Oscars vs Covid-19- ein Duell der Giganten?

Posted by Anne Friedrich. Categories: Uncategorized.

Es war anders. Es war bunt. Es war lustig. Es schrieb Geschichte. Es war nicht ohne Pannen. Es fehlte so einiges. Und im Endeffekt fragten wir uns alle inständig, ob diese eine Nacht nicht die langersehnte Premiere eines sehr kontrovers diskutierten ethnischen Narratives war, welcher sich im Mantel eines 3 aktigen Dramas in bewegten Bildern in Millionen von Haushalten auf der ganzen Welt hüllte. Und das Beste daran? Wir alle waren seit Monaten und mithilfe unserer digitalen Stimmen unterbezahlte Komparsen, die von ihrem Glück bis zum Ende hin nichts wussten….

Teaser

Doch fangen wir einmal ganz von vorne an. Wir alle wussten, dass die 93.Oscarverleihung eine ganz Besondere werden wird. Nicht nur, weil sie wie jedes Jahr den Höhepunkt einer intensiven und eigentlich auch sehr kurzweiligen Awardseason darstellt, sondern auch, weil die Academy besonders in diesem Jahr durch ihr asynchrones Verhalten vor der Verleihung viele Gerüchte hat selbst aufkommen lassen. Gewöhnlich standen die Nominierten bereits einige Wochen nach den Golden Globes© Ende Januar fest, gefolgt von der Ankündigung eines oder mehrer Moderator*Innen, sowie bis spätestens Mitte Februar das Thema des Abends. Danach folgten fast täglich neue News bezüglich der prominenten Laudator*Innen. So weit. So gut. Doch all dies fiel dieses Jahr irgendwie weg und den cineastischen Anhängern wurde erst in der allerletzten Sekunde das letzte Fünkchen an Informationen serviert. Reichte ja nicht aus, dass wir dank Covid-19 nur einen Bruchteil aller nominierten Filme sehen konnten- an dieser Stelle sollte man alle VPNs zu Hulu und HBO Max heilig sprechen- und somit nicht der Pegel an sich, sondern allein seine Höhe im nächtlichen Oscarquiz hinterfragt werden musste. All das führte bis Mitte März 2021 zu einem mehrheitlichen Unbehagen und eigentlich hatten wir alle nach den vielen misslungenen Zuschalten der vorherigen Preisverleihungen, also falls es denn wirklich eine Zuschalte gab und nicht die Kuh in Tennesee mal wieder auf der hauseigenen Leitung stand, irgendwie auch keine Lust mehr auf ein Fremdschämen des Goldjungen in 2.0. Somit erreichte der Teaser dieses Spielfilms nur sehr wenige Klicks und die Engagement Rate auf den Distributionskanälen musste definitiv zunehmen. In diesem Fall wurden wir mit der Ankündigung einer neuen Location, einem völlig neuem Setdesign und einer Neuausrichtung im Ablauf gekapert. Der Slogan war „weg vom altehrwürdigen Dolby Theatre und hin zu einer die Welten verbindenden Union Station“. Vor allem der Outdoorbereich sollte dabei an einen Aufenthalt im „Garden of Allah“, einem Gemälde von Maxfield Parrish aus dem Jahre 1918, erinnern und den Slogan auch visuell neu interpretieren. Und ich meine, die ersten Skizzen sahen doch sehr vielversprechend aus, oder?

Doch mehr geschah leider nicht und den Fans blieb also nichts anderes übrig als am 26.04.2021 ab 00:40 Uhr deutscher Zeit dem Trailerbombing des deutschen Haussenders Pro7 und seinem amerikanischen Schwesterkinder ABC in einer Art Pre-Show beizuwohnen und einfach dann keine Chance mehr auf ein Wegschalten zu haben….

Trailer

Als fleißige Social Media Follower habt ihr ja bereits während unseres „Filmnächte Oscar Special“ erfahren, dass dieser rote Teppich, die wohl wichtigste PR-Veranstaltung vor der eigentlichen Verleihung ist. Es wird nicht nur darauf geachtet, von wem das Kleid und der Schmuck stammt oder wen man als sein ganz persönliches Eyecandy an der Hand über den Roten Teppich führt, nein, es geht hier vielmehr darum vor der internationalen Presse Sympathiepunkte zu sammeln. Es ist völlig egal wie du arbeitest oder welchen Eindruck du bei deinen Kolleg*Innen hinterlässt, auf dem Roten Teppich sind wir alle ein Team, eine große Familie und eine Front, über der seit vielen Jahren eine Vielzahl an Hashtags zur verbalen Auspeitschen eines eingerosteten Systems hängt. Die letzten Jahre hatte man durch die Größe und die zugelassene Masse der Menschen am Roten Teppich dieses Auspeitschen mit seinem eigenen Verhalten vorzuführen oder vielleicht doch dem Bemühen der Academy Tribut zu zollen. Dieses Jahr war es dahingehend besonders spannend, weil sich 1. insgesamt nur rund 170 Nominierte und Laudator*Innen in der ganzen Location aufhalten durften, 2. weil es keine „Red Carpet Lanes“ zum Verstecken oder schnellen Hindurchlaufen gab und weil 3. auch insgesamt nur 12 internationale Presseteams am roten Teppich standen und man so zwar selektiver, aber auch viel empathischer, agieren musste.

Mein persönliches Highlight war in diesem Zusammenhang das Aufeinandertreffen von Leslie Odom Jr. und Glenn Close. Ich meine, c´mon! Alexander Burr aus „Hamilton“ trifft auf Nora Desmond aus „Sunset Boulevard“– also wenn das keine theatralisch/ musikalische Explosion darstellt, dann weiß ich auch nicht. Die beiden kannten sich aus früheren New Yorker Theatertagen und so wirkte es weder gekünselt noch gespielt, sondern mit sehr viel Respekt und in enorm ehrlicher Anerkennung der gegenseitigen Leistung. Ganz anders und vor allem sehr befremdlich fand ich dagegen das Aufeinandertreffen von Carey Mulligan und und Vanessa Kirby. Beide für ihre sehr guten Leistungen in der Kategorie der „besten Hauptdarstellerin“ nominiert, versuchte unser deutsches Pendant Steven Gätjen sich den eigenen Wunsch eines Interviews mit Vanessa Kirby zu erfüllen und gleichzeitig mit aller Macht einen ähnlich schönen Moment zwischen diesen beiden zu (er)schaffen, wie es zwischen Leslie und Glenn der Zufall wollte. Vergebens und mit Verlust vieler Sympathiepunkte seitens Vanessa Kirby muss ich ehrlich zugeben.

Und was nehmen wir sonst noch von der eigentlichen Reizüberflutung, auch genannt Red Carpet, mit? Kaum Interviews und gefühlt war der gesamte Teppich eine komplette „Fast Lane“. Ganz zu schweigen vom UnSATZ des Abends. „Yes, I will come back later!“ und Zack- vollends in der Location verschwunden. Es gab vergleichsweise wenig wirkliche Fashionmomente und man muss auch ehrlicherweise zugeben, dass niemand an den zeitlosen Glamour einer Charlize Theron oder der Exotik einer Cher rankommt. Dennoch wissen wir, dass ALLES im Bereich des Kinos eines Weile braucht, um vollkommen verstanden zu werden. Und so passiert es auch, dass, wenn wir uns einige Kleider und Anzüge im Nachgang der Verleihung noch einmal ganz genau anschauen und ordentlich Recherche betreiben, wir feststellen, dass jedes einzelne von Ihnen bedeutungsvoller und intimer als jemals zuvor war. Amanda Seyfried trug ein Kleid von Armani Privé, welches den Glanz des alten Hollywoods wieder zum strahlen brachte und welcher für sie der Auslöser ihrer Schauspielkarriere war. H.E.R. trug einen Cape-Look von Dundas, der an das Oscaroutfit ihres Vorbilds Prince von 1985 erinnern sollte, in dem Jahr als „Purple Rain“ einen Oscar als „Bester Song“ erhielt. Und der zweifache Oscranominiée Leslie Odom Jr. trug einen goldenen Anzug von Brioni, dessen Farbe ein leuchtendes Symbol der mehrfach vertretenen schwarzen Community im diesjährigen Oscarrennen und der sich verändernden Filmwelt darstellen sollte- „Vanity Fair Oscar Portrait Studio 2021“:

Der Trailer, in welchem wir uns nunmehr seit einigen Absätzen befinden, gibt jedem potentiellen Kinobesucher bereits in den heimischen 4 Wänden ein erstes Gefühl für all das was auf ihn zukommt. Wir entscheiden uns danach ganz individuell für oder gegen diese absolut nachvollziehbare Geldanlage, auch Kinokarte genannt. Und so hieß es ab 02:00 Uhr deutscher Zeit- Licht?Ja.Kamera?Ja.Action! und das Drama-oh Pardon- ich meine natürlich die Verleihung- nach einem Vorbild von Aristoteles und produziert vom Pandemieexperten Steven Soderbergh nahm in 3 konkurrierenden Akten unweigerlich seinen Lauf.

Akt 1

Im 1. Akt eines Regeldramas werden alle (zu) handelnden Personen vorgestellt und der dramatische Konflikt kündigt sich an. In unserem speziellen Fall wurden die unterschiedlichen Rollen der zu handelnden Personen den angekündigten Laudator*Innen zugeschrieben. Denn wer sonst kann eine filmische Handlung so ins Schwanken bringen, wie die Laudotr*Innen, die mit ihrer Verkündung alle vorherigen Prognosen auf den Kopf stellen. Vorgestellt wurden all diese Atlanten durch einen inszenierten Vorspann, in dem sich Regina King in einem epischen Walk, inklusive Oscarstatue in ihrer rechten Hand, aus dem „Garten von Allah“ in die eigentliche Location in der Union Station aufmachte und einerseits für den gekonnten Umgang mit ihrem Kleid und dem meiner Meinung nach sehr sympathischen Stolperer am Ende des Walks sicher von Heidi Klum ein Ticket für die Top 10 bekommen hätte. Wenn nicht, wäre sicher auch in Starlight Express noch eine Rolle für sie frei gewesen….

