auch was auf dem Kerbholz stehen. Aber es gibt (hoffentlich) keine Schule, auf die alles gleichzeitig zutrifft. Dagegen wurde aber ein Filmende gefunden, was so gar nicht Drama-Satire ist.

Lieblingsfilm-Potential: Sönke Wortmann nimmt all die mit, die schon immer mal wirklich wissen wollten, was so im Lehrerzimmer diskutiert wird, besonders Freitag nachmittags. Und er baut so gut wie alle Extreme ein, die machbar waren, auch die anstrengenden. Wenn man aber den Film nicht so ernst nimmt, wie er anfangs erscheint, hat man ein spaßiges Filmerlebnis.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Bleiben wir im Schulalter. Geschichten vom Franz – Wie wird ein Junge zum Mann? Besonders wenn er kleiner ist und durch seine Haare nicht immer als Junge erkannt wird. Da gibt es so einige Ideen, Mitstreiter und Hilfen. Ein schöner (Familien-)Film mit Dialekt.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Wo in Paris die Sonne aufgeht

Wer, wie der Kinofilm-Beschauer, recht häufig, eigentlich sogar sehr häufig, ins Kino geht, dem werden immer wieder Filme unterkommen, die einen subtil in ihren Bann ziehen. Und dieses Erlebnis, von einem Film regelrecht aufgesogen zu werden, ist völlig unabhängig vom Genre; Blockbuster sind dazu geeignet, Animationsfilme und Dokumentationen, Musikfilme und natürlich die Arthouse-Sparte… die vielleicht sogar besonders.

Bei „Wo in Paris die Sonne aufgeht“, dem neuesten Streifen von Jacques Audiard (u. a. auch „Der Geschmack von Rost und Knochen“), war es wieder einmal soweit. Endgültig animiert und mit der nötigen Portion Neugierde versehen durch einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 3. April, der unter der Überschrift „Klassische Würde, rohes Leben“, dem Film Bestnoten ausstellte, tauchte der Kinofilm-Beschauer unversehens ein, in eine Welt (noch) junger Menschen, die sich ihrer Unentschlossenheit auf die Wahl des richtigen Lebensentwurfs (sollte es den überhaupt geben) bewusst sind und deshalb all ihren Gefühlen im Hier und Heute freien Lauf lassen.

Handlungsgrundlage für den Film bilden drei Kurzgeschichten des amerikanischen Comic-Zeichners Adrian Tomine. Regisseur Audiard siedelt den Film im auch und besonders von Migranten geprägten 13. Pariser Arrondissement an. Genau dort, im von unverkennbaren sozialen Spannungen geprägten Paris, lässt er seine Protagonisten auf die Suche gehen nach Glück, nach Nähe aber vor allem auch nach sich selbst.

Der Film lebt ganz besonders von vier Elementen. Da sind als erstes zu nennen die drei Hauptdarsteller: Noémie Merlant („Porträt einer jungen Frau in Flammen“) sowie Lucie Zhang und Makita Samba. Die beiden Letztgenannten sind absolute Newcomer. Alle drei geben dem Film diese unverwechselbare Leichtigkeit, die durch das zweite prägende Stilelement noch unterstützt wird. Es handelt sich um die Dialoge, die weder gekünstelt noch gestellt wirken; so sprechen Menschen in dem Alter der Protagonisten des Films; so sprechen sie in Frankreich, in Argentinien, Sambia, Deutschland, Russland, auf den Antillen… Das dritte und für den Kinofilm-Beschauer prägendste Stilelement besteht darin, dass der Film in Schwarzweiß gedreht wurde. Als irgendwann im zwanzigsten Jahrhundert die Schwarzweißfilme von Farbfilmen abgelöst wurden, glich das einem cineastischen Wunder. Heute gleicht es einem Wunder und öffnet den Phantasiehorizont für den Betrachter, wenn Filme in schlichtem Schwarzweiß auf die Leinwand kommen. (Was natürlich keineswegs heißen soll, dass der Kinofilm-Beschauer sich nun fürderhin alle Filme so wünscht.) Beredte Beispiele der jüngsten Filmgeschichte sind „Lieber Thomas“ oder „Belfast“, die ihre volle cineastische Wirkung nur vermitteln können, weil sie eben nicht coloriert sind. Und selbst das Stilmittel des temporären Rückfalls auf Schwarzweiß (siehe Quentin Tarantinos „Death Proof“) ist ja zwischenzeitlich etabliert. Und schließlich viertens sind es die Schnitte, die in einer fast chirurgisch exakten Dimension gesetzt sind; die mannigfaltigen Szenen mit erotischem Einschlag z. B. sind weder zu kurz noch zu lang…

Das Lieblingsfilm-Potential  ist für den Kinofilm-Beschauer dann besonders hoch, wenn es ihm nichts ausmacht, den Film auch immer mal wieder zu schauen (wie z. B. „Toni Erdmann“ oder „Once Upon a Time… in Hollywood“); nun gut, dieses Level erreicht „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ vielleicht nicht. Aber dass ich ihn ein zweites Mal schauen werde, ist so gut wie ausgemacht; auf einer Skala von 1 bis 10 erreicht er garantiert eine 7…

Alternativ-Empfehlung der Woche (von Jens): Von Dienstag zu Mittwoch war’s, das Chemnitzer Cinestar lud zum Trippel-Feature mit Premiere-Feeling ein – Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse. Ja, es ist wieder Zeit für weitere Abenteuer in der Wizarding World. Begleitet Newt Scamander und seien magischen Geschöpfe beim besonderen Kampf Dumbledore gegen Grindelwald. Die Publikumslieblinge Niffler und Pickett dürfen nicht fehlen und übernehmen wochwichtige Aufgaben. Doch was/wer ist Grindelwald? Nachdem Johnny Depp die Rolle des Gellert Grindelwald abgeben musste, begeistert Mads Mikkelsen (in gewohnt) intensiver Art und Weise und wertet das Kinoerlebnis auf. Und da wären noch ein paar Romanzen zu klären, aber schaut selbst.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Morbius

Nachdem in letzter Zeit die Super-/Antiheldenfilme eher zwei Stunden oder mehr an Länge hatten (The Batman fast 3 Stunden, Spider-Man: No Way Home 2½ Stunden und der kommende Doctor Strange in the Multiverse of Madness auch wieder 2 Stunden), kann man sich über die ca. 1:35 h von Morbius direkt mal freuen (ohne Abspann).

Ein interessanterer Aspekt ist aber die Diskussion, die Morbius unter Genre-Interessierten hervorruft.

Was bedeutet die Einführung eines neuen Super-/Antihelden für Publikum und Filmwelt? Wie aufwändig geht man da ran? Ich konnte gestern den Film sehen und fand ihn schon interessant, aber auch polarisierend. Vorweg muss ich sagen, man sollte schon für das Genre etwas übrig haben. Aufgrund der „Kürze“ ging es mit etwas Rückblick recht schnell zur Sache. Sachlich/ Fachlich erhält man die wichtigen Facts zu Dr. Michael Morbius und der Effektbereich hat auch gut abgeliefert. Aber der Film ist auch „gleich“ wieder beim Showdown angekommen, der passend zur Filmlänge die entsprechend Dauer hat.

Ich bin gespannt ob es für Morbius weitergehen wird. Auch die Community stuft den Film eher als „polarisierend“ ein. Im Abspann wurde zumindest eine Idee für die Fortsetzung eingebaut. Vielleicht steht demnächst etwas in der neusten Ausgabe des The Daily Bugle.

Lieblingsfilm-Potential: Aufgrund des Filmkonzepts hat es der Film bei mir nicht in die Reihe der Lieblinge geschafft. Erfrischend war aber, dass die Marvel-typischen Humorbeiträge weggelassen wurden. Mir hat auch gefallen, dass die eineinhalbe Stunden ruckzuck rum waren.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Für den Programmkinobereich freue ich mich sehr, dass zwei Bundesstarts auch in unseren Chemnitzer Kinos laufen. Das Metropol Chemnitz lässt uns mit Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann (Trailer ansehen) die Welt durch die Augen eines dreizehnjährigen autistischen Jungen erleben. Nachdem das Buch schon ein Bestseller war, folgen mit dem Film die beeindruckenden visuellen Bilder. Das Clubkino Sigmar zeigt A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani (Trailer ansehen). Ein interessantes Drama über die Maschinerie der Medien. Was passiert mit dem Umfeld und der nähren Öffentlichkeit im Laufe des medialen Focus, welcher auf einem gerichtet wird.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Come on, Come on

„Oscars, frische Oscars!“ Tjaja, es ist mal wieder Awards-Season – wie Pilze schießen sie aus dem Boden, die Trophäen und Statuetten unterschiedlicher Couleur. Die Oscars, so etwas wie der Trüffelpilz unter den Awards, werden hierzulande Sonntagnacht (vom 28. auf 29. März) „geerntet“. Die Oscar-Zeremonie ist in der Tat etwas für Feinschmecker und Masochisten: Es gilt nicht nur, trotz Gemeinsamkeiten („House of Gucci“) den Unterschied zur weniger genießbaren, gemeinen „Goldenen Himbeere“ zu erkennen; Europäer müssen sich durch die Sommerzeit (eine Stunde kürzer) und den Sendeplatz (2:00 Uhr MEZ) auch auf eine mitunter anstrengende, schlaflose Nacht einstellen (und Montag Urlaub nehmen!), wenn sie den Saison-Höhepunkt live miterleben möchten. Aber wer ist bitteschön so verrückt und macht das?! Haha… ha.

Dass Oscar-Saison ist, merke ich auch an der Sneak Preview. Die Chance für hochwertiges, oscarnominiertes Schauspielkino (statt Horror, Schnulze oder Klamauk) ist in diesen Wochen ungemein höher. So frohlockte ich auch, als der Überraschungsfilm neulich „Come on, Come on“ hieß – ein hervorragend bewertetes Schwarz-Weiß-Drama mit Joaquin Phoenix in seiner ersten Rolle nach „Joker“, dazu ein vielversprechender Newcomer (Woody Norman; den Namen merken!). Und tatsächlich: Trotz anfänglicher Skepsis war ich hin und weg von diesem Film. Nicht zuletzt, weil mich die darin verarbeiteten Themen wie das Elternsein, die Übernahme von Verantwortung oder der kindliche Blickwinkel persönlich begleiten werden.

Umso größer dann meine Verblüffung, als ich beim Wikipedia-Check „C’mon, C’mon“ (Originaltitel) gar nicht in der Liste der Oscar-Nominierungen vorfand. Genauso wird’s wahrscheinlich auch niemandem auffallen, wenn der Film bei den Chemnitzer Filmnächten in die „Oscar-Reihe“ einsortiert wird, hehe…

Dabei sind Schwarz-Weiß-Filme bei der Oscar-Jury eigentlich total im Trend: „Roma“ 2018, „Der Leuchtturm“ 2019, „Mank“ 2021, „Belfast“ 2022, um nur einige zu nennen… „Come on, Come on“ ist da weitaus zugänglicher, bodenständiger und authentischer als etwa „Mank“ oder „Roma“, die ich als verkopft und äußerst speziell in Erinnerung habe. Wenn aber Radiojournalist Johnny (Joaquin Phoenix) verschiedene Jugendliche zu ihrer Zukunft befragt oder sich mit seinem neunjährigen Neffen (Woody Norman) auseinandersetzt, entstehen natürlich wirkende Dialoge und interessante Dynamiken zwischen den Schauspielern, die noch lange nachhallen. 

Lieblingsfilm-Potential: Es fällt schwer, „Come on, Come on“ nicht zu mögen, wenn man sich auf das etwas langsamere Erzähltempo und das realistische Setting einlassen kann. „Ich mag solche Filme eigentlich nicht, da muss man immer über sein eigenes Leben nachdenken“, kommentierte meine Kino-Begleitung nach der Sneak – und sprach dem Film damit ein geheimes Kompliment aus. Wenn sich nämlich inspirierende Gedanken von der Leinwand auf den Zuschauer übertragen, ist das immer als Qualitätsmerkmal zu verstehen. 

Alternativ-Empfehlung der Woche: Bestimmt haarscharf am Oscar vorbeigeschrammt ist auch Michael Bay mit seinem Neustart „Ambulance“ – bei der wilden Verfolgungsjagd mitsamt Geiselnahme dürften Jake Gyllenhaal & Co. an so einigem vorbeischrammen und auch so einige Schrammen davontragen… Ein lauter Action-Thriller, nicht wirklich gemacht für die Awards-Bühne oder fürs schnucklige Programmkino, aber wie gemacht für die große Leinwand und den großen Popcorn-Eimer!

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Der Wolf und der Löwe

Es ist der Grund, weshalb ich den kleineren „Mia und der weiße Löwe“ angesehen habe, die große neue „Dr. Dolittle“-Verfilmung mit Robert Downey Jr. oder „Ruf der Wildnis“ mit Harrison Ford jedoch nicht: Sind die im Film gezeigten Tiere, die hier meist Dreh- und Angelpunkt sind, CGI-Ungetüme oder echte Lebewesen…? Die Produktion von „Mia und der weiße Löwe“ beispielsweise war äußerst aufwendig, denn sämtliche Löwen im Film sind tatsächlich Tiere aus Fleisch und Blut. Über die drei Jahre Drehzeit sollten die menschlichen Stars eine echte Beziehung zu ihren tierischen, langsam heranwachsenden Kollegen aufbauen. 

Wenige Jahre später produziert derselbe Regisseur (Gilles de Maistre) genau mit dieser Prämisse auch „Der Wolf und der Löwe“, der am 17. März 2022 startet. Ins Kino geschafft habe ich es dazu zwar noch nicht, aber fürs Ferienkino der Chemnitzer Filmnächte werde ich den Tierfilm definitiv ins Spiel bringen. Das Leinwand-Abenteuer scheint nämlich wieder eine herzergreifende Angelegenheit zu sein, die sicher gut für die ganze Familie funktioniert. 

Alles beginnt damit, dass Alma nach dem Tod ihres Großvaters in die kanadische Wildnis zurückkehrt, wo sie aufgewachsen ist. Kurz nach ihrer Ankunft rettet sie auf ungewöhnliche Weise einen Wolfswelpen und ein Löwenjunges. Doch das gemeinsame Glück wird bedroht, als eines Tages ein Ranger vor ihrer Hütte auftaucht…

Mich als Cineast (und Tierliebhaber) begeistert es, wenn mit echten Tieren gearbeitet wird – das Ergebnis auf der Leinwand ist um ein Vielfaches authentischer und eindrucksvoller. Ich möchte erleben, wie diese nicht-menschlichen Co-Stars ihre Rollen ausfüllen – auch wenn ich weiß, dass hier professionelle Tiertrainer am Werk sind und dass mehrere Tiere gemeinsam den Hauptcharakter im fertigen Film mimen. Mir ist zudem klar, dass das Thema „Tierschutz“ eine große Rolle spielt und häufig auch der (offizielle?) Grund ist, warum Studios auf CGI zurückzugreifen. Ich muss und möchte aber darauf vertrauen, dass die aktuellen Richtlinien in Sachen (Film-)Tierwohl alles Menschenmögliche umfassen, damit es den Tieren gut geht.

Lieblingsfilm-Potential: Auch wenn es keine revolutionäre Mensch-Tier-Freundschaft wie im dokumentarischen „Mein Lehrer, der Krake“ wird – ich erhoffe mir von „Der Wolf und der Löwe“ mehr als ein paar nette Landschafts- und Tieraufnahmen. Also ein potentieller „Lieblingsfilm“ gerade vielleicht für die jüngeren Zuschauer (und sei es nur für einen Sommer lang), so meine Einschätzung. 

Alternativ-Empfehlung der Woche: Bleiben wir animalisch, aber trotzdem weeeeeeit weg von echten Tieren bzw. deren real dargestelltem Verhalten: „Die Ganster-Gang“ ist Dreamworks verspielte Antwort auf die „Ocean’s Eleven“-Reihe. Komplett animiertes Heist-Action-Kino für Kids und Animationsfans und für die Zielgruppe sicher einen Blick wert.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Blue Bayou

Wusstet ihr, dass es nicht automatisch so ist, dass Kinder, die zwar nicht in den USA geboren wurden, aber juristisch sauber von amerikanischen Eltern adoptiert werden, dann auch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten? Sodass sie im Erwachsenenalter plötzlich illegal sind.

Davon handelt nun auch „Blue Bayou“. Antonio LeBlanc (Justin Chon), gebürtig aus Korea und als Kleinkind von einem US-amerikanischen Paar adoptiert, hat mit seiner schwangeren Frau Kathy (Alicia Vikander) und deren Tochter aus erster Ehe (Sydney Kowalske) selbst eine kleine Familie. Auch wenn ihnen nur wenig Geld zur Verfügung steht, sind die drei recht glücklich. Als Antonio in einen Streit mit Kathys Polizisten-Ex-Mann (Mark O’Brien) hat, wird er verhaftet. Sein Status als US-Bürger gilt als ungeklärt. Da er nicht in den USA geboren wurde und sich seine Adoptiveltern nicht um eine Einbürgerung bemüht haben, gilt er als Ausländer, dem nun die Abschiebung in sein Heimatland droht. Nur war er seit über 30 Jahren nicht mehr in Korea gewesen. Mithilfe eines Anwalts, den sie sich gar nicht leisten können, versuchen sie, gegen das Urteil anzugehen. Doch dafür muss Antonio… Ihr wollt wissen, wie es weitergeht? Dann ab ins Kino – oder vielleicht im Sommer zu uns auf den Theaterplatz?

Lieblingsfilm-Potential: Der Film ließ bei mir an einigen Stellen schon die Tränchen kullern, allerdings ist er auch etwas überladen mit Kitsch und Klischees. Aber dieses Thema lässt einen nicht unberührt! Von daher: Anschauen ja, aber eher kein Lieblingsfilm-Material.

Alternativ-Empfehlung der Woche: „Jackass 3D“ als letzter echter Johnny-Knoxville-Streich? So damals die Aussage von den bekloppten „Jackass“-Machern, aber Pustekuchen: „Jackass Forever“ kommt 2022 mit neuem Irrsinn daher, der alles andere zu toppen versucht. Für die Fangemeinde sicher ein Fest!

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: The Batman

Neulich beim Investorentreffen: Die ‚Dark Knight‘-Trilogie ist lang genug her und an den Ben-Affleck-Batman erinnert sich eh keiner – wir brauchen eine Neuverfilmung! Aber wie benennt man eine Neuinterpretation, von der es bereits etliche Versionen gibt? Das ist nicht James Bond, wo man bloß den Untertitel ändert. Auch kein Sequel – einfach „2“ ranhängen fällt also flach. Ein intelligenter Name, irgendetwas Originelles – was die jungen Leute abholt und wo gleichzeitig die Ur-Fans dahinterstehen. Möglichst ohne Verwechslungsgefahr! Und es muss sofort „Klick“ machen, wenn man über den Trailer oder Filmtitel stolpert.

New Batman“! …Hmm, schon ganz gut… „Batman Begins (again)“! …Naja… „Batman and the Wasp“! …Äh, Moment… „Batman – Biss zum Morgengrauen“! …So dämliche Filmtitel gibt’s doch gar nicht… „Batman Resurrected! Revisioned!? Revival??!“ …Klingt alles zu verdächtig nach Reboot… Die Schreibweise mal ändern: „Bat-Man“! Badman!? …Geht im Marketing schief, aber die Richtung stimmt… Einfach„Bat“! Wie bei: „Kong!“ …Noch etwas zu kurz… „The Amazing Batman!“ …Fast… ICH HAB’S: „The Batman“

Na prima, das hat ja schon bei „The Suicide Squad“ hervorragend geklappt (sogar in unserer Programmbeirat-Tabelle steht der fälschlicherweise einfach als „Suicide Squad 2“ drin). Egal, der neue Batman von „Planet der Affen“-Rebooter Matt Reeves und mit „Twilight“-Opa Robert Pattinson soll also „The One and Only“ werden, unter allen Batmännern. Aber: Hat ein solcher 3-Stunden-Schinken gegen die beliebten Christopher-Nolan-Verfilmungen überhaupt eine Chance?

Kurzfassung: Ja, hat er. Auch wenn man sich in Sachen „Düsterness-Faktor“ bestimmt von der „Dark Knight“-Reihe und dem zuletzt erfolgreichen „Joker“ hat inspirieren lassen. 

Ich hab mich jedenfalls direkt in die Preview gesetzt – und will „The Batman“ unbedingt nochmal sehen, am besten im Original. Auf Spoiler oder einen Handlungsabriss verzichte ich mal (ihr schaut doch eh alle den Trailer!), also: „The Batman“ ist als Film dreckig, düster, hochspannend, dezent zu lang, exzellent bis mutig gecastet, audiovisuell bis in die Noir-Spitzen durchgestylt, reichlich gruselig, zum Glück eigenständig, teils komplex, angenehm CGI-arm, ziemlich fantastisch. 

Mir würden weitere Attribute einfallen, aber ihr versteht: ein richtig gelungener, wenn auch untypischer Blockbuster. Und ich bleibe vorerst bei Christian Bale als All-Time-Favorit-Fledermaus. Im Kopf bleiben mir vielmehr die außergewöhnlichen Performances von „Riddler“ Paul Dano und „Catwoman“ Zoë Kravitz (außerdem das Make-Up von Colin Farrell; den hätte ich in 100 Jahren nicht erkannt!!)

Lieblingsfilm-Potential: Wer Sitzfleisch beweist und keinen „Happytime“ Marvel-Humor braucht, könnte hier tatsächlich seinen neuen Lieblings-Batman finden. Für mich ist es jetzt schon einer der besten Filme des Jahres, den ich bei den Filmnächten Chemnitz wiedersehen will. Aber: „Joker“ hat mich mit seiner Intimität damals stärker vereinnahmt.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Mehr Herzschmerz und Sommerkino-Feeling gibt’s bei „Cyrano“; den hat Kollege Jens ebenfalls schon in der Sneak-Preview gesichtet. Die Musical-Verfilmung eifert mit um den „Bestes Kostümdesign“-Oscar. Auch in der deutschen Syncro sind die Original-Gesangseinlagen von Peter Dinklage (nunja, stimmlich vergleichbar mit Russell Crowes „Inspektor Javert“) und Haley Bennett (zauberhaft!) enthalten. Ein guter Gegenpart zu „The Batman“!

Filmstart(s) der Woche – powered by Programmbeirat: Belfast & King Richard

Der „Filmstart der Woche“ ist in dieser Woche etwas besonders. Zwei große Oscaranwärter haben Bundesstart:

Belfast“ mit sieben Nominierungen (u. a. Bester Film, Regie, Nebendarsteller, Nebendarstellerin, Originaldrehbuch).

Und „King Richard“ mit sechs Nominierungen (u. a. Bester Film, Hauptdarsteller, Nebendarstellerin, Originaldrehbuch).

Und ich konnte beide Filme in den letzten Sneak Previews im CineStar bereits sehen.

Belfast, Nordirland…

…aber Nordirlandkonflikt, darauf war ich nicht vorbereitet. Nach den ersten Filmminuten war ich mittendrin. Wie soll der Film weitergehen? Um so erleichterter war ich mit der Zentrierung der Handlung auf den neunjährigen Jungen Buddy, der einfach versucht, weiterhin Kind zu sein. Aufgrund der Geschehnisse muss er sich aber auch den Erwachsenenfragen stellen.

Während der Film so im Gange ist und man sich trotz des Konfliktpotentials am Zusammenleben rundum Buddy erfreut, wartet man stillschweigend auf den großen Knall. Ja, es passiert schon was, aber Kenneth Branagh (Drehbuch & Regie) hat eine wirkungsvolle Lösung gefunden, auch für das Ende. Kenneth Branagh spricht selbst von „autofiktional“ und arbeitet seine eigene Vergangenheit mit ein.

Es ist spannend zu verfolgen, wie sich Buddy das Verständnis von Heimat erarbeitet und was er darunter versteht. Nicht unbeteiligt sind seine Großeltern, welche beide für die jeweilige Beste Nebenrolle nominiert sind (Judi Dench und Ciarán Hinds).

Als Schwarzweißfilm und häufig auch ein mit kleinen Brennweiten gedrehter Film, ist dieser Film ein cineastischer Genuss.

Nicht bloß ein Tennisfilm

„King Richard“ ist nicht nur ein Film über Tennis. Es geht um Familie, Ehrgeiz und (väterliche) Erwartungen. Will Smith spielt Richard Williams, den Vater u. a. von Venus und Serena Williams, sehr beeindruckend.

Vom Handlungsablauf her ist man neugierig, wie es zwei Schwestern zu einer solchen unglaublichen Dominanz im Tennis schaffen konnten? Wie fing alles an? Wir begleiten beide Schwestern und die Familie während ihrer Kinder- und Jugendjahre und sehen einen Vater, der ein Konzept, eine Vision und die Hartnäckigkeit besitzt, um das zu schaffen, was er will.

Bezüglich der Handlung gibt es viele interessante Momente und Meilensteine, auch welche, die nachzuforschen sind. Was ist mit dem Vater im Detail? Wie war seine Kindheit? Wie gefährlich kann es sein, die väterlichen Erwartungen und die möglichen Erwartungen aller schwarzen Mädchen auf seine Töchter abzuladen? Mit Hilfe des Films bekommt man aus einigen Szenen eine Ahnung darüber. Wir sehen aber auch den liebevollen Vater, der seine jungen Talente vor der Maschinerie des Profitennis schützt und das Familienleben hochhält.

Lieblingsfilm-Potential: Beide Filme sind großartig und reihen sich in ihren Genres ganz oben mit ein. Hoffentlich klappt es für ein paar Oscars. Mir gefällt an diesen beiden Filmen, dass man sich noch tagelang mit dem Inhalt auseinandersetzen kann, mit „Belfast“ geht dies natürlich viel intensiver.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Obwohl bereits zwei Filme erwähnt wurden, gilt es noch einen ganz besonderen Musikfilm zu erwähnen. Die Horrorkomödie „Studio 666“ erzählt uns, wie die Band Foo Fighters ihr zehntes Album „Medicine at Midnight“ aufgenommen haben soll.

Bei dem gruseligen Studio ist die Rede von einem Herrenhaus in Encino, Kalifornien, in dem die Foo Fighters tatsächlich das Album aufgenommen hatten. Und die Band behauptete damals, dass es Geistererscheinungen und gruselige Momente gegeben hätte.

Da sind wir doch gespannt, wie Dave Grohl & Co. das überstanden haben (sollen).

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Der Pfad

Spätestens seit Roberto Benigni im Jahr 1997 mit dem Streifen „Das Leben ist schön“ den schon fast revolutionären Versuch unternommen hat, dem nach wie vor Grauenhaften von Krieg, Vertreibung und Völkermord durch eine für damalige Verhältnisse gewagte, aber aus heutiger Sicht berechtigte Betrachtungsweise einen anderen, als den zerstörerisch-anklagenden Blick zu geben, scheint sich in der Cinematografie herumgesprochen zu haben, dass dies ohne Gesichtsverlust und vor allem ohne Grauen zu bagatellisieren möglich ist. Beredte Beispiele jüngeren Datums sind Filme wie „JoJo Rabbit“ oder „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Nun hat der Film „Der Pfad“, eine cineastisch umgesetzte Geschichte auf dem Weg ins Exil, um Verfolgung und möglichem Tod in Deutschland zu entgehen, das Licht der Leinwand erblickt. Erzählt wird die Geschichte aus dem Blick des kleinen Jungen Rolf, der gemeinsam mit seinem Vater der bereits im Exil weilenden Mutter folgen will; schon bald aber geschieht das erwartbare Unglück und der Vater wird festgenommen. Nun ist Rolf allein auf sich gestellt, lediglich begleitet von einem ebenso kleinen Mädchen, das sich aber wenigstens in der Gegend auskennt. Mehr von der Handlung, die mit großer Ernsthaftigkeit aber eben doch aus dem Blickwinkel von Kindern den Weg weiter über die Grenzen schildert, soll nicht gespoilert werden.

