Neulich beim Investorentreffen: Die ‚Dark Knight‘-Trilogie ist lang genug her und an den Ben-Affleck-Batman erinnert sich eh keiner – wir brauchen eine Neuverfilmung! Aber wie benennt man eine Neuinterpretation, von der es bereits etliche Versionen gibt? Das ist nicht James Bond, wo man bloß den Untertitel ändert. Auch kein Sequel – einfach „2“ ranhängen fällt also flach. Ein intelligenter Name, irgendetwas Originelles – was die jungen Leute abholt und wo gleichzeitig die Ur-Fans dahinterstehen. Möglichst ohne Verwechslungsgefahr! Und es muss sofort „Klick“ machen, wenn man über den Trailer oder Filmtitel stolpert.

New Batman“! …Hmm, schon ganz gut… „Batman Begins (again)“! …Naja… „Batman and the Wasp“! …Äh, Moment… „Batman – Biss zum Morgengrauen“! …So dämliche Filmtitel gibt’s doch gar nicht… „Batman Resurrected! Revisioned!? Revival??!“ …Klingt alles zu verdächtig nach Reboot… Die Schreibweise mal ändern: „Bat-Man“! Badman!? …Geht im Marketing schief, aber die Richtung stimmt… Einfach„Bat“! Wie bei: „Kong!“ …Noch etwas zu kurz… „The Amazing Batman!“ …Fast… ICH HAB’S: „The Batman“

Na prima, das hat ja schon bei „The Suicide Squad“ hervorragend geklappt (sogar in unserer Programmbeirat-Tabelle steht der fälschlicherweise einfach als „Suicide Squad 2“ drin). Egal, der neue Batman von „Planet der Affen“-Rebooter Matt Reeves und mit „Twilight“-Opa Robert Pattinson soll also „The One and Only“ werden, unter allen Batmännern. Aber: Hat ein solcher 3-Stunden-Schinken gegen die beliebten Christopher-Nolan-Verfilmungen überhaupt eine Chance?

Kurzfassung: Ja, hat er. Auch wenn man sich in Sachen „Düsterness-Faktor“ bestimmt von der „Dark Knight“-Reihe und dem zuletzt erfolgreichen „Joker“ hat inspirieren lassen. 

Ich hab mich jedenfalls direkt in die Preview gesetzt – und will „The Batman“ unbedingt nochmal sehen, am besten im Original. Auf Spoiler oder einen Handlungsabriss verzichte ich mal (ihr schaut doch eh alle den Trailer!), also: „The Batman“ ist als Film dreckig, düster, hochspannend, dezent zu lang, exzellent bis mutig gecastet, audiovisuell bis in die Noir-Spitzen durchgestylt, reichlich gruselig, zum Glück eigenständig, teils komplex, angenehm CGI-arm, ziemlich fantastisch. 

Mir würden weitere Attribute einfallen, aber ihr versteht: ein richtig gelungener, wenn auch untypischer Blockbuster. Und ich bleibe vorerst bei Christian Bale als All-Time-Favorit-Fledermaus. Im Kopf bleiben mir vielmehr die außergewöhnlichen Performances von „Riddler“ Paul Dano und „Catwoman“ Zoë Kravitz (außerdem das Make-Up von Colin Farrell; den hätte ich in 100 Jahren nicht erkannt!!)

Lieblingsfilm-Potential: Wer Sitzfleisch beweist und keinen „Happytime“ Marvel-Humor braucht, könnte hier tatsächlich seinen neuen Lieblings-Batman finden. Für mich ist es jetzt schon einer der besten Filme des Jahres, den ich bei den Filmnächten Chemnitz wiedersehen will. Aber: „Joker“ hat mich mit seiner Intimität damals stärker vereinnahmt.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Mehr Herzschmerz und Sommerkino-Feeling gibt’s bei „Cyrano“; den hat Kollege Jens ebenfalls schon in der Sneak-Preview gesichtet. Die Musical-Verfilmung eifert mit um den „Bestes Kostümdesign“-Oscar. Auch in der deutschen Syncro sind die Original-Gesangseinlagen von Peter Dinklage (nunja, stimmlich vergleichbar mit Russell Crowes „Inspektor Javert“) und Haley Bennett (zauberhaft!) enthalten. Ein guter Gegenpart zu „The Batman“!

Jakob Nützler

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