Im Anschluss daran übernahm Regina King die Aufgabe der altbekannten Moderatorin und begrüßte die 170 Nominierten zu Beginn der knapp 3 stündigen Show mit einer Rede, die zwar sehr wenig persönliche Emotionalität zeigte, aber den Nagel auf den Kopf traf. Denn ja, es gibt zum jetzigen Zeitpunkt und in dieser einen Welt sicher Wichtigeres als den heutigen Abend. Aber er soll uns helfen nicht die Balance und vor allem nicht das zu verlieren, was uns zu dem gemacht hat, das wir heute sind. Und ja, es ist absolut korrekt, dass in der Welt der Filmschaffenden der Oscar, seine meist überdimensionierte Inszenierung und alle Diskussionen, die danach noch über Monate hinweg geführt werden, einfach dazu gehören. Es ist Teil eines Gesamtkonstruktes und alleine die Tatsache, dass ich dieser Thematik einen ganzen Blogbeitrag widme, zeigt doch eigentlich schon, dass die Macher ihr Ziel absolut nicht verfehlt haben.

Ich möchte es an dieser Stelle vermeiden euch jetzt jeden einzelnen Gewinner des Abends vorzustellen. Aber ich denke, ich werde in den verschiedenen Akten kurze Highlights ansprechen, die definitiv Geschichte geschrieben haben. Und so beginnen wir direkt mit der (chronologisch) ersten strahlenden Gewinnerin des Abends- Emerald Fennell. Sie gewann in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ für „Promising Young Woman“ und hell yes, was war das bitte für eine unglaublich sympathische Rede? Nicht nur, dass die 35-jährige Britin zusammen mit Chloé Zhao als einzige Frau seit Kathryn Bigelows Sieg im Jahre 2009 überhaupt mal wieder in der Kategorie „Beste Regie“ nominiert war und so schon Oscargeschichte schrieb, nein, uns allen kam das Gesicht doch irgendwie bekannt vor, oder? Absolut korrekt. Hier sehen wir Camilla Parker-Bowles, welche in Episode 8 aus Staffel 3 der 39-fach für einen Emmy nominierten britischen Erfolgsserie „The Crown“ uns alle das erste Mal zwischen Freude und Hass verzweifeln ließ. Mit Tränen in den Augen sprach sie allen eingefleischten Cineasten aus der Seele, denn wer von uns hat nicht schon einmal unter der Dusche seine Oscarrede einstudiert und gemerkt, dass 90 Sekunden wirklich eine fast unmögliche Herausforderung zum ausschweifenden Danken ist. Doch auch das war dieses Jahr ein wenig anders. Es gab kein Live-Orchester, auch nicht wie sonst immer in einem anderen Gebäude. Nein. Nichts. Und durch die fehlende Orchesterbespielung, konnten die Gewinner*Innen während ihrer Dankesrede nicht ausgeblendet werden. Für viele Anwesende war das ein sehr verwirrender Umstand, aber ich persönlich fand, dass man selbst als Zuschauer so besser und eher gespannt bis zum Ende jeder einzelnen Rede lauschte, ohne direkt auch selbst Angst zu haben, dass man beim musikalischen Überspielen das Wichtigste der Rede verpasst. Ja, man kann fast sagen, dass es wortwörtlich zu mehr Ruhe in der Verleihung führte. Der Gewinn Fennells war für mich in jeglicher Hinsicht ein absolut verdienter Gewinn, denn Talent trifft hier auf den richtigen Charakter. Und sollten wir sie in Zukunft erst einmal eine Weile nicht vor oder hinter der Kamera arbeiten sehen, obvisouly aus mehreren Gründen, rate ich jedem sich ein Ticket für Andrew Lloyd Webers neu komponiertes Musical „Cinderella“ im Gillian Lynne Theatre im Londoner West End zu kaufen, denn da war bzw. ist Fennell für das Schreiben der vertonten Buchvorlage zuständig. An dieser Stelle noch ein kleiner Nerdalarm– dieses Musical wurde komplett neu komponiert und inszeniert und ist bitte nicht mit der 1957er Version von Rodgers & Hammerstein „Cinderella“ zu verwechseln, in welchem die göttliche Julie Andrews die Hauptrolle spielte.

Akt 2

Im 2.Akt eines Regeldramas liegt der gesamte Fokus der Handlung auf der Verschärfung der Gesamtsituation und der Steigerung der Handlung bis zum erregenden Finalmoment in Akt 3. In unserem Fall haben wir hier im 2.Akt so einige Momente zu nennen, die exakt diesem zu erwartenden Schema entsprechen. Zu aller erst wäre da der historische Oscargewinn von Chloé Zhao in der Kategorie „Beste Regie“. Nicht nur schrieb die Nominierung an sich neben einer weiteren von Emerald Fennell in derselben Kategorie Geschichte, nein, auch so war die 30-jährige Chinesin die erste „Woman of Colour“ die diesen Preis gewann. Und seien wir doch mal ehrlich, was können wir in diesem Zusammenhang von den derzeit erfolgreichsten Frauen in der Filmindustrie lernen? Bodenständigkeit. Denn Fennell, als auch Zhao, trugen unter ihren Kleidern Sneaker. Optisch kann man somit nicht noch mehr auf den starren Dresscode dieser Verleihung s****. Apropos…kommen wir in diesem Zusammenhang zu einem der, meiner Meinung nach, 2 größten Arschlochmomente des Abends- der Übergabe des sogenannten „Jean Hersholt Humanitatian Award“. Als respektable Auszeichnung aller sich in der Filmindustrie über das reine Filme machen hinaus engagierenden Menschen, soll dieser Award für Aufmerksamkeit bezüglich eines ganz individuellen humanitären Engagements sorgen. Nehmen wir also einen Bryan Cranston in einem nagelneuen Smoking, der in einem verlassenen Dolby Theatre auf, vor allem derzeit durch Covid-19 von der Außenwelt abgeschnittene, ehemalige Filmschaffende verweist, die ihren letzten Abend aufgrund einer jahrzehntelangen hauptsächlich migartionsbedingten Unterbezahlung auf die Hilfe des Motion Picture & Television Fund, „MPFT“, angewiesen sind. Egal ob bezüglich eines altersgerechten Wohnsitzes oder etwaiger sozialer bzw. finanzieller Leistungen. Die „MPFT“ kümmert sich um ihr Netzwerk an Filmschaffenden bis ins hohe Alter. So die Theorie. An sich ist das natürlich eine schöne Geste, jedoch frage ich mich ernsthaft, wie es 1. überhaupt so weit kommt, dass man Filmschaffende so sehr unterstützen muss und 2. fand ich die Inszenierung der Übergabe absolut daneben und von oben herab. Gilt der Dresscode nicht für alle? Ach nein, Normalsterbliche in dieser Branche werden weder gesponsert, noch können sie sich einen Smoking oder Abendkleid im 4stelligen Bereich leisten. Schade. Die Idee war vielleicht gut, der Rest dahinter aber absoluter Müll. Und ja, meinen Recherchen zufolge wird dieser Award in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder verliehen, wenn die Not am größten und das Ego der Academy am leisten war. Aber bis dato war er kein prominenter Teil der Oscarverleihung.

Womit wir auch schon beim 2. Arschlochmoment des Abends wären- „In Memorian“. Grundsätzlich finde ich es überhaupt nicht verhandelbar, dass in einer so denkwürdigen Verleihung verstorbene Filmschaffende NICHT gewürdigt werden. Die letzten Jahre war dieser Moment immer einer der Emotionalsten, begleitet von einer Live-Performance, die wirklich jeden Zuschauer zum Weinen brachte. Doch als Angela Basset ihre Rede über mehr als 3 Millionen Tote weltweit begann, wurde mir irgendwie klar, dass diese Form der Würdigung dieses Jahr eine absolut Falsche werden würde. Nicht nur hatte ich das Gefühl, dass sich mit dieser Aktion die Filmindustrie wieder einmal über alles stellt, nein, vor allem die musikalische Untermalung war unpassend, genau wie das Tempo. Blinzelte man einmal kurz, waren Christopher Plummer, Helen McCrory und Ennio Morricone direkt schon durchs Bild gezischt. Ich kann es ehrlich nicht genau sagen und vielleicht war genau dieser Moment der eingangs von Regina King erwähnte Balanceakt im bekannten Gesamtkonstrukt, der vor allem in Hinblick auf ein Leben nach Covid-19 so wichtig ist. Aber nein, pietätvoll wäre sicher etwas anderes gewesen…. Apropos musikalische Untermalung….klingelt da was bei euch? Nein? Bei mir auch nicht, denn es gab ja keine richtige Untermalung. Ok, der amerikanische Schlagzeuger und Produzent Ahmir Khalib Thompson, auch bekannt als „?estlove“, sollte zusammen mit seiner Hip-Hop-Band „The Roots“, bekannt aus der Late Night-Show von Jimmy Fallon, speziell für diesen Abend mit eigens komponierten Sounds für unverwechselbare Momente sorgen. Doch hieß das von Anfang an, dass wir auf Gänsehautmomente durch Live-Performances verzichten müssen? Wo waren die Nominierten in der Kategorie „Bester Song“? Im Vorfeld der Verleihung wussten wir ja, dass alle Songs dieser Kategorie bereits in unterschiedliche Locations live aufgenommen wurden. Und so dachte jeder Zuschauer, dass diese Aufzeichnung dann in der Show gezeigt werden würden. Aber nein. Einzig und allein der Auftritt von Leslie Odom Jr. mit seinem Song „Speak Now“ aus dem Film „One Night in Miami“ wurde als Teil der ABC Pre-Show dem amerikanischen Publikum exklusiv gezeigt. Eine unschöne Entscheidung, die einen großen Schatten über die Qualität der 93. Oscarverleihung wirft.

Und nein, da kann auch die epische „Da Butt“-Einlage von der leider größten Verliererin des Abends Glenn Close, welche von 8 Nominierungen in ihrer gesamten Schauspielkarriere unverständlicherweise noch keinen einzigen Goldjungen mit nach Hause nehmen konnte, auch nichts mehr rausreißen. Somit sehe ich es als meine Aufgabe, euch zumindest meine diesjährigen „Bester Song“ Favoriten „Husavik“ aus dem Film „Eurovision Song Contest“ mit Rachel McAdams und Will Ferrell etwas näher zu bringen. Also, klick and enjoy und ja, das im Hintergrund sind echte Polarlichter!