Rolf wird gespielt von Julius Weckauf; spätestens bei dem Namen müssten sich bei vielen Cineasten bestimmte Synapsen verdrahten, denn Weckauf ist genau der, der mit „Der Junge muss an die frische Luft“ dem Drei-Käse-hoch Hape Kerkeling ein Kino-Kinderleben eingehaucht hat, welches wahrscheinlich Kerkeling selbst nicht einmal hatte.

Julius Weckauf und Nonna Cardoner auf der Flucht

Und der rezensierende Kinofilm-Beschauer kann alles, aber nicht verhehlen, dass auch in diesem Genre, das ja die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern geradezu als Existenzberechtigung benötigt, Julius Weckauf alles rausholt, was sehenswerter Film zu bieten haben sollte (vielleicht, aber das ist nur ein klitzekleiner Einwand, ist er für die Rolle etwas zu füllig). Nun werden die Kritiker sicher wieder zu bemängeln haben, dass das Thema viel zu ernst sei, um seine Späße damit zu machen. Richtig, kann der Kinofilm-Beschauer dazu nur sagen, denn es macht auch niemand unangemessene Späße. Aber man darf ganz sicher belastbar davon ausgehen, dass bei aller Not, Pein, Trauer und auch Angst Kinder in damaliger Zeit eben einen anderen Blick hatten, so wie Kinder heute einen anderen Blick zum Beispiel auf eine Pandemie haben. Und nur das macht der Film deutlich. Und das tut er mit Fingerspitzengefühl, einem sympathischen Augenzwinkern und trotzdem nicht zu kurz kommender Ernsthaftigkeit. Das Urteil: gelungen und sehenswert.

Ach übrigens, ehe es in Vergessenheit gerät: Schön, dass es auch neben den Unmengen in „Denglisch“ bezeichneter Filme noch solche gibt, die genau so heißen, wie ihre Handlung verspricht – mit anderen Worten, der Name „Der Pfad“ ist ein zu dem Film passender wohltuender Nebeneffekt.

Lieblingsfilm-Potential: Da der Kinofilm-Beschauer nur recht wenige Filme kennt, die für ihn in diese Rubrik fallen, liegen die Hürden hier ziemlich hoch und um es offen zu sagen, überspringt diese Hürden „Der Pfad“ nicht. Aber auf einen Platz im guten Mittelfeld kommt er ohne Probleme…

Alternativ-Empfehlung der Woche: Was können die besten Bergsteiger in ihren besten Jahren leisten? Eine der Fragen aus der Outdoor-Doku „Der Alpinist“ – eine mögliche Antwort: Solo-Besteigungen! Was für ambitionierte Hobby-Berggänger wie ein Himmelfahrtskommando erscheinen mag, ist für diese Menschen das kalkulierte Risiko, um das intensive Berg-Gefühl zu erleben und um (nebenbei) die Grenzen der Machbarkeit zu verschieben. Obwohl es im Film um Marc-André Leclerc geht, haben wir auch ein Auge auf das langfristige Vorhaben von Jost Kobusch. Jost Kobusch ist ebenfalls ein Solo-Bergsteiger mit vielen Erfolgen. Eines seiner Langzeitprojekte ist die Solo-Besteigung des Mt. Everest, an welcher er aktuell im Himalaya (siehe FAZ) arbeitet. Aufgrund dieser beeindruckenden Vorhaben beinhalten solche Projekte wie „Der Alpinist“ interessante Einblicke in die Persönlichkeiten dieser Menschen. Wir freuen uns, diesen Film als Kandidaten für unsere TERRA-Sparte in der engeren Auswahl zu haben.

„Der Alpinist“ bietet nicht nur, aber natürlich auch: wundervolle Gipfel-Aufnahmen voller Eis und Schnee.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Moonfall

Schaut man lieber den Trailer zu „Moonfall“ oder schaut man lieber das Official Lyric Video zu Creedence Clearwater Revivals Song „Bad Moon Rising“ (1969), um sich auf diesen Film einzustimmen?

Das kann man beides machen.

„Moonfall“ ist nach dem ruhigeren Sci-Fi-Film „Tides“ (4 Auszeichnungen Deutscher Filmpreis 2021, R. Emmerich Produzent) definitiv ein Kracher. Trotzdem bekommt „Moonfall“ nicht so ohne weiteres grünes Licht. Schließlich waren die Meinungen damals nach „Independence Day II“ ganz schön gespalten. Aber wenn dieser Film etwas von der herrlichen Übertriebenheit von „2012“ und von der pathetischen Aufladung von „ID1“ hat, dann wird das ein Leinwandspektakel für die großen Kinosäle.

Vielleicht nimmt man sich einfach eine Strichliste zu den Etappen des CCR-Songs mit und hakt ab, was so passiert. Und es wird so einiges passieren…

  • Der besondere Aufgang dieses bösen Mondes
  • Erdbeben
  • Blitze
  • Hurrikans
  • Überschwellende Flüsse

Nun muss ja „Moonfall“ nicht so enden, wie CCR es im Song andeutet, schließlich haben wir hier Roland Emmerich am Werk – und unsere Helden – auf 2 Stunden Actionpass.

Lieblingsfilm-Potential: Mir kam es am Montag in der OV-Sneak so vor, als wäre „Moonfall“ eine Art Best-of-Movie, vergleichbar mit den Best-of-Alben der Musikbranche, was das Schaffen von Roland Emmerich angeht. „Moonfall“ funktioniert als unterhaltsamer Actionfilm (mit mal ein Auge zudrücken, oder noch eines), welchen man sich mit der Clique anschauen sollte – denn mit wem soll man die ganzen schrägen Geschehnisse sonst auswerten? Aber bis zum Lieblingsfilm-Status wird es „Moonfall“ wohl nicht schaffen.

Alternativ-Empfehlung der Woche: An Hercule Poirots Ermittlungsgeschick führt mit „Tod auf dem Nil“ nichts vorbei. Nach „Mord im Orient Express“ von 2017 ist „Tod auf dem Nil“ die nächste Wiederverfilmung eines Romans von Agatha Christie mit Starbesetzung.

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Wunderschön

Seit „SMS für dich“ steht fest: Karoline Herfurth kann (auch) Regie. Wer sich letztes Jahr ins Kino wagte, dürfte die Trailer ihres neuen Films schon kennen: „Wunderschön“ wurde mehrfach verschoben. Corona halt, nichts Neues. Oder steckt auch ein bisschen Kalkül dahinter, dass die Dramödie nun am 4. Februar 2022, also rechtzeitig zum Valentinstag erscheint? Dabei ist der Regisseurin und Schauspielerin offenbar ein richtig guter Episodenfilm gelungen. Dieser bietet zwar Herzschmerz und vorwiegend Frauenrollen, aber besonders die Themen Selbstliebe und Schönheitsideal werden in den Fokus genommen. Auch, wenn ich den Film erst dahingehend abstempeln wollte: Eine Valentinstags-Schnulze für die DVD-Krabbelkiste bei Thalia ist „Wunderschön“ sicher nicht geworden.

Bin ich zufrieden mit meinem Körper? Wie sieht mich mein Partner oder meine Partnerin, wie die Familie, Freunde oder Kollegen? Muss ich Sport machen und mich besser ernähren, um meinen „Wert zu erhöhen“? In welchem Alter oder in welcher Lebensphase ist man bereit, zu lieben oder geliebt zu werden? Ganz schön große Fragen, von denen zumindest einige mit Sensibilität, aber auch mit Humor und emotionsgeladenem Schauspiel behandelt werden – zumindest ist es das, was ich mir von „Wunderschön“ erhoffe. Neben dem neugierig machenden Kritiker-Lob dürften mich die deutsche Star-Power und die sehr authentisch wirkenden Dialoge ins Kino locken.

Vielleicht lasse ich aber auch den anderen Mitgliedern aus unserem Programmbeirat den Vortritt und „verliebe“ mich zum Valentinstag (ein Montag!) erstmal in den nächstbesten Sneak-Film… „Wunderschön“ ist dann aber definitiv in der Filmnächte-Saison 2022 dran, denn derartiges Wohlfühl-Kino zwischen Herzschmerz und Witz passt einfach perfekt ins Repertoire der Filmnächte bzw. zu einem unbeschwerten Sommerabend auf dem Theaterplatz.

Lieblingsfilm-Potential: Absolut vorhanden! Zumindest für alle, die nicht gerade bei Produktionen aus heimischen Gefilden generell bzw. beim „Wunderschön“-Trailer genervt mit den Augen rollen.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Apropos rollende Augen… Das totale Kontrast-Programm diese Woche dürfte „The Sadness“ bieten – ein superbrutaler Zombie-Film aus China/Taiwan mit Pandemie-Plot. Na da, wunderschönes Splattern!

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Monobloc

Monobloc. Mono-was? Fehlt da nicht’n „k“? Was soll das sein? Eine Antwort gebe ich euch: Es ist das meistverkaufte Möbelstück der Welt, meist weiß, abwaschbar, wetterfest, robust aber auch umweltverschmutzend. Es kennt jeder! Egal ob im Garten, am Imbiss, am Strand oder vielleicht sogar als Rollstuhl? Monobloc ist ein deutscher Dokumentarfilm aus dem Jahr 2021 von Grimme-Preisträger Hauke Wendler und erzählt die Geschichte des berühmtesten und einfachsten Plastik-Stuhls der Welt. Was für ein Film soll das denn sein?

Acht Jahre wurde an diesem Film gearbeitet. Hauke Wendler reiste mit seinem Kamerateam einmal um die halbe Welt. Der Film umfasst sehr viele Themenbereiche: Funktioniert Kapitalismus und Teilhabe? Konsum und Recycling? Funktionalität und Schönheit? Und die spannendste Frage (des Lebens) bleibt am Ende: Was braucht man eigentlich um glücklich zu sein?

Filmstart der Woche – powered by Programmbeirat: Sing 2

In Zeitschleifen festzustecken fand ich in Filmen immer schon anstrengend – aber in der Realität!? Sei’s drum, here we go again, nach 10-wöchiger Zwangspause heißt es endlich wieder: „Endlich wieder Kino!“ … Und mit der Kultur kehren bald bestimmt auch die Filmnächte zurück, sobald Chemnitz‘ Innenstadt aus dem Winterschlaf erwacht.

Frei nach dem Motto „Keine Zeit zu spalten“ oder „Popcorn duftet auch durch die Maske“ wühlen wir uns als Programmbeirat derweil durch den Bäumchen-wechsel-dich-Kinokalender und stellen euch ab sofort wöchentlich eine aktuellen Filmstart vor – bevorzugt aus dem Kino, oder auch mal aus dem „Schtriem“ (oder wie dieses neumodische Format heißt).

Vielleicht werden unsere Tipps ja in einer traumhaft-lauen Sommernacht bei den Filmnächten 2022 gezeigt, wer weiß…?

The Show must go on!

Knallbunte Animationswelten, tierische Gags und mitreißende Popsongs, die man schon nach dem Trailer nicht mehr aus dem Ohr kriegt… Ich denke, als Alltags- und Pandemie-Ausflucht hätte es kaum besseres Feelgood-Material zum Kinoneustart geben können als einen Film wie „Sing – Die Show deines Lebens“. Die Fortsetzung des Animations-Hits verspricht kleinen und großen Musik-Fans ohne „Angst“ vor FSK0 eine richtig gute Zeit im Kinosessel zu bescheren (falls es sie darin hält!). Am 20. Januar öffnet sich der Vorhang für den familienfreundlichen 110-minütigen Streifen von Universal Pictures.

Die Story beinhaltet neue Herausforderungen für Koala-Theaterchef Buster Moon, die offenbar krasseste Musik-Show seit Kaiser-Mania und jede Menge Liedtexte, Leidenschaften und Lampenfieber. Verzeiht, dass die Inhaltsangabe derart knapp ausfällt, aber viel mehr braucht so ein Film nicht, um zu funktionieren!

An den Weihnachtsurlaub 2016, als ich „Sing“ in unserem schnuckeligen Kleinstadt-Kino sah (Grüße nach Finsterwalde!) und mich musikalische Glücksgefühle ergriffen, erinnere ich mich super gerne.

Der Soundtrack war anschließend ein ständiger Begleiter in meiner Youtube-Playlist. Und noch heute überrascht mich, wie von Elefanten-Damen gesungene Cover-Songs aus einem kindgerechten Animationsfilm Gänsehaut zu erzeugen wissen… Ähnliches erhoffe ich mir von „Sing 2“: Dass er mit seiner audiovisuellen Energie eine beschwingte Stimmung aus vor-pandemischen Epochen heraufbeschwören kann, dass er sprechende Tieren menschliche Emotionen übertragen lässt, dass er einfach Freude macht! Mit von der Partie sind übrigens auch wieder tolle Sprecher wie Bastian Pastewka oder Peter Maffay.

…Warum auch immer übrigens der deutsche Titel des zweiten Teils nicht „Sing 2“ sondern nur „Die Show deines Lebens“ heißt…

Im Vergleich zu Disney- & Pixar-Musicals ist es übrigens erfrischend zu hören, dass die englischen Songs nicht umständlich eingedeutscht werden und dass der Wiedererkennungsfaktor der Genre-übergreifenden Musik nicht nur bei Charts-Kundigen hoch sein dürfte.


Und wird „Sing 2“ auch den Theaterplatz rocken? Bestimmt bietet sich in den Sommerferien ein melodisch-launiger Vorabend an, den man problemlos mit oder ohne Kinder erleben kann! Bis dahin ist’s ja aber noch hin, also: Mit „Sing“-Playlist eingrooven, Maske rauskramen, ab ins Kino!

Lieblingsfilm-Potential: Aufgrund seiner leichten Zugänglichkeit sicherlich hoch, schließlich funktioniert „Sing 2“ auch ohne Vorkenntnisse des ersten Teils.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Wer nicht auf Animation steht, ist mit Guillermo del Toros neuestem Werk „Nightmare Alley“ gut beraten – ein laut Kritiker-Echo exzellentes Krimi-Noir-Märchen für Erwachsene mit Bradley Cooper, Cate Blanchett und weiteren Stars!

„Nightmare Alley“ – Hochwertiges Krimi-Kino für Cineasten von Großmeister Guillermo del Toro

Oscars vs Covid-19 – ein Duell der Giganten?

Es war anders. Es war bunt. Es war lustig. Es schrieb Geschichte. Es war nicht ohne Pannen. Es fehlte so einiges. Und im Endeffekt fragten wir uns alle inständig, ob diese eine Nacht nicht die langersehnte Premiere eines sehr kontrovers diskutierten ethnischen Narratives war, welcher sich im Mantel eines 3 aktigen Dramas in bewegten Bildern in Millionen von Haushalten auf der ganzen Welt hüllte. Und das Beste daran? Wir alle waren seit Monaten und mithilfe unserer digitalen Stimmen unterbezahlte Komparsen, die von ihrem Glück bis zum Ende hin nichts wussten….

Teaser

Doch fangen wir einmal ganz von vorne an. Wir alle wussten, dass die 93.Oscarverleihung eine ganz Besondere werden wird. Nicht nur, weil sie wie jedes Jahr den Höhepunkt einer intensiven und eigentlich auch sehr kurzweiligen Awardseason darstellt, sondern auch, weil die Academy besonders in diesem Jahr durch ihr asynchrones Verhalten vor der Verleihung viele Gerüchte hat selbst aufkommen lassen. Gewöhnlich standen die Nominierten bereits einige Wochen nach den Golden Globes© Ende Januar fest, gefolgt von der Ankündigung eines oder mehrer Moderator*Innen, sowie bis spätestens Mitte Februar das Thema des Abends. Danach folgten fast täglich neue News bezüglich der prominenten Laudator*Innen. So weit. So gut. Doch all dies fiel dieses Jahr irgendwie weg und den cineastischen Anhängern wurde erst in der allerletzten Sekunde das letzte Fünkchen an Informationen serviert. Reichte ja nicht aus, dass wir dank Covid-19 nur einen Bruchteil aller nominierten Filme sehen konnten- an dieser Stelle sollte man alle VPNs zu Hulu und HBO Max heilig sprechen- und somit nicht der Pegel an sich, sondern allein seine Höhe im nächtlichen Oscarquiz hinterfragt werden musste. All das führte bis Mitte März 2021 zu einem mehrheitlichen Unbehagen und eigentlich hatten wir alle nach den vielen misslungenen Zuschalten der vorherigen Preisverleihungen, also falls es denn wirklich eine Zuschalte gab und nicht die Kuh in Tennesee mal wieder auf der hauseigenen Leitung stand, irgendwie auch keine Lust mehr auf ein Fremdschämen des Goldjungen in 2.0. Somit erreichte der Teaser dieses Spielfilms nur sehr wenige Klicks und die Engagement Rate auf den Distributionskanälen musste definitiv zunehmen. In diesem Fall wurden wir mit der Ankündigung einer neuen Location, einem völlig neuem Setdesign und einer Neuausrichtung im Ablauf gekapert. Der Slogan war „weg vom altehrwürdigen Dolby Theatre und hin zu einer die Welten verbindenden Union Station“. Vor allem der Outdoorbereich sollte dabei an einen Aufenthalt im „Garden of Allah“, einem Gemälde von Maxfield Parrish aus dem Jahre 1918, erinnern und den Slogan auch visuell neu interpretieren. Und ich meine, die ersten Skizzen sahen doch sehr vielversprechend aus, oder?

Doch mehr geschah leider nicht und den Fans blieb also nichts anderes übrig als am 26.04.2021 ab 00:40 Uhr deutscher Zeit dem Trailerbombing des deutschen Haussenders Pro7 und seinem amerikanischen Schwesterkinder ABC in einer Art Pre-Show beizuwohnen und einfach dann keine Chance mehr auf ein Wegschalten zu haben….

Trailer

Als fleißige Social Media Follower habt ihr ja bereits während unseres „Filmnächte Oscar Special“ erfahren, dass dieser rote Teppich, die wohl wichtigste PR-Veranstaltung vor der eigentlichen Verleihung ist. Es wird nicht nur darauf geachtet, von wem das Kleid und der Schmuck stammt oder wen man als sein ganz persönliches Eyecandy an der Hand über den Roten Teppich führt, nein, es geht hier vielmehr darum vor der internationalen Presse Sympathiepunkte zu sammeln. Es ist völlig egal wie du arbeitest oder welchen Eindruck du bei deinen Kolleg*Innen hinterlässt, auf dem Roten Teppich sind wir alle ein Team, eine große Familie und eine Front, über der seit vielen Jahren eine Vielzahl an Hashtags zur verbalen Auspeitschen eines eingerosteten Systems hängt. Die letzten Jahre hatte man durch die Größe und die zugelassene Masse der Menschen am Roten Teppich dieses Auspeitschen mit seinem eigenen Verhalten vorzuführen oder vielleicht doch dem Bemühen der Academy Tribut zu zollen. Dieses Jahr war es dahingehend besonders spannend, weil sich 1. insgesamt nur rund 170 Nominierte und Laudator*Innen in der ganzen Location aufhalten durften, 2. weil es keine „Red Carpet Lanes“ zum Verstecken oder schnellen Hindurchlaufen gab und weil 3. auch insgesamt nur 12 internationale Presseteams am roten Teppich standen und man so zwar selektiver, aber auch viel empathischer, agieren musste.

Mein persönliches Highlight war in diesem Zusammenhang das Aufeinandertreffen von Leslie Odom Jr. und Glenn Close. Ich meine, c´mon! Alexander Burr aus „Hamilton“ trifft auf Nora Desmond aus „Sunset Boulevard“– also wenn das keine theatralisch/ musikalische Explosion darstellt, dann weiß ich auch nicht. Die beiden kannten sich aus früheren New Yorker Theatertagen und so wirkte es weder gekünselt noch gespielt, sondern mit sehr viel Respekt und in enorm ehrlicher Anerkennung der gegenseitigen Leistung. Ganz anders und vor allem sehr befremdlich fand ich dagegen das Aufeinandertreffen von Carey Mulligan und und Vanessa Kirby. Beide für ihre sehr guten Leistungen in der Kategorie der „besten Hauptdarstellerin“ nominiert, versuchte unser deutsches Pendant Steven Gätjen sich den eigenen Wunsch eines Interviews mit Vanessa Kirby zu erfüllen und gleichzeitig mit aller Macht einen ähnlich schönen Moment zwischen diesen beiden zu (er)schaffen, wie es zwischen Leslie und Glenn der Zufall wollte. Vergebens und mit Verlust vieler Sympathiepunkte seitens Vanessa Kirby muss ich ehrlich zugeben.

Und was nehmen wir sonst noch von der eigentlichen Reizüberflutung, auch genannt Red Carpet, mit? Kaum Interviews und gefühlt war der gesamte Teppich eine komplette „Fast Lane“. Ganz zu schweigen vom UnSATZ des Abends. „Yes, I will come back later!“ und Zack- vollends in der Location verschwunden. Es gab vergleichsweise wenig wirkliche Fashionmomente und man muss auch ehrlicherweise zugeben, dass niemand an den zeitlosen Glamour einer Charlize Theron oder der Exotik einer Cher rankommt. Dennoch wissen wir, dass ALLES im Bereich des Kinos eines Weile braucht, um vollkommen verstanden zu werden. Und so passiert es auch, dass, wenn wir uns einige Kleider und Anzüge im Nachgang der Verleihung noch einmal ganz genau anschauen und ordentlich Recherche betreiben, wir feststellen, dass jedes einzelne von Ihnen bedeutungsvoller und intimer als jemals zuvor war. Amanda Seyfried trug ein Kleid von Armani Privé, welches den Glanz des alten Hollywoods wieder zum strahlen brachte und welcher für sie der Auslöser ihrer Schauspielkarriere war. H.E.R. trug einen Cape-Look von Dundas, der an das Oscaroutfit ihres Vorbilds Prince von 1985 erinnern sollte, in dem Jahr als „Purple Rain“ einen Oscar als „Bester Song“ erhielt. Und der zweifache Oscranominiée Leslie Odom Jr. trug einen goldenen Anzug von Brioni, dessen Farbe ein leuchtendes Symbol der mehrfach vertretenen schwarzen Community im diesjährigen Oscarrennen und der sich verändernden Filmwelt darstellen sollte- „Vanity Fair Oscar Portrait Studio 2021“:

Der Trailer, in welchem wir uns nunmehr seit einigen Absätzen befinden, gibt jedem potentiellen Kinobesucher bereits in den heimischen 4 Wänden ein erstes Gefühl für all das was auf ihn zukommt. Wir entscheiden uns danach ganz individuell für oder gegen diese absolut nachvollziehbare Geldanlage, auch Kinokarte genannt. Und so hieß es ab 02:00 Uhr deutscher Zeit- Licht?Ja.Kamera?Ja.Action! und das Drama-oh Pardon- ich meine natürlich die Verleihung- nach einem Vorbild von Aristoteles und produziert vom Pandemieexperten Steven Soderbergh nahm in 3 konkurrierenden Akten unweigerlich seinen Lauf.

Akt 1

Im 1. Akt eines Regeldramas werden alle (zu) handelnden Personen vorgestellt und der dramatische Konflikt kündigt sich an. In unserem speziellen Fall wurden die unterschiedlichen Rollen der zu handelnden Personen den angekündigten Laudator*Innen zugeschrieben. Denn wer sonst kann eine filmische Handlung so ins Schwanken bringen, wie die Laudotr*Innen, die mit ihrer Verkündung alle vorherigen Prognosen auf den Kopf stellen. Vorgestellt wurden all diese Atlanten durch einen inszenierten Vorspann, in dem sich Regina King in einem epischen Walk, inklusive Oscarstatue in ihrer rechten Hand, aus dem „Garten von Allah“ in die eigentliche Location in der Union Station aufmachte und einerseits für den gekonnten Umgang mit ihrem Kleid und dem meiner Meinung nach sehr sympathischen Stolperer am Ende des Walks sicher von Heidi Klum ein Ticket für die Top 10 bekommen hätte. Wenn nicht, wäre sicher auch in Starlight Express noch eine Rolle für sie frei gewesen….

Im Anschluss daran übernahm Regina King die Aufgabe der altbekannten Moderatorin und begrüßte die 170 Nominierten zu Beginn der knapp 3 stündigen Show mit einer Rede, die zwar sehr wenig persönliche Emotionalität zeigte, aber den Nagel auf den Kopf traf. Denn ja, es gibt zum jetzigen Zeitpunkt und in dieser einen Welt sicher Wichtigeres als den heutigen Abend. Aber er soll uns helfen nicht die Balance und vor allem nicht das zu verlieren, was uns zu dem gemacht hat, das wir heute sind. Und ja, es ist absolut korrekt, dass in der Welt der Filmschaffenden der Oscar, seine meist überdimensionierte Inszenierung und alle Diskussionen, die danach noch über Monate hinweg geführt werden, einfach dazu gehören. Es ist Teil eines Gesamtkonstruktes und alleine die Tatsache, dass ich dieser Thematik einen ganzen Blogbeitrag widme, zeigt doch eigentlich schon, dass die Macher ihr Ziel absolut nicht verfehlt haben.

Ich möchte es an dieser Stelle vermeiden euch jetzt jeden einzelnen Gewinner des Abends vorzustellen. Aber ich denke, ich werde in den verschiedenen Akten kurze Highlights ansprechen, die definitiv Geschichte geschrieben haben. Und so beginnen wir direkt mit der (chronologisch) ersten strahlenden Gewinnerin des Abends- Emerald Fennell. Sie gewann in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ für „Promising Young Woman“ und hell yes, was war das bitte für eine unglaublich sympathische Rede? Nicht nur, dass die 35-jährige Britin zusammen mit Chloé Zhao als einzige Frau seit Kathryn Bigelows Sieg im Jahre 2009 überhaupt mal wieder in der Kategorie „Beste Regie“ nominiert war und so schon Oscargeschichte schrieb, nein, uns allen kam das Gesicht doch irgendwie bekannt vor, oder? Absolut korrekt. Hier sehen wir Camilla Parker-Bowles, welche in Episode 8 aus Staffel 3 der 39-fach für einen Emmy nominierten britischen Erfolgsserie „The Crown“ uns alle das erste Mal zwischen Freude und Hass verzweifeln ließ. Mit Tränen in den Augen sprach sie allen eingefleischten Cineasten aus der Seele, denn wer von uns hat nicht schon einmal unter der Dusche seine Oscarrede einstudiert und gemerkt, dass 90 Sekunden wirklich eine fast unmögliche Herausforderung zum ausschweifenden Danken ist. Doch auch das war dieses Jahr ein wenig anders. Es gab kein Live-Orchester, auch nicht wie sonst immer in einem anderen Gebäude. Nein. Nichts. Und durch die fehlende Orchesterbespielung, konnten die Gewinner*Innen während ihrer Dankesrede nicht ausgeblendet werden. Für viele Anwesende war das ein sehr verwirrender Umstand, aber ich persönlich fand, dass man selbst als Zuschauer so besser und eher gespannt bis zum Ende jeder einzelnen Rede lauschte, ohne direkt auch selbst Angst zu haben, dass man beim musikalischen Überspielen das Wichtigste der Rede verpasst. Ja, man kann fast sagen, dass es wortwörtlich zu mehr Ruhe in der Verleihung führte. Der Gewinn Fennells war für mich in jeglicher Hinsicht ein absolut verdienter Gewinn, denn Talent trifft hier auf den richtigen Charakter. Und sollten wir sie in Zukunft erst einmal eine Weile nicht vor oder hinter der Kamera arbeiten sehen, obvisouly aus mehreren Gründen, rate ich jedem sich ein Ticket für Andrew Lloyd Webers neu komponiertes Musical „Cinderella“ im Gillian Lynne Theatre im Londoner West End zu kaufen, denn da war bzw. ist Fennell für das Schreiben der vertonten Buchvorlage zuständig. An dieser Stelle noch ein kleiner Nerdalarm– dieses Musical wurde komplett neu komponiert und inszeniert und ist bitte nicht mit der 1957er Version von Rodgers & Hammerstein „Cinderella“ zu verwechseln, in welchem die göttliche Julie Andrews die Hauptrolle spielte.

