Im Film Der schlimmste Mensch der Welt möchte Joachim Trier (Regie, Drehbuch mit Eskil Vogt) nicht über eine gewisse schlimmste Person erzählen. Er greift beim Titel auf die norwegische Redensart „Ich glaube, ich bin der schlimmste Mensch der Welt!“ zurück. Diesen Spruch sagt man, wenn bei einem etwas einfach nicht klappen will. Im Leben von Julie, der Titelfigur des Films, klappt so einiges nicht, könnte man meinen.

Dieser Film ist hoch dekoriert – denn er schmückt sich mit zwei Oscars-Nominierungen (Internationaler Film, Originaldrehbuch) und ist Gewinner bei mehreren Filmfestivals. Doch was hat das zu sagen? Wie kommt man selbst mit solchen Filmen klar? Ich selbst habe da so manchmal meine Probleme, deshalb gehe ich gern in drei Schritte vor, oder soll ich „Kapitel“ sagen (der Film hat zwölf davon).

Prolog: Sich für den Film interessieren und neugierig sein. Kapitel 1: Den Film anschauen und die Filmkunst genießen oder auch manchmal einfach ertragen. Kapitel 2: Reflektieren, wie man selbst den Film empfunden hat und was die Macher mit dem Film aufzeigen könnten. Kapitel 3: Mit anderen diskutieren, vielleicht Hilfe bei den Kritikern und Filmemachern suchen und deren Sicht hinterfragen. Epilog: Akzeptieren, dass manche Filme für einen selbst nichts sind, für andere aber alles.

Das Schauen lässt sich im Juni und Anfang Juli leicht angehen. Das Metropol Chemnitz und Clubkino Siegmar haben den Film im Programm. Danach kann man überlegen, inwieweit der Film nur eine frei erfundene Geschichte oder eine beeindruckende Dokumentation von Joachim Trier über das Leben mancher 25-bis-35-Jährigen ist.

Lieblingsfilm-Potential: Dieser Film wird mir definitiv in Erinnerung bleiben! Ich konnte ihn in der Sneak-Preview im CineStar sehen. Obwohl diese Machart nicht meine allerliebste ist, war ich von diesem Hyperrealismus beeindruckt. Der Film fühlte sich so nah an der Wirklichkeit an, dass man denken könnte, die Geschichte stammt von der besten Freundin oder dem besten Freund.

Alternativ-Empfehlung der Woche: Wie wäre es mit einem Kammerspiel? Letzte Woche lief ebenfalls in der Sneak-Preview der Film The Outfit – Verbrechen nach Maß. Irgendwie ist der Maßschneider Leonard Burling (Mark Rylance) in die Mühlen der Mafia geraten. Das mag auch daran liegen, dass die Mafia der Arbeitgeber einiger seiner Kunden ist und diese dessen Diskretion schätzen. So muss der Maßschneider eines Abends Verbrechernothilfe leisten. Dieser Film wird auch im Home Cinema funktionieren und es war eine Freude dem Spiel von Mark Rylance (u.a. Bridge of Spies, Dunkirk, Ready Player One) zuzuschauen, man könnte meinen die Rolle sei ihm auf den Leib geschneidert worden.

Hinweis zum norwegischen Zitat: Selbstaussage von Joachim Tier gemäß Interview beim BR

https://www.br.de/nachrichten/kultur/kino-wunder-aus-norwegen-der-schlimmste-mensch-der-welt,T7J1u7N
Jens Schwipper

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