Ich denke wir sind jetzt am richtigen Punkt angekommen, um über den eigentlichen Höhepunkt dieser Verleihung zu sprechen…

Akt 3

Im 3.Akt eines Regeldramas befinden wir uns auf dem Höhepunkt der Handlung. Es ist der Punkt über den jeder Zuschauer noch lange nach dem Beenden der Geschichte sprechen wird. Und was wäre hierbei passender als die Preisvergabe in der Kategorie „Bester Film“. Eigentlich war uns allen der Sieger klar, aber als dann doch wirklich „Nomadland“ gewann und wir ein La La Land-Gate ausschließen konnten, fühlten wir, dass gerade eben Geschichte geschrieben wurde. Nicht nur erhielt Chloé Zhao ihren 2.Oscar mit ihrer 2.Nominierung überhaupt, auch gab es uns ganz bewusst ein Gefühl von Freiheit. Die Freiheit Inhalte an die Spitze zu wählen, die ja, in dem einen Jahr sehr gesellschaftpolitsich sind, aber in einem anderen die Sehnsucht aller Cineasten nicht schöner hätte vereinen könnte. Und mit diesem Gefühl sollte man einen Spielfilm, wie es die 93.Oscarvelreihung auch sein sollte, getrost beenden. Als Zuschauer*Innen geht man jetzt aus dem Kinosaal und lässt alles erst einmal auf sich wirken. Man entscheidet ganz spontan, ob einem dieser Film gefallen hat oder nicht und ja, erst dann, denkt man über Special Effects, Musik oder eben zuletzt auch die Hauptdarsteller*in nach. Deshalb finde ich die Reihenfolge der Preisübergabe im diesjährigen Rahmen unfassbar intelligent gemacht und es hat tatsächlich vieles für mich unheimlich aufgewertet. Was aber danach passierte, hatte keiner so in seinen Büchern stehen.

Abspann

Im Abspann war so weder der Gewinn von Frances McDormand in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ für „Nomadland“ noch der von Sir Anthony Hopkins- ja, für den exakten Titel muss man schon noch Zeit finden- in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für „The Father“ absehbar. Es wurde einfach immer weiter Geschichte geschrieben und Frances McDormand erklimm neben Meryl Streep und direkt hinter Katharine Hepburn das Treppchen mit den meisten Oscargewinnen überhaupt. Aber nicht nur das, nein, sie ist bis dato die einzige Frau in der Oscargeschichte, die alle 3 Nominierungen direkt in Gewinne umwandeln konnte. Und Sir Anthony Hopkins? Ja, der ist mit seinen 83 Jahren der nun älteste Oscargewinner. Ich denke, da kann man ihm sein Verschlafen zur Verleihung mehr als nur verzeihen.

So Freunde der Sonne und was nehmen wir nun aus diesem ganz besonderen Abend mit? Für mich persönlich ist sehr vieles schief gelaufen, aber es gab auch genauso viele wunderschöne Momente. Dass wir in Zeiten einer Pandemie leben und somit bei vielem auch Abstriche machen müssen, ist uns allen nach über 1 Jahr mehr als klar. Aber dieser Umstand darf nicht als Entschuldigung für fehlende Kreativität missbraucht werden. Es war ein historischer Abend in vielerlei Hinsicht, was mich einerseits sehr gefreut und andererseits auch sehr stutzig gemacht hat. Wird die Academy dieses Level an Diversität auch die nächsten Jahre halten können? Ich meine den ersten sehr vagen Voraussagen zufolge, können wir uns auf ein sehr spannendes Kinojahr 2021/2022 freuen…oder um es mit den Worten von Frances McDormand zu sagen:

„[…] Please watch (our) movie(s) on the largest screen possible, And one day very, very soon, take everyone you know into a theater, shoulder to shoulder in that dark space and watch every film that’s represented here tonight. […]“

…denn darum geht es bei allem dem doch eigentlich auch nur. Um das Teilen einer gemeinsamen Liebe für die noch so kleinsten Geschichten unseres Lebens auf der großen Leinwand.

Filmnächte Chemnitz goes Berlinale 2021

Diversität- Zusammenarbeit- Digitalisierung- Pandemie- Streamingdienste- Exklusivität

Diese 5 Begriffe sind die wichtigsten und die vor allem am häufigsten benutzten Schlagworte aller, der im Rahmen des 5-tägigen Industrie-Events der 71.Berlinale stattfindenden, Veranstaltungen. Vom 01. bis 05. März 2021 haben sich mehr als 8.ooo offiziell Akkreditierte der Filmbranche virtuell in Berlin getroffen, um über das vergangene Jahr, den jetzigen IST-Stand und eine Reihe von möglichen Zukunftsszenarien zu diskutieren.

Der Tenor? Wir wissen genauso viel wie vorher, aber eigentlich noch weniger als vor 1 Jahr.

Was wir ohne Zweifel sagen können, ist, dass sich die Branche verändert hat und nie wieder die Selbe sein wird. Covid-19 sei Dank? Wir waren gezwungen monatelang zu Hause zu bleiben, aber unsere Sehnsucht nach Filmen und dem Erzählen berührender Geschichten auf klassischen 9mm hat sich nicht verändert. Ganz im Gegenteil. Sie ist noch größer geworden, weil unser eigenen Spielraum immer kleiner wurde. Und wer sind demnach die Gewinner? Selbstverständlich die Streaminganbieter Netflix© und Co. Jeder in der Kinobranche, einschließlich natürlich dem wichtigsten aller Erfolgsfaktoren- dem Zuschauer, geht mit dieser Erkenntnis anders in Gericht und eine Absprache oder gar Ignoranz dieser Position wäre fatal. Denn spätestens seit der einmaligen Regeländerung der Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences©, bei der dieses Jahr 2021 auch Filme ins Oscarrennen gehen, die keinen regulären Kinostart vorweisen können, werden wir uns zukünftig auf so Einiges gefasst machen müssen.

Vergessen ist der Aufschrei aus 2018, bei dem u.a. die internationalen Filmfestspiele von Cannes© netlfixproduzierte Kinofilme boykottierte und nicht mit ins Wettbewerbsprogramm aufnehmen wollte. Warum? Weil ihrer Meinung nach ein Film, der gleichzeitig online über die jeweilige Plattform, als auch offline auf der großen Leinwand seinen internationalen Kinostart erlebt, nicht auszeichnungswürdig und völlig regelunkonfrom wäre. Moment mal! Lass mich das mal rekapitulieren! Möchte in diesem Zusammenhang jemand Laura Dern ihren Oscar als beste Nebendarstellerin in „Marriage Story“ aus dem Jahr 2020 absprechen, weil dieser hauptsächlich über Netflix verfügbar und nur in ein paar exklusiven Screenings international auf der Leinwand zu sehen war? Ich denke nicht. Und Jeder der das tut, hat Kino im 21. Jahrhundert nicht verstanden.

Denn, auch wenn es keiner so richtig sehen mag und da vor allem so einiges an Kritik aus den Chefsesseln der altehrwürdigen Filmstudios heraus geübt wurde, ist es doch genau das, was das große und in diesem Jahr doch allzu gern benutzte Wort der Zusammenarbeit unterstreicht. Es klang fast wie etwas Revolutionäres und völlig Grenzüberschreitendes, wenn man dieses Wort der Zusammenarbeit, das so eigentlich nicht genannt werden darf, in den Mund nahm. Haben wir hier etwa das Rad neu erfunden? God help us- no. Die Leitung scheint nur etwas sehr lang zu sein. Wir müssen uns von nationalen Alleingängen im internationalen Haifischbecken der Filmproduktionen verabschieden. Es wird nicht nur eine deutsche oder britische oder französische Produktion sein. Nein. Es wird und muss eine internationale Koproduktion aus Deutschland/ Großbritannien und Frankreich sein. Definieren wir unser Ego also neu und lassen uns auf mehr Diversität ein. Oh ja. Auch so ein wunderschönes Thema, was das Rad neu zum laufen bringen und während der Berlinale sehr viele Diskussionen, Panels, Roundtables oder auch Präsentationen erst so richtig „wichtig“ erscheinen lassen sollte.

Stop-Recap!!! Erinnern wir uns kurz an die gesellschaftskritische Act Out-Aktion in der Süddeutschen Zeitung© vor einigen Wochen, in der 185 SchauspielerInnen aus Theater, Film und Fernsehen öffentlich ihr Gesicht zeigten und in einem Manifest niederschrieben, welche katastrophalen Zustände hier eigentlich vorherrschen. Es wurde uns gezeigt was, wer und vor allem wie die eigentlichen Akteure der darstellenden Kunst wirklich sind. Wunderschön, bunter als jeder Regenbogen und überaus talentiert, doch in den Augen der scheinbar so unvoreingenommen Industrie leider zu anders, um gezeigt zu werden. Wie war das also nochmal mit der Diversität? Und nein, es reicht nicht, wenn Rami Malek den, ja, wir müssen es an dieser Stelle doch noch einmal ganz direkt erwähnen, HOMOSEXUELLEN Freddy Mercury spielt und dafür international hoch gelobt wird. Excuse me? Warum ist seine Geschichte bitte so tragisch und warum muss sie erzählt werden? Genau, weil es uns die darstellende Industrie als ein MUSS auftischt. Sie erfindet sich in ihren eigenen homophonen Gebilden immer wieder neu und lobt sich dann am Ende der Saison mit einer Vielzahl an scheinbar prestigeträchtigen Auszeichung selbst. In meinen Augen ekelhaft und unnötig. Und ich betonte, dass wir bei dieser Betrachtung #Metoo, #TimesUp und #Oscarssoblack noch nicht einmal inhaltlich angedeutet haben.

Aber CoVid-19 bietet uns dahingehend eine zweite Chance. Denn auch wenn die Streamingdienste derzeit als ein Feind des Kinos angesehen werden, so sind sie doch im Hinblick des neu eingeführten cineastischen Begriffs der Diversität ein unabdingbarer Baustein. Es macht natürlich einen Unterschied, ob ich weiß, dass eine Geschichte wie „Malcolm & Marie“ niemals ein Millionenpublikum wie die „Avengers“ ins Kino bringen wird. Und natürlich überlegen sich dann Produktions- und Distributionsstudios was ihnen 50 Personen im Kinosaal an Einnahmen bringen. Sie kommen zur Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt und niemals kostendeckend auszahlen würde. Und ja, nachträgliche Kassenschlager wie z.B.: „La La Land“, die im Vergleich zu den eigentlichen Produktionskosten und den späteren Einspielergebnissen als überaus erfolgreich zu betiteln sind, sind eher selten. Doch was passiert online? Netflix© und Co. nehmen sich des „nischigen“ Stoffes an, verfilmen es und bringen es über die eigene Platform an das weltweite Publikum. Denn für sie rechnen sich 50 Zuschauer in 50 Ländern ganz anders und ja, gehen wir dann noch entlang der exklusiven Kinoschiene á la „The Irish Man“ oder wie bereits erwähnt „Marriage Story“, dann kommen vielleicht nochmal 50 Zuschauer pro Kinosaal weltweit dazu. Wir können jetzt die Kette der filmischen Kostenrechnungen noch weiter spinnen, doch wir werden immer zum gleichen Ergebnis kommen. Über die Streamingplatformen können wir neue und diverse Filme sehen, die weder an inhaltlicher noch an produktionstechnsicher Qualität verlieren. Ihr denkt ich breche jetzt immer mehr eine Lanze für Netflix© und Co.? Jein.