Akt 2

Im 2.Akt eines Regeldramas liegt der gesamte Fokus der Handlung auf der Verschärfung der Gesamtsituation und der Steigerung der Handlung bis zum erregenden Finalmoment in Akt 3. In unserem Fall haben wir hier im 2.Akt so einige Momente zu nennen, die exakt diesem zu erwartenden Schema entsprechen. Zu aller erst wäre da der historische Oscargewinn von Chloé Zhao in der Kategorie „Beste Regie“. Nicht nur schrieb die Nominierung an sich neben einer weiteren von Emerald Fennell in derselben Kategorie Geschichte, nein, auch so war die 30-jährige Chinesin die erste „Woman of Colour“ die diesen Preis gewann. Und seien wir doch mal ehrlich, was können wir in diesem Zusammenhang von den derzeit erfolgreichsten Frauen in der Filmindustrie lernen? Bodenständigkeit. Denn Fennell, als auch Zhao, trugen unter ihren Kleidern Sneaker. Optisch kann man somit nicht noch mehr auf den starren Dresscode dieser Verleihung s****. Apropos…kommen wir in diesem Zusammenhang zu einem der, meiner Meinung nach, 2 größten Arschlochmomente des Abends- der Übergabe des sogenannten „Jean Hersholt Humanitatian Award“. Als respektable Auszeichnung aller sich in der Filmindustrie über das reine Filme machen hinaus engagierenden Menschen, soll dieser Award für Aufmerksamkeit bezüglich eines ganz individuellen humanitären Engagements sorgen. Nehmen wir also einen Bryan Cranston in einem nagelneuen Smoking, der in einem verlassenen Dolby Theatre auf, vor allem derzeit durch Covid-19 von der Außenwelt abgeschnittene, ehemalige Filmschaffende verweist, die ihren letzten Abend aufgrund einer jahrzehntelangen hauptsächlich migartionsbedingten Unterbezahlung auf die Hilfe des Motion Picture & Television Fund, „MPFT“, angewiesen sind. Egal ob bezüglich eines altersgerechten Wohnsitzes oder etwaiger sozialer bzw. finanzieller Leistungen. Die „MPFT“ kümmert sich um ihr Netzwerk an Filmschaffenden bis ins hohe Alter. So die Theorie. An sich ist das natürlich eine schöne Geste, jedoch frage ich mich ernsthaft, wie es 1. überhaupt so weit kommt, dass man Filmschaffende so sehr unterstützen muss und 2. fand ich die Inszenierung der Übergabe absolut daneben und von oben herab. Gilt der Dresscode nicht für alle? Ach nein, Normalsterbliche in dieser Branche werden weder gesponsert, noch können sie sich einen Smoking oder Abendkleid im 4stelligen Bereich leisten. Schade. Die Idee war vielleicht gut, der Rest dahinter aber absoluter Müll. Und ja, meinen Recherchen zufolge wird dieser Award in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder verliehen, wenn die Not am größten und das Ego der Academy am leisten war. Aber bis dato war er kein prominenter Teil der Oscarverleihung.

Womit wir auch schon beim 2. Arschlochmoment des Abends wären- „In Memorian“. Grundsätzlich finde ich es überhaupt nicht verhandelbar, dass in einer so denkwürdigen Verleihung verstorbene Filmschaffende NICHT gewürdigt werden. Die letzten Jahre war dieser Moment immer einer der Emotionalsten, begleitet von einer Live-Performance, die wirklich jeden Zuschauer zum Weinen brachte. Doch als Angela Basset ihre Rede über mehr als 3 Millionen Tote weltweit begann, wurde mir irgendwie klar, dass diese Form der Würdigung dieses Jahr eine absolut Falsche werden würde. Nicht nur hatte ich das Gefühl, dass sich mit dieser Aktion die Filmindustrie wieder einmal über alles stellt, nein, vor allem die musikalische Untermalung war unpassend, genau wie das Tempo. Blinzelte man einmal kurz, waren Christopher Plummer, Helen McCrory und Ennio Morricone direkt schon durchs Bild gezischt. Ich kann es ehrlich nicht genau sagen und vielleicht war genau dieser Moment der eingangs von Regina King erwähnte Balanceakt im bekannten Gesamtkonstrukt, der vor allem in Hinblick auf ein Leben nach Covid-19 so wichtig ist. Aber nein, pietätvoll wäre sicher etwas anderes gewesen…. Apropos musikalische Untermalung….klingelt da was bei euch? Nein? Bei mir auch nicht, denn es gab ja keine richtige Untermalung. Ok, der amerikanische Schlagzeuger und Produzent Ahmir Khalib Thompson, auch bekannt als „?estlove“, sollte zusammen mit seiner Hip-Hop-Band „The Roots“, bekannt aus der Late Night-Show von Jimmy Fallon, speziell für diesen Abend mit eigens komponierten Sounds für unverwechselbare Momente sorgen. Doch hieß das von Anfang an, dass wir auf Gänsehautmomente durch Live-Performances verzichten müssen? Wo waren die Nominierten in der Kategorie „Bester Song“? Im Vorfeld der Verleihung wussten wir ja, dass alle Songs dieser Kategorie bereits in unterschiedliche Locations live aufgenommen wurden. Und so dachte jeder Zuschauer, dass diese Aufzeichnung dann in der Show gezeigt werden würden. Aber nein. Einzig und allein der Auftritt von Leslie Odom Jr. mit seinem Song „Speak Now“ aus dem Film „One Night in Miami“ wurde als Teil der ABC Pre-Show dem amerikanischen Publikum exklusiv gezeigt. Eine unschöne Entscheidung, die einen großen Schatten über die Qualität der 93. Oscarverleihung wirft.

Und nein, da kann auch die epische „Da Butt“-Einlage von der leider größten Verliererin des Abends Glenn Close, welche von 8 Nominierungen in ihrer gesamten Schauspielkarriere unverständlicherweise noch keinen einzigen Goldjungen mit nach Hause nehmen konnte, auch nichts mehr rausreißen. Somit sehe ich es als meine Aufgabe, euch zumindest meine diesjährigen „Bester Song“ Favoriten „Husavik“ aus dem Film „Eurovision Song Contest“ mit Rachel McAdams und Will Ferrell etwas näher zu bringen. Also, klick and enjoy und ja, das im Hintergrund sind echte Polarlichter!

https://www.youtube.com/watch?v=bzjnB5Y__Jg

Ich denke wir sind jetzt am richtigen Punkt angekommen, um über den eigentlichen Höhepunkt dieser Verleihung zu sprechen…

Akt 3

Im 3.Akt eines Regeldramas befinden wir uns auf dem Höhepunkt der Handlung. Es ist der Punkt über den jeder Zuschauer noch lange nach dem Beenden der Geschichte sprechen wird. Und was wäre hierbei passender als die Preisvergabe in der Kategorie „Bester Film“. Eigentlich war uns allen der Sieger klar, aber als dann doch wirklich „Nomadland“ gewann und wir ein La La Land-Gate ausschließen konnten, fühlten wir, dass gerade eben Geschichte geschrieben wurde. Nicht nur erhielt Chloé Zhao ihren 2.Oscar mit ihrer 2.Nominierung überhaupt, auch gab es uns ganz bewusst ein Gefühl von Freiheit. Die Freiheit Inhalte an die Spitze zu wählen, die ja, in dem einen Jahr sehr gesellschaftpolitsich sind, aber in einem anderen die Sehnsucht aller Cineasten nicht schöner hätte vereinen könnte. Und mit diesem Gefühl sollte man einen Spielfilm, wie es die 93.Oscarvelreihung auch sein sollte, getrost beenden. Als Zuschauer*Innen geht man jetzt aus dem Kinosaal und lässt alles erst einmal auf sich wirken. Man entscheidet ganz spontan, ob einem dieser Film gefallen hat oder nicht und ja, erst dann, denkt man über Special Effects, Musik oder eben zuletzt auch die Hauptdarsteller*in nach. Deshalb finde ich die Reihenfolge der Preisübergabe im diesjährigen Rahmen unfassbar intelligent gemacht und es hat tatsächlich vieles für mich unheimlich aufgewertet. Was aber danach passierte, hatte keiner so in seinen Büchern stehen.

Abspann

Im Abspann war so weder der Gewinn von Frances McDormand in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ für „Nomadland“ noch der von Sir Anthony Hopkins- ja, für den exakten Titel muss man schon noch Zeit finden- in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für „The Father“ absehbar. Es wurde einfach immer weiter Geschichte geschrieben und Frances McDormand erklimm neben Meryl Streep und direkt hinter Katharine Hepburn das Treppchen mit den meisten Oscargewinnen überhaupt. Aber nicht nur das, nein, sie ist bis dato die einzige Frau in der Oscargeschichte, die alle 3 Nominierungen direkt in Gewinne umwandeln konnte. Und Sir Anthony Hopkins? Ja, der ist mit seinen 83 Jahren der nun älteste Oscargewinner. Ich denke, da kann man ihm sein Verschlafen zur Verleihung mehr als nur verzeihen.

So Freunde der Sonne und was nehmen wir nun aus diesem ganz besonderen Abend mit? Für mich persönlich ist sehr vieles schief gelaufen, aber es gab auch genauso viele wunderschöne Momente. Dass wir in Zeiten einer Pandemie leben und somit bei vielem auch Abstriche machen müssen, ist uns allen nach über 1 Jahr mehr als klar. Aber dieser Umstand darf nicht als Entschuldigung für fehlende Kreativität missbraucht werden. Es war ein historischer Abend in vielerlei Hinsicht, was mich einerseits sehr gefreut und andererseits auch sehr stutzig gemacht hat. Wird die Academy dieses Level an Diversität auch die nächsten Jahre halten können? Ich meine den ersten sehr vagen Voraussagen zufolge, können wir uns auf ein sehr spannendes Kinojahr 2021/2022 freuen…oder um es mit den Worten von Frances McDormand zu sagen:

„[…] Please watch (our) movie(s) on the largest screen possible, And one day very, very soon, take everyone you know into a theater, shoulder to shoulder in that dark space and watch every film that’s represented here tonight. […]“

…denn darum geht es bei allem dem doch eigentlich auch nur. Um das Teilen einer gemeinsamen Liebe für die noch so kleinsten Geschichten unseres Lebens auf der großen Leinwand.

Filmnächte Chemnitz goes Berlinale 2021

Diversität- Zusammenarbeit- Digitalisierung- Pandemie- Streamingdienste- Exklusivität

Diese 5 Begriffe sind die wichtigsten und die vor allem am häufigsten benutzten Schlagworte aller, der im Rahmen des 5-tägigen Industrie-Events der 71.Berlinale stattfindenden, Veranstaltungen. Vom 01. bis 05. März 2021 haben sich mehr als 8.ooo offiziell Akkreditierte der Filmbranche virtuell in Berlin getroffen, um über das vergangene Jahr, den jetzigen IST-Stand und eine Reihe von möglichen Zukunftsszenarien zu diskutieren.

Der Tenor? Wir wissen genauso viel wie vorher, aber eigentlich noch weniger als vor 1 Jahr.

Was wir ohne Zweifel sagen können, ist, dass sich die Branche verändert hat und nie wieder die Selbe sein wird. Covid-19 sei Dank? Wir waren gezwungen monatelang zu Hause zu bleiben, aber unsere Sehnsucht nach Filmen und dem Erzählen berührender Geschichten auf klassischen 9mm hat sich nicht verändert. Ganz im Gegenteil. Sie ist noch größer geworden, weil unser eigenen Spielraum immer kleiner wurde. Und wer sind demnach die Gewinner? Selbstverständlich die Streaminganbieter Netflix© und Co. Jeder in der Kinobranche, einschließlich natürlich dem wichtigsten aller Erfolgsfaktoren- dem Zuschauer, geht mit dieser Erkenntnis anders in Gericht und eine Absprache oder gar Ignoranz dieser Position wäre fatal. Denn spätestens seit der einmaligen Regeländerung der Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences©, bei der dieses Jahr 2021 auch Filme ins Oscarrennen gehen, die keinen regulären Kinostart vorweisen können, werden wir uns zukünftig auf so Einiges gefasst machen müssen.

Vergessen ist der Aufschrei aus 2018, bei dem u.a. die internationalen Filmfestspiele von Cannes© netlfixproduzierte Kinofilme boykottierte und nicht mit ins Wettbewerbsprogramm aufnehmen wollte. Warum? Weil ihrer Meinung nach ein Film, der gleichzeitig online über die jeweilige Plattform, als auch offline auf der großen Leinwand seinen internationalen Kinostart erlebt, nicht auszeichnungswürdig und völlig regelunkonfrom wäre. Moment mal! Lass mich das mal rekapitulieren! Möchte in diesem Zusammenhang jemand Laura Dern ihren Oscar als beste Nebendarstellerin in „Marriage Story“ aus dem Jahr 2020 absprechen, weil dieser hauptsächlich über Netflix verfügbar und nur in ein paar exklusiven Screenings international auf der Leinwand zu sehen war? Ich denke nicht. Und Jeder der das tut, hat Kino im 21. Jahrhundert nicht verstanden.

Denn, auch wenn es keiner so richtig sehen mag und da vor allem so einiges an Kritik aus den Chefsesseln der altehrwürdigen Filmstudios heraus geübt wurde, ist es doch genau das, was das große und in diesem Jahr doch allzu gern benutzte Wort der Zusammenarbeit unterstreicht. Es klang fast wie etwas Revolutionäres und völlig Grenzüberschreitendes, wenn man dieses Wort der Zusammenarbeit, das so eigentlich nicht genannt werden darf, in den Mund nahm. Haben wir hier etwa das Rad neu erfunden? God help us- no. Die Leitung scheint nur etwas sehr lang zu sein. Wir müssen uns von nationalen Alleingängen im internationalen Haifischbecken der Filmproduktionen verabschieden. Es wird nicht nur eine deutsche oder britische oder französische Produktion sein. Nein. Es wird und muss eine internationale Koproduktion aus Deutschland/ Großbritannien und Frankreich sein. Definieren wir unser Ego also neu und lassen uns auf mehr Diversität ein. Oh ja. Auch so ein wunderschönes Thema, was das Rad neu zum laufen bringen und während der Berlinale sehr viele Diskussionen, Panels, Roundtables oder auch Präsentationen erst so richtig „wichtig“ erscheinen lassen sollte.

Stop-Recap!!! Erinnern wir uns kurz an die gesellschaftskritische Act Out-Aktion in der Süddeutschen Zeitung© vor einigen Wochen, in der 185 SchauspielerInnen aus Theater, Film und Fernsehen öffentlich ihr Gesicht zeigten und in einem Manifest niederschrieben, welche katastrophalen Zustände hier eigentlich vorherrschen. Es wurde uns gezeigt was, wer und vor allem wie die eigentlichen Akteure der darstellenden Kunst wirklich sind. Wunderschön, bunter als jeder Regenbogen und überaus talentiert, doch in den Augen der scheinbar so unvoreingenommen Industrie leider zu anders, um gezeigt zu werden. Wie war das also nochmal mit der Diversität? Und nein, es reicht nicht, wenn Rami Malek den, ja, wir müssen es an dieser Stelle doch noch einmal ganz direkt erwähnen, HOMOSEXUELLEN Freddy Mercury spielt und dafür international hoch gelobt wird. Excuse me? Warum ist seine Geschichte bitte so tragisch und warum muss sie erzählt werden? Genau, weil es uns die darstellende Industrie als ein MUSS auftischt. Sie erfindet sich in ihren eigenen homophonen Gebilden immer wieder neu und lobt sich dann am Ende der Saison mit einer Vielzahl an scheinbar prestigeträchtigen Auszeichung selbst. In meinen Augen ekelhaft und unnötig. Und ich betonte, dass wir bei dieser Betrachtung #Metoo, #TimesUp und #Oscarssoblack noch nicht einmal inhaltlich angedeutet haben.

Aber CoVid-19 bietet uns dahingehend eine zweite Chance. Denn auch wenn die Streamingdienste derzeit als ein Feind des Kinos angesehen werden, so sind sie doch im Hinblick des neu eingeführten cineastischen Begriffs der Diversität ein unabdingbarer Baustein. Es macht natürlich einen Unterschied, ob ich weiß, dass eine Geschichte wie „Malcolm & Marie“ niemals ein Millionenpublikum wie die „Avengers“ ins Kino bringen wird. Und natürlich überlegen sich dann Produktions- und Distributionsstudios was ihnen 50 Personen im Kinosaal an Einnahmen bringen. Sie kommen zur Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt und niemals kostendeckend auszahlen würde. Und ja, nachträgliche Kassenschlager wie z.B.: „La La Land“, die im Vergleich zu den eigentlichen Produktionskosten und den späteren Einspielergebnissen als überaus erfolgreich zu betiteln sind, sind eher selten. Doch was passiert online? Netflix© und Co. nehmen sich des „nischigen“ Stoffes an, verfilmen es und bringen es über die eigene Platform an das weltweite Publikum. Denn für sie rechnen sich 50 Zuschauer in 50 Ländern ganz anders und ja, gehen wir dann noch entlang der exklusiven Kinoschiene á la „The Irish Man“ oder wie bereits erwähnt „Marriage Story“, dann kommen vielleicht nochmal 50 Zuschauer pro Kinosaal weltweit dazu. Wir können jetzt die Kette der filmischen Kostenrechnungen noch weiter spinnen, doch wir werden immer zum gleichen Ergebnis kommen. Über die Streamingplatformen können wir neue und diverse Filme sehen, die weder an inhaltlicher noch an produktionstechnsicher Qualität verlieren. Ihr denkt ich breche jetzt immer mehr eine Lanze für Netflix© und Co.? Jein.

In meinen Augen kann nichts auf dieser Welt einen Kinosaal mit gemütlichen Polstersesseln, den Geruch von frischem Popcorn, dem Abtauchen in neue Welt mit den fantastischsten Gesichten und dem Kino als Ort des Zusammenkommens Gleichgesinnter, Liebender oder neuer Bekanntschaften an Charme übertreffen. Kino ist exklusiv und wird auch zukünftig nichts an dieser Exklusivität verlieren, dessen sind sich alle Branchenvertreter einig. Doch wir müssen den Begriff der Exklusivität neu definieren. Es sind einfach nicht mehr nur exklusive Inhalte, ausgenommen hiervon natürlich das zu gern kritisiere neue Contentprogramm, bei welchem Mann und Frau im Kino Ballett-, Opern-, Konzert- und Theatervorführungen aus der ganzen Welt sehen kann. Noch vor Jahren als Unmöglichkeit und unangebrachten Platzhalter für Kinoprduktionen jeglicher Art angesehen, zeigt es uns heute auf die schönste Art und Weise auf, auf was es, neben der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, im Kino noch ankommt.

Digitalisierung. Eine Vernetzung auf ganz neuem Niveau. Es betrifft nicht nur die angesprochene Möglichkeit des „streamens“ anderer Kunstformen auf der großen Leinwand, und ja, bewusste Wortwahl, sondern auch der Möglichkeiten Inhalte zu bearbeiten und Informationen jeglicher Art innerhalb der Branche auszutauschen. Ich spreche hier von internationalen Skrippitches und E-Castings, der gefühlt zeitlgeichen Animation filmischer Inhalte in Finnland und Australien, dem Einspielen passender Filmmusik aus einer Vielzahl digital aufgenommen und bereitegsteller Instrumentalproben etc. Die Digitalisierung bietet uns die eine Möglichkeit schneller, globaler und in diesem Fall pandemieunabhängiger zu agieren. Das rein digitale Industrie-Event als erster Teil der diesjährigen Berlinale ist dabei nur ein Beispiel. Ich möchte an dieser Stelle niemals in Frage stellen, dass eine fcae-to-face Arbeit dadurch ersetzt werden kann und soll. Aber die Digitalisierung ist ein unabdingbares Mittel, um zu arbeiten und uns diesen Luxus auf zukünftig leisten zu können.

Doch wir wollen nicht nur im großen Stile Kritik an den Hauptthemen der ersten rein digitalen Berlinale üben, sondern auch die guten und vor allem für euch als Zuschauer wichtigen Faktoren sprechen. Innerhalb der letzten 5 Tage hatten wir 32 Events und 24 Screenings auf unserem Plan stehen. Es war eine neue und extrem interessante Erfahrung so zu agieren und sich einmal ganz anders zu vernetzen. In diesem Zusammenhang muss man der Berlinale und auch dem efm- dem european film market ein riesiges Lob für die extrem aufwendige Planung und der sehr guten digitalen Ausführung danken. Man muss sich nur einmal auf der Zunge zergehen lassen, dass es zeitweise über 12.000 Teilnehmer an Screenings und Events gab. Eine enorme Menge, die man meiner Meinung nach so gar nicht fassen kann, aber die mich irgendwie auch sehr glücklich stimmt. Wir wachen alle langsam wieder auf und auch wenn wir noch nicht einmal im Ansatz ein Ende im Pandemiedschungel sehen und sich keiner Prognosen anmaßen will, fühlen wir uns nach diesen 5 Tagen weniger verloren als davor.

Last but not least haben wir euch natürlich erste exklusive Einblicke bzw. Einschätzungen zu einigen der gesehenen Filmen und Serien bis zum Schluss dieses kurzen Beitrages aufgehoben. Wir haben für euch 24 Beiträge aus dem Wettbewerbsprogramm, der Sektion „Berlinale Special Gala“, „Encounters“, „Panaorma“ und vor allem auch aus der Sektion „Berlinale Series“ gesehen. Letzteres war im Vergleich zu den letzten Jahren und im Rahmen des „Berlinale Series Market“ ein sehr prominenter Teil unseres sogenannten screening-schedules. Ob dies mit einem nachweislich veränderten Verhalten der Zuschauer bezüglich des präferierten Konsums von Film und/oder Serien zusammenhängt, ist meiner Ansicht nach fraglich. Denn wir dürfen bei all dem Genuss nicht vergessen, dass es in den letzten 5 Tagen auch um sehr viel Geld ging. Es werden Filme und Serien verkauft, neue wertvolle Geschäftsbeziehungen geknüpft und Researchdaten des letzten sehr prägenden Jahres 2020 präsentiert, für die einige Firmen sehr hohe Summen zahlen würden. Hier nun also unsere ganz persönliche Top 3 der 71.Berlinale 2021 und sicher auch in der ein oder anderen Form während der 11. Filmnächte Chemnitz vom 01. Juli bis 29. August 2021 für euch auf der großen Leinwand zu sehen.

The Mauritanian„- Sektion „Berlinale Special Gala“- Thriller- 129 Minuten – Produktionsland: USA, Großbritannien- u.a. mit Jodie Foster (aktuelle Golden Globe Gewinnerin „Best Supporting Actress in a Motion Picture Drama“ für ihre Rolle als Nancy Hollander), Shailene Woodley und Benedict Cumberbatch- Synopsis: Mohamedou Ould Slahi wird nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Mauretanien festgenommen und ohne formelle Anklage ins Internierungslager der Guantanamo Bay Naval Base verschleppt. Im Rahmen eines aufkommenden „Approaches“, welcher die gültige Rechtmäßigkeit der Gefangenschaft aller Häftlinge auf der Grundlage einer vorliegenden Anklage prüfen soll, trifft Mohamedou auf die beiden Anwältinnen Nancy Hollander und Teri Duncan. Beide haben große Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Inhaftierung. Es beginnt ein spannender Politthriller um Gerechtigkeit, Recht und Ordnung und die unbändige Macht von Worten. – persönliches Fazit: Ich war nicht von der ersten Minuten an on board. Um ehrlich zu sein, sind solche Themen für mich schon sehr zäh und in hunderten Filmen bereits patriotisch bis ins kleinste Detail erzählt worden. Doch der Cast zog und ich wurde tatsächlich nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil, man ließ mich am Ende des Filmes kopfschüttelnd, erbost, schockiert und völlig erstaunt zurück. Wie kann man über 14 Jahre ohne rechtmäßig gültige und vor allem für den Zuschauer nachvollziehbare Anklage in einem der härtesten Gefängnis der USA (ein)sitzen und physisch wie auch psychisch mit einer absoluten Verständlichkeit gefoltert werden? Wie kann ein Rechtsstaat so unrechtmäßig sein? Ganz klar ein Film, der einen noch lange nach dem „Cut“ beschäftigt.

Finding Alice„- Section „Berlinale Series“- Dramedy- 6 Episoden á 60 Minuten- Produktionsland: Großbritannien- u.a. mit Keeley Hawes und Nigel Havers- Synopsis: Als Familie Dillon überglücklich in ihr neues smartes Zuhause zieht, konnte noch keiner ahnen, dass diese Glück schon nach nicht einmal 1 Nacht in die Brüche geht. Denn als der Familienvater Harry tot am Fuße der Treppe gefunden wird, beginnt das große Rätselraten um mögliche Motive, Manipulation, Betrug und der Frage: was gehört eigentlich uns und wer sind wir?- persönliches Fazit: Mit „Finding Alice“ ist es Roger Goldby auf grandiose Weise gelungen eine Reihe an Tabuthemen wunderbar plakativ und mit einer Prise dunklem Humor für jeden Zuschauer zugänglich zu machen. Von den kleinen Alltagsmacken, mit den man leben muss, wenn man ein Smarthaus sein Eigenheim nennt, über die Absurdität einer Bohrmaschine im Sarg oder der essentiellen Frage nach dem „Wie“. Wie geht es weiter, wenn ein geliebter Mensch von heute auf morgen einfach so aus dem Leben verschwindet? Wie kann ich weiterleben? Wie organisiere (m)ein neues Leben? Berührend und gleichzeitig urkomisch will man nach nur 2 Folgen definitiv mehr sehen.

Delicieux„- offizielles Festivalprogramm- Komödie- 112 Minuten- Produktionsland: Frankreich- u.a. mit Grégory Gadebois und Isabelle Carré- Synopsis: Frankreich- 1789- Nachdem der Koch Pierre Manceron nach dem Kredenzen einer gutbürgerlichen Kartoffelspeise vom Hofe des Grafen flog, versinkt er jahrelang in Selbstmitleid. Als sich bei ihm eines Tages eine Frau namens Louise meldet, die seine Praktikantin werden will, eröffnet sich für Pierre eine ganz neue Welt an Möglichkeiten sein unschätzbares Talent zu nutzen. Von Rückschlägen, Tot und Lügen gebeutelt, eröffnet er viele Jahre später zusammen mit Louise die erste uns heute als Restaurant bekannte Lokalität.- persönliches Fazit: „Delicieux“ ist eine wunderschöne Wohlfühlgeschichte rund um das Thema Verrat, Leidenschaft, gutes Essen und die Macht der Liebe. Sie verzaubert von Anfang an mit gemütlichen Bildern, scharfen Dialogen und einer Prise Hoffnung, dass am Ende doch noch alles gut wird.

