„Stell dir vor, es ist kein Kino und es dürfte sowieso niemand hingehen…“

Für mich ein echtes Horrorszenario, das 2020 mehrere Monate lang eingetroffen ist. Zugegeben: Zeitweise habe ich den Friseur noch schmerzlicher vermisst als den Geruch von frischem Popcorn. Und Netflix hat mir im Quasi-Stubenarrest mit „Tiger King“ oder der dritten Staffel von „Ozark“ gut über die Runden geholfen.

Genug von Autokino und ‚guilty pleasure‘ im TV, wir wollen echtes Kino zurück!
 

Von der Coronakrise waren und sind wir alle betroffen – als Einzelpersonen, als globale Gesellschaft, aber auch innerhalb unserer jeweiligen Branche. Nicht nur Tourismus, Einzelhandel und Gastronomie, auch die Kulturschaffenden, zu denen ich Kinos und damit auch die Filmnächte zähle, werden noch länger an den Folgen zu knabbern haben. Und in die Zukunft kann (leider? zum Glück?) niemand blicken, der nicht gerade eine Handvoll Infinity Stones oder einen DeLorean besitzt.

Mut macht, dass allmählich Filmproduktionen wieder aufgenommen werden und auch viele Kinobetreiber im Land aufzuatmen wagen (dass es für einige Häuser wohl nicht für einen Wiedereinstieg nach der Krise reicht, ist besonders für regionale Communitys eine bittere Wahrheit).

Inzwischen zieht es die Menschen in Deutschland aber wieder nach draußen, auf der Suche nach Ablenkung, Geselligkeit und Kultur. Das alles bekommen wir von Mitte Juni bis Ende August auf dem Theaterplatz geboten – inklusive Sternenhimmel. Nach all den Sorgen, vorgelegten Hygiene-Konzepten und Krisengesprächen muss das jetzt mal LAUT gesagt werden:

Toll, dass die Filmnächte Chemnitz 2020 stattfinden können! Was es zu beachten gibt, lest ihr in den FAQs.

Ein eingeschworenes Team!

Die volle Dosis Filmmagie – monatlich zuzuführen

Als Mitglied im Programmbeirat freue ich mich besonders über den vorverlegten Startschuss und begrüße das neue „Filmnächte Pur“-Konzept: 74 Open-Air-Abende durften wir für euch füllen – und jonglieren, grübeln und „testschauen“ noch immer, denn diesmal wird das Programm monatsweise veröffentlicht und tagesaktuell ergänzt.

Über mehr Filme freuen sich übrigens auch alle Besitzer der neuen „All you can watch“-Dauerkarte, die ihr natürlich auch jetzt noch erstehen und damit den ganzen Filmnächte-Sommer durchbingen könnt.

Aufgrund der Hygiene-Auflagen müssen Konzerte noch aussetzen, für die richtige Stimmung sorgen stattdessen die Musik-Samstage (z. B. ein Bonbon für alle Chemnitzer Rammstein-Fans am 4.7. oder „Rocketman“ am 18.7.). Wenn ihr bei solchen musikalischen Filmen einfach selbst mitsingt, kommt vielleicht auch schon Konzert-Feeling auf! An den Freitagen und Sonntagen erwarten euch Entertainment-Garanten wie „Joker“ (am 10.7.; mein Lieblingsfilm letztes Jahr) oder „Knives Out“ (am 17.7.; Auweia, den muss ich endlich nachholen!). Aber auch erlesene Neuheiten wie der genüsslich gespielte „Emma“ (am 5.7.) werden euch die ungemütliche Corona-Zeit schnell vergessen lassen.

Fehlen darf auch die Donnerstagsreihe nicht – wer dieses Jahr mit Oscar-Gold ausgezeichnete Highlights wie „Jojo Rabbit“ (9.7.), „1917“ (30.7.) oder den koreanischen Überraschungs-Hit „Parasite“ (25.6.) noch nicht kennt, sollte sich die Spielzeiten unbedingt vormerken! Weitere Preisträger wie „Little Women“ haben wir für August bereits auf dem Zettel.

Juchu, es geht wieder los!

Mit Filmemachern in die weite Welt

Seid ihr genauso wie ich noch verunsichert bei dem Gedanken, direkt wieder ins Flugzeug zu steigen und die weite Welt zu bereisen? Und habt ihr genauso keinen Bock auf Autobahn-Staus und überfüllte Ostsee-Strände? Unser etablierter Outdoor-Doku-Montag bringt nicht bloß Urlaubsgefühle nach Chemnitz (Cocktails schlürfen im Liegestuhl!), sondern auch die dazugehörigen Gäste: Am 20.7. beispielsweise dürfen wir von Dennis Kailing höchstpersönlich erfahren, wie es so ist, die Welt auf dem Drahtesel zu umrunden. Ich schaff’s mit dem Rad zwar nicht mal den Kaßberg hoch, bin auf „Besser Welt als Nie“ aber trotzdem total gespannt!

Auch zu „Über Grenzen: Der Film einer langen Reise“ am 6.7. und „Couch Connections“ am 13.7. erwarten wir die Filmemacher selbst auf dem Theaterplatz, wo ihr ihnen Löcher in den Bauch fragen dürft.

Mulan, Tenet & Co.? Daumen drücken…

Tja, und wie geht’s weiter? Es ist kein Geheimnis, dass viele Filmverleiher noch zögerlich mit ihren Neustarts umgehen oder diese bereits verschoben haben. Das bedeutet leider, dass sowohl der neue Bond als auch „Wonder Woman 1984“ oder „Top Gun: Maverick“ erst 2021 über die Filmnächte-Leinwand flimmern werden.

ABER: Noch gibt es Hoffnung, dass Disney mit ihrer Live-Action-Variante von „Mulan“ und Christopher Nolans „Tenet“ unseren Blockbuster-Hunger noch in den Sommermonaten stillen werden. Bestimmt laufen die Telefone im Filmnächte-Büro bereits heiß, um mit Verleihern und Partnern zusammen eine flotte, hoffentlich positive Entscheidung herbeizuführen.

 „Alles, was ich für Sie habe, ist ein Wort: Ten…denziell“

 

In jedem Fall haben wir sämtliche Indie- & Festival-Neuheiten im Blick und versuchen auch, euch mit Berlinale-Hits wie „Undine“ oder „Berlin Alexanderplatz“ einige taufrische Kino-Erlebnisse präsentieren zu können.

Sommer ist, was auf unserem Platz passiert

Zwar ließen sich coronabedingte Einsparungen und eine Reduzierung des Platzkontingents nicht vermeiden, dies bringt sonderbarerweise aber auch ein paar Vorteile mit sich: Ihr habt mehr Platz, müsst beim Aufstehen über niemanden drüberkrabbeln und könnt erstmals auch zum normalen Preis regengeschützt sitzen (früh kommen sichert Plätze!). Und dass der Werbeblock geschrumpft ist, dürfte euch ebenso kaum stören…

Also, kommt alleine, als Pärchen oder Familie, von mir aus auch in mittelgroßen Scharen, bitte ohne Schnupfennase, dafür aber mit Maske im Gepäck und mit ganz viel Lust auf Kino, große Emotionen und auf laue Sommernächte. Bis dahin!

Es gibt keinen falschen Sommer, höchstens falsche Kleidung – aber wir haben auch nichts gegen etwas mehr Sonnenschein und wärmere Temperaturen als zur Eröffnung… 😉

Jakob Nützler

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