In meinen Augen kann nichts auf dieser Welt einen Kinosaal mit gemütlichen Polstersesseln, den Geruch von frischem Popcorn, dem Abtauchen in neue Welt mit den fantastischsten Gesichten und dem Kino als Ort des Zusammenkommens Gleichgesinnter, Liebender oder neuer Bekanntschaften an Charme übertreffen. Kino ist exklusiv und wird auch zukünftig nichts an dieser Exklusivität verlieren, dessen sind sich alle Branchenvertreter einig. Doch wir müssen den Begriff der Exklusivität neu definieren. Es sind einfach nicht mehr nur exklusive Inhalte, ausgenommen hiervon natürlich das zu gern kritisiere neue Contentprogramm, bei welchem Mann und Frau im Kino Ballett-, Opern-, Konzert- und Theatervorführungen aus der ganzen Welt sehen kann. Noch vor Jahren als Unmöglichkeit und unangebrachten Platzhalter für Kinoprduktionen jeglicher Art angesehen, zeigt es uns heute auf die schönste Art und Weise auf, auf was es, neben der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, im Kino noch ankommt.

Digitalisierung. Eine Vernetzung auf ganz neuem Niveau. Es betrifft nicht nur die angesprochene Möglichkeit des „streamens“ anderer Kunstformen auf der großen Leinwand, und ja, bewusste Wortwahl, sondern auch der Möglichkeiten Inhalte zu bearbeiten und Informationen jeglicher Art innerhalb der Branche auszutauschen. Ich spreche hier von internationalen Skrippitches und E-Castings, der gefühlt zeitlgeichen Animation filmischer Inhalte in Finnland und Australien, dem Einspielen passender Filmmusik aus einer Vielzahl digital aufgenommen und bereitegsteller Instrumentalproben etc. Die Digitalisierung bietet uns die eine Möglichkeit schneller, globaler und in diesem Fall pandemieunabhängiger zu agieren. Das rein digitale Industrie-Event als erster Teil der diesjährigen Berlinale ist dabei nur ein Beispiel. Ich möchte an dieser Stelle niemals in Frage stellen, dass eine fcae-to-face Arbeit dadurch ersetzt werden kann und soll. Aber die Digitalisierung ist ein unabdingbares Mittel, um zu arbeiten und uns diesen Luxus auf zukünftig leisten zu können.

Doch wir wollen nicht nur im großen Stile Kritik an den Hauptthemen der ersten rein digitalen Berlinale üben, sondern auch die guten und vor allem für euch als Zuschauer wichtigen Faktoren sprechen. Innerhalb der letzten 5 Tage hatten wir 32 Events und 24 Screenings auf unserem Plan stehen. Es war eine neue und extrem interessante Erfahrung so zu agieren und sich einmal ganz anders zu vernetzen. In diesem Zusammenhang muss man der Berlinale und auch dem efm- dem european film market ein riesiges Lob für die extrem aufwendige Planung und der sehr guten digitalen Ausführung danken. Man muss sich nur einmal auf der Zunge zergehen lassen, dass es zeitweise über 12.000 Teilnehmer an Screenings und Events gab. Eine enorme Menge, die man meiner Meinung nach so gar nicht fassen kann, aber die mich irgendwie auch sehr glücklich stimmt. Wir wachen alle langsam wieder auf und auch wenn wir noch nicht einmal im Ansatz ein Ende im Pandemiedschungel sehen und sich keiner Prognosen anmaßen will, fühlen wir uns nach diesen 5 Tagen weniger verloren als davor.

Last but not least haben wir euch natürlich erste exklusive Einblicke bzw. Einschätzungen zu einigen der gesehenen Filmen und Serien bis zum Schluss dieses kurzen Beitrages aufgehoben. Wir haben für euch 24 Beiträge aus dem Wettbewerbsprogramm, der Sektion „Berlinale Special Gala“, „Encounters“, „Panaorma“ und vor allem auch aus der Sektion „Berlinale Series“ gesehen. Letzteres war im Vergleich zu den letzten Jahren und im Rahmen des „Berlinale Series Market“ ein sehr prominenter Teil unseres sogenannten screening-schedules. Ob dies mit einem nachweislich veränderten Verhalten der Zuschauer bezüglich des präferierten Konsums von Film und/oder Serien zusammenhängt, ist meiner Ansicht nach fraglich. Denn wir dürfen bei all dem Genuss nicht vergessen, dass es in den letzten 5 Tagen auch um sehr viel Geld ging. Es werden Filme und Serien verkauft, neue wertvolle Geschäftsbeziehungen geknüpft und Researchdaten des letzten sehr prägenden Jahres 2020 präsentiert, für die einige Firmen sehr hohe Summen zahlen würden. Hier nun also unsere ganz persönliche Top 3 der 71.Berlinale 2021 und sicher auch in der ein oder anderen Form während der 11. Filmnächte Chemnitz vom 01. Juli bis 29. August 2021 für euch auf der großen Leinwand zu sehen.

The Mauritanian„- Sektion „Berlinale Special Gala“- Thriller- 129 Minuten – Produktionsland: USA, Großbritannien- u.a. mit Jodie Foster (aktuelle Golden Globe Gewinnerin „Best Supporting Actress in a Motion Picture Drama“ für ihre Rolle als Nancy Hollander), Shailene Woodley und Benedict Cumberbatch- Synopsis: Mohamedou Ould Slahi wird nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Mauretanien festgenommen und ohne formelle Anklage ins Internierungslager der Guantanamo Bay Naval Base verschleppt. Im Rahmen eines aufkommenden „Approaches“, welcher die gültige Rechtmäßigkeit der Gefangenschaft aller Häftlinge auf der Grundlage einer vorliegenden Anklage prüfen soll, trifft Mohamedou auf die beiden Anwältinnen Nancy Hollander und Teri Duncan. Beide haben große Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Inhaftierung. Es beginnt ein spannender Politthriller um Gerechtigkeit, Recht und Ordnung und die unbändige Macht von Worten. – persönliches Fazit: Ich war nicht von der ersten Minuten an on board. Um ehrlich zu sein, sind solche Themen für mich schon sehr zäh und in hunderten Filmen bereits patriotisch bis ins kleinste Detail erzählt worden. Doch der Cast zog und ich wurde tatsächlich nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil, man ließ mich am Ende des Filmes kopfschüttelnd, erbost, schockiert und völlig erstaunt zurück. Wie kann man über 14 Jahre ohne rechtmäßig gültige und vor allem für den Zuschauer nachvollziehbare Anklage in einem der härtesten Gefängnis der USA (ein)sitzen und physisch wie auch psychisch mit einer absoluten Verständlichkeit gefoltert werden? Wie kann ein Rechtsstaat so unrechtmäßig sein? Ganz klar ein Film, der einen noch lange nach dem „Cut“ beschäftigt.

Finding Alice„- Section „Berlinale Series“- Dramedy- 6 Episoden á 60 Minuten- Produktionsland: Großbritannien- u.a. mit Keeley Hawes und Nigel Havers- Synopsis: Als Familie Dillon überglücklich in ihr neues smartes Zuhause zieht, konnte noch keiner ahnen, dass diese Glück schon nach nicht einmal 1 Nacht in die Brüche geht. Denn als der Familienvater Harry tot am Fuße der Treppe gefunden wird, beginnt das große Rätselraten um mögliche Motive, Manipulation, Betrug und der Frage: was gehört eigentlich uns und wer sind wir?- persönliches Fazit: Mit „Finding Alice“ ist es Roger Goldby auf grandiose Weise gelungen eine Reihe an Tabuthemen wunderbar plakativ und mit einer Prise dunklem Humor für jeden Zuschauer zugänglich zu machen. Von den kleinen Alltagsmacken, mit den man leben muss, wenn man ein Smarthaus sein Eigenheim nennt, über die Absurdität einer Bohrmaschine im Sarg oder der essentiellen Frage nach dem „Wie“. Wie geht es weiter, wenn ein geliebter Mensch von heute auf morgen einfach so aus dem Leben verschwindet? Wie kann ich weiterleben? Wie organisiere (m)ein neues Leben? Berührend und gleichzeitig urkomisch will man nach nur 2 Folgen definitiv mehr sehen.

Delicieux„- offizielles Festivalprogramm- Komödie- 112 Minuten- Produktionsland: Frankreich- u.a. mit Grégory Gadebois und Isabelle Carré- Synopsis: Frankreich- 1789- Nachdem der Koch Pierre Manceron nach dem Kredenzen einer gutbürgerlichen Kartoffelspeise vom Hofe des Grafen flog, versinkt er jahrelang in Selbstmitleid. Als sich bei ihm eines Tages eine Frau namens Louise meldet, die seine Praktikantin werden will, eröffnet sich für Pierre eine ganz neue Welt an Möglichkeiten sein unschätzbares Talent zu nutzen. Von Rückschlägen, Tot und Lügen gebeutelt, eröffnet er viele Jahre später zusammen mit Louise die erste uns heute als Restaurant bekannte Lokalität.- persönliches Fazit: „Delicieux“ ist eine wunderschöne Wohlfühlgeschichte rund um das Thema Verrat, Leidenschaft, gutes Essen und die Macht der Liebe. Sie verzaubert von Anfang an mit gemütlichen Bildern, scharfen Dialogen und einer Prise Hoffnung, dass am Ende doch noch alles gut wird.