Es sollte an dieser Stelle erwähnen werden, dass es natürlich noch eine ganze Reihe anderer grandioser Filme bzw. Serien im diesjährigen Berlinaleprogramm gab, die eigentlich ohne Zweifel hier auch mit in Erwähnung gezogen werden müssten. Doch ich denke, dass wir euch an dieser Steller schon genug gespoilert habe, denn ein paar Überraschungen wollen wir uns ja auch noch für den kommenden Kinosommer mit euch aufheben, oder? 😉

Da seid ihr ja wieder – Die Filmnächte Chemnitz haben euch vermisst!

„Stell dir vor, es ist kein Kino und es dürfte sowieso niemand hingehen…“

Für mich ein echtes Horrorszenario, das 2020 mehrere Monate lang eingetroffen ist. Zugegeben: Zeitweise habe ich den Friseur noch schmerzlicher vermisst als den Geruch von frischem Popcorn. Und Netflix hat mir im Quasi-Stubenarrest mit „Tiger King“ oder der dritten Staffel von „Ozark“ gut über die Runden geholfen.

Genug von Autokino und ‚guilty pleasure‘ im TV, wir wollen echtes Kino zurück!
 

Von der Coronakrise waren und sind wir alle betroffen – als Einzelpersonen, als globale Gesellschaft, aber auch innerhalb unserer jeweiligen Branche. Nicht nur Tourismus, Einzelhandel und Gastronomie, auch die Kulturschaffenden, zu denen ich Kinos und damit auch die Filmnächte zähle, werden noch länger an den Folgen zu knabbern haben. Und in die Zukunft kann (leider? zum Glück?) niemand blicken, der nicht gerade eine Handvoll Infinity Stones oder einen DeLorean besitzt.

Mut macht, dass allmählich Filmproduktionen wieder aufgenommen werden und auch viele Kinobetreiber im Land aufzuatmen wagen (dass es für einige Häuser wohl nicht für einen Wiedereinstieg nach der Krise reicht, ist besonders für regionale Communitys eine bittere Wahrheit).

Inzwischen zieht es die Menschen in Deutschland aber wieder nach draußen, auf der Suche nach Ablenkung, Geselligkeit und Kultur. Das alles bekommen wir von Mitte Juni bis Ende August auf dem Theaterplatz geboten – inklusive Sternenhimmel. Nach all den Sorgen, vorgelegten Hygiene-Konzepten und Krisengesprächen muss das jetzt mal LAUT gesagt werden:

Toll, dass die Filmnächte Chemnitz 2020 stattfinden können! Was es zu beachten gibt, lest ihr in den FAQs.

Ein eingeschworenes Team!

Die volle Dosis Filmmagie – monatlich zuzuführen

Als Mitglied im Programmbeirat freue ich mich besonders über den vorverlegten Startschuss und begrüße das neue „Filmnächte Pur“-Konzept: 74 Open-Air-Abende durften wir für euch füllen – und jonglieren, grübeln und „testschauen“ noch immer, denn diesmal wird das Programm monatsweise veröffentlicht und tagesaktuell ergänzt.

Über mehr Filme freuen sich übrigens auch alle Besitzer der neuen „All you can watch“-Dauerkarte, die ihr natürlich auch jetzt noch erstehen und damit den ganzen Filmnächte-Sommer durchbingen könnt.

Aufgrund der Hygiene-Auflagen müssen Konzerte noch aussetzen, für die richtige Stimmung sorgen stattdessen die Musik-Samstage (z. B. ein Bonbon für alle Chemnitzer Rammstein-Fans am 4.7. oder „Rocketman“ am 18.7.). Wenn ihr bei solchen musikalischen Filmen einfach selbst mitsingt, kommt vielleicht auch schon Konzert-Feeling auf! An den Freitagen und Sonntagen erwarten euch Entertainment-Garanten wie „Joker“ (am 10.7.; mein Lieblingsfilm letztes Jahr) oder „Knives Out“ (am 17.7.; Auweia, den muss ich endlich nachholen!). Aber auch erlesene Neuheiten wie der genüsslich gespielte „Emma“ (am 5.7.) werden euch die ungemütliche Corona-Zeit schnell vergessen lassen.

Fehlen darf auch die Donnerstagsreihe nicht – wer dieses Jahr mit Oscar-Gold ausgezeichnete Highlights wie „Jojo Rabbit“ (9.7.), „1917“ (30.7.) oder den koreanischen Überraschungs-Hit „Parasite“ (25.6.) noch nicht kennt, sollte sich die Spielzeiten unbedingt vormerken! Weitere Preisträger wie „Little Women“ haben wir für August bereits auf dem Zettel.

Juchu, es geht wieder los!

Mit Filmemachern in die weite Welt

Seid ihr genauso wie ich noch verunsichert bei dem Gedanken, direkt wieder ins Flugzeug zu steigen und die weite Welt zu bereisen? Und habt ihr genauso keinen Bock auf Autobahn-Staus und überfüllte Ostsee-Strände? Unser etablierter Outdoor-Doku-Montag bringt nicht bloß Urlaubsgefühle nach Chemnitz (Cocktails schlürfen im Liegestuhl!), sondern auch die dazugehörigen Gäste: Am 20.7. beispielsweise dürfen wir von Dennis Kailing höchstpersönlich erfahren, wie es so ist, die Welt auf dem Drahtesel zu umrunden. Ich schaff’s mit dem Rad zwar nicht mal den Kaßberg hoch, bin auf „Besser Welt als Nie“ aber trotzdem total gespannt!

Auch zu „Über Grenzen: Der Film einer langen Reise“ am 6.7. und „Couch Connections“ am 13.7. erwarten wir die Filmemacher selbst auf dem Theaterplatz, wo ihr ihnen Löcher in den Bauch fragen dürft.

Mulan, Tenet & Co.? Daumen drücken…

Tja, und wie geht’s weiter? Es ist kein Geheimnis, dass viele Filmverleiher noch zögerlich mit ihren Neustarts umgehen oder diese bereits verschoben haben. Das bedeutet leider, dass sowohl der neue Bond als auch „Wonder Woman 1984“ oder „Top Gun: Maverick“ erst 2021 über die Filmnächte-Leinwand flimmern werden.

ABER: Noch gibt es Hoffnung, dass Disney mit ihrer Live-Action-Variante von „Mulan“ und Christopher Nolans „Tenet“ unseren Blockbuster-Hunger noch in den Sommermonaten stillen werden. Bestimmt laufen die Telefone im Filmnächte-Büro bereits heiß, um mit Verleihern und Partnern zusammen eine flotte, hoffentlich positive Entscheidung herbeizuführen.

 „Alles, was ich für Sie habe, ist ein Wort: Ten…denziell“

 

In jedem Fall haben wir sämtliche Indie- & Festival-Neuheiten im Blick und versuchen auch, euch mit Berlinale-Hits wie „Undine“ oder „Berlin Alexanderplatz“ einige taufrische Kino-Erlebnisse präsentieren zu können.

Sommer ist, was auf unserem Platz passiert

Zwar ließen sich coronabedingte Einsparungen und eine Reduzierung des Platzkontingents nicht vermeiden, dies bringt sonderbarerweise aber auch ein paar Vorteile mit sich: Ihr habt mehr Platz, müsst beim Aufstehen über niemanden drüberkrabbeln und könnt erstmals auch zum normalen Preis regengeschützt sitzen (früh kommen sichert Plätze!). Und dass der Werbeblock geschrumpft ist, dürfte euch ebenso kaum stören…

Also, kommt alleine, als Pärchen oder Familie, von mir aus auch in mittelgroßen Scharen, bitte ohne Schnupfennase, dafür aber mit Maske im Gepäck und mit ganz viel Lust auf Kino, große Emotionen und auf laue Sommernächte. Bis dahin!

Es gibt keinen falschen Sommer, höchstens falsche Kleidung – aber wir haben auch nichts gegen etwas mehr Sonnenschein und wärmere Temperaturen als zur Eröffnung… 😉

Autogrammjagd auf Filmstars – 5 exklusive Tipps vom Profi

Liebste Fans des alljährlich stattfindenden Freiluftkinos, es ist bereits Ende August und ja, das heißt, wir nähern uns mit großen Schritten dem Ende unserer diesjährigen Filmnächte Saison. Wie ihr in vielen Beiträgen von vor allem Jakob aber auch mir nachlesen konntet, war es eine sehr emotionale Saison mit Hochs und Tiefs. Und nein, hierbei rede ich nicht nur vom Wetter.

Doch wir wollen diese Saison nicht einfach so zu Ende gehen lassen, sondern wir haben uns für euch das Beste bis zum Schluss aufgehoben. Denn was passiert, wenn die Filmnächte vorbei sind, das Jahr sich dem Ende neigt und wir uns kopfüber in ein Neues stürzen? Korrekt, es ist Premierenzeit. Die Indoorkinosaison beginnt wieder und mit ihr der Run um die meisten Zuschauer, größten Premieren und höchsten Umsatzzahlen. Dementsprechend übertrumpfen sich Verleiher und Kinobetreiber für die größten und auffallendsten Kinopremieren überhaupt. Und der kleine Bürger wie du und ich? Wir stehen meistens am Rand oder eher hinter den vielen Absperrungen und schauen dem Spektakel mit großen Augen zu. Doch es gibt auch den ein oder anderen Fuchs unter uns, welcher es sich zu Aufgabe gemacht hat die Stars und Sternchen und die Kunst zusammen zu bringen. So wie Jessica Kellershofen.

Jessica Kellerhofen -Kölner Sprayart Künstlerin-

Die Kölner Künstlerin arbeitet seit 2013 an ihrer Serie „Stencil Art“. Für diese Sprayart-Porträts bekannter Persönlichkeiten aus aller Welt schneidet sie in filigraner Hingabe eigenhändig Schablonen aus und sprayt das Motiv mit Acryllack auf Leinwand. Das fertige Bild nimmt sie mit auf Reisen, auf der sich Werk und Motiv erstmalig begegnen und so finden sich in der Serie bis heute etwa 75 Bilder, persönlich signiert von uns alle bekannten Filmstars wie Daniel Radcliffe, George Clooney und Meryl Streep.

Ich habe mich mit der Künstlerin zusammen gesetzt und sie hat mir in einem ganz exklusiven Gastbeitrag 5 Top-Tipps für eure nächste Autogrammjagd verraten. Und ich kann euch jetzt schon versprechen, dass ihr, genau wie ich, mit großen Ohren ihren vielen Erzählungen und lustigen Anekdoten lauschen werdet.

Tipp 1: Sei stets vorbereitet! (oder: Warum Jane Fonda in London fast einen Herzinfarkt bekam)                                                                                                                                                                       

„Wenn man sich häufiger in London Theaterstücke anschaut, Filmpremieren besucht oder auf sonstigen Events unterwegs ist, kann es schon einmal vorkommen, dass man sich mit anderen Fans (und leider auch Autogramm-Dealern) in einer Seitenstraße trifft, weil man dort z.B. einen Promi beim Shoppen oder an der Hintertür einer Eventlocation vermutet. So fand ich mich stundenlang wartend auf die damals gerade gescheiterte Präsidentschaftskandidatin der USA, Hillary Rodham Clinton, in einem Nobelbezirk Londons wieder. Nachdem wir sie auf einer Buchpräsentation bereits dank der perfekten Abschirmung des Secret Service (good job!) verpasst hatten, war dies so ziemlich die letzte Chance, Hillary in London nach einem Autogramm zu fragen.

Jane Fonda -amerikanische Schauspielerin und Teil der Filmnächte Ausstellung in Lounge 1-

Da die Tage in London aber rundum verplant sind, sollte man stets auf alles vorbereitet sein. Und so kam es, dass wir nicht auf Hillary Clinton stießen an jenem Tag (Spoiler alert: Sie hatte sich im Hotel den Zeh gebrochen und daher an dem Tag keine Termine außerhalb ihres Zimmers), sondern auf eine Dame um die 80, die komplett in schwarz gekleidet, mit dunklem Hut, Sonnenbrille und gesenktem Kopf auf uns zu schlenderte. „Das is sie!“, „Ne, das isse nich!“, höre ich uns noch abwechselnd flüstern, als wir auch schon das mit nach London gebrachte, aber eigentlich für den nächsten Abend geplante Spraybild aus unserer Mary Poppins-Tasche zauberten und vorsichtig, aber zielstrebig, auf eine sichtlich verwirrte Jane Fonda zuschritten. „Würden Sie dieses Kunstwerk unterschrieben, Ma’am?“, „Äh, woher wisst ihr, dass ich hier bin?“, „Gar nicht, versprochen! Es war ein absoluter Zufall!“. Geglaubt hat sie es vielleicht nicht, sehr freundlich signiert dennoch.

Sei daher immer auch auf das Außergewöhnliche vorbereitet!“

 

Tipp 2 – Sei standfest! (oder: Warum ein Autogramm von Vanessa Redgrave nichts mit Glück zu tun hat)

„Eines vorweg: Außer der in Tipp 1 geschilderten Geschichte, hat Autogrammjagd nichts, aber auch gar nichts mit Glück zu tun!

Vanessa Redgrave -britische Film- und Theaterschauspielerin-

Jeder Mensch, der dies als Hobby macht, wird bestätigen können, dass man verdammt viel auf sich nehmen muss, um einem wirklichen Promi sehr nahe zu kommen und ihn um ein Autogramm zu bitten. Das erfordert nicht nur viele Stunden Zeit, sondern dabei vor allem eine Menge Geduld und gute Standfestigkeit. So auch, wenn man vor einem Theater auf eine Schauspielgröße wie Vanessa Redgrave wartet. Erstarrt man nicht bereits in Ehrfurcht, wenn man viele, viele Stunden vor und nach dem Stück auf sie gewartet hat und sie dann gegen 0 Uhr nachts aus dem Theater schwebt in Begleitung mehrerer Anhänger und Angehöriger, so ist dies spätestens dann der Fall, wenn sie ganz nah an einen herantritt, dir tief in die Augen schaut und einen Vortrag hält, warum Schauspielerei so anstrengend ist und warum sie sich nun gar nicht in der Lage fühlt, nach so einem langen Tag noch etwas zu signieren.

Sei es drum, dies ist in jedem Fall ihr gutes Recht. Aber man sollte sich auch nicht so leicht abschrecken lassen. Ein freundliches, verständnisvolles und tendenziell unterwürfiges, keineswegs geschauspielertes Lächeln kann dazu führen, dass sich auch eine derartige Größe der Bühnen und Leinwände dazu durchringt, sich auf einem Kunstwerk zu verewigen und einen kurzen, netten Plausch zu halten.“

Tipp 3 – Sei frech! (Oder: Warum Cher nur für Amanda Seyfried signiert)

„Filmpremieren sind nichts für Weichlinge. Wer stundenlang Schlange steht, um villeicht eine Nummer zu ergattern, um dann vielleicht einen Platz hinter einer Absperrung zu ergattern, die dann vielleicht günstig liegt, um vielleicht ein Autogramm von einem Filmstar zu erheischen, der macht dies nicht, um dann seine minimalen Chancen nicht zu nutzen.

Als die „Mamma Mia! Here We Go Again“-Premiere in London stattfand, war uns allen klar: DAS ist mal eine Topbesetzung, die da zur Premiere auflaufen wird. Während wir manche Promis schon einmal getroffen hatten, und wegen mancher vielleicht eher weniger aufgeregt waren, stand ein ganz klares Ziel oben auf der Liste: Cher! Ich meine, come on, CHER! Wir brauchten diese Unterschrift einfach. Das Spraybild war da, wir waren da (Sidenote: Wenn ich von „wir“ spreche, meine ich mich und meine Lebenspartnerin Josefine Schmidt, die diesem Spraybild-Wahnsinn ebenso verfallen ist wie ich), Cher war da, was soll schon schiefgehen? Naja, das was immer so schiefgehen kann: Ein Promi schreibt an dem Tag keine Autogramme. Was also tun? Nachdem Amanda Seyfried bereits zuvor den roten (oder vielmehr blauen) Teppich betreten hatte und sehr nett und bereitwillig ihr Spraybild bei mir unterschrieben und sehr sehr nette Worte dafür gefunden hatte, blieb uns wohl nur eine Chance. Wir mussten die Chance beim Schopfe packen. Also drückten wir kurzerhand das Cher-Spraybild Amanda Seyfried in die Hand und baten sie, es für uns unterschreiben zu lassen. Violà! Da lief sie los.

Und nicht nur das. Sie crashte ein ET-Interview, um Cher dazu zu bewegen, das Bild zu unterschreiben. Danach brachte Amanda das unterschriebene Bild zurück. Einfach unglaublich. Manchmal muss man einfach frech sein und Hilfe einfordern! Auch Promis sind Menschen, die zu etwas stehen, was sie gut finden.“

Tipp 4 – Sei geduldig! (Oder: Warum Lady Gaga so lange faul im Archiv rumlag)

„Ein Künstler lebt nicht nur davon, Kunst zu erschaffen, sondern auch davon, diese auszustellen und einem Publikum zu präsentieren.

So geschah es, dass ich für meine „On Women, Power and Beauty“-Ausstellung im bunker k101 in Köln 2016 einige Werke von Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen und standen, schuf, von denen ich nicht dachte, dass ich sie jemals unterschrieben bekommen könnte. Dies war neben Werken von verstorbenen Vorbild-Frauen wie Eleanor Roosevelt und Coco Chanel, auch unerreichbare Größen wie Cher, Anna Netrebko und Lady Gaga. Generell ließe sich festhalten, dass es ungemein schwieriger ist, Autogramme von Sängern und Sängerinnen zu ergattern als von Menschen, die ihre Produkte Menschen-nah vorstellen und verkaufen (also z.B. Autoren, Schauspieler und Politiker). Lady Gaga musste demnach einige Zeit auf ihren tatsächlichen Einsatz am roten Teppich warten. Zur Londoner Filmpremiere von „A Star Is Born“, welcher auch der überaus erfolgreiche Eröffnungsfilm der Filmnächte Chemnitz sein durfte, war nun der große Moment gekommen. Lady Gaga nahm sich viel Zeit für ihre Fans am Leicester Square und quittierte das Spraybild mit einer anerkennenden Bemerkung und einer Unterschrift, die mir sehr viel bedeutet und auf die ich besonders stolz bin, sie bei den Filmnächten 2019 ausstellen zu können.

Merke auch hier: sage niemals nie. Denn in der Zwischenzeit sind alle drei genannten, „unerreichbaren“ Sängerinnen unterzeichnet.“ 

Tipp 5: Sei nicht zu ehrfürchtig! (Oder: Warum auch Meryl Streep manchmal nur ein Mensch ist)

„Klar, jeder von uns ist Fan von etwas. Manchen bedeutet Musik sehr viel, anderen Schauspielerei und manche stehen auf Sport. Ich für meinen Teil mache keinen Hehl daraus Meryl Streep-Fan zu sein, oder „Streeper“ wie man in der Community gerne sagt. Also ist es naheliegend, auch Meryl Streep ein Spraybild unterschreiben zu lassen. So oft ich diese außergewöhnliche Schauspielerin bisher auch treffen durfte (ungefähr 15 Mal), der extrem große Aufwand zahlte sich glücklicherweise häufig aus.

Klar, Meryl Streep ist ein gut abgeschirmter Mega-Star mit vielen Fans. Doch wir sind ja lernfähig. Je größer das Spraybild, desto mehr Aufmerksamkeit kann man in der Masse erheischen – selbst wenn der Star bekanntlich nicht besonders gut sehen kann oder will, weil er sich in diesen Situationen unwohl fühlt. Das Wichtigste jedoch ist, nicht zu ehrfürchtig zu sein, selbst wenn man seinem großen Idol gegenüber steht. Und wenn man es selbst nicht schafft, dann braucht es einen Komplizen, der das Reden und Handeln übernimmt. So trug es sich zu, dass wir in einer Londoner Fernsehaufzeichnung ein 70×100 cm großes Meryl Streep-Spraybild (in ihrer Rolle als Emmeline Pankhurst in Suffragettes) ausrollten und sie in einer Mini-Drehpause vor hunderten Leuten aufforderten, dieses für uns zu signieren. Gut, ich habe wenig dazu beigetragen. Hier war es meine Begleitung, die sich ein Herz fasste und auch vor Meryl Streep’s reizendem Bodyguard nicht zurückschreckte, um das Spraybild nah genug an den Blindfisch heranzubringen. Sie unterschrieb das Werk liebevoll mit den Worten „Thanks and love! Meryl Streep“ und hatte neben einem Luftkuss auch noch das ein oder andere „Wow“ für mch übrig.

Ein Mensch eben, der ehrlich überrascht und gerührt ist. Oder eben einfach nur die beste Schauspielerin der Welt. Für mich macht es bis heute keinen Unterschied. Diese Momente nimmt einem niemand weg.“

Und ihr Lieben? Habe ich euch zu viel versprochen? Ich denke nicht. Ich persönlich bin restlos begeistert, habe mich sehr über die vielen Anekdoten im Interview gefreut und freue mich sehr, dass wir als Filmnächte Chemnitz, Künstlern in jeglicher Hinsicht solch eine Plattform bieten können. Einige der gezeigten Spraybilder  sind derzeit als Kunstdrucke in der Lounge 1 auf dem Theaterplatz ausgestellt und können nach Festivalende käuflich erworben werden. Weitere Informationen findet ihr auch unter www.galerie17.org. 

Also, habt ihr jetzt Blut geleckt? Dann nichts wie los zur Autogrammjagd!

 

Fotos © Jessica Kellershofen, Galerie17   ©David M. Benett/WireImage über Getty Images 

Hey, was TUN die denn da vorne?

Als ich erstmals vom Konzept hörte, zusätzlich zu 23 Minuten Werbung verschiedenen sozialen (?) Projekten vorm Publikum ein Podium zu geben, war ich… skeptisch. Bei den Filmnächten will ich mich ausgiebig mit Freunden unterhalten, die Weinkarte durchprobieren und anschließend einen Film genießen, ohne jedes Mal gleich die Welt retten zu müssen.

Was denn jetzt noch…

Und wenn man nicht gerade das Charisma von Bjarne Mädel besitzt oder zufällig Regisseur des gezeigten Film ist, hören die Besucher einem wirklich zu? Die mäßig besuchten „Theaterplatz-Gespräche“ sowie unsere Moderation als Programmbeirat aus dem Vorjahr ließen mich zweifeln. Zudem kam „TUN“ kurz vor Saisonstart etwas ‚holterdipolter‘ ins Spiel und erschien mir erklärungsbedürftig (tatsächlich berichtete die Freie Presse zuerst mit Buchstabendreher „15 Minuten TON“ darüber).

Dinge, die gehört gehören!

Seit August 2019 ist es nun aber Realität, dass sich vor jeder Filmvorführung Vereine, Initiativen oder auch Privatpersonen mit ihren Herzensdingen präsentieren – und es funktioniert! Man wird nicht um seinen filmischen Feierabend gebracht, sondern erfährt ganz nebenbei, wofür sich Chemnitzer einsetzen, wofür sie brennen und was sie so halt so tun. Und darf das unterstützen, muss aber nicht.

Schon jetzt wird deutlich: „TUN – 15 Minuten für dein Projekt“ könnte ein fester Baustein des Filmnächte-Erlebnisses werden, auf den man als Gast immer wieder gespannt sein darf. Ein paar Eindrücke:

Persönliche Lieblingsprojekte des Kuratoriums

Für das stimmige TUN-Programm verantwortlich ist natürlich das fünfköpfige, ehrenamtlich engagierte Kuratorium. Mich hat interessiert: Bei den vielen Bewerbungen, welcher Kurator wollte welches Projekt unbedingt dabei haben? Lassen wir sie einfach mal zu Wort kommen…

Spendensparschwein Rosalie

Isabelle Weh, Leiterin des Fritz-Theaters in Chemnitz

Müsste ich ein Lieblingsprojekt wählen, wäre es das Spendenschwein Rosalie. Es erfüllt im Kleinen alle Kriterien für TUN, macht einen Menschen für einen kleinen Zeitraum glücklicher; jemand tut aktiv mit seinen Möglichkeiten etwas für andere und beweist, dass man einfach loslegen kann, ohne einen richtigen Verein oder eine Institution im Rücken zu haben. Meine persönliche Meinung ist eh, wenn jeder darauf achten würde, dass es den Leuten im eigenen Umkreis gut geht, dann würden diese Kreise immer weitere Kreise schlagen, bis sie irgendwann wieder bei uns selbst ankommen.

KARREE49

Malte Ziegenhagen, Kapitän der Niners Chemnitz

Für mich ist das KARREE49 ein sehr interessantes Projekt. Wie auch ich selbst, hat es sich zum Ziel gesetzt, auf dem Sonnenberg etwas zu bewegen und aufzubauen. Ich bin gespannt, wie die Organisatoren das Projekt planen und bezahlen, aber auch wie es möglicherweise einen Großteil der Einwohner des Sonnenbergs verpflegen kann. Gibt es Ideen, lokale Bürger mit einzubeziehen oder ist es ein autonomes Projekt, das als Privatunternehmen zu verstehen ist? Auf jeden Fall freue ich mich riesig, dass dieses Projekt bei TUN dabei ist.

Solidarische Landwirtschaft

Christian Fuchs, Journalist

Ich mag am meisten die Solidarische Landwirtschaft „Hof zur bunten Kuh“. Dort kommen Menschen zusammen, pflanzen, jäten und ernten gemeinsam an der frischen Luft. Wer miteinander Gemüse anbaut, hasst sich nicht. Und am Ende gibt es auch noch eine leckere Belohnung – fair und regional produziert.

Wahlkampf für die Demokratie

Ulrike Nimz, Journalistin

Besonders überzeugt haben mich die Buntmacher*innen und ihre Idee eines überparteilichen Haustürwahlkampfes, mit dem sie Nichtwähler überzeugen wollen, am 1. September doch noch ihr Kreuz zu machen. Zum ersten Mal gehört habe ich von der Initiative nach den rassistischen Ausschreitungen im August 2018, ich war als Reporterin vor Ort. So erschreckend die Ereignisse vor einem Jahr waren – sie haben auch dazu geführt, dass mehr Menschen Haltung zeigen und überlegen, wie sie das Leben in der Stadt mitgestalten können. Ich selbst habe fünf Jahre lang in Bernsdorf gewohnt und mag das Viertel noch immer. Auch deshalb ist mir das Projekt nah.

Lukas Stern e.V.

Michael Claus, Festivalleiter der Filmnächte Chemnitz

Neben dem bereits genannten Spendenschwein Rosalie ist mein Favorit der Lukas Stern e.V., deren Einsatz mich sehr berührt hat. Sie arbeiten beständig mit schwerkranken Menschen -vorwiegend Kindern- und erfüllen, unter sicher starken emotionalen Belastungen, deren manchmal auch letzte Wünsche. Ich habe selber Kinder und bin zutiefst betroffen von dem, was diese Familien durchmachen. Momente von Glück zu schenken, Beistand zu leisten und Wegbegleiter zu sein, ist eine kaum zu würdigende Leistung und zeigt ein Maß an Mitmenschlichkeit, das nachdenklich, demütig und zugleich Mut macht. Ich möchte dem Lukas Stern e. V. im Namen des gesamten Filmnächte- und TUN-Teams danken und hoffe, dass unser Beitrag dabei hilft, diese wichtige Arbeit zu unterstützen.

„Erwähnen möchte ich noch, dass ich glücklich darüber bin, dass unsere Besucher zum großen Teil aufmerksam die Projektvorstellungen verfolgen und jeden Tag Spenden gesammelt werden konnten. TUN wirkt! Mein Dank gilt überdies allen, die an TUN mitwirken, hervorgehoben sei mein Mitinitiator Volker Tzschucke / Zauberberg Medien und meine Mitstreiter im Kuratorium, welche sich allesamt ehrenamtlich engagieren.“ (Michael Claus, Festivalleiter der Filmnächte Chemnitz)

Im August 2019 wurde aus einer Idee auch Wirklichkeit: Festivalleiter Michael Claus und Mitinitator Volker Tzschucke zeigen die TUN-Spendenbox

Mamma Mia vs. Dirty Dancing – Das Duell

In der einen Ecke: Meryl Streep in Hosenträgern. In der anderen ein 17-jähriges Mädchen, das eine zylinderförmige Wassermelone trägt – bereit, allerhand schmutzige Tricks anzuwenden…

Es sind zwei „Big Player“ im Kultfilm-Sektor, bewaffnet mit Ohrwürmern, Dancing-Skills und ganz viel Gefühl: der Tanzfilm „Dirty Dancing“ einerseits und die Musical-Verfilmung „Mamma Mia!“ andererseits. Beide sind fest verankert im Filmnächte-Kanon. Doch welcher hat im direkten Vergleich die Nase vorn? Ring frei für dieses Duell!

Filmszene aus "Mamma Mia!": Meryl Streep und Freundinnen laufen entschlossen und singend nach vorne

„Auf in den Kampf!“

Runde #1: Handlung und Schauspieler

Auch wenn keiner der verantwortlichen Drehbuch-Autoren mit bahnbrechenden Twists um sich wirft, funktioniert gerade „Dirty Dancing“ mit seiner romantischen Story rund um die beinahe erwachsene „Baby“ und Tanzlehrer Johnny Castle.

„Mamma Mia!“ hingegen folgt seiner Musical-Vorlage und gibt sich als überaus spaßige Verwechslungskomödie, die übrigens vor echter Urlaubs-Idylle in Griechenland gedreht wurde. Die sahnige Schauspieler-Riege rund um Meryl Streep, Colin Firth, Amanda Seyfried & Co. holt auch wirklich das Beste aus der konstruierten „Who’s Your Daddy?“-Handlung heraus, aber am Ende geht dieser Punkt knapp an Jennifer Grey und Patrick Swayze, die ihren eigentlich ebenfalls recht seichten Figuren viel Leben einhauchen.

Gewinner: Dirty Dancing

Sieger der Herzen: die ABBA-Urgesteine Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die ihre Gastauftritte in „Mamma Mia!“ rocken (als Pianist und als griechischer Gott verkleidet!)

Filmszene aus "Dirty Dancing": Tanzlehrer hebt Schülerin im Wasser stehend hoch für Hebefigur

Runde #2: Erfolg und Beliebtheit

Wenn Hollywood-Stars die Pop-Hits von ABBA schmettern, singen auch die Filmstudios mit: „Money, Money, Money“! Mit 610 Millionen Dollar landete „Mamma Mia!“ im Startjahr 2008 auf Platz 3 der erfolgreichsten Filme. In Griechenland und Großbritannien genießt das Musical die größte Anerkennung und gilt dort als meistverkaufte DVD.

Fast 20 Jahre zuvor eroberte der Kontrahent „Dirty Dancing“ die Lichtspielhäuser (214 Millionen Dollar weltweit). Heute posiert er auf Platz 20 der erfolgreichsten Filme in Deutschland und darf mit einer Oscar-Trophäe für den besten Filmsong angeben.

Während „Dirty Dancing“ mit einer kurzlebigen Fernsehserie und einem verstoßenen Remake ohne würdigen Nachfolger lebt, beglückte 2018 die Neuauflage „Mamma Mia! Here We Go Again“ alle ABBA-Fans (mit moderatem finanziellen Erfolg).

Auf Bewertungsportalen fallen beide Kandidaten übrigens eher in die Schublade „Guilty Pleasure“: „Dirty Dancing“ müht sich bei IMDb auf 7,0, „Mamma Mia!“ erreicht nur 6,4 Punkte (die Metacritic-Scores sind mit 65 und 51 noch düsterer). Am positivsten ist der Audience Score auf Rotten Tomatoes mit 66% für „Mamma Mia!“ und durchschlagenden 90% für „Dirty Dancing“. Dem haben wir nichts hinzuzufügen…

Gewinner: (wieder) Dirty Dancing

Sieger der Herzen: Pierce Brosnan, der sich über eine goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller „freuen“ darf

Filmszene aus "Dirty Dancing!": Tanzlehrer Johnny Castle und Schülerin Baby stehen vor einem Mikrofon

Runde #3: Musik und Tanz

Im Prinzip die Königsdisziplin, denn was wären diese Kultstreifen ohne Patrick Swayzes Mambo-Tanzkünste oder die schwedischen ABBA-Evergreens…? Eben, keine Kultstreifen!

Beide Werke brachten Songs mit enormer Ohrwurm-Qualität hervor, wobei sich „Mamma Mia!“ an der kongenialen Vorlage bedienen durfte und wohl jeder den ein oder anderen ABBA-Songtext im Langzeitgedächtnis abgespeichert haben dürfte (hier könnt ihr mitsingen!). „(I’ve Had) The Time of My Life“ allerdings schnappte sich 1988 den Oscar für den besten Filmsong und der „Dirty Dancing“-Soundtrack verkaufte sich wie gekühlte Wassermelonen im Hochsommer.

Unterm Strich jedoch ist nicht nur ABBAs mit Platin-Alben überquellende Diskografie der entscheidende Trumpf, sondern auch der mit verspielter Leidenschaft singende und tanzende „Mamma Mia!“-Cast. Verdienter Punkt!

Gewinner: Mamma Mia!

Sieger der Herzen: sämtliche Tanzsequenzen aus „Dirty Dancing“, die Mambo und Merengue wieder salonfähig machten

Werbe-Bild für "Mamma Mia!": Der Haupt-Cast rund um Meryl Streep und Amanda Seyfried im Torbogen

Bonus-Runde: Bei den Filmnächten

Gruppenbild vor Filmnächte-Fotowand zu "Dirty Dancing" mit Utensilien wie Wassermelone

Beide Events scheinen bei den Filmnächten Chemnitz ein Abo auf gefüllte Sitzreihen und den begehrten Samstags-Slot gebucht zu haben. Vom allerersten Jahr an, also seit 2011, zieht besonders „Dirty Dancing“ die tanzwütigen Massen an – den Höhepunkt gab es 2017 mit 1006 Gästen! 2015 übrigens heizten rekordverdächtige 30 Grad zusätzlich die Stimmung an.

Die ABBA-Nacht ist zwar erst seit 2014 regelmäßig im Programm, knackte letztes Jahr mit 919 Besuchern aber ebenfalls die „ausverkauft“-Marke (da lief übrigens der neue Teil, „Mamma Mia! Here We Go Again“). Trotz eher ungemütlichen 14 Grad!

Bezüglich Rahmenprogramm, Deko und anschließender Party übertrumpfen sich beide Kontrahenten gegenseitig: synchron geschwungene Wunderkerzen, knallbunt gekleidete Gäste wie auch Mitarbeiter, vorgeschaltete Tanzkurse und tolle Show Acts auf dem Theaterplatz.

Welche der beiden Nächte dieses Jahr (2019) am schönsten war? Entscheidet selbst und werft einen Blick in unsere Foto-Galerie zu Dirty Dancing und ins Fotoalbum zu Mamma Mia!, bevor wir zur Duell-Auswertung kommen.

Gewinner: Beide!

Sieger der Herzen: „The Big Lebowski“, der Filmnächte-Kultfilm für die Männer

And the winner is…

Machen wir uns nichts vor. Vom Kultfaktor her ist natürlich „Dirty Dancing“ nicht zu überbieten, auch wenn „Mamma Mia!“ die größeren Ohrwürmer zu bieten hat und als amüsante Musical-Komödie auch Tanzmuffel begeistert. Trotzdem dürfen wir hier von einer klaren Entscheidung zugunsten des Tanzfilm-Urgesteins „Dirty Dancing“ sprechen!

SCHLINGEL-Talk: Was ihr zum Tageskino wissen müsst

„Sonne an, Film ab – Herzlich willkommen bei den Filmnachmittagen Chemnitz!“

… Naja, als Slogan ähnlich holprig wie so manche Wahlplakate. Aber zumindest halten wir unser Versprechen: Mit exquisitem Familienkino bespielen die Filmnächte jetzt auch tagsüber den Theaterplatz, und das zum ermäßigten Preis von 4 Euro! (jaja, Lounge und Abendkasse ist teurer)

Ist euch noch immer nicht geheuer, dass wir jetzt einen auf Cinestar, Bällebad und Jugendclub machen? Dann lest hier, was es mit dem Tageskino und der SCHLINGEL-Ferienkino-Woche auf sich hat.

Die Facts

Film-Marathon an jedem Wochentag

Vom 9. bis 16. August, also die ganze verbliebene Ferienwoche lang, flimmern jeweils drei Filme über den Theaterplatz: um 10.30 Uhr, 13.00 Uhr und 17.30 Uhr (bevor das reguläre Abendkino anschließt). Sonntag (11.08.) startet der erste Streifen ausnahmsweise erst 11.30 Uhr. Aber ihr seht: Unsere fleißigen Mitarbeiter-Bienchen sind den lieben langen Tag für euch und eure Kids am Start.

Den Anfang machten am Freitag (09.08.) „Die Unglaublichen 2“ von Disney Pixar

30 statt 18 Meter

Vorne thront eine LED-Leinwand, die stolze 30 Meter misst (12 Meter mehr als letztes Jahr!) und effektiv dem Tageslicht trotzt.

Schlanke 4 Euro

Wer im Vorverkauf zuschlägt (bis kurz vorm Einlass möglich), bezahlt 4 Euro (letztes Jahr waren’s noch 5). Plätze in der überdachten Lounge kosten 9 Euro. Tipp: Besonders gut sieht man tatsächlich im Parkett. Damit bleibt auch mehr Taschengeld übrig!

SCHLINGEL auf frischer Tat ertappt

Expertise für Kinder und junges Publikum steuert das Internationale Filmfestival SCHLINGEL bei, die für jede Altersstufe ein passendes Film-Bonbon organisieren konnten. Die „Ferienkino-Woche“ läutet SCHLINGEL-Direktor Michael Harbauer am Sonntag (11.08.) höchstpersönlich ein. Dazu läuft um 17.30 Uhr die preisgekrönte, französisch-belgische Komödie „Der kleine Spirou“.

Filmszene aus „Der kleine Spirou“

Ein Herz für aktuelle Filme

Mehr Slots im Programm sind immer gut! Heimliche Lieblinge des Filmnächte-Programmbeirats wie das Musical „Mary Poppins‘ Rückkehr“, das Drama „Club der roten Bänder – Wie alles begann“ (in Kooperation mit Lukas Stern e. V.) oder auch der französische Tierfilm „Mia und der weiße Löwe“ (mit ECHTEN Löwen, hört ihr, Disney!?) blieben somit vom Rotstift verschont. Ganz explizit auch für Erwachsene geeignet!

Sonnencreme und Wasserflasche dabei?

Wie uns diverse Wetterfrösche flüstern, bleiben die Temperaturen glücklicherweise (!) unter 30 Grad. Dennoch sollten Eltern für ihren Nachwuchs (und andersrum) an ausreichend Sonnenschutz denken. Tipp für alle Fälle: Ein Schirm dient gleichzeitig als Regen- und als Sonnenschutz! Und um nochmal die Mama raushängen zu lassen: Genug trinken! Bis zu 0,5 Liter Wasser dürft ihr problemlos mitnehmen. Selbstredend sind aber auch unsere Gastro-Mitarbeiter professionell geschulte Durstlöscher.

Hotdogs!

Wie jeder Familienmensch mit IKEA-Erfahrung weiß, lieben Kinder Hotdogs. Deshalb ergänzt das beliebte Fast Food tagsüber unsere Kinotheke, die natürlich auch Nachos, Popcorn und Eis enthält – hungern soll keiner! Als besonderes Tageskino-Angebot gibt’s zudem zwei Getränke (Schorle, Limo) und ein kleines Popcorn für 8 Euro. Abschließender Tipp vom Fachmann für müde Eltern: KAFFEE!

Schmeckt natürlich auch Erwachsenen: Hotdogs!

Zum Schluss noch 3 Fragen an…
Christin Franz (Pressearbeit SCHLINGEL)

Filmnächte meets SCHLINGEL – eine vielversprechende Kombination, gerade für die Sommerferien. Wie ist die Kooperation denn zustande gekommen?

Die Idee war schon lange in den Köpfen der Orga-Teams verhaftet. Allerdings harmonierten die Starttermine der Abendveranstaltungen nicht wirklich gut mit der Zielgruppe. Durch die neue LED-Leinwand bietet sich nun die Möglichkeit, auch tagsüber Filme zu zeigen. Damit können wir das Chemnitzer Publikum endlich auch im Sommer und Open Air vor wunderschöner Kulisse in den Genuss von SCHLINGEL-Filmen vergangener Editionen kommen lassen.

Im Programm, das wir bunt und abwechslungsreich für alle Altersklassen erstellt haben, findet sich natürlich auch der eine oder andere Festival-Preisträger! Wir wünschen schon jetzt jede Menge spannende, actionreiche und unvergessliche Filmmomente!

 

Sorgt dafür, dass der SCHLINGEL in aller Munde ist: Christin Franz

Irgendwann ist immer das erste Mal: Können Sie einen Tageskino-Film für jüngere Kinder empfehlen, die noch nie im Kino waren?

Für Kinder ist ein Kinobesuch immer überaus aufregend. Eine Filmvorführung unter freiem Himmel zu erleben, ist einmal mehr ein großes Abenteuer, welches man den Kleinen nicht entgehen lassen sollte.

Wir favorisieren den Beginn der medialen Bildung bereits ab dem Vorschulalter. Speziell beim Kino bietet sich ein einzigartiges Gemeinschaftserlebnis inklusive der Möglichkeit für Diskussion und Austausch. Für ab 5-Jährige haben wir folgende Titel ins Programm gepackt: „Pettersson und Findus – Findus zieht um“ ist ein wirklich zauberhafter Film. Nicht nur der sprechende, freche und überaus quirlige Kater Findus, sondern auch der alte Pettersson werden die Herzen der Kinder im Sturm erobern. Für Mutigere, die Action lieben, empfehlen wir „Mullewapp – Eine schöne Schweinerei“, bei dem es um drei Tiere eines Bauernhofes geht, die kurz vor der großen Geburtstagsfeier plötzlich unschönen Besuch bekommen.

Oder aber unser Kurzfilmprogramm „SCHLINGELs kesse Kurzfilm-Knirpse“. In 2- bis 12-minütigen Filmen erwachen beispielsweise nachts die Bausteine oder Schneemänner wollen plötzlich einfach mal in den Urlaub. Jede Menge Spaß und viele Entdeckungen sind hier vorprogrammiert.

Wenn sich Schüler*innen über 12 Jahren in der letzten Ferienwoche nur einen einzelnen Film geben wollen, welchen würden Sie vorschlagen?

Je nach Interessenslage decken die Streifen für ab 12-Jährige verschiedenste Themenbereiche ab. So ist „Rock my Heart – Mein wildes Herz“ mehr als ein einfacher Pferdefilm. Auf berührende und mitreißende Weise wird die Geschichte von Familie, Freundschaft und dem Glauben an sich selbst erzählt. Im Zentrum stehen dabei der titelgebende Vollbluthengst „Rock my Heart“ und die 17-jährige Jana; beide Seelenverwandte, beide wild und rebellisch.

Der Film „Dessau Dancers“ hingegen bewegt sich auf der musikalischen Schiene und gibt überaus interessante Einblicke in die Breakdance-Szene der 80er Jahre in der DDR. Der Film punktet mit einer interessanten Story, sympathischen Figuren und schmissiger Musik. Mit „Club der roten Bänder – Wie alles begann“ kommt nun die Vorgeschichte zur erfolgreichen TV-Serie auf die große Leinwand. Auch der Kinofilm basiert auf den Erlebnissen des spanischen Erfolgsautors Albert Espinosa und berührt sicher jeden Zuschauer.

Ich bin mir sicher, für jeden ist etwas dabei. Also, schnappt euch eure Freunde und verbringt eine entspannte Kino-Zeit mit SCHLINGEL-Filmen bei den Filmnächten auf dem Theaterplatz.

Es ist uns immer und immer wieder ein (Berg)Fest mit euch!

An alle Liebhaber des alljährlichen Freiluftkinos, 

BERGFEST! 

Jawohl, ich wiederhole es gerne noch einmal und diesmal mit einem stärkeren und leicht wehmütigen Nachdruck: WIR HABEN BERGFEST!

Was das heißt? Ganz einfach, die Hälfte unserer Open-Air-Saison 2019 ist mit dem Erscheinen dieses Blogbeitrags schon vorbei. Wenn man es so ausspricht, ist das eine ganz verrückte Tatsache, denn ich erinnere mich noch ganz genau an die ersten Meetings in unserem provisorischen Büro am Theaterplatz und an alle Wünsche, aber auch Ängste, die ein jeder von uns mit in die neue Saison genommen hat.

Vieles davon hat sich bereits in der ersten Hälfte erfüllt. Und ich spreche hier nicht nur von den drei ausverkauften Vorstellungen, die uns tatsächlich sehr glücklich gestimmt haben, sondern auch von angespannten Abenden bei schlechtem Wetter mit wenigen Besuchern und eisigen Temperaturen mitten im Juli. 

Doch alles der Reihe nach. 

„Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler!“ (J.W. von Goethe)“

Angefangen hat alles mit einer grandiosen Eröffnung am 05.07.2019. Nachdem wir unsere Generalprobe im Rahmen des Kosmos 2019 am 04.07. schon vorbildlich gemeistert hatten, waren wir der Annahme, dass uns nichts mehr aufhalten könne, doch da haben wir sprichwörtlich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn wir wurden einen Tag später förmlich überrannt. Nicht unbedingt körperlich, sondern eher emotional. Mit über 1.000 Menschen und einem zum allerersten Mal ausverkauften Haus zu einer Filmnächte-Eröffnung nach neun Jahren Spielzeit und einem Soundtrack der ungerechtfertigterweise nur einen einzelnen Oscar gewonnen hat, blieb einfach kein Auge trocken. Wir hatten Gänsehaut und denken mit Freude an diese Eröffnung zurück. 

   

Und mit diesem Hoch im Rücken setzte der Sommer gefühlt für mehrere Tage aus. Regen, Wind, Gewitter über dem Platz und Temperaturen knapp über 10 Grad ließen uns zittern und für jedes Lächeln der Gäste kämpfen. Ein besonderes Beispiel war hier der Film „Cold War“. Es war wortwörtlich sehr kalt und mit 22 Menschen bisher der schwächste Filme bei uns auf dem Platz überhaupt.

Doch auch das haben wir gemeinsam geschafft und nach jedem Tief kommt bekanntlich auch wieder ein Hoch und in unserem Falle waren das mit „Der Junge muss an die frische Luft“ und „Bohemian Rhapsody“ zwei weitere ausverkaufte Filmveranstaltungen mit über 1.000 Menschen und sehr warmen Temperaturen, sowie das John Fogerty Konzert mit über 4.000 Menschen. Es war und ist einfach der Wahnsinn, das so sagen zu können.

Natürlich braucht eine Veranstaltung in diesem Ausmaß immer ein gewisses Maß an Vorlauf, um dann im Endeffekt reibungslos abzulaufen. Und da wir hier auf dem Blog ja Gott sei Dank unter uns sind, kann auch ich euch sagen, dass nicht immer alles glatt lief. Allerdings sind wir, ähnlich wie die Spitze des Eisbergs, jetzt auch für euch voll im Geschäft und in der Blüte unserer Leistungsbereitschaft. Und das ist auch dringend nötig.

Der August wirft seine Schatten voraus

Habt ihr schon einmal ins August-Programm 2019 geschaut? Ein Highlight jagt hierbei das nächste. Neben dem SCHLINGEL-Ferienkino, welches eine Woche lang bereits ab 10:30 Uhr Kino für die ganze Familie bietet, sind wir alle im Konzertfieber. Neben einer Zusatzvorstellung unseres Besucherlieblings „Bohemian Rhapsody“ am 18.08.19, haben wir ab sofort jede Woche ein musikalisches Schmankerl für euch organisiert. Was am Anfang unsere filmischen Konzertsamstage waren, sind nun reale Konzerte mit Stars zum Anfassen. Von Amy MacDonald am 08.08.19 über Johannes Oerding am 17.08.19 und Classics unter Sternen am 24.08.19 bis hin zu Philipp Poisel am 30.08.19 haben wir alles für euch im Angebot. Und ja, wir sind stolz, den Theaterplatz in einen Ort der Veränderung und des Machens zu verwandeln.

Was TUN wir hier eigentlich?

Apropos MACHEN.

Zum Beginn des Monats haben wir nach einer enorm großen Resonanz unser kleines Experiment „TUN“ gestartet. Hierbei haben lokale Akteure die Chance, sich und ihr Herzensprojekt vorzustellen, um so ihre eigene Reichweite und ihren wichtigen Einfluss zur Veränderung zu verstärken. Ziel davon ist es, jeder Stimme ein Gehör zu geben, egal wie klein sie uns erscheinen mag, denn nur durch euch kann sie täglich zu einem Echo werden. Wir bitten euch in diesem Zusammenhang um Ehrlichkeit und Offenheit: Gebt uns Feedback, aber bleibt fair.

Was gibt es in diesem ganzen Überschwang noch zu sagen? Achso ja, es steht außerdem noch die Auswertung unseres KARL-Votings aus, es wird einen Starbesuch zur Premiere von „Und der Zukunft zugewandt“ geben, ihr werdet die einmalige Gelegenheit bekommen, einen wahrhaften Zeitzeugen zum Film „Ballon“ zu treffen und und und…

Am Ende bleibt mir jedoch nichts weiter, außer DANKE zu sagen. 

Ein riesiges, liebendes und umarmendes Danke an alle da draußen. Für eure Treue, euer Lächeln, eure vielen Fragen und Anregungen. Wir freuen uns so sehr auf die nächsten Wochen und würden uns freuen, einen jeden von euch noch einmal bei uns begrüßen zu dürfen.

Fotos © Toni Kretschmer, newpic photography & PBR-Mitglied Jens Schwipper

Die 5 besten Tatortreiniger-Episoden

Witziger als „Mord mit Aussicht“, subtiler als „Stromberg“ und wahrscheinlich intelligenter als alle 6815 „GZSZ“-Folgen zusammen – „Der Tatortreiniger“ gehört zum Besten, was das deutsche Fernsehen bislang zustande gebracht hat. Dank zahlreichen Preisen und einer geradezu missionarischen Fangemeinde ist die 31-Episoden-Serie längst kein Geheimtipp mehr.

Egal, ob ihr dem kleinbürgerlichen Gebäudereiniger Heiko Schotte schon verfallen seid oder bisher kaum Berührungspunkte mit der kammerspielartigen TV-Serie hattet, hier kommen 5 Tatortreiniger-Folgen, die man unbedingt gesehen habe sollte (in chronologischer Reihenfolge)!

Eine Übersicht zu allen Folgen findet ihr übrigens auf der Website vom NDR.

Schottys Kampf (Folge #7)

Klar doch, der Nationalsozialismus war eine große Idee, die in den Kinderschuhen stecken geblieben ist… Mit solchen Thesen, aber auch mit einer modernen Hakenkreuz-Variante und Grobian ‚Bombe‘ ärgert sich Tatortreiniger Schotty im Hinterzimmer eines Heimatvereins herum. Hier soll er die Überreste eines von der Leiter gestürzten Neonazis wegputzen. Doch damit begnügt er sich nicht…

Dank perfekten Pointen, furios aufspielenden Nebenrollen und einfallsreicher Visualisierung zu Recht eine mit Kritikerlob und Awards überhäufte Folge aus der zweiten Staffel!

Szene aus Tatortreiniger-Folge "Schottys Kampf": Heiko Schotte vor einer Hitler-Büste

Auszeichnungen:

  • Grimme-Preis 2013 in der Kategorie „Unterhaltung“
  • Civis – Europas Medienpreis für Integration 2013 in der Kategorie „Fernsehen/Unterhaltung“

Angehörige (Folge #8)

Kann sich eine Episode zum Großteil in einer Kiste abspielen? Regisseur Arne Feldhusen drohte zuerst am unkonventionellen Drehbuch zu verzweifeln, zauberte dann aber doch ein Glanzstück auf den TV-Bildschirm. Statt Tod, Blut und Dreck trifft der Tatortreiniger in der makellosen Wohnung eines Zauberers auf „Fanny Fee“, einen engen Freund des Verstorbenen. Florian Lukas spielt den Homosexuellen nah am Klischee, letztlich aber doch mit viel Sorgfalt und Profil.

Unterhaltsam beleuchtete Themen wie Elternschaft, Schubladendenken und Selbstwertgefühl machen „Angehörige“ zu einer besonderen Empfehlung, auch wenn die Folge vielleicht der ‚typischste‘ Vertreter in unserer Liste ist.

Szene aus Tatortreiniger-Folge "Angehörige": Heiko Schotte verkleidet mit Zauberei-Utensilien

 

Auszeichnungen:

  • Deutscher Regiepreis Metropolis 2014 in der Kategorie „Beste TV-Serie“ an Regisseur Arne Feldhusen

Der Fluch (Folge #17)

‚Schotty, der Schrecken aller Flecken, der putzt Schnecken aus den Ecken‘ – jep, diesmal sind sind weniger die Denker, mehr die Dichter gefragt! Als ihn sein neuster Auftrag in ein verwunschenes Schloss führt, verdonnert der titelgebende Fluch unseren norddeutschen Putzer dazu, unentwegt zu reimen. Wie sich später ein Gorilla in die Story einreiht und auf welches Wort sich absolut nichts zu reimen scheint, solltet ihr unbedingt selbst erleben!

„Der Fluch“ fällt mit seiner wahnwitzigen Reimkunst völlig aus dem Rahmen und wird gerade deshalb von Fans so gefeiert. Der Erlkönig wäre stolz!

Szene aus Tatortreiniger-Folge "Der Fluch": Heiko Schotte und Episodenrolle erschrecken vor einem Schatten

Auszeichnungen:

  • keine, aber hier braucht’s auch kein solches Geschleime!

Pfirsich-Melba (Folge #21)

Vanilleeis, dazu Pfirsich-Scheibchen und Schlagsahne – selbst wenn Schotty die blutigen Überreste des ermordeten Eiscafé-Besitzers Alfredo wegwischt, dürftet ihr in „Pfirsich-Melba“ Appetit auf leckeres Eis bekommen. Das wahre Highlight ist aber die Episodenrolle von Björn Meyer, der mit viel Fingerspitzengefühl einen unsicheren Autisten spielt. Über eine brenzlige Situation im Kühlraum und die bewegende Auflösung wollen wir an dieser Stelle jedoch nichts verraten.

Was sich in einer gewöhnlichen Eisdiele mit schlagartig wechselnder Tragik, Komik und Suspense abspielt, ist ganz großes Fernsehen!

Szene aus Tatortreiniger-Folge "Pfirsich-Melba": Heiko Schotte mit einem Eisbecher

Auszeichnungen:

  • Preis der Deutschen Akademie für Fernsehen 2016 in der Kategorie „Bester Schauspieler – Nebenrolle“ an Björn Meyer
  • die vielleicht höchstmögliche Würdigung: Bjarnes persönliche Lieblingsfolge!

Sind Sie sicher? (Folge #25)

So, Verschnaufpause ist vorbei! Nach dem philosophischen Larifari aus den bisherigen Folgen wird jetzt wieder tüchtig geschrubbt – und zwar unter Aufsicht des strengen Geschäftsführers einer Consulting-Firma. Dort werden Toilettengänge per Stoppuhr gemessen und Mitarbeiter mit Psychospielchen an ihre Grenzen getrieben. Auch Tatortreiniger Heiko Schotte sieht sich schließlich damit konfrontiert: Hat sein Chef hier tatsächlich einen Mitarbeiter-Evaluationstest in Auftrag gegeben?