Es sollte an dieser Stelle erwähnen werden, dass es natürlich noch eine ganze Reihe anderer grandioser Filme bzw. Serien im diesjährigen Berlinaleprogramm gab, die eigentlich ohne Zweifel hier auch mit in Erwähnung gezogen werden müssten. Doch ich denke, dass wir euch an dieser Steller schon genug gespoilert habe, denn ein paar Überraschungen wollen wir uns ja auch noch für den kommenden Kinosommer mit euch aufheben, oder? 😉

Autogrammjagd auf Filmstars – 5 exklusive Tipps vom Profi

Liebste Fans des alljährlich stattfindenden Freiluftkinos, es ist bereits Ende August und ja, das heißt, wir nähern uns mit großen Schritten dem Ende unserer diesjährigen Filmnächte Saison. Wie ihr in vielen Beiträgen von vor allem Jakob aber auch mir nachlesen konntet, war es eine sehr emotionale Saison mit Hochs und Tiefs. Und nein, hierbei rede ich nicht nur vom Wetter.

Doch wir wollen diese Saison nicht einfach so zu Ende gehen lassen, sondern wir haben uns für euch das Beste bis zum Schluss aufgehoben. Denn was passiert, wenn die Filmnächte vorbei sind, das Jahr sich dem Ende neigt und wir uns kopfüber in ein Neues stürzen? Korrekt, es ist Premierenzeit. Die Indoorkinosaison beginnt wieder und mit ihr der Run um die meisten Zuschauer, größten Premieren und höchsten Umsatzzahlen. Dementsprechend übertrumpfen sich Verleiher und Kinobetreiber für die größten und auffallendsten Kinopremieren überhaupt. Und der kleine Bürger wie du und ich? Wir stehen meistens am Rand oder eher hinter den vielen Absperrungen und schauen dem Spektakel mit großen Augen zu. Doch es gibt auch den ein oder anderen Fuchs unter uns, welcher es sich zu Aufgabe gemacht hat die Stars und Sternchen und die Kunst zusammen zu bringen. So wie Jessica Kellershofen.

Jessica Kellerhofen -Kölner Sprayart Künstlerin-

Die Kölner Künstlerin arbeitet seit 2013 an ihrer Serie „Stencil Art“. Für diese Sprayart-Porträts bekannter Persönlichkeiten aus aller Welt schneidet sie in filigraner Hingabe eigenhändig Schablonen aus und sprayt das Motiv mit Acryllack auf Leinwand. Das fertige Bild nimmt sie mit auf Reisen, auf der sich Werk und Motiv erstmalig begegnen und so finden sich in der Serie bis heute etwa 75 Bilder, persönlich signiert von uns alle bekannten Filmstars wie Daniel Radcliffe, George Clooney und Meryl Streep.

Ich habe mich mit der Künstlerin zusammen gesetzt und sie hat mir in einem ganz exklusiven Gastbeitrag 5 Top-Tipps für eure nächste Autogrammjagd verraten. Und ich kann euch jetzt schon versprechen, dass ihr, genau wie ich, mit großen Ohren ihren vielen Erzählungen und lustigen Anekdoten lauschen werdet.

Tipp 1: Sei stets vorbereitet! (oder: Warum Jane Fonda in London fast einen Herzinfarkt bekam)                                                                                                                                                                       

„Wenn man sich häufiger in London Theaterstücke anschaut, Filmpremieren besucht oder auf sonstigen Events unterwegs ist, kann es schon einmal vorkommen, dass man sich mit anderen Fans (und leider auch Autogramm-Dealern) in einer Seitenstraße trifft, weil man dort z.B. einen Promi beim Shoppen oder an der Hintertür einer Eventlocation vermutet. So fand ich mich stundenlang wartend auf die damals gerade gescheiterte Präsidentschaftskandidatin der USA, Hillary Rodham Clinton, in einem Nobelbezirk Londons wieder. Nachdem wir sie auf einer Buchpräsentation bereits dank der perfekten Abschirmung des Secret Service (good job!) verpasst hatten, war dies so ziemlich die letzte Chance, Hillary in London nach einem Autogramm zu fragen.

Jane Fonda -amerikanische Schauspielerin und Teil der Filmnächte Ausstellung in Lounge 1-

Da die Tage in London aber rundum verplant sind, sollte man stets auf alles vorbereitet sein. Und so kam es, dass wir nicht auf Hillary Clinton stießen an jenem Tag (Spoiler alert: Sie hatte sich im Hotel den Zeh gebrochen und daher an dem Tag keine Termine außerhalb ihres Zimmers), sondern auf eine Dame um die 80, die komplett in schwarz gekleidet, mit dunklem Hut, Sonnenbrille und gesenktem Kopf auf uns zu schlenderte. „Das is sie!“, „Ne, das isse nich!“, höre ich uns noch abwechselnd flüstern, als wir auch schon das mit nach London gebrachte, aber eigentlich für den nächsten Abend geplante Spraybild aus unserer Mary Poppins-Tasche zauberten und vorsichtig, aber zielstrebig, auf eine sichtlich verwirrte Jane Fonda zuschritten. „Würden Sie dieses Kunstwerk unterschrieben, Ma’am?“, „Äh, woher wisst ihr, dass ich hier bin?“, „Gar nicht, versprochen! Es war ein absoluter Zufall!“. Geglaubt hat sie es vielleicht nicht, sehr freundlich signiert dennoch.

Sei daher immer auch auf das Außergewöhnliche vorbereitet!“

 

Tipp 2 – Sei standfest! (oder: Warum ein Autogramm von Vanessa Redgrave nichts mit Glück zu tun hat)

„Eines vorweg: Außer der in Tipp 1 geschilderten Geschichte, hat Autogrammjagd nichts, aber auch gar nichts mit Glück zu tun!

Vanessa Redgrave -britische Film- und Theaterschauspielerin-

Jeder Mensch, der dies als Hobby macht, wird bestätigen können, dass man verdammt viel auf sich nehmen muss, um einem wirklichen Promi sehr nahe zu kommen und ihn um ein Autogramm zu bitten. Das erfordert nicht nur viele Stunden Zeit, sondern dabei vor allem eine Menge Geduld und gute Standfestigkeit. So auch, wenn man vor einem Theater auf eine Schauspielgröße wie Vanessa Redgrave wartet. Erstarrt man nicht bereits in Ehrfurcht, wenn man viele, viele Stunden vor und nach dem Stück auf sie gewartet hat und sie dann gegen 0 Uhr nachts aus dem Theater schwebt in Begleitung mehrerer Anhänger und Angehöriger, so ist dies spätestens dann der Fall, wenn sie ganz nah an einen herantritt, dir tief in die Augen schaut und einen Vortrag hält, warum Schauspielerei so anstrengend ist und warum sie sich nun gar nicht in der Lage fühlt, nach so einem langen Tag noch etwas zu signieren.

Sei es drum, dies ist in jedem Fall ihr gutes Recht. Aber man sollte sich auch nicht so leicht abschrecken lassen. Ein freundliches, verständnisvolles und tendenziell unterwürfiges, keineswegs geschauspielertes Lächeln kann dazu führen, dass sich auch eine derartige Größe der Bühnen und Leinwände dazu durchringt, sich auf einem Kunstwerk zu verewigen und einen kurzen, netten Plausch zu halten.“

Tipp 3 – Sei frech! (Oder: Warum Cher nur für Amanda Seyfried signiert)

„Filmpremieren sind nichts für Weichlinge. Wer stundenlang Schlange steht, um villeicht eine Nummer zu ergattern, um dann vielleicht einen Platz hinter einer Absperrung zu ergattern, die dann vielleicht günstig liegt, um vielleicht ein Autogramm von einem Filmstar zu erheischen, der macht dies nicht, um dann seine minimalen Chancen nicht zu nutzen.

Als die „Mamma Mia! Here We Go Again“-Premiere in London stattfand, war uns allen klar: DAS ist mal eine Topbesetzung, die da zur Premiere auflaufen wird. Während wir manche Promis schon einmal getroffen hatten, und wegen mancher vielleicht eher weniger aufgeregt waren, stand ein ganz klares Ziel oben auf der Liste: Cher! Ich meine, come on, CHER! Wir brauchten diese Unterschrift einfach. Das Spraybild war da, wir waren da (Sidenote: Wenn ich von „wir“ spreche, meine ich mich und meine Lebenspartnerin Josefine Schmidt, die diesem Spraybild-Wahnsinn ebenso verfallen ist wie ich), Cher war da, was soll schon schiefgehen? Naja, das was immer so schiefgehen kann: Ein Promi schreibt an dem Tag keine Autogramme. Was also tun? Nachdem Amanda Seyfried bereits zuvor den roten (oder vielmehr blauen) Teppich betreten hatte und sehr nett und bereitwillig ihr Spraybild bei mir unterschrieben und sehr sehr nette Worte dafür gefunden hatte, blieb uns wohl nur eine Chance. Wir mussten die Chance beim Schopfe packen. Also drückten wir kurzerhand das Cher-Spraybild Amanda Seyfried in die Hand und baten sie, es für uns unterschreiben zu lassen. Violà! Da lief sie los.

Und nicht nur das. Sie crashte ein ET-Interview, um Cher dazu zu bewegen, das Bild zu unterschreiben. Danach brachte Amanda das unterschriebene Bild zurück. Einfach unglaublich. Manchmal muss man einfach frech sein und Hilfe einfordern! Auch Promis sind Menschen, die zu etwas stehen, was sie gut finden.“

Tipp 4 – Sei geduldig! (Oder: Warum Lady Gaga so lange faul im Archiv rumlag)

„Ein Künstler lebt nicht nur davon, Kunst zu erschaffen, sondern auch davon, diese auszustellen und einem Publikum zu präsentieren.

So geschah es, dass ich für meine „On Women, Power and Beauty“-Ausstellung im bunker k101 in Köln 2016 einige Werke von Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen und standen, schuf, von denen ich nicht dachte, dass ich sie jemals unterschrieben bekommen könnte. Dies war neben Werken von verstorbenen Vorbild-Frauen wie Eleanor Roosevelt und Coco Chanel, auch unerreichbare Größen wie Cher, Anna Netrebko und Lady Gaga. Generell ließe sich festhalten, dass es ungemein schwieriger ist, Autogramme von Sängern und Sängerinnen zu ergattern als von Menschen, die ihre Produkte Menschen-nah vorstellen und verkaufen (also z.B. Autoren, Schauspieler und Politiker). Lady Gaga musste demnach einige Zeit auf ihren tatsächlichen Einsatz am roten Teppich warten. Zur Londoner Filmpremiere von „A Star Is Born“, welcher auch der überaus erfolgreiche Eröffnungsfilm der Filmnächte Chemnitz sein durfte, war nun der große Moment gekommen. Lady Gaga nahm sich viel Zeit für ihre Fans am Leicester Square und quittierte das Spraybild mit einer anerkennenden Bemerkung und einer Unterschrift, die mir sehr viel bedeutet und auf die ich besonders stolz bin, sie bei den Filmnächten 2019 ausstellen zu können.