Eine brillant mit Bluffs und Wortwitz gespickte Abrechnung mit karrieregeilen Arbeitstieren und dem Leistungsdenken unserer Gesellschaft. Toll, dass die Serie auch in der vorletzten Staffel noch richtig glänzt!

Szene aus Tatortreiniger-Folge "Sind Sie sicher?": Heiko Schotte sitzt über einem Blutfleck

Auszeichnungen:

  • 2018: Deutscher Menschenrechts-Filmpreis 2018 in der Kategorie „Bildung“ an Drehbuchautorin Ingrid Lausund aka Mizzi Meyer

Sicher habt ihr eure eigene Lieblingsfolge? Oder seid ihr als Neueinsteiger zumindest neugierig geworden? Lest gerne weiter, wenn ihr in der Region Chemnitz wohnt…

Die letzte Staffel zur großen Tatortreiniger-Seriennacht

Dass nicht nur das Filmnächte-Team, sondern auch die Chemnitzer riesige „Tatortreininger“-Fans sind, haben sie 2018 eindrucksvoll bewiesen. Ein bis auf die letzte Bierbank besetzter Theaterplatz, dazu die unermüdlichen Stars Bjarne Mädel und Arne Feldhusen live vor Ort – unvergesslich.

Filmnächte-Team zusammen mit Regisseur Arne Feldhusen und Schauspieler Bjarne Mädel

Was soll man anderes sagen als: DANKE für diesen Abend, danke für diese Serie!

Dieses Jahr (am Dienstag, den 6.8.) wird die finale Staffel gezeigt. Richtig gehört, nach insgesamt 31 Folgen ist leider endgültig Schluss. Für das große Serienfinale, die unkonventionelle „Einunddreißig“, gab es sogar noch eine Grimmepreis-Nominierung für die „Kunst, eine Serie zu beenden“.

Außerdem tauchen dort allerhand bekannte Gesichter (25 Figuren!) aus früheren Staffeln auf. Sogar Regisseur Arne Feldhusen hat einen Mini-Auftritt.

Vor dem Finale: Diese Folgen sollte man noch gesehen haben

Die obenstehenden 5 Empfehlungen sind bereits ein gutes Fundament, aber folgende Episoden solltet ihr euch zusätzlich reinziehen, um möglichst viele Anspielungen der letzten Staffel mitzunehmen:

  • Ganz normale Jobs (Folge #1): Damit fing 2011 alles an! Und die Eröffnungsfolge macht heute immer noch großen Spaß. Einen Anteil daran tragen auch zwei Ermittler aus „Polizeiruf 110“, deren Cameo-Auftritte sich bis zum Serien-Ende durchziehen.
  • Bestattungsvorsorge (Folge #19): Die beiden zankenden Bestatter sind wohl die am häufigsten auftretenden Sidekicks, die hier eine komplette Folge spendiert bekommen. Natürlich schneien sie auch in der allerletzten Episode vorbei.
  • Freunde (Folge #24): Eine illustre Clique besteht rund um den Tatortreiniger, die man hier auf amüsante Weise kennenlernt. In Folge #29, „Rebellen“, kommen die Freunde abermals zusammen und philosophieren über -haltet euch fest- Filzgleiter.
  • Anbieterwechsel (Folge #22): Ständig wird über sie gesprochen: Schottys Angebetete, Merle. Am Ende von „Anbieterwechsel“ begegnen wir ihr endlich und fiebern bei einer Liebeserklärung mit… Im Serienfinale spielt sie dann eine Schlüsselrolle.

Allein ins Kino – Ein Plädoyer

Ich behaupte mal ganz lässig, kein Mof zu sein. Dennoch gehöre ich zu den eigentümlichen 13% aller Menschen, die (auch) allein ins Kino gehen (laut FFA). Im Rückblick ist dieser Wert übrigens schon gestiegen, 2013 waren es nur 10%.

„Aber… man geht doch nicht allein ins Kino!?“

Selbst eine Mini-Umfrage im cineastisch geprägten Filmnächte-Programmbeirat zeigt: Die Mehrheit zieht eher selten (10% aller Filmsichtungen) ohne Begleitperson los, manche sogar „NIEMALS!!“. Nur ein Kollege konsumiert Kinofilme ähnlich wie ich häufig (2/3 aller Besuche) „allein, allein…“. Und er -kaum zu glauben- hat dabei Spaß!

GIF aus "Die fabelhafte Welt der Amelie": Amelie sitzt im Kino

Aus diesen stümperhaft erfassten Daten und meiner eigenen Erfahrung will ich hiermit eine Lanze brechen (*knack*) und Gründe darlegen, weshalb es sich lohnt, allein ins Kino zu gehen.

Euer Ehren, ich plädiere für Freispruch!

Grund #1 – Keine Kompromisse

Das ist auch gleich der offensichtlichste Grund: Schluss mit „Wenn, dann…“ und „Ja, aber…“!

Einige Beispiele:

  • Die Freundin rebelliert gegen Sci-Fi, der Arbeitskollege sträubt sich gegen Animationsfilme
  • Eure Kumpels gehen immer Samstagabend zur überteuerten Prime Time, die früheren Mitbewohner nur dienstags, ausgerechnet während eures Judo-Kurses
  • Hannah hasst Multiplex-Kinos, Peter kommt ungünstig zum Clubkino raus
  • Freund A hat den neusten Blockbuster längst gesehen, Freund B streamt ihn planmäßig im Heimkino und Freund C wollte sowieso lieber ins Theater…

Und verzweifelt ihr nicht auch daran, Weihnachten einen für die ganze Sippschaft geeigneten Kinofilm herauszufiltern, der nicht mit der durchgeplanten Festtags-Agenda kollidiert? Nach hitzigen Debatten läuft das meist darauf hinaus, dass man sich wie im Simpsons-Intro auf die heimische Couch zwängt und zum 100. Mal „Kevin allein zu Haus“ anguckt. Nichts gegen Kevin und altmodischen Slapstick, aber, puuuh…

Wer alleine loszieht, bestimmt hingegen Kino, Uhrzeit, Sitzreihe, Snacks und natürlich den Film selbst. Eine Freiheit, die auch Spontanität erlaubt. Schon mal dem wahnwitzigen Reflex nachgegeben, sich nach dem Abspann gleich in den nächsten Film zu setzen? Elektrisierend, ich kann’s nur empfehlen (Bezahlen nicht vergessen)!

Blog-Autor Jakob mit zwei Pokémon-Sammelkarten, draußen in der Chemnitzer Innenstadt

Nachmittags im Kino, und dann auch noch zu „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ – nerdiger geht’s wohl nicht? Tja, ich konnte ja auch Zeit und Film selbst bestimmen…

Grund #2 – Völlige Hingabe

Gehört ihr auch zu denjenigen, die bei einer bewegenden Abschieds-Szene lieber nochmal in ihre Chipstüte greifen oder sich schmerzhaft auf die Zunge beißen, anstatt einfach eine Träne zu verdrücken? Wenn einen die neuen Kollegen oder unbekannte Schönheiten im Kinosessel flankieren, möchte man seinen Emotionen vielleicht sagen: „Bis hierhin und nicht weiter, ich bin unter Menschen!“

Dabei hat es der Film möglicherweise verdient, dass man sich seiner Handlung, den Motiven oder Bildern vollends hingibt. Wer alleine in der letzten Reihe sitzt, darf hingegen nach Herzenslust schluchzen, lachen und fluchen.

Für mich gehört dazu auch, die Armlehnen hochzuklappen, Schuhe auszuziehen und sich richtig in den Sitz zu fläzen. Ziemt sich nicht in der Öffentlichkeit? Stellt ihr’s einigermaßen bedacht an, sieht es doch keiner!

Luxuriöser Kinosessel mit Snacks und Kaffeebecher

Toll: Die besten Reihen im Luxussaal (hier das „Pollux“ in Paderborn) für sich alleine haben und in Ruhe einen Film genießen

Auch entgeht man so unsensiblen („Hey, ist nur’n Film, der Hund ist nicht wirklich tot“), nervigen („Das war ja soo klar…“) und überhasteten  („So, können wir los? Was gibt’s heute Abend zu essen?“) Kommentaren während oder nach dem Film. (Tatsächlich wurde ich mal MITTEN im Film, völlig kontextlos, von meinem Sitznachbarn gefragt: „Und du singst also im Chor?“)

 

Grund #3 – Trotzdem sozial

Lasst mich etwas ausholen: Habt ihr jemals in Betracht gezogen, alleine feiern zu gehen? Für die meisten ist es schon der blanke Horror, im Club seine Clique eine Viertelstunde lang aus den Augen zu verlieren. Als ich das Experiment vor einigen Jahren wagte, kam ich mit unzähligen Fremden ins Gespräch – eine tolle Erfahrung!

Auch alleine im Kino kann das gelingen, besonders nach dem Abspann. Einfach ungeniert ins Gefachsimpel der Nachbargruppe einsteigen oder auf das mürrisch grummelnde Pärchen hinter einem eingehen: „Euch hat’s wohl nicht so gefallen?“. Keine clevere Gesprächseröffnung nötig, das Topic ist ja glasklar. Ein bisschen Überwindung ist natürlich nötig, aber der innerliche Schubser lohnt sich.

Gerade in arthousigeren Filmen bemerke ich zudem immer häufiger Gäste ohne Begleitung, die bestimmt für einen Plausch zu haben sind (wenn nicht gerade ihr Interesse an einer Toilette größer ist). Genauso wie ihr wollten sie den Film jedenfalls unbedingt sehen.

Fakt ist: Während der Vorstellung quasselt man eh nicht, aber der anschließende Meinungsaustausch fehlt mir als ‚Kinosaal-Single‘ tatsächlich manchmal. Glücklicherweise geht das im Programmbeirat, aber auch im Internet oder auf Partys, sobald das Thema ‚Kino‘ aufploppt. Und sogar bei den Filmnächten! Der Programmbeirat wuselt fast immer in Biertisch-Reichweite oder in der Oscar-Lounge herum (Gesichter einprägen!), also gerne mal nach Filmende rüberkommen und ‚Hallo‘ sagen.

Ausgang der Filmnächte Chemnitz mit Schrifttafel "Schön, dass Du da warst."

Niemand will mitkommen? Heul doch! Oder geh halt alleine – willkommen bist DU nämlich trotzdem!

Und das Urteil lautet: Gönn dir, trau dich!

Kino funktioniert als Gruppenerlebnis. Aber egal, ob ihr mit eigenem Grüppchen oder alleine unterwegs seid – als Teil der Saalgemeinschaft eint euch kurzzeitig das gemeinsame Interesse am Film. Darüber hinaus hat es viele Vorteile, alleine im Kino aufzuschlagen: Flexibilität, 100%ige Konzentration auf die Leinwand und dennoch die Chance auf ein deutlich sozialeres Erlebnis, als zuhause allein eine DVD zu gucken.

Und, was bislang vielleicht nicht erwähnt wurde: „Masturdating“ tut jedem mal gut!

Wie sieht’s aus: Wart ihr schon mal alleine im Kino? Konnte ich ggf. eure ‚Geht gar nicht‘-Meinung ins Wanken bringen? Teilt es uns über Facebook oder per Mail mit.

5 Filme, 5 Cocktails für Weltenbummler

Gute Nachricht: Man darf sich wieder auf den Montag freuen! Nicht, weil „Game of Thrones“ mit neu gedrehten Folgen zurückkehrt, sondern weil wir zum Wochenbeginn offiziell den Filmnächte-Outdoor-Doku-Montag ausrufen. „Doku“ ist hierbei vielleicht irreführend – statt genuschelten Zeitzeugen-Interviews erwarten euch Outdoor-Geschichten echter Teufelskerle und Aufnahmen ungebändigter Natur.

Von ihren Abenteuern haben die Filmemacher nicht nur verschiedenfarbige Blessuren und neuen Lebensmut mitgebracht, sondern auch fünf geheime Rezepte für Erfrischungsgetränke, die sie uns freundlicherweise zugespielt haben. Gestatten, unsere Cocktails der Weltenbummler!

Barpersonal hinter der Theke bereiten Cocktails zu

Unsere Cocktail-Profis Sarah und Tom an „LuLu’s Cocktailbar“ in mixender Aktion

Blue Lagoon

Seit 2016 ist die E.O.F.T. mit ihren halsbrecherischen Outdoor-Clips nicht mehr aus dem Filmnächte-Programm wegzudenken. Damit ihr dieses Jahr einen kühlen Kopf bewahrt, während beispielsweise der Kilimandscharo auf Krücken (!) erklommen wird, empfehlen wir einen erfrischenden, azurblauen Blue Lagoon.

Seine leuchtende Farbe bekommt dieser beliebte Sommercocktail natürlich durch einen gehörigen Schuss Blue Curaçao. Dazu unter anderem köstliche Zitronenlimonade…

Genießen am: 22.07. zur „European Outdoor Film Tour Open Air“ (der starke Vorverkauf könnte vermehrten Andrang auch an der Cocktailbar bedeuten, also kommt besser rechtzeitig!)

Atem(be)raubender Tipp zur Vorbereitung: Viel Trainingszeit bleibt nicht mehr bis heute Abend, deshalb einfach nach jedem Trailer kurz vom Bürostuhl aufstehen und wieder hinsetzen

Mann blickt auf weitläufige Gletscher-Gerölllandschaft, sein Mountainbike liegt daneben

Zur E.O.F.T werden diesmal mit dem Mountainbike sogar eisige Gletscher überwunden © Foto: Blake Jorgenson

Vampire denim

Bestimmt gut geeignet, um auf der nächsten Halloween-Party „Twilights“-Edward abzufüllen, dürft ihr diese Variation des klassischen Vampire-Cocktails schon mal an einem lauen Sommerabend testen.

Blutrote Grenadine und schneeweiße Sahne verschmelzen beim Vampire denim zusammen mit Vodka, Rum und Gin zu einer verführerischen Mischung, die Gefahr und Gänsehaut symbolisiert – passend zu „BERGE 150“! Eine Geheimzutat bleibt hier übrigens verborgen, die müsst ihr schon selbst herausschmecken…

Genießen am: 29.07. zu „BERGE 150 – Die Jubiläums-Filmtour des Deutschen Alpenvereins“ (Nachschlag übrigens am 12.08. zu „Projekt: Antarktis“, bei dem die Filmemacher höchstpersönlich vor Ort sind und ihr den Vampire denim erneut probieren dürft)

Atem(be)raubender Tipp zur Vorbereitung: ohne Hilfsmittel den Chemnitzer Sonnenberg erklimmen oder in den Tiefkühltruhen eines Supermarkts nach Crushed Ice graben

Filmszene aus "Nanga Parbat" von 1953, drei Bergsteiger mit Landkarte beraten sich

„Nanga Parbat“ von 1953, als Achttausender-Expeditionen noch nationale Mammutunternehmen waren © Foto: BERGE150

Blue Ocean ’19

Als nächstes bitte Sonnen- gegen Schwimmbrille tauschen, wir tauchen ab zur „International Ocean Film Tour“ (I.O.F.T.) – mit 700 Haien, einem Kriminalfall auf hoher See, Eisschollen-Surfern und musizierenden Weltumseglern (zum Programm). Garantiert keine „Käpt’n Blaubär“-Lügenmärchen, sondern so real wie schmelzende Polkappen…

Dazu servieren unsere holzbeinigen Barkeeper ihre feucht-fröhliche Cocktail-Kreation, den Blue Ocean ’19. Blue Curaçao sorgt hier abermals für den kristallklaren Meerwasser-Look, dazu fließen u. a. Vodka, Ananassaft und ein Spritzer leckerer Mandelsirup.

Genießen am: 05.08. zur „International OCEAN Film TOUR Vol. 6“ (war schon letztes Jahr eine gelungene Abwechslung zu diesem überrepräsentierten ‚Gebirge‘, von dem andauernd alle sprechen!)

Atem(be)raubender Tipp zur Vorbereitung: Mutprobe im Freibad, z. B. Arschbombe vom 1-Meter-Brett, den „Bademeister-Report“ auf dem Smartphone gucken oder einfach mal NICHT rutschen

Drei Männer spät abends an der Meeresoberfläche beobachten einen Hai

Nur einer von insgesamt „7oo Sharks“ © Foto: International Ocean Film Tour

Grüne Witwe

Gerührt, nicht geschüttelt – die Grüne Witwe ließe sich selbst von James Bond nicht verführen. Dieser prickelnde Longdrink präsentiert sich als berauschendes Farbspiel aus Orangensaft, Blue Curaçao und Prosecco und wird ausnahmsweise mal nicht im Shaker, sondern an der frischen Luft zubereitet.

Dazu laden wir ein zur „Green Screen Tour“, die tierische Hauptdarsteller wie Polarwölfe, Kuckucksvögel und die knuffigen „Säbelzahnwürstchen“ (Nacktmulde!) auf dem Theaterplatz versammelt (zum Programm).

Genießen am: 19.08. zur „Green Screen Tour 2019“ (mit schmackhaften Brezeln, Popcorn und Cocktails sozusagen unser Filmnächte-Picknick im Grünen… bzw. im Grauen)

Atem(be)raubender Tipp zur Vorbereitung: auf dem Chemnitzer Schlossteich Enten verfolgen (per Tretboot!) oder versuchen, bei lustigen Tiervideos nicht loszulachen

Mystisch aussehende Fjorde, mit grünem Licht hell erleuchtet

Erlebt zur „Green Screen Tour 2019“ auch die Magie der Fjorde © Foto: Nautilusfilm

Gin-Lillet

Ende August macht sich vielerorts der sogenannte ‚post-vacation blues‘ breit. Ihr müsst deshalb aber nicht gleich einen 2-Jahres-Trip durch Afrika wagen, sondern könnt einfach nochmal bei den Filmnächten abschalten: „REISS AUS“ bildet den Abschluss unserer Outdoor-Reihe. Die Protagonisten selbst sind übrigens vor Ort, um von ihrer Reise zu erzählen!

Zum Saisonende will’s auch unser Bar-Personal nochmal wissen und serviert mit dem Gin-Lillet einen echten Ausreißer-Aperitif. Gurke und Eiswürfel sorgen für die nötige Abkühlung, Lillet Blanc und Gin zusammen mit frischen Thymian-Zweigen für den feinen Geschmack.

Genießen am: 26.08. zu „REISS AUS – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.“ (übrigens, wer zu allen Outdoor-Montagen war und alle Weltenbummler-Cocktails probiert hat, bekommt von mir eine Trophäe)

Atem(be)raubender Tipp zur Vorbereitung: Raus aus dem Alltag, also pünktlich Feierabend machen und sich vom Chef zu den Filmnächten einladen lassen

Doku-Protagonisten (Mann und Frau) im großen Landrover unterwegs nach Afrika

6 Monate Auszeit waren geplant für Ulli und Lena – schließlich wurde daraus eine knapp zweijähäriger Trip durch Westafrika © Foto: REISS AUS

Na, Durst bekommen? Möchtet ihr von weiteren Gastro-Themen lesen? Oder seid ihr erstmal daran interessiert, unseren Cocktail-Experten die vollständigen Rezepte abzuluchsen? Dann ihnen einfach ne Mail schreiben!

(Alb-)Traumjob Veranstaltungsleiter

Liebe Freunde des alljährlichen Freiluftkinos, 

in den letzten Blogbeiträgen haben wir euch schon einige Einblicke hinter die Kulissen der Filmnächte Chemnitz gewährt. Egal ob Programmplanung, Pressekonferenz zur Porgrammveröffentlichung oder die letzten Handgriffe vor der großen Eröffnung. 

Jedoch ist das nur ein sehr kleiner Teil von dem, was eigentlich so alles hinter den Kulissen passiert. 

Bei der Themenfindung für diesen Blog versuchen wir immer ein großes Gebiet an verschiedenen Interessen abzudecken und euch so viel Content wie möglich zu bieten. So ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass wir euch diese Woche mal einen ganz besonderen Beitrag bieten wollen. Denn ich als stellvertretende Veranstaltungsleitung werde euch einen Tag mal ganz exklusiv mitnehmen und euch ein wenig darüber berichten, was ich hier eigentlich tue und wofür ich bezahlt werde. Die essentielle Frage die sich hierbei stellt, ist, was macht so eine Veranstaltungsleitung eigentlich die ganze Zeit? Sicher, operativ gut aussehen kann jeder, aber es ist eine Vielzahl an Aufgaben, die bewältigt werden müssen. 

„Wir sind alle 1 Team!“

Gemeinsam mit meiner Kollegin Maria teile ich mir seit diesem Jahr den Posten. Okay, eigentlich bin ich nur zweite Geige und der Miniboss, wenn die Chefin nicht kann, aber das ist völlig in Ordnung. So komme auch ich das ein oder andere Mal mit meiner herrschenden Art zum Zug 😀

Je nachdem, welchen Dienst wir uns teilen, sind wir entweder früh oder abends für euch auf dem Platz. Ja, ihr habt richtig gehört. Unsere Tage sind lang und beginnen für euch ab 11 Uhr in der Früh. Nagut, 11 Uhr mittags, ihr habt ja recht. 

In der Frühschicht ist meist ein riesiger Berg an organisatorischen Aufgaben für den Abend oder für größere Events und Kundenveranstaltungen zu erledigen. Reservierungen, Telefonanrufe, Hotelzimmerbuchungen, Bestellungen aufgeben, Auswertungen, Filmdisposition und und und.  Am Abend hingegen sind wir meist operativ auf dem Platz im Einsatz. Von der Platzvorbereitung über die Betreuung der Gäste und auch Mitarbeiter bei jeglichen Problemen und Wehwehchen, Abrechnungen bis hin zum finalen Abschließen des Platzes, meist gegen 1 oder 2 Uhr nachts. Wir sind die Ersten und die Letzten auf dem Platz und das jedes Jahr aufs Neue für über 8 Wochen.

Mitarbeiterinnen der Filmnächte schenken Sekt und O-Saft ein

Ab und zu wollen natürlich auch Kundenveranstaltungen vorbereitet werden – prickelnd!

 

Zahlen und Fakten

Neben diesem ganzen allgemeinen Ablaufpalaver habe ich natürlich auch ein paar Zahlen und Fakten, die euch sicher interessieren werden.

Mein bisheriger Laufrekord als Veranstaltungsleitung? Knapp 15 Kilometer und 20.000 Schritte zur Eröffnung am Freitag, den 05.07.2019. Ein durchschnittliches Team am Abend umfasst ca. 10 Mitarbeiter. Jeden Abend wird die Leinwand vor der Veranstaltung hoch- und nach der Veranstaltung wieder runter „gefahren“. Dies dauert ca. 20 Minuten und man braucht ca. 4 Personen.

Wir finden grundsätzlich IMMER statt und gehen mit euch durch Wind und Wetter, dass hat man besonders am vergangenen Samstag gemerkt 😉 Nein, wir haben keinen ALL ACCESS zu Getränken und Essen, warum auch immer diese Frage aufkam, selbst wenn wir für alles Schlüssel haben. Es gibt einen Gieß- und Staubsaugdienst sowie Mitarbeiter, die prädestiniert für das akkurate Zusammenfalten von Decken sind. Ehrlich? Dafür hab ich persönlich keine Muße.

Die größte Herausforderung bis jetzt? Delegieren zu lernen und weniger selbst den Besen zu schwingen.

Leinwand auf dem Theaterplatz wird bei Regen hinuntergelassen

Auch unsere Leinwand arbeitet bei Wind und Wetter

Schlussplädoyer

Ja, ihr habt völlig recht. Das ist mehr als ein Vollzeitjob und eine große Aufgabe. Jedoch kann ich mir persönlich derzeit nichts Schöneres vorstellen. Als studierter Eventmanager hat man den Stress, den Druck und die Hektik im Blut. Man ist unterwegs und muss immer und überall zugleich sein. Jedoch belohnt einen das zufriedene Lächeln der Gäste und der nie stattfindende reibungslose Ablauf einer Veranstaltung jeden Tag erneut. 

Ich weiß, euch brennen zu diesem Thema bestimmt tausend und eine Frage unter den Nägeln. Und ich kann euch nur sagen, lasst sie raus. Ihr könnt mich gerne bei einer unserer vielen Veranstaltungen auf dem Platz ansprechen, einfach per Mail anschreiben oder bei Facebook Fragen hinterlassen. Ich bzw. wir werden auf alle eingehen und freuen uns auf euch. 

10 Filmnächte-Songs zum Mitsingen

Am Lagerfeuer, im Chor, unter der Dusche. Irgendwo singt doch jeder! Dass man auch auf dem Theaterplatz leise summend oder fortissimo gröhlend in vertraute Melodien einstimmen darf, ist nur vielleicht nicht jedem klar. Dabei ist das Programm gerade dieses Jahr durchdrungen von echten Ohrwürmern.

Hier präsentieren wir euch 10 beschwingte Filmnächte-Songs aus der aktuellen Saison in chronologischer Reihenfolge – komplett mit Lyrics, damit ihr fleißig üben und mehr als bloß den Refrain mitsingen könnt. Dazu haben wir euch auch eine Youtube Playlist zusammengestellt. Also ölt eure Stimmbänder, holt die Feuerzeuge raus und fangt einfach an, mitzuträllern!

Übrigens: Konzerte klammern wir hier aus, sie hätten eine eigene Liste verdient.

1. Shallow (A Star Is Born)

Vor ausverkauftem Haus erwies sich „A Star Is Born“ als pompöse Ouvertüre für die diesjährige Filmnächte-Saison – und ich habe im Publikum bereits jemanden bemerkt, der die oscarprämierte Ballade „Shallow“ leise mitgesungen hat! Lady Gaga und Bradley Cooper geben hier alles (unvergesslich auch ihre gefühlvolle Performance bei den Oscars). Schnappt euch am besten einen Duettpartner und eifert ihnen nach!

https://www.youtube.com/watch?v=iPot3IZuJq8

Zugabe: Look What I Found (im Windschatten von „Shallow“ hätte hier aber jeder der übrigen 18 Original-Songs stehen können)

2. Weisstunoch (Gundermann)

Der mehrfach ausgezeichnete Musikfilm über den singenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann ist der verträumte Sonderfall auf dieser Liste. Nicht ganz leicht ins Ohr zu kriegen, kaum auf Youtube zu finden – aber deutsche Songtexte, die direkt ins Herz gehen. Alexander Scheer mimt den DDR-Liedermacher und interpretiert seine Werke mit viel Respekt, wie diese Studio-Aufnahme von Weisstunoch” zeigt. Auf dass dieser Sommer nicht so schnell vorbei geht.

Die Lyrics bitte in diesem besonderen Fall separat aufrufen!

Zugabe: Linda (auch Regisseur Andreas Dresen stimmt behutsam zum vielleicht beliebtesten „Gundermann“-Song ein; hier der Text dazu)

3. Night Fever (Saturday Night Fever)

Kaum zu glauben, dass dieser Tanzfilm von 1977 nicht früher bei den Filmnächten lief. John Travolta sorgt darin für schillernde Bilder und heiße Moves, die Bee Gees für den unvergesslichen, noch und nöcher verkauften Soundtrack. Der ikonische „Night Fever“ ist sicherlich etwas hoch, um ihn optimal nachzusingen, damit aber der perfekte Song zum Vorglühen und Feiern. Wo bleibt die „Saturday Night Fever“-Party, analog zu „Dirty Dancing“ und „Mamma Mia!“?