Merke auch hier: sage niemals nie. Denn in der Zwischenzeit sind alle drei genannten, „unerreichbaren“ Sängerinnen unterzeichnet.“ 

Tipp 5: Sei nicht zu ehrfürchtig! (Oder: Warum auch Meryl Streep manchmal nur ein Mensch ist)

„Klar, jeder von uns ist Fan von etwas. Manchen bedeutet Musik sehr viel, anderen Schauspielerei und manche stehen auf Sport. Ich für meinen Teil mache keinen Hehl daraus Meryl Streep-Fan zu sein, oder „Streeper“ wie man in der Community gerne sagt. Also ist es naheliegend, auch Meryl Streep ein Spraybild unterschreiben zu lassen. So oft ich diese außergewöhnliche Schauspielerin bisher auch treffen durfte (ungefähr 15 Mal), der extrem große Aufwand zahlte sich glücklicherweise häufig aus.

Klar, Meryl Streep ist ein gut abgeschirmter Mega-Star mit vielen Fans. Doch wir sind ja lernfähig. Je größer das Spraybild, desto mehr Aufmerksamkeit kann man in der Masse erheischen – selbst wenn der Star bekanntlich nicht besonders gut sehen kann oder will, weil er sich in diesen Situationen unwohl fühlt. Das Wichtigste jedoch ist, nicht zu ehrfürchtig zu sein, selbst wenn man seinem großen Idol gegenüber steht. Und wenn man es selbst nicht schafft, dann braucht es einen Komplizen, der das Reden und Handeln übernimmt. So trug es sich zu, dass wir in einer Londoner Fernsehaufzeichnung ein 70×100 cm großes Meryl Streep-Spraybild (in ihrer Rolle als Emmeline Pankhurst in Suffragettes) ausrollten und sie in einer Mini-Drehpause vor hunderten Leuten aufforderten, dieses für uns zu signieren. Gut, ich habe wenig dazu beigetragen. Hier war es meine Begleitung, die sich ein Herz fasste und auch vor Meryl Streep’s reizendem Bodyguard nicht zurückschreckte, um das Spraybild nah genug an den Blindfisch heranzubringen. Sie unterschrieb das Werk liebevoll mit den Worten „Thanks and love! Meryl Streep“ und hatte neben einem Luftkuss auch noch das ein oder andere „Wow“ für mch übrig.

Ein Mensch eben, der ehrlich überrascht und gerührt ist. Oder eben einfach nur die beste Schauspielerin der Welt. Für mich macht es bis heute keinen Unterschied. Diese Momente nimmt einem niemand weg.“

Und ihr Lieben? Habe ich euch zu viel versprochen? Ich denke nicht. Ich persönlich bin restlos begeistert, habe mich sehr über die vielen Anekdoten im Interview gefreut und freue mich sehr, dass wir als Filmnächte Chemnitz, Künstlern in jeglicher Hinsicht solch eine Plattform bieten können. Einige der gezeigten Spraybilder  sind derzeit als Kunstdrucke in der Lounge 1 auf dem Theaterplatz ausgestellt und können nach Festivalende käuflich erworben werden. Weitere Informationen findet ihr auch unter www.galerie17.org. 

Also, habt ihr jetzt Blut geleckt? Dann nichts wie los zur Autogrammjagd!

 

Fotos © Jessica Kellershofen, Galerie17   ©David M. Benett/WireImage über Getty Images 

Es ist uns immer und immer wieder ein (Berg)Fest mit euch!

An alle Liebhaber des alljährlichen Freiluftkinos, 

BERGFEST! 

Jawohl, ich wiederhole es gerne noch einmal und diesmal mit einem stärkeren und leicht wehmütigen Nachdruck: WIR HABEN BERGFEST!

Was das heißt? Ganz einfach, die Hälfte unserer Open-Air-Saison 2019 ist mit dem Erscheinen dieses Blogbeitrags schon vorbei. Wenn man es so ausspricht, ist das eine ganz verrückte Tatsache, denn ich erinnere mich noch ganz genau an die ersten Meetings in unserem provisorischen Büro am Theaterplatz und an alle Wünsche, aber auch Ängste, die ein jeder von uns mit in die neue Saison genommen hat.

Vieles davon hat sich bereits in der ersten Hälfte erfüllt. Und ich spreche hier nicht nur von den drei ausverkauften Vorstellungen, die uns tatsächlich sehr glücklich gestimmt haben, sondern auch von angespannten Abenden bei schlechtem Wetter mit wenigen Besuchern und eisigen Temperaturen mitten im Juli. 

Doch alles der Reihe nach. 

„Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler!“ (J.W. von Goethe)“

Angefangen hat alles mit einer grandiosen Eröffnung am 05.07.2019. Nachdem wir unsere Generalprobe im Rahmen des Kosmos 2019 am 04.07. schon vorbildlich gemeistert hatten, waren wir der Annahme, dass uns nichts mehr aufhalten könne, doch da haben wir sprichwörtlich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn wir wurden einen Tag später förmlich überrannt. Nicht unbedingt körperlich, sondern eher emotional. Mit über 1.000 Menschen und einem zum allerersten Mal ausverkauften Haus zu einer Filmnächte-Eröffnung nach neun Jahren Spielzeit und einem Soundtrack der ungerechtfertigterweise nur einen einzelnen Oscar gewonnen hat, blieb einfach kein Auge trocken. Wir hatten Gänsehaut und denken mit Freude an diese Eröffnung zurück. 

   

Und mit diesem Hoch im Rücken setzte der Sommer gefühlt für mehrere Tage aus. Regen, Wind, Gewitter über dem Platz und Temperaturen knapp über 10 Grad ließen uns zittern und für jedes Lächeln der Gäste kämpfen. Ein besonderes Beispiel war hier der Film „Cold War“. Es war wortwörtlich sehr kalt und mit 22 Menschen bisher der schwächste Filme bei uns auf dem Platz überhaupt.

Doch auch das haben wir gemeinsam geschafft und nach jedem Tief kommt bekanntlich auch wieder ein Hoch und in unserem Falle waren das mit „Der Junge muss an die frische Luft“ und „Bohemian Rhapsody“ zwei weitere ausverkaufte Filmveranstaltungen mit über 1.000 Menschen und sehr warmen Temperaturen, sowie das John Fogerty Konzert mit über 4.000 Menschen. Es war und ist einfach der Wahnsinn, das so sagen zu können.

Natürlich braucht eine Veranstaltung in diesem Ausmaß immer ein gewisses Maß an Vorlauf, um dann im Endeffekt reibungslos abzulaufen. Und da wir hier auf dem Blog ja Gott sei Dank unter uns sind, kann auch ich euch sagen, dass nicht immer alles glatt lief. Allerdings sind wir, ähnlich wie die Spitze des Eisbergs, jetzt auch für euch voll im Geschäft und in der Blüte unserer Leistungsbereitschaft. Und das ist auch dringend nötig.

Der August wirft seine Schatten voraus

Habt ihr schon einmal ins August-Programm 2019 geschaut? Ein Highlight jagt hierbei das nächste. Neben dem SCHLINGEL-Ferienkino, welches eine Woche lang bereits ab 10:30 Uhr Kino für die ganze Familie bietet, sind wir alle im Konzertfieber. Neben einer Zusatzvorstellung unseres Besucherlieblings „Bohemian Rhapsody“ am 18.08.19, haben wir ab sofort jede Woche ein musikalisches Schmankerl für euch organisiert. Was am Anfang unsere filmischen Konzertsamstage waren, sind nun reale Konzerte mit Stars zum Anfassen. Von Amy MacDonald am 08.08.19 über Johannes Oerding am 17.08.19 und Classics unter Sternen am 24.08.19 bis hin zu Philipp Poisel am 30.08.19 haben wir alles für euch im Angebot. Und ja, wir sind stolz, den Theaterplatz in einen Ort der Veränderung und des Machens zu verwandeln.

Was TUN wir hier eigentlich?

Apropos MACHEN.

Zum Beginn des Monats haben wir nach einer enorm großen Resonanz unser kleines Experiment „TUN“ gestartet. Hierbei haben lokale Akteure die Chance, sich und ihr Herzensprojekt vorzustellen, um so ihre eigene Reichweite und ihren wichtigen Einfluss zur Veränderung zu verstärken. Ziel davon ist es, jeder Stimme ein Gehör zu geben, egal wie klein sie uns erscheinen mag, denn nur durch euch kann sie täglich zu einem Echo werden. Wir bitten euch in diesem Zusammenhang um Ehrlichkeit und Offenheit: Gebt uns Feedback, aber bleibt fair.

Was gibt es in diesem ganzen Überschwang noch zu sagen? Achso ja, es steht außerdem noch die Auswertung unseres KARL-Votings aus, es wird einen Starbesuch zur Premiere von „Und der Zukunft zugewandt“ geben, ihr werdet die einmalige Gelegenheit bekommen, einen wahrhaften Zeitzeugen zum Film „Ballon“ zu treffen und und und…

Am Ende bleibt mir jedoch nichts weiter, außer DANKE zu sagen. 

Ein riesiges, liebendes und umarmendes Danke an alle da draußen. Für eure Treue, euer Lächeln, eure vielen Fragen und Anregungen. Wir freuen uns so sehr auf die nächsten Wochen und würden uns freuen, einen jeden von euch noch einmal bei uns begrüßen zu dürfen.

Fotos © Toni Kretschmer, newpic photography & PBR-Mitglied Jens Schwipper

(Alb-)Traumjob Veranstaltungsleiter

Liebe Freunde des alljährlichen Freiluftkinos, 

in den letzten Blogbeiträgen haben wir euch schon einige Einblicke hinter die Kulissen der Filmnächte Chemnitz gewährt. Egal ob Programmplanung, Pressekonferenz zur Porgrammveröffentlichung oder die letzten Handgriffe vor der großen Eröffnung. 

Jedoch ist das nur ein sehr kleiner Teil von dem, was eigentlich so alles hinter den Kulissen passiert. 