Zugabe: How Deep Is Your Love (genau der richtige Kontrast zum oft so ausgeflippten Disco-Klang der Bee Gees)

4. We Are The Champions (Bohemian Rhapsody)

Wie soll man bei einem Biopic über die wahrscheinlich größte Rockband aller Zeiten bitteschön nicht mitsingen?! Eben. In den USA wurde deshalb eine Sing-Along-Version in die Kinos gebracht. Und im fulminanten Finale des Films dürfte es auch dem größten deutschen Gesangsmuffel schwer fallen, nicht zumindest zaghaft singend Teil des „We Are The Champions“-Chors zu werden – so ging’s mir jedenfalls, und ich bin nicht mal richtiger Fan!

Ratschlag zum Schluss: „Bohemian Rhapsody“ ist mit Abstand der stärkste Film im Vorverkauf. Also zögert nicht zu lange, falls ihr am 20.07. Freddie Mercury & Co. auf dem Theaterplatz erleben wollt!

Zugabe: Don’t Stop Me Now (schließt im Film direkt an „We are The Champions“ an und eröffnet die Credits – lasst euch also nicht aufhalten, sondern singt weiter!)

5. Rocketman (Rocketman)

Der erste Trailer zum Elton-John-Biopic ließ mich nach dem grandiosen Queen-Portrait eher kalt, doch inzwischen höre ich den Soundtrack rauf und runter – und singe mich mit „Rocketman“ und „Saturday Night’s Alright“ warm für unseren Musiksamstag am 27.07.! Laut Kritikern ist das Drama gar besser gelungen als „Bohemian Rhapsody“. Habt ihr’s schon gesehen? Taron Egerton erhielt von Elton John jedenfalls viel Lob für seine Performance – was ich gerne glaube, schließlich überzeugte er stimmlich schon im Animationsfilm „Sing“.

https://www.youtube.com/watch?v=HY3VE15grzU

Zugabe: Saturday Night’s Alright (For Fighting) (die Strophen sind knifflig, der „Saturday“-Refrain umso spaßiger und einfach zu merken)

6. Mamma Mia (Mamma Mia!)

Keine Ausreden mehr: Dieses mit Meryl Streep, ABBA-Ohrwürmern und Sommer-Feeling gespickte Kult-Musical schreit einem „Sing mit!!!“ geradezu entgegen. Beide „Mamma Mia!“-Filme gibt’s ja inzwischen auch als richtige Sing-Along-Ausgaben. Unter den 24 gefeatureten Songs einen Stellvertreter auszuwählen, ist da eigentlich unmachbar. Also bleiben wir beim titelgebenden „Mamma Mia“. Schillernde Kostüme, eine amüsante Handlung und die anschließende Party sind Pflichtprogramm bei den Filmnächten – passt nur auf, dass ihr am nächsten Morgen nicht total heiser seid!

Zugabe: Lay All Your Love On Me (Habt ihr einen ABBA liebenden Mann, der sich nicht zu schade ist, hier mitzusingen? Dann haltet an ihm fest!)

7. (I’ve Had) The Time Of My Life (Dirty Dancing)

Wenn es ein Song verdient hat, als ultimative Filmnächte-Hymne betitelt zu werden, dann dieser Schmuseklassiker. Der 1988er-Oscar für „The Time Of My Life“ scheint im Rückblick so selbstverständlich wie Melonenbowle, Wunderkerzen und „Dirty Dancing“-Party bei den Filmnächten (am 10.08. auf dem Theaterplatz). Unterschätzt aber nicht, wie schwer die hohen Passagen mitzusingen sind – oder kümmert euch einfach nicht um die Tonhöhe, sondern fühlt einfach die Musik!

Zugabe: Hungry Eyes (gleich der nächste 80s-Hit, der im Film zur unvergesslichen Tanzunterricht-Szene eingespielt wird)

8. The Place Where Lost Things Go (Mary Poppins‘ Rückkehr)

Auch wenn die Lieder im Musical-Sequel nicht ganz die Klasse eines „Supercalifragilisticexpialigetisch“ erreichen, erschafft Emily Blunt mit „The Place Where Lost Things Go“ einen wundervollen, tröstenden Song über den Verlust der Familie Banks. Völlig verdient gab’s dafür eine Oscar-Nominierung – und einen Platz in dieser Liste.

„Mary Poppins‘ Rückkehr“ landet bei uns 17:30 Uhr im Tageskino und läuft natürlich auf Deutsch – hier präsentieren wir aber das Original (sogar mit Filmszene aus der offiziellen Sing-Along-Edition). Mitsingen lässt sich natürlich auch die deutsche Version von Annett Lousan (hier die Lyrics).

Zugabe: A Cover Is Not The Book (jetzt aber noch was Fröhliches, bei dem die verantwortlichen Zeichentrick-Künstler und „Hamilton“-Star Lin-Manuel Miranda richtig zeigen dürfen, was sie drauf haben)

9. Speechless (Aladdin)

Gleich nochmal Disney, diesmal ein waschechtes Remake! Trotzdem werdet ihr „Speechless“, kraftvoll vorgetragen von Naomi ‚Jasmin‘ Scott, nicht sofort mitschmettern können. Die Ballade wurde unter anderem von den Komponisten von „La La Land“ eigens für den 2019er „Alladin“ geschrieben. Ein sicherer Oscar-Song für 2020? Möglich, bei mir weckt er Erinnerungen an Disneys „Let It Go“. Julia Scheeser singt übrigens in der deutschen Übersetzung „Ich werd niemals schweigen“. Und das solltet auch ihr nicht, wenn ihr am 16.8. zur Film-Vorstellung vorbeischaut – egal wie ausgefeilt eure Stimme ist!

Zugabe: Friend Like Me (Klassischer Disney-Hit, diesmal verziert von Will Smiths Rap- und Beatbox-Einlagen)

10. All You Need Is Love (Yesterday)

Nach Queen und ABBA nun also zum dritten Mal die Mammutaufgabe, lediglich EINEN Song aus dem umfangreichen Repertoire einer Top-Band auszuwählen: den Beatles! Weil „All You Need Is Love“ wohl das große Sing-Along-Finale der Musik-Komödie „Yesterday“ darstellt, fällt die Wahl auf eben diesen Chartstürmer von John Lennon und Paul McCartney. Die Prämisse des Films, der am 21.07. läuft, klingt echt amüsant: Nach einem Stromausfall kann sich keiner an die Beatles oder ihre legendären Pop-Hits erinnern, außer ein erfolgloser Singer-Songwriter… Schauspieler Himesh Patel macht hierbei eine echt gute Figur dabei, „Yesterday“ &. Co nachzusingen! Aber hört selbst.

Zugabe: Let It Be (aber mal ehrlich, wer braucht dazu noch einen Songtext?)

So umwerfend war die Filmnächte-Eröffnung

Daheim

Der erste Filmnächte-Abend einer Saison bedeutet für mich, nach Hause zu kommen. Alles ist so vertraut: die herrlich beleuchtete Kulisse, das herzliche Team. Die Leinwand, bei der ich mich immer an eine Hüpfburg erinnert fühle. Der Eins-Energie-Werbespot. Die plötzlich einsetzenden Kirchenglocken, die meinen, einen oscarprämierten Song mit ihrem Klang veredeln zu müssen. …Einfach eine Atmosphäre, die es sonst nirgendwo anders gibt!

Daheim – aber nicht allein. Glücklicherweise steht im ‚größten Wohnzimmer der Stadt‘ auch das ‚wahrscheinlich größte Sofa von Chemnitz‘, damit JEDER einen Platz findet.

Ausverkaufter Theaterplatz zur Eröffnung, Blick auf Leinwand, Oper und Petrikirche

Willkommen zurück – wir haben euch vermisst!

Drei Worte: Aus. Ver. Kauft!

Das hat in acht Jahren noch kein Eröffnungsfilm geschafft – nicht „Fack Ju Göthe“ (2014), auch nicht „Kundschafter des Friedens“ (2017) oder „Django Unchained“ (2013). Selbst der französische Feel-Good-Hit „Ziemlich beste Freunde“ (immerhin Platz 24 der erfolgreichsten Filme in Deutschland überhaupt) scheiterte 2012 am Unterfangen, den Theaterplatz vollzumachen.

Doch alle Anwesenden haben es Freitag selbst gesehen, gehört, erlebt: Die Filmnächte Chemnitz haben 2019 mit dem wundervollen „A Star Is Born“ einen astreinen Auftaktabend hingelegt und circa 950 Besucher angelockt. Es gibt also doch Alternativen zum Kosmonaut Festival!

Music is the Key

Musik verbindet, das war schon immer das Geheimnis. Ob im Vorfeld eingespielte Movie-Soundtracks (Chapeau an Deutschlandfunk Kultur für die stets gelungene Auswahl!), gemeinsames Mitsummen bei „Shallow“ oder auch durch Live-Musik.

Dem Facebook-Aufruf der Filmnächte, „A Star Is Born“ musikalisch einzuläuten, folgte unter anderem das Gesangs-Duo ELMA. Die beiden rufen nicht nur Erinnerungen an Bradley Cooper und Lady Gaga wach, sondern können auch hervorragend singen und Gitarre spielen!

Ob „Don’t Look Back In Anger“ oder „Believer“ – irgendein Ohrwurm begleitete sicher jeden Besucher auf dem Nachhauseweg. Dafür sorgte natürlich auch der ‚Haupt-Act‘ auf der großen Leinwand…

Gesangs-Duo ELMA performt auf der Bühne (Frau am Mikro, Mann an der Gitarre)

ELMA haben uns mit verträumten Songs wunderbar auf den Eröffnungs-Abend eingestimmt. Danke euch beiden!

Look what I found

Wenn ich an die entscheidende Programmbeiratssitzung zurückdenke, die das bewegende Liebesdrama als Eröffnungsfilm durchsetze, kann ich immer wieder sagen:

In einem Raum mit 10 Leuten, können 9 nicht an diesen Film glauben. Aber es braucht nur einen einzelnen, der es tut. Und das ist er: Festival-Leiter Michael Claus.

Ooooooder auch jemand anderes aus unserer Gruppe – keine Ahnung, wer letztlich auf „A Star Is Born“ bestand! Schließlich waren auch „Bohemian Rhapsody“, „100 Dinge“ oder „Der Junge muss an die frische Luft“ heiße Kandidaten für den Auftakt.

Wer die Anspielung eben übrigens nicht verstanden hat, unbedingt dieses amüsante Video angucken!

Always remember us this way

„A Star Is Born“ aber fängt das ‚Filmnächte-Gefühl‘ perfekt ein: Schmetterlinge im Bauch, Lieder, die nicht mehr aus dem Kopf gehen und eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Von allen bisherigen Eröffnungsfilmen lässt uns dieser nämlich auch mit dem größten Kloß im Hals zurück, sobald der Abspann einsetzt.

Filmszene aus "A Star is Born": Bradley Cooper am Klavier, Lady Gaga lauscht dem Gesang

Ob Bradley Cooper und Lady Gaga auch fernab des Sets zueinander gefunden haben? Wer weiß…

Damit ihr auf der nächsten Grillparty nicht nur vom Filmnächte-Opening berichten, sondern auch mit Fun-Facts glänzen könnt: „A Star Is Born“ ist das dritte Remake des Originals von 1937. Die Version von 1976 wiederum, mit Barbara Streisand als titelgebender Star, gewann ebenfalls den Oscar für den besten Filmsong (ein echter „Evergreen“, hört mal rein).

Für den 2019er-Aufguss nahm Bradley Cooper 18 Monate Gesangsunterricht; in sechs Monaten lernte er außerdem Klavier und Gitarre. Und führte selbst Regie – ein echtes Multitalent! Genauso natürlich wie Lady Gaga, die sich die Rolle, analog zur Film-Handlung, mit einer verführerischen Perfomance von „La Vie en Rose“ sicherte.

Und das war erst der Anfang

Sehr wahrscheinlich, dass ihr nicht ausreichend Zeit hattet, alle Geheimnisse des Theaterplatzes zu ergründen. Die chillige Oscar-Lounge am Rondell mitsamt rotem Teppich? Hab’s getestet, von dort hat man einen idealen Blick auf’s Geschehen! Kunstwerke von galerie17 und von Marian Kretschmer in den Filmnächte-Lounges? Unbedingt einen Blick wert!

Sicher, noch war nicht alles perfekt (Stichwort Akustik; der massige Bass hat die Lounge teilweise ganz schön durchgerüttelt), aber die Saison hält noch locker 70 Filme bereit, um diese Dinge glattzubügeln. Ich freue mich auf jede, bei der ich dabei sein kann. Schaut auch ihr einfach mal vorbei!

Fotos © Toni Kretschmer, newpic photography

Viertel vor Sommer: Alles zu Neuerungen & Aufbau

In letzter Zeit mal mit Auto oder Straßenbahn am Theaterplatz vorbeigedüst? Dann dürften euch ein paar hervorblitzende weiße Zipfelmützen aufgefallen sein – die Gastro- und Lounge-Zelte stehen!

Seit fast 2 Wochen hämmern, schrauben, wuchten, schwitzen, malern, konstruieren, basteln und fachsimpeln bis zu 16 emsige Handwerker am Aufbau der Filmnächte Chemnitz. Teilweise am Wochenende und trotz Affenhitze. Völlig Banane! Und völlig verdient, dass wir deshalb mal genauer in Augenschein nehmen, wohin ab Freitag alle filmbegeisterten Chemnitzer pilgern.

Der große Wiederaufbau

Lastwagen auf dem Theaterplatz

„Nicht noch eine Baustelle….“ Aber hey, hier entsteht für Sie ein Freiluftkino!

Am Anfang war das Nichts…

…und ein leeres, ungenutztes Theaterplätzchen. Rückblende: Bei Nacht (aber ohne Nebel) treffen am Abend des 19.06. mehrere schwer beladene Lastwagen vor dem Opernhaus ein. Am darauffolgenden Morgen, lange noch vor dem ersten Knoppers, fällt der Startschuss für Produktions-Guru Markus Richter und sein Team. Unter Hochdruck wird alles entladen – das Abenteuer „Filmnächte-Aufbau 2019“ beginnt!

Der Aufbau ist, ganz ähnlich wie „Avengers“ oder auch „Kill Bill“, aufgesplittet in zwei spannungsgeladene Parts.

So endet die erste Hälfte nach einer knappen Woche für Lounge, Gastro-Pagoden und Cocktailbar, mit einem unbefriedigenden Cliffhanger: ein Kino ohne Leinwand und Stühle!

Eine kleine Verschnaufpause für alle Beteiligten ist das große Nachbarschaftsfest, welches am 29.06. auf dem Theaterplatz gastiert. Am 30.6. geht’s dann für die Filmnächte-Baumeister ins Endgame: Es bleiben 5 Tage für die nagelneue Oscar-Lounge, Airscreen-Leinwand, Büro- und Kassencontainer sowie gefühlt zweiundzwanzig weitere Elemente. Ein Zeitplan, enger gestrickt als je zuvor. Schaffbar? Vielleicht nur mit Zeitreisen…

Rekordverdächtig

Das aufwändigste Unterfangen steht gleich zu Beginn: 4 Lounge-Pagoden mit Zelten, Treppen, Zäunen und Schwerlastböden müssen hochgezogen werden. Und das gelingt den toughen Aufbau-Avengers sogar schneller als erwartet, auch dank Unterstützung eines opulenten Krans! Von dem liegen mir zwar keine Fotos vor – Augenzeugen berichten aber, er wäre ungefähr dreimal so hoch wie die Petrikirche!

Exorbitant sind auch die Zahlen rund um die Leinwand.

Deren Beschwerungen wiegen allein 18 Tonnen, damit Sturmtiefs trotz archaisch klingenden Vornamen nichts wegwirbeln können.

Genug des Vorgeplänkels, worauf dürfen sich Film-Fans denn nun freuen? Aufbau-Profi Markus Richter und Festival-Leiter Michael Claus haben mir ein paar Einblicke verschafft…

Neuerungen der Filmnächte-Saison 2019

Oscar-Lounge

Ihr seid gleich zu diesem Abschnitt vorgesprungen, gebt’s zu! Na schön: Am Rondell, auf den heiligen Stufen hinab zum Theaterplatz, thront erstmals die brandneue „Oscar-Lounge“. Ein exklusives, überdachtes Plätzchen hinter der Cocktailbar – ein bisschen also wie die Winkelgasse hinter dem „Tropfenden Kessel“.

Kundenevents wie XING Backstage haben das Areal bereits für sich entdeckt. Aber nicht nur Firmen frönen hier ausgelassen der Networking- oder Kinolust – auch der Otto-Normal-Gast darf in der Oscar-Lounge auf Liegestühlen chillen und mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen. Auch nach dem Abspann noch, zum Beispiel weil die Nachtlinie im Stau steht oder der Film einen so mitgenommen hat! Nur reguläre Platzkarten gibt es für diesen Bereich nicht zu kaufen.

Wie die Oscar-Lounge aussehen wird? Keine Ahnung, ganz ehrlich! Müsst ihr Freitag wohl selbst zum ‚Grand Opening‘ vorbeikommen…

Handwerker malert Holzplatte rot

Hoffentlich beißt sich das Rot nicht mit dem Filmnächte-Blau…

Parkett und Stühle

An den Stuhlreihen hat sich nicht allzu viel verändert – ich empfehle weiterhin, Sitzkissen mitzubringen. Zum Glück wurden jedoch die Abstände zum Sitznachbarn vergrößert, sodass keiner Angst haben muss, andere Besucher mit kleinsten Bewegungen beim Schluchzen, Schnäuzen oder Lachen physisch zu belästigen. Nice!

Um den Konzert-Veranstaltern zu John Fogerty, Amy Mcdonald & Co. Sorgenfalten beim ständigen Umbau zu ersparen, fällt der Parkett-Fußboden samt Lautsprecher-Armada weg. Bedeutet, dass Bierchen oder Cocktails sich nun nicht mehr auf den klobigen Boxen parken lassen, womit wir zum nächsten Punkt kommen…

Neues Soundsystem

Es ist zwar erstmal eine Testphase, aber die Sound-Technik der Filmnächte-Kindheit 2011 ist inzwischen erwachsen geworden: Nun ist Frontbeschallung für den gesamten Platz möglich! Zwei Lautsprecher sollen dieses Jahr von vorne für den guten Ton sorgen.

Dadurch überhört man auch auf den seitlichen Bierbänken oder als ‚Nachholer‘ am Gastro-Schalter keinen flotten Spruch mehr. Außerdem sollen generell Dialoge besser zu verstehen sein (auch in der Lounge, wo zusätzliche Lautsprecher installiert sind).

Für die Zukunft ist so endlich auch hochwertiger Surround-Sound denkbar. Bin gespannt, wie sich das Ganze in natura anhört – ihr auch?

Fazit: ‚Schnugglisch‘, wie der Sachse sagt!

Mir gefällt, dass die Filmnächte nicht auf der Stelle treten, sondern trotz Kostendruck immer etwas Neues wagen. Und was man davon bisher sieht, scheint wirklich gelungen!

Zudem ein großes Lob an die vielen fleißigen Beleuchter, Tischler, Sound-Experten und Helfer jeglicher Art – ab Freitag präsentiert sich der Theaterplatz dank euch in seinem schönstem Sommer-Dress, nämlich dem strahlenden Filmnächte-Blau-Gelb! Überzeugt euch selbst…

Zum Schluss noch 3 Fragen an…
Markus Richter (Produktionsleitung)

Mit wie viel Vorlauf vor der Saison beginnt dein Einsatz für die Filmnächte?

Die Planung startet bereits ein Dreivierteljahr vorher, wenn über Neuerungen und Verbesserungen gesprochen wird. Tatsächliche Meetings mit Ämtern, der Stadt etc. folgen dann etwa ein halbes Jahr vor Festival-Beginn.

Markus Richter in der Filmnächte-Lounge

Koordiniert und dirigiert sein Team, packt aber auch fleißig selbst mit an: Markus Richter

Wenn dir eine gute Produktions-Fee 100.000 € mehr zur Verfügung stellen würde, wofür würdest du die Knete investieren?

Natürlich für einen exzessiven Mallorca-Urlaub! Spaß beiseite, das Geld würde als erstes in eine hochwertige Parkett-Bestuhlung gehen. Danach wäre die Lounge dran, die man als Containermodell auf zwei Etagen aufteilen könnte –

im „Erdgeschoss“ gäbe es Popcorn, Getränke & Co., oben würden -mit perfekter Aussicht- die Lounge-Gäste sitzen.

Ein anderes Investment wäre eine stattliche LED-Leinwand – mit Firmen wie Samsung als Vorreiter sind die inzwischen so leuchtstark und funktionstüchtig, dass sie auch bei Tageslicht alles gut zeigen. Für die Zukunft auf jeden Fall ein spannendes Thema, das mit dem Tageskino ja bereits ausprobiert wird.

Wenn du nicht gerade bei 36 Grad an der Filmnächte-Kulisse werkelst – wie genießt du den Sommer am liebsten?

Ganz klar auf dem Rennrad – da ich in Dresden wohne, meistens den Elberadweg entlang. An der Ostsee widme ich mich auch gerne dem Segeln.

Bonus-Frage: Verrätst du, wo man am besten sieht und hört?

Aber nicht weitersagen, okay? Reihe 8-10, also tatsächlich ziemlich mittig im Parkett!

„And the Oscar goes to…“

Jeder eingefleischte Cineast hat diesen Satz sicher mehr als einmal in seinem Leben gehört oder ist, wie man munkelt und auch immer wieder am eigenen Leib erlebt, zu diesem Satz aus einer kurzen inneren Einkehr um 4 Uhr nachts hochgeschreckt.

Filmpreise sind neben Lobeshymnen oder vernichtenden Kritiken die mit Abstand einzigste Maßgabe, nach der wir „Normalos“ einen neuen Film auf seine Qualität und Tauglichkeit im allgemeinen Freizeitstehlen beurteilen können. Und was es da nicht alles gibt. Angefangen mit der Palme d’Or über die Golden Globes bis hin zum Höhepunkt einer jeden Award-Season, den Academy Awards, oder auch kurz Oscars genannt. Natürlich sprechen wir in diesem Zusammenhang nur von international, oder ja, eher sehr amerikanisch wirkenden Filmpreisen.

Warum? Nun ja, in unser Programm hat es schließlich auch eine Oscar- und keine Berlinale-Bär-Schiene geschafft, oder? Wobei letztere sicher mal ein diskutabler Tagesordnungspunkt für die kommenden Meetings des Programmbeirates wären. 

„…Olivia Coleman in The Favourite!“

Glaubt ihr an Oscarwunder? Also diese Art von Wunder, bei der es auch ausgleichende Gerechtigkeit gibt? Herzlichen Glückwunsch – aber nein, nicht bei den Oscars, meine Lieben! Ich möchte an dieser Stelle kurz eine ganz subjektiv gestaltete Lanze brechen. In meinen Augen sind Award-Veranstaltungen jeglicher Art immer ein Spiegel der politischen und gesellschaftlichen Stellung eines Landes.

Denken wir dabei nur an den großen Aufschrei vor knapp vier Jahren, als einem Academy-Member doch tatsächlich auffiel, dass zu wenig afroamerikanische Schauspieler und Filmschaffende für diesen Preis nominiert waren. Tja, und schwups, kamen direkt 90% der afroamerkanischen Nominierten nicht zur Verleihung. Boykott hieß es! God knows, wer hier schon wieder was in seiner Luxuswelt boykottiert. Aber seien wir doch mal ehrlich. Warum bekommen Schauspielerinnen, die 45 Jahre eine grandiose Leistung nach der anderen abliefern, bis heute keinen Oscar? Oder warum gewinnen andere Schauspieler und Drehbuchautoren nur mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 15%, obwohl sie eigentlich schon zum Inventar des Dolby Theatres gehören?

All diese Fragen diskutieren wir als Programmbeirat und ja, manchmal beeinflussen diese unsere persönliche Filmwahrnehmung und lassen die Auswahl noch schwieriger erscheinen.  Dennoch denke ich, dass wir aus allen Gewinnern der Herzen für euch eine wundervolle Reihe zusammengestellt haben, die ihr ab dem 11.07.2019 mit der „Frau des Nobelpreisträgers“ jeden Donnerstag erleben könnt. 

Welche Schmankerl haben wir für euch vorbereitet? 

Ich würde euch gerne im Folgenden kurz und knackig zwei meiner persönlichen Oscarhighlights aus dieser Reihe vorstellen, natürlich mit dem Ziel euer Unterbewusstsein ein wenig argumentativ dazu zu zwingen, euren restlichen Körper jeden Donnerstag auf den Theaterplatz zu schieben. 

Glanzstunde für Glenn Close

Beginnen wir in diesem Zusammenhang direkt mit dem ersten Film der Reihe: „Die Frau des Nobelpreisträgers“. 

Filmplakat Die Frau des Nobelpreisträgers mit den beiden Hauptdarstellern

Ich muss sagen, ich habe diesen Film sehr herbeigesehnt. Während eines kurzen Wochenendtrips nach London hatte ich bereits überall in der U-Bahn riesige Werbeplakate von „The Wife“ (so der englische Titel) mit Glenn Close und Jonathan Pryce gesehen. Und nachdem mir eine sehr gute Freundin dann auch noch erzählte, dass er über alle Maßen gut sei, ja, da konnte ich es kaum noch erwarten, ihn endlich auch in den deutschen Kinos sehen zu dürfen. Aber es dauerte. Bis Ende Dezember 2018 stand noch nicht mal ein Starttermin für Deutschland fest. Als es dann jedoch endlich im Januar 2019 soweit war und ich ihn sehen konnte, wurde ich absolut für meine Vorfreude belohnt.

Es war eine zutiefst bewegende Geschichte über Liebe, die Wichtigkeit der Familie, Mut und die eigene Naivität. Der Trailer an sich sagt nicht viel über die gesamte Geschichte des Filmes aus. Wir verbleiben einzig und allein mit der Information, dass Joe Castleman mit dem Nobelpreis für Literatur in Stockholm ausgezeichnet werden soll und dass, ja, auch seine Frau mit von der Partie sein wird, die eine Rolle einnimmt, die das ganze Gerüst an augenscheinlichen (Lebens)lügen zum Einsturz bringen kann.

 

Filmszene aus Die Frau des Nobelpreisträgers: Glenn Close im Gespräch mit hartnäckigem JournalistenFilmszene aus Die Frau des Nobelpreisträgers: bei der Preisverleihung

Sollten wir uns also trauen und euch so einen Film zeigen? JA! Definitiv. Ich sage euch, es wurde um diesen Film gekämpft und ich bin sehr stolz, dass er im Programm verblieben ist. Er sei euch besonders ans Herz gelegt und ich warne euch vor, Taschentücher sind an diesem Abend unter der unendlichen Weite des poetischen Sternenhimmels notwendig.

Wahnsinn am englischen Königshof

Der zweite Film den ich euch ans Herz legen möchte, ist am 22.08.19 um 20:45 Uhr „The Favourite- Intrigen und Irrsinn“, der für gleich 10 Oscars nominiert war.

Filmplakat zu The Favourite mit den drei HauptfigurenAn diesem Film scheiden sich die Geister. Dass das britische Königshaus sehr eigenwillig ist und viele Marotten aufweist, wissen wir sicher nicht erst seit „The Crown“, „Elizabeth“ oder „The Royals“. Doch diese Geschichte, um die Abtrünnigkeit der im 18. Jahrhundert herrschenden Königin Ann, ist eine absolut fantastische. Krank und augenscheinlich machtlos lässt sie sich von ihrer Gespielin Lady Sarah gesund pflegen. Ich sage nur die Könige und der Klerus! Unbekannt sind uns solche Liebschaften ja nun wirklich nicht. Interessant wird die gesamte Situation nur durch die Ankunft von Lady Sarahs Cousine Abigail. Ganz unten in der Gesellschaft angekommen, merkt diese schnell, dass durch die Königin alles möglich ist. Sie beginnt von Lady Sarah zu lernen und bald ihre Stellung als Liebhaberin einzunehmen.