Bei der Themenfindung für diesen Blog versuchen wir immer ein großes Gebiet an verschiedenen Interessen abzudecken und euch so viel Content wie möglich zu bieten. So ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass wir euch diese Woche mal einen ganz besonderen Beitrag bieten wollen. Denn ich als stellvertretende Veranstaltungsleitung werde euch einen Tag mal ganz exklusiv mitnehmen und euch ein wenig darüber berichten, was ich hier eigentlich tue und wofür ich bezahlt werde. Die essentielle Frage die sich hierbei stellt, ist, was macht so eine Veranstaltungsleitung eigentlich die ganze Zeit? Sicher, operativ gut aussehen kann jeder, aber es ist eine Vielzahl an Aufgaben, die bewältigt werden müssen. 

„Wir sind alle 1 Team!“

Gemeinsam mit meiner Kollegin Maria teile ich mir seit diesem Jahr den Posten. Okay, eigentlich bin ich nur zweite Geige und der Miniboss, wenn die Chefin nicht kann, aber das ist völlig in Ordnung. So komme auch ich das ein oder andere Mal mit meiner herrschenden Art zum Zug 😀

Je nachdem, welchen Dienst wir uns teilen, sind wir entweder früh oder abends für euch auf dem Platz. Ja, ihr habt richtig gehört. Unsere Tage sind lang und beginnen für euch ab 11 Uhr in der Früh. Nagut, 11 Uhr mittags, ihr habt ja recht. 

In der Frühschicht ist meist ein riesiger Berg an organisatorischen Aufgaben für den Abend oder für größere Events und Kundenveranstaltungen zu erledigen. Reservierungen, Telefonanrufe, Hotelzimmerbuchungen, Bestellungen aufgeben, Auswertungen, Filmdisposition und und und.  Am Abend hingegen sind wir meist operativ auf dem Platz im Einsatz. Von der Platzvorbereitung über die Betreuung der Gäste und auch Mitarbeiter bei jeglichen Problemen und Wehwehchen, Abrechnungen bis hin zum finalen Abschließen des Platzes, meist gegen 1 oder 2 Uhr nachts. Wir sind die Ersten und die Letzten auf dem Platz und das jedes Jahr aufs Neue für über 8 Wochen.

Mitarbeiterinnen der Filmnächte schenken Sekt und O-Saft ein

Ab und zu wollen natürlich auch Kundenveranstaltungen vorbereitet werden – prickelnd!

 

Zahlen und Fakten

Neben diesem ganzen allgemeinen Ablaufpalaver habe ich natürlich auch ein paar Zahlen und Fakten, die euch sicher interessieren werden.

Mein bisheriger Laufrekord als Veranstaltungsleitung? Knapp 15 Kilometer und 20.000 Schritte zur Eröffnung am Freitag, den 05.07.2019. Ein durchschnittliches Team am Abend umfasst ca. 10 Mitarbeiter. Jeden Abend wird die Leinwand vor der Veranstaltung hoch- und nach der Veranstaltung wieder runter „gefahren“. Dies dauert ca. 20 Minuten und man braucht ca. 4 Personen.

Wir finden grundsätzlich IMMER statt und gehen mit euch durch Wind und Wetter, dass hat man besonders am vergangenen Samstag gemerkt 😉 Nein, wir haben keinen ALL ACCESS zu Getränken und Essen, warum auch immer diese Frage aufkam, selbst wenn wir für alles Schlüssel haben. Es gibt einen Gieß- und Staubsaugdienst sowie Mitarbeiter, die prädestiniert für das akkurate Zusammenfalten von Decken sind. Ehrlich? Dafür hab ich persönlich keine Muße.

Die größte Herausforderung bis jetzt? Delegieren zu lernen und weniger selbst den Besen zu schwingen.

Leinwand auf dem Theaterplatz wird bei Regen hinuntergelassen

Auch unsere Leinwand arbeitet bei Wind und Wetter

Schlussplädoyer

Ja, ihr habt völlig recht. Das ist mehr als ein Vollzeitjob und eine große Aufgabe. Jedoch kann ich mir persönlich derzeit nichts Schöneres vorstellen. Als studierter Eventmanager hat man den Stress, den Druck und die Hektik im Blut. Man ist unterwegs und muss immer und überall zugleich sein. Jedoch belohnt einen das zufriedene Lächeln der Gäste und der nie stattfindende reibungslose Ablauf einer Veranstaltung jeden Tag erneut. 

Ich weiß, euch brennen zu diesem Thema bestimmt tausend und eine Frage unter den Nägeln. Und ich kann euch nur sagen, lasst sie raus. Ihr könnt mich gerne bei einer unserer vielen Veranstaltungen auf dem Platz ansprechen, einfach per Mail anschreiben oder bei Facebook Fragen hinterlassen. Ich bzw. wir werden auf alle eingehen und freuen uns auf euch. 

„And the Oscar goes to…“

Jeder eingefleischte Cineast hat diesen Satz sicher mehr als einmal in seinem Leben gehört oder ist, wie man munkelt und auch immer wieder am eigenen Leib erlebt, zu diesem Satz aus einer kurzen inneren Einkehr um 4 Uhr nachts hochgeschreckt.

Filmpreise sind neben Lobeshymnen oder vernichtenden Kritiken die mit Abstand einzigste Maßgabe, nach der wir „Normalos“ einen neuen Film auf seine Qualität und Tauglichkeit im allgemeinen Freizeitstehlen beurteilen können. Und was es da nicht alles gibt. Angefangen mit der Palme d’Or über die Golden Globes bis hin zum Höhepunkt einer jeden Award-Season, den Academy Awards, oder auch kurz Oscars genannt. Natürlich sprechen wir in diesem Zusammenhang nur von international, oder ja, eher sehr amerikanisch wirkenden Filmpreisen.

Warum? Nun ja, in unser Programm hat es schließlich auch eine Oscar- und keine Berlinale-Bär-Schiene geschafft, oder? Wobei letztere sicher mal ein diskutabler Tagesordnungspunkt für die kommenden Meetings des Programmbeirates wären. 

„…Olivia Coleman in The Favourite!“

Glaubt ihr an Oscarwunder? Also diese Art von Wunder, bei der es auch ausgleichende Gerechtigkeit gibt? Herzlichen Glückwunsch – aber nein, nicht bei den Oscars, meine Lieben! Ich möchte an dieser Stelle kurz eine ganz subjektiv gestaltete Lanze brechen. In meinen Augen sind Award-Veranstaltungen jeglicher Art immer ein Spiegel der politischen und gesellschaftlichen Stellung eines Landes.

Denken wir dabei nur an den großen Aufschrei vor knapp vier Jahren, als einem Academy-Member doch tatsächlich auffiel, dass zu wenig afroamerikanische Schauspieler und Filmschaffende für diesen Preis nominiert waren. Tja, und schwups, kamen direkt 90% der afroamerkanischen Nominierten nicht zur Verleihung. Boykott hieß es! God knows, wer hier schon wieder was in seiner Luxuswelt boykottiert. Aber seien wir doch mal ehrlich. Warum bekommen Schauspielerinnen, die 45 Jahre eine grandiose Leistung nach der anderen abliefern, bis heute keinen Oscar? Oder warum gewinnen andere Schauspieler und Drehbuchautoren nur mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 15%, obwohl sie eigentlich schon zum Inventar des Dolby Theatres gehören?

All diese Fragen diskutieren wir als Programmbeirat und ja, manchmal beeinflussen diese unsere persönliche Filmwahrnehmung und lassen die Auswahl noch schwieriger erscheinen.  Dennoch denke ich, dass wir aus allen Gewinnern der Herzen für euch eine wundervolle Reihe zusammengestellt haben, die ihr ab dem 11.07.2019 mit der „Frau des Nobelpreisträgers“ jeden Donnerstag erleben könnt. 

Welche Schmankerl haben wir für euch vorbereitet? 

Ich würde euch gerne im Folgenden kurz und knackig zwei meiner persönlichen Oscarhighlights aus dieser Reihe vorstellen, natürlich mit dem Ziel euer Unterbewusstsein ein wenig argumentativ dazu zu zwingen, euren restlichen Körper jeden Donnerstag auf den Theaterplatz zu schieben. 

Glanzstunde für Glenn Close

Beginnen wir in diesem Zusammenhang direkt mit dem ersten Film der Reihe: „Die Frau des Nobelpreisträgers“. 

Filmplakat Die Frau des Nobelpreisträgers mit den beiden Hauptdarstellern

Ich muss sagen, ich habe diesen Film sehr herbeigesehnt. Während eines kurzen Wochenendtrips nach London hatte ich bereits überall in der U-Bahn riesige Werbeplakate von „The Wife“ (so der englische Titel) mit Glenn Close und Jonathan Pryce gesehen. Und nachdem mir eine sehr gute Freundin dann auch noch erzählte, dass er über alle Maßen gut sei, ja, da konnte ich es kaum noch erwarten, ihn endlich auch in den deutschen Kinos sehen zu dürfen. Aber es dauerte. Bis Ende Dezember 2018 stand noch nicht mal ein Starttermin für Deutschland fest. Als es dann jedoch endlich im Januar 2019 soweit war und ich ihn sehen konnte, wurde ich absolut für meine Vorfreude belohnt.

Es war eine zutiefst bewegende Geschichte über Liebe, die Wichtigkeit der Familie, Mut und die eigene Naivität. Der Trailer an sich sagt nicht viel über die gesamte Geschichte des Filmes aus. Wir verbleiben einzig und allein mit der Information, dass Joe Castleman mit dem Nobelpreis für Literatur in Stockholm ausgezeichnet werden soll und dass, ja, auch seine Frau mit von der Partie sein wird, die eine Rolle einnimmt, die das ganze Gerüst an augenscheinlichen (Lebens)lügen zum Einsturz bringen kann.

 

Filmszene aus Die Frau des Nobelpreisträgers: Glenn Close im Gespräch mit hartnäckigem JournalistenFilmszene aus Die Frau des Nobelpreisträgers: bei der Preisverleihung

Sollten wir uns also trauen und euch so einen Film zeigen? JA! Definitiv. Ich sage euch, es wurde um diesen Film gekämpft und ich bin sehr stolz, dass er im Programm verblieben ist. Er sei euch besonders ans Herz gelegt und ich warne euch vor, Taschentücher sind an diesem Abend unter der unendlichen Weite des poetischen Sternenhimmels notwendig.

Wahnsinn am englischen Königshof

Der zweite Film den ich euch ans Herz legen möchte, ist am 22.08.19 um 20:45 Uhr „The Favourite- Intrigen und Irrsinn“, der für gleich 10 Oscars nominiert war.