Das Irrsinnige an der ganzen Situation? Gott, Irrsinn gibt es zur Genüge. Angefangen bei den opulenten Partys mit Gänserennen, über Machtspiele beim Tontaubenschießen und Verschleppungen bis hin zu neckischen Bettspielen vor laufender Kamera ist wirklich alles dabei, was Intrigen zu bieten haben!

Emma Stone in The Favourite mit einem Gewehr Filmszene aus The Favourite: Geschminkte Königin rekelt sich im Bett

Bewaffnet euch mit Sinn und Verstand, um diesen dann beim Schauen des Filmes wieder zu verlieren. Stellt keine Fragen und Ansprüche, sondern lasst ihn nur auf euch wirken. Dieser Film wird euch mit Garantie noch sehr lange beschäftigen. 

Natürlich gibt es auch noch einige andere Filme in unserer Oscar-Schiene, die einen Besuch verdient haben. Aber ich möchte an dieser Stelle für meine Favoriten sprechen und hoffe, viele von euch daraufhin bei einem dieser Filme wiederzusehen. 

Once Upon a Time in Chemnitz – Das Schicksal der Sommer-Filme

Noch 21 Tage, bis sich unsere mollige ‚Airscreen‘-Leinwand endlich wieder aufplustert (und bis es überall Sommer ist) – zudem sind gerade rund 100.000 druckfrische Programmhefte auf dem Weg, allen anderen Flyern im Prospektständer die Schau zu stehlen. Checkt ihr solange regelmäßig unsere Filmnächte-Webseite? Vielleicht ist euch dabei ja aufgefallen, dass der ein oder andere Termin im Programm (auch im Ferienkino tagsüber, ab 9.8.) bisher noch unbesetzt war. Hinter den Kulissen ist nämlich immer Einiges in Bewegung.

Programmkinos veröffentlichen ihren Spielplan maximal im Monats-Turnus, Cinestar & Co. rücken sogar jeweils erst zu Wochenbeginn mit der Sprache raus. Für die Filmnächte hingegen ist es üblich, Monate im Voraus sämtliche Filme festzunageln – ein Balanceakt! Schließlich ergeben sich Premieren mit anreisewütigen Filmteams oder regionale Kooperationen oft erst kurzfristig.

Ich weiß, was du letzten Sommer geschaut hast

Zudem hätten wir gern zeitiger erfahren, dass die diesjährigen Sommer-Blockbuster „X-Men: Dark Phoenix“ oder auch „Men in Black: International“ eher kleckern statt klotzen. Für letzteren musste sogar der ursprünglich vorgesehene, adrenalingeladene „Mission Impossible – Fallout“ weichen. Der verschämte Kinostart aus dem vergangenen August war 2018 haarscharf an der Filmnächte-Saison vorbeigeschrammt. Inzwischen ist der großartige Tom-Cruise-Actioner aber schon wieder etwas abgestanden.

Filmszene aus "Mission Impossible: Fallout", wie Tom Cruise mit großem Abstand auf ein Haus zuspringt

Sommer-Starts wie 2018 „Mission Impossible – Fallout“ kommen schwer in unser Programm… Knapp daneben ist halt leider auch vorbei – Autsch!

Auch dieses Jahr würden wir den Theaterplatz liebend gerne mit Disneys „Der König der Löwen“ (ab 17.7.) in eine sommerlich laue Savanne verwandeln, zusammen mit unserem Hauptpartner Volkswagen bei „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ (ab 1.8.) die Reifen quietschen lassen – oder natürlich gemeinsam den neusten Tarantino-Streich „Once Upon a Time in… Hollywood“ (ab 15.8.) abfeiern! Vertraut man frohlockenden Kritikern, wohl neben „Toy Story 4“ DAS Highlight des Sommers.

Einen Strich durch die Rechnung machen häufig die von Verleihern gesetzten Veröffentlichungs-Regeln für Neustarts: „Frühestens 6 Wochen nach Bundesstart“, lautet das Urteil für Open-Air-Kinos.

Bauchmietzeln, Drohbriefe oder Telefonterror können diese Spanne zwar etwas verknappen, normalerweise besteht aber keine Chance für Juli-/August-Blockbuster. Ausnahmen wie „Yesterday“ oder auch „Pets 2“ bestätigen die Regel.

Nicht verzagen, Neues wagen

Dem Kino-Kalender dicht auf den Fersen sind die Filmnächte trotzdem, beispielsweise mit brandaktuellen Premieren wie dem deutschen Historiendrama „Und der Zukunft zugewandt“ oder der französischen Komödie „Made in China“. Und ein bis zwei Wörtchen mitzureden habt ihr, liebe Lesende, selbstredend auch: Welcher Olsenbande-Klassiker darf es am 2.8. sein? Welchen Comic-Blockbuster wollt ihr am 9.8. unter freiem Himmel erleben? Hier findet ihr die Infos zum Voting.

Zwei gut gelaunte Filmnächte-Besucher vor der Voting-Box im Sommer

Geh wählen! Und voten! Das Programm last-minute mitgestalten könnt ihr auch dieses Jahr wieder.

Wir werden übrigens nicht wütend, wenn ihr innerhalb der Saison mal ein reguläres, überdachtes Kino aufsucht (man munkelt, dass es im Sommer trotz Klimawandel mal regnet) – und vielleicht werden oben genannte Sommer-Filme so toll, dass ihr sie 2020 gerne erneut anschaut? Wir reservieren euch einen Platz.

Übrigens: Last-Minute-Änderungen sind verständlicherweise extrem ärgerlich (und extrem selten). Dennoch versuchen die Veranstalter, flexibel zu bleiben – um für alle optimales Entertainment zu bieten!

„Willkommen im größten Wohnzimmer der Stadt“

Endlich ist es soweit, liebe Freunde des guten Filmgeschmacks. Wir können euch heute mit Stolz und bestem Gewissen mitteilen, dass das Programm für die 9. Chemnitzer Filmnächte-Saison offiziell an den Start gegangen ist. 

Vier Personen präsentieren neue Filmnächte-Werbeplakate zur Programm-Veröffentlichung

Slogan(s) der Filmnächte 2019

8 Monaten voller Tränen, Schweiß, Lachen und vieler Diskussionen gehen somit zu Ende. Das Ergebnis kann sich unserer Meinung nach aber mehr als nur sehen lassen. Wir freuen uns über alle Maßen, auch wenn wir im gleichen Atemzug ein kleines Tränchen verdrücken müssen. Denn egal wie lange die Meetings gingen und wie anstrengend sie waren, die Filmnächte und die Arbeit am Programm wurden zu einem wichtigen Bestandteil unserer cineastischen Lebenskultur und wir alle sind wie eine kleine Familie zusammengewachsen.

Nicht verwunderlich also, dass wir euch dementsprechend auch einen….nein, warte, diesmal sogar ganze 4 Slogans zum heißesten Sommerevent in Chemnitz präsentieren können. 

 

Für Filmliebhaber und Adrenalin-Junkies: Oscar-und Outdoor-Reihe

Filmnächte-Werbeplakat zur Oscar-Reihe im Programm

„Roter Teppich daheim“- die Oscar-Donnerstage

Persönlich freue ich mich sehr auf unsere wöchentlichen Oscar-Donnerstage. Ganz nach dem Motto „Roter Teppich daheim“ habt ihr als Zuschauer die Möglichkeit, jeden Donnerstag gedanklich eure Oscarrede vor einem minimalistischen Millionenpublikum zu halten und on top noch Filmgenuss der Extraklasse zu erleben. Von Green Book über BlacKkKlansmann bis hin zu The Favourite, an welchem sich ja bekanntlich die Geister scheiden, ist wirklich für jeden Zuschauergeschmack etwas dabei. Und ich sage euch, wer sich da nicht für ein unvergessliches Kinodate verabredet, ist selber Schuld. 

Und egal ob mit oder ohne Date, auch das „Abenteuer daheim“ im Programm soll bei uns nicht zu kurz kommen. Wie ihr es schon aus dem letzten Jahr kennt, wird der ungeliebte Montag zur Flucht aus dem Alltag und zur Möglichkeit, seiner individuellen Abenteuerlust bei einem kühlen Bierchen unter dem Chemnitzer Sternenhimmel zu fröhnen.  An dieser Stelle sei aber Obacht geboten, denn bei dieser Reihe besteht absolutes Suchtpotenzial. 

Filmnächte auch tagsüber – Kooperation mit dem SCHLINGEL Filmfestival

Doch wie ihr wisst, organisieren wir euch nicht nur jedes Jahr einen tollen Kinosommer vor fantastischer Kulisse, nein, wir sind auch immer auf der Suche nach Gleichgesinnten.

Zwei Festivalleiter präsentieren T-Shirts der Filmnächte und des SCHLINGELS

FNC trifft IFF

So ist also auch nicht wirklich verwunderlich, dass wir uns dieses Jahr mit dem internationalen Filmfestival Schlingel „verbrüdert“ haben, um euch auch außerhalb unserer gewohnten Abendschiene bewegte Bilder auf einer überdimensionierten Leinwand zeigen zu können. Da ist doch die letzte Ferienwoche direkt gerettet, oder?  Wir blicken mit voller Freude und Zuversicht in die Zukunft dieser Zusammenarbeit und freuen uns jetzt schon auf alles was da noch kommen mag.

An dieser Stelle wollen wir uns auch nochmal für das zahlreiche Erscheinen und rege Interesse der Chemnitzer Medienlandschaft an den Filmnächten Chemnitz bedanken. Uns war es ein innerliches Fest, mit euch über unsere Passion sprechen zu dürfen, vor allem wenn dabei am Ende die folgenden Pressestimmen erklingen.

„A Star is born“ eröffnet das Programm 2019

Hach ihr Lieben, was soll man noch sagen? Ein aufregender Tag geht für uns zu Ende und es hätte nicht besser laufen können. Eskaliert genauso wie es auch wir tun würden und sichert euch jetzt schon die besten Plätze im schönsten Kino der Stadt. Was bleibt ist die Vorfreude auf eine grandiose Saison 2019 und die Liebe zum Film, sowie unsere gemeinsame Verabredung am 05.07.2019  zusammen mit Lady Gaga und Bradley Cooper, die unser Programm eröffnen.

Denn wenn die Lichter auf dem Platz gedimmt werden und uns nichts weiter bleibt außer das Träumen, dann fangen wir doch alle erst richtig an zu leben, oder?

Über Walt Disneys Remake-Wahn, Aladdin und Kindheitserinnerungen

Naaaaaaaants ingonyamaaaaaaa bagithi baba…“ – Na, erkannt? Wer bekommt nicht sofort Gänsehaut, sobald diese vertrauten afrikanischen Gesänge erklingen. Im imposanten Sonnenaufgang begeben sich die Tiere zum Königsfelsen, um den neugeborenen Simba zu bestaunen – so unvergesslich beginnt „Der König der Löwen“. Für viele in meinem Alter dürfte es nicht nur der Liebling unter den Disney-Klassikern, sondern auch der erste im Kino erlebte Film überhaupt sein. Ich weiß noch, dass die Schlange vor unserem Kleinstadt-Kino einfach nicht aufhören wollte.

Mein Herz allerdings eroberte schon eine andere Zeichentrick-Legende. Am 14. November 1993 feierte ich meinen 6. Geburtstag, vier Tage später feierte „Aladdin“ den seinen im Kino. Mit orientalischen Schauplätzen, spektakulären Kamerafahrten, einer hyperaktiv-liebenswerten Figur wie dem Dschinni und natürlich der beschwingten Musik überwältigte mich Walt Disneys morgenländisches Abenteuer. Ich muss so fasziniert gewesen sein, dass ich zu Weihnachten sogar „Aladdin“-Bettwäsche bekam!

Den Film habe ich inzwischen bestimmt 22 Mal gesehen (wahrscheinlich nicht mal rhetorisch übertrieben). Und nun kommen Micky Maus‘ Stiefeltern und machen daraus einen Spielfilm – natürlich ohne finanziellen Hintergedanken, sondern weil sie eine künstlerische Vision haben…!

Wer braucht Disney-Realverfilmungen?

Filmplakat zum König der Löwen-Remake von Walt Disney

Tritt in große Fußspuren: Plüsch-Simba

Von A wie „Arielle, die Meerjungfrau“ bis Z wie… oder zumindest S wie „Schneewitchen“, Disneys Liste der geplanten Realverfilmungen ist lang. Auch wenn 1996 mit „101 Dalmatiner“ und Welpen-Killerin Glenn Close noch nicht der Durchbruch gelang, sind die fotorealistischen Disney-Remakes seit Tim Burtons „Alice im Wunderland“ und spätestens seit „The Jungle Book“ Selbstläufer. Meisterwerk aus der Schublade ziehen, Schablone drauf, Superstars oder CGI dazu, fertig ist der Live-Action-Kracher. Los geht’s, 3-4 Stück im Jahr sind drin!

Okay, one step back. Wenn man mich fragt, muss (Disney-)Remakes nicht zwingend die schöpferische Identität fehlen. Ich sehe Potential bei Filmen mit menschlichen Protagonisten und komplexen moralischen Themen wie „Der Glöckner von Notre Dame“, vielleicht auch „Pinoccio“. Bei tierischen Figuren schrillt bei mir jedoch die CGI-Alarmglocke.

Statt farbenprächtigem Cartoon-Look versprüht zum Beispiel der 2019er „Lion King“ eher den Charme einer Natur-Doku.

Ein mystisches „Aladdin“-Abenteuer mit erfahrenen Schauspielern, Originalschauplätzen und state-of-the-art-Effekten habe ich mir hingegen immer gewünscht – was davon liefert der neue Streifen jetzt?

Be careful what you wish for

Eins vorneweg: Die Neuauflage von „Aladdin“ macht genug Spaß, um Kinder und junggebliebene Erwachsene für gut zwei Stunden märchenhaft zu unterhalten. Dafür sorgen die energiegeladenen Musical- bzw. Tanznummern, einige Gags und interessante Perspektivwechsel in der Story. Die Klasse des Originals allerdings bleibt mehrere fliegende Teppichlängen entfernt.

Disneys Aladdin-Film von 2019: Dschinnie Will Smith berät Aladin

„Da ist ne riesige Grauzone in: ‚Mach‘ mir nen geiles Remake’…“

Vielleicht geht es euch ähnlich: Nostalgie spielt eine entscheidende Rolle bei Realfilm-Revivals. Und als solches tritt es in große Fußstapfen, zum Beispiel was Flaschengeist Dschinni angeht. 2014 verstarben Robin Williams und auch seine deutsche Stimme, Peer Augustinski – beide hatten dem Dschinni unendlich viel Witz verliehen. Die ersten Trailer zum Remake ließen nun nichts Gutes erahnen: Das ganze Internet lästerte über ‚Papa Schlumpf‘ Will Smith als hämisch dreinblickendes Dschinni-Ungetüm.

Doch wie sich herausstellt, ist Smith der ‚ungeschliffene Diamant‘ unter den ausrangierten Hollywood-Stars. In jeder Szene schöpft er mit sichtlichem Genuss aus seinem Schauspiel-Repertoire – mal „Der Prinz von Bel-Air“, mal „Hitch – Der Date Doktor“ oder eine Prise „Men in Black“. Hat mir gefallen!

Unpopulärer sind die Darsteller von Aladdin, Jasmin und Dschafar, die (offenbar?) ihr Bestes geben. Leider bleibt besonders der hinterlistige Großwesir ein schemenhafter Bösewicht mit dem Charisma eines „Game of Thrones“-Statisten. Immerhin, zwischen unseren turtelnden Protagonisten ist ansatzweise eine Chemie zu spüren. Zudem rückt Jasmins Charakter etwas mehr ins Rampenlicht (sie schmettert sogar einen neuen, emotionsgeladenen Song). Dieser Fokus erklärt vielleicht, warum der Film im Cinestar als ‚CineLady‘ durchging?

Die Sache mit der Nostalgie

Dennoch, als 22-facher Betrachter des Originals ertappte ich mich nicht selten bei dem Gedanken: „Moment, die Liedzeile geht aber anders…“ oder „Ähm, was habt ihr bitte mit dieser Szene gemacht?“. Sprechen da einfach nur verklärte Kindheitserinnerungen? Die alte Leier ‚Früher war alles besser‘?

Es klingt komisch, aber viele Szenen des 2019er „Aladdin“-Spielfilms, gedreht mit echten Menschen und an echten Sets, wirken auf mich wie Karikaturen ihrer Zeichentrick-Vorlagen.

Ähnlich ging’s mir mit anderen Disney-Realverfilmungen. Dann besser ganz neu aufrollen, wie in „Maleficent“ oder „Alice im Wunderland“ („Dumbo“ scheint hier trotz Neuausrichtung im Plot kein Paradebeispiel zu sein).

Sei hier Gast

Viele Filmnächte-Besucher übrigens lieben Nostalgie. Sei es „Dirty Dancing“ oder „Mamma Mia!“ zum zigsten Mal; auf dem Theaterplatz dürfen sich Fans in allerhand filmischen Erinnerungen suhlen. Auch Disneys Magie funktioniert häufig über Nostalgie, schätze ich. In Gedenken an verregnete Nachmittage voller Disney-Videokassetten zeigen Eltern ihrem Nachwuchs Klassiker wie „Die Schöne und das Biest“ – oder eben deren Neuverfilmungen. Schließlich war das Musical-Märchen mit Emma Watson 2017 Besucherliebling bei den Filmnächten.

Ob „Aladdin“ ebenfalls den Theaterplatz zu füllen vermag? Wenn für den Zuschauerandrang exemplarisch meine Schwester ein Indiz sein könnte, die NIE ins Kino geht (ich glaube zuletzt zu „Biene Maja“), können wir wohl damit rechnen – „Aladdin“ sah sie direkt am Start-Wochenende. Disney schafft es offenbar immer noch, zu verzaubern. Ich hingegen bleibe skeptisch. Und fiebere statt „Der König der Löwen“ lieber brandneuen Kreationen entgegen, wie Pixars „Toy Story 4“. Hakuna Matata!

Dirty Dancing 2017

Tjaja, NOSTALGIE wird bei uns großgeschrieben!

Was haltet ihr von den Realfilm-Versionen berühmter Walt Disney-Klassiker? Würdet ihr die Neuauflage von „Aladdin“ gerne dieses Jahr bei den Filmnächten sehen?

Der Programmbeirat – Allein zu Haus

Und mit den abschließenden Worten aus dem ersten Blogbeitrag überhaupt übernimmt direkt die Programmbeirats-Veteranin das Blogsteuerrad. Ich heiße euch alle noch einmal herzlich willkommen auf unserem Filmnächte-Blog und gleichzeitig muss ich euch auch gratulieren, denn ihr seid bereits beim 2. Beitrag und habt noch nicht weggeklickt, Chapeau!  

In diesem Beitrag möchte ich euch einmal in das wohl wichtigste Meeting einer jeden Filmnächte-Saison mitnehmen, welches dieses Jahr mehr oder weniger führungslos stattgefunden hat. Wie das geht, fragt ihr euch? Na los, befriedigt eure Neugier und lest weiter! 😉

Wie mein Beiratskollege und Blogmitbegründer Jakob schon sehr schön in seinem letzten Beitrag erwähnte, ging bzw. geht bei uns allen eigentlich nichts ohne einen guten Einstiegs-Pot voller heißer Schokolade. Umso verwunderlicher war es, dass wir uns zu einem der wohl wichtigsten Meetings nicht in gewohnter Umgebung, sondern in ganz neue kulinarische Gefilde begeben hatten. Dabei wurde die heiße Schokolade glatt gegen ein kühles Guinness getauscht, was auch wirklich nötig war, denn wir wurden das erste Mal so richtig von der Leine gelassen und dabei sind hitzige Diskussionen vorprogrammiert.

Ja, ihr habt richtig gehört. Auch wenn wir schon ein sehr verrückter Haufen an freidrehenden Cineasten sind, wir stehen unter strenger Aufsicht und Leitung. Na gut, wir wollen an dieser Stelle nicht übertreiben, denn der Feind liest ja mit. 😉 Bei uns herrscht wie in der Politik von Bismarck das Zuckerbrot und die Peitsche. Ok, jetzt wo ich es so ausspreche, gibt es bei uns eigentliche nur Zuckerbrot und keine Peitsche… aber das tut ja eigentlich auch gar nichts zur Sache. Wo waren wir gleich noch einmal stehengeblieben? Ach ja…

Pinnwand-Power-Programm

Beiratsmitglieder bei der Arbeit

Freitag, der 26. April 2019. Ein, wie bereits erwähnt, historisches Datum, denn wir gingen mit großen Schritten auf die Finalisierung unseres Filmnächte Programmes 2019 zu. Doch auch das passierte nicht einfach so bei uns, denn viel palavern kann ja jeder, oder? Wir brauchten also ein System, dass sich von allen bisherigen Systemen unterschied und an Effizienz nicht zu überbieten war. In diesem Zusammenhang erfand Beiratskollege Jens das Schiffe versenken für diesen Anlass komplett neu. Gefühlt 100 Minifilmposter, etliche Stecknadeln, zwei Kalenderblätter für Juli und August in A3 sowie ein großes Korkbrett waren für uns letztendlich der Schlüssel zum Erfolg. Neben den bereits terminierten Veranstaltungen, unter anderem Johannes Oerding und Philipp Poisel, hatten wir jede Menge freie Felder zu füllen. Nach einer ersten Sichtung und Positionierung der Spitzenreiter erkannte man nach und nach eine Vielzahl an Mustern, die unseren filmischen Gefühlen sehr guten Ausdruck verliehen.

Wie das geht? Nunja – es gibt Filme, die sollte man einfach nicht am Wochenende zeigen. Auch gibt es Filme, die man nicht in der Zeit des Kosmonaut-Festivals oder außerhalb der Ferien zeigen sollte. Und dann gibt es wiederum Filme, die gehören einfach auf einen Dienstag. Warum? Wir wissen es auch nicht, aber es fühlt sich unheimlich gut an. 

Endlich alle Lücken gefüllt

eine erste Sneak Peek auf das Filmnächte Programm 2019

Nach ca. 2 Stunden und einigen vielen kreativen (Raucher-)Pausen später, stand ein grobes erstes Programm ohne Lücken. Und ja, die meisten hätten hier sicher den Abend beendet. Aber wie ihr auch schon mitbekommen habt, sind wir nicht wie die meisten. Also wurden gefühlt alle Muster und Belegungen noch einmal neu vergeben, weil wieder irgendeinem von uns irgendwas Wichtiges einfiel, dass unbedingt mit ins Programm eingebaut werden musste. Auch hatten wir nach den besagten zwei Stunden die ersten Opfer zu beklagen. Aladin ist uns glatt unter den Tisch gefallen. Na, wenn das mal kein schlechtes Omen für die Aufnahme ins Programm ist?! 

Weitere 2 Stunden später waren dann alle Wünsche und Opfer erneut verbaut. Und ja, grundsätzlich waren wir als Beirat so mit dem Programm zufrieden, wäre da nicht noch eine dunkle ausführende Gewalt, die alle unsere Wünsche und Träume ändern wird. Doch nicht nur sie allein hat diese Macht inne. Natürlich spielen auch Filmkonditionen, Zu- oder Absagen der Verleiher oder auch neue Premierentermine eine große Rolle. Denn selbst wenn es bald ein finales Programm zu sehen gibt, Änderungen sind immer vorbehalten und allseits beliebt, denn sonst wäre es ja langweilig – oder?

 

Und genau an diesem Punkt wird euch Jakob nächstes Mal in die Welt der Disney-Realverfilmungen führen. Auch die sorgen bei uns immer für Gesprächsstoff. Freut euch drauf, denn auf dem Trockenen unseres verbalen Könnens sollt ihr ja nicht sitzen bleiben!

Brennpunkt Programmbeirat

 

Der Programmbeirat der Chemnitzer Filmnächte bringt sich in Stellung für die kommende Saison. Doch wer sind wir und was machen wir eigentlich? Im ersten Beitrag unseres Blogs blicken wir hinter die Kulissen – ungeschönt und ehrlich!

Gruppenbild mit verschiedenen Posen auf dem Theaterplatz

Der Filmnächte Programmbeirat plus ‚Chefchen‘ Michael Claus (im Bild ganz rechts)

Previously on Filmnächte Programmbeirat

Schockschwerenot, es ist bereits Mai 2019! Winter has come and gone. „The Long Night“ ist endlich vorüber – so nennen wir die Zeit zwischen zwei Filmnächte-Saisons. Finstere Monate voller zerknüllter Kino-Tickets und leerer Popcorn-Eimer, in denen wir vom Programmbeirat der Chemnitzer Filmmächte hart schuften. Was genau wir als Programmbeirat tun?

Heiße Schokolade, Laptop und Filmnächte-Chef Michael Claus beim Arbeiten

Schokoladige Nervennahrung beim Programmbeirats-Treffen

Nun, unter Einsatz unseres Lebens verkrümeln wir uns in in Chemnitzer Programm- und Mainstream-Kinos, meeten bei heißer Schokolade in gemütlichen Bars, klicken in Google Drive-Dokumenten herum – alles nur, um den kommenden Open-Air-Sommer möglichst unterhaltsam zu gestalten. Wie bitte, das hört sich nicht gerade nach gefährlicher Arbeit an? Seid froh, dass dieser Artikel auf Bilder der blauen Flecken und Brandblasen verzichtet, wenn wir uns mit Krügen heißer Schokolade attackieren. Kommt halt vor, dass in der Diskussion mal ein persönlicher Lieblingsfilm mit „Neeeein!“ abgestraft wird.

Aber gut, wenn mehrfach überschminkte Augenringe und wöchentliche Beinahe-Burnouts nicht genug der Beweise sind, hier noch ein paar Schilderungen.

Das passiert, wenn niemand hinsieht

Als Programmbeirat sind wir ein motiviertes, sonnenliebendes Häufchen von neun Filmfans aus Chemnitz, die nun schon im dritten Jahr den Veranstalter Meisterwerke Neo bei der Programmfindung unterstützen.

Ob anspruchsvolles Arthouse, knalliges Blockbuster-Material oder starbesetztes Erfolgskino aus Europa oder Hollywood – wir haben (fast!) alle relevanten Filme des aktuellen Jahrgangs gesehen, von September bis Mai, von Cannes bis Toronto, von DC bis Marvel.

Gruppenbild auf Treppe mit Kinokarten und Getränken

Der Programmbeirat pilgert zum Filmfest Dresden

Regelmäßig treffen wir uns, um gesittet über unser persönliches Filmerleben zu diskutieren, begeistert Double-Features vorzuschlagen oder Verkaufszahlen durchzukauen. Die erste Sitzung fand bereits 2018 an einem verregneten Dezemberabend statt – seit dem ist viel passiert. Wir ließen uns gemeinsam beim Filmfest Dresden von experimentellen Kurzfilmen inspirieren, pilgerten zu Berlinale-Vorführungen, versemmelten Oscar-Tippspiele und machten uns auch mit diesem neumodischen „Netflix“ vertraut.

Aber heiliger Petrus, in drei Wochen ist ja schon Redaktionsschluss! Auf unserer Programm-Pinnwand stromern noch diverse Filmplakate herrenlos herum, einige Verleiher halten sich mit Premieren-Zusagen bedeckt, sommerliche Temperaturen lassen auf sich warten… Da muss was passieren; Kellner, mehr heiße Schokolade!

 

Seid gespannt, wenn euch im nächsten Beitrag Programmbeirats-Veteranin Anne schildert, wie konstruktiv (!) es zuging, als wir neulich völlig ohne Babysitter am Programm für 2019 herumspielen durften.

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