Filmplakat zu The Favourite mit den drei HauptfigurenAn diesem Film scheiden sich die Geister. Dass das britische Königshaus sehr eigenwillig ist und viele Marotten aufweist, wissen wir sicher nicht erst seit „The Crown“, „Elizabeth“ oder „The Royals“. Doch diese Geschichte, um die Abtrünnigkeit der im 18. Jahrhundert herrschenden Königin Ann, ist eine absolut fantastische. Krank und augenscheinlich machtlos lässt sie sich von ihrer Gespielin Lady Sarah gesund pflegen. Ich sage nur die Könige und der Klerus! Unbekannt sind uns solche Liebschaften ja nun wirklich nicht. Interessant wird die gesamte Situation nur durch die Ankunft von Lady Sarahs Cousine Abigail. Ganz unten in der Gesellschaft angekommen, merkt diese schnell, dass durch die Königin alles möglich ist. Sie beginnt von Lady Sarah zu lernen und bald ihre Stellung als Liebhaberin einzunehmen.

Das Irrsinnige an der ganzen Situation? Gott, Irrsinn gibt es zur Genüge. Angefangen bei den opulenten Partys mit Gänserennen, über Machtspiele beim Tontaubenschießen und Verschleppungen bis hin zu neckischen Bettspielen vor laufender Kamera ist wirklich alles dabei, was Intrigen zu bieten haben!

Emma Stone in The Favourite mit einem Gewehr Filmszene aus The Favourite: Geschminkte Königin rekelt sich im Bett

Bewaffnet euch mit Sinn und Verstand, um diesen dann beim Schauen des Filmes wieder zu verlieren. Stellt keine Fragen und Ansprüche, sondern lasst ihn nur auf euch wirken. Dieser Film wird euch mit Garantie noch sehr lange beschäftigen. 

Natürlich gibt es auch noch einige andere Filme in unserer Oscar-Schiene, die einen Besuch verdient haben. Aber ich möchte an dieser Stelle für meine Favoriten sprechen und hoffe, viele von euch daraufhin bei einem dieser Filme wiederzusehen. 

„Willkommen im größten Wohnzimmer der Stadt“

Endlich ist es soweit, liebe Freunde des guten Filmgeschmacks. Wir können euch heute mit Stolz und bestem Gewissen mitteilen, dass das Programm für die 9. Chemnitzer Filmnächte-Saison offiziell an den Start gegangen ist. 

Vier Personen präsentieren neue Filmnächte-Werbeplakate zur Programm-Veröffentlichung

Slogan(s) der Filmnächte 2019

8 Monaten voller Tränen, Schweiß, Lachen und vieler Diskussionen gehen somit zu Ende. Das Ergebnis kann sich unserer Meinung nach aber mehr als nur sehen lassen. Wir freuen uns über alle Maßen, auch wenn wir im gleichen Atemzug ein kleines Tränchen verdrücken müssen. Denn egal wie lange die Meetings gingen und wie anstrengend sie waren, die Filmnächte und die Arbeit am Programm wurden zu einem wichtigen Bestandteil unserer cineastischen Lebenskultur und wir alle sind wie eine kleine Familie zusammengewachsen.

Nicht verwunderlich also, dass wir euch dementsprechend auch einen….nein, warte, diesmal sogar ganze 4 Slogans zum heißesten Sommerevent in Chemnitz präsentieren können. 

 

Für Filmliebhaber und Adrenalin-Junkies: Oscar-und Outdoor-Reihe

Filmnächte-Werbeplakat zur Oscar-Reihe im Programm

„Roter Teppich daheim“- die Oscar-Donnerstage

Persönlich freue ich mich sehr auf unsere wöchentlichen Oscar-Donnerstage. Ganz nach dem Motto „Roter Teppich daheim“ habt ihr als Zuschauer die Möglichkeit, jeden Donnerstag gedanklich eure Oscarrede vor einem minimalistischen Millionenpublikum zu halten und on top noch Filmgenuss der Extraklasse zu erleben. Von Green Book über BlacKkKlansmann bis hin zu The Favourite, an welchem sich ja bekanntlich die Geister scheiden, ist wirklich für jeden Zuschauergeschmack etwas dabei. Und ich sage euch, wer sich da nicht für ein unvergessliches Kinodate verabredet, ist selber Schuld. 

Und egal ob mit oder ohne Date, auch das „Abenteuer daheim“ im Programm soll bei uns nicht zu kurz kommen. Wie ihr es schon aus dem letzten Jahr kennt, wird der ungeliebte Montag zur Flucht aus dem Alltag und zur Möglichkeit, seiner individuellen Abenteuerlust bei einem kühlen Bierchen unter dem Chemnitzer Sternenhimmel zu fröhnen.  An dieser Stelle sei aber Obacht geboten, denn bei dieser Reihe besteht absolutes Suchtpotenzial. 

Filmnächte auch tagsüber – Kooperation mit dem SCHLINGEL Filmfestival

Doch wie ihr wisst, organisieren wir euch nicht nur jedes Jahr einen tollen Kinosommer vor fantastischer Kulisse, nein, wir sind auch immer auf der Suche nach Gleichgesinnten.

Zwei Festivalleiter präsentieren T-Shirts der Filmnächte und des SCHLINGELS

FNC trifft IFF

So ist also auch nicht wirklich verwunderlich, dass wir uns dieses Jahr mit dem internationalen Filmfestival Schlingel „verbrüdert“ haben, um euch auch außerhalb unserer gewohnten Abendschiene bewegte Bilder auf einer überdimensionierten Leinwand zeigen zu können. Da ist doch die letzte Ferienwoche direkt gerettet, oder?  Wir blicken mit voller Freude und Zuversicht in die Zukunft dieser Zusammenarbeit und freuen uns jetzt schon auf alles was da noch kommen mag.

An dieser Stelle wollen wir uns auch nochmal für das zahlreiche Erscheinen und rege Interesse der Chemnitzer Medienlandschaft an den Filmnächten Chemnitz bedanken. Uns war es ein innerliches Fest, mit euch über unsere Passion sprechen zu dürfen, vor allem wenn dabei am Ende die folgenden Pressestimmen erklingen.

„A Star is born“ eröffnet das Programm 2019

Hach ihr Lieben, was soll man noch sagen? Ein aufregender Tag geht für uns zu Ende und es hätte nicht besser laufen können. Eskaliert genauso wie es auch wir tun würden und sichert euch jetzt schon die besten Plätze im schönsten Kino der Stadt. Was bleibt ist die Vorfreude auf eine grandiose Saison 2019 und die Liebe zum Film, sowie unsere gemeinsame Verabredung am 05.07.2019  zusammen mit Lady Gaga und Bradley Cooper, die unser Programm eröffnen.

Denn wenn die Lichter auf dem Platz gedimmt werden und uns nichts weiter bleibt außer das Träumen, dann fangen wir doch alle erst richtig an zu leben, oder?

Der Programmbeirat – Allein zu Haus

Und mit den abschließenden Worten aus dem ersten Blogbeitrag überhaupt übernimmt direkt die Programmbeirats-Veteranin das Blogsteuerrad. Ich heiße euch alle noch einmal herzlich willkommen auf unserem Filmnächte-Blog und gleichzeitig muss ich euch auch gratulieren, denn ihr seid bereits beim 2. Beitrag und habt noch nicht weggeklickt, Chapeau!  

In diesem Beitrag möchte ich euch einmal in das wohl wichtigste Meeting einer jeden Filmnächte-Saison mitnehmen, welches dieses Jahr mehr oder weniger führungslos stattgefunden hat. Wie das geht, fragt ihr euch? Na los, befriedigt eure Neugier und lest weiter! 😉

Wie mein Beiratskollege und Blogmitbegründer Jakob schon sehr schön in seinem letzten Beitrag erwähnte, ging bzw. geht bei uns allen eigentlich nichts ohne einen guten Einstiegs-Pot voller heißer Schokolade. Umso verwunderlicher war es, dass wir uns zu einem der wohl wichtigsten Meetings nicht in gewohnter Umgebung, sondern in ganz neue kulinarische Gefilde begeben hatten. Dabei wurde die heiße Schokolade glatt gegen ein kühles Guinness getauscht, was auch wirklich nötig war, denn wir wurden das erste Mal so richtig von der Leine gelassen und dabei sind hitzige Diskussionen vorprogrammiert.

Ja, ihr habt richtig gehört. Auch wenn wir schon ein sehr verrückter Haufen an freidrehenden Cineasten sind, wir stehen unter strenger Aufsicht und Leitung. Na gut, wir wollen an dieser Stelle nicht übertreiben, denn der Feind liest ja mit. 😉 Bei uns herrscht wie in der Politik von Bismarck das Zuckerbrot und die Peitsche. Ok, jetzt wo ich es so ausspreche, gibt es bei uns eigentliche nur Zuckerbrot und keine Peitsche… aber das tut ja eigentlich auch gar nichts zur Sache. Wo waren wir gleich noch einmal stehengeblieben? Ach ja…

Pinnwand-Power-Programm

Beiratsmitglieder bei der Arbeit

Freitag, der 26. April 2019. Ein, wie bereits erwähnt, historisches Datum, denn wir gingen mit großen Schritten auf die Finalisierung unseres Filmnächte Programmes 2019 zu. Doch auch das passierte nicht einfach so bei uns, denn viel palavern kann ja jeder, oder? Wir brauchten also ein System, dass sich von allen bisherigen Systemen unterschied und an Effizienz nicht zu überbieten war. In diesem Zusammenhang erfand Beiratskollege Jens das Schiffe versenken für diesen Anlass komplett neu. Gefühlt 100 Minifilmposter, etliche Stecknadeln, zwei Kalenderblätter für Juli und August in A3 sowie ein großes Korkbrett waren für uns letztendlich der Schlüssel zum Erfolg. Neben den bereits terminierten Veranstaltungen, unter anderem Johannes Oerding und Philipp Poisel, hatten wir jede Menge freie Felder zu füllen. Nach einer ersten Sichtung und Positionierung der Spitzenreiter erkannte man nach und nach eine Vielzahl an Mustern, die unseren filmischen Gefühlen sehr guten Ausdruck verliehen.

Wie das geht? Nunja – es gibt Filme, die sollte man einfach nicht am Wochenende zeigen. Auch gibt es Filme, die man nicht in der Zeit des Kosmonaut-Festivals oder außerhalb der Ferien zeigen sollte. Und dann gibt es wiederum Filme, die gehören einfach auf einen Dienstag. Warum? Wir wissen es auch nicht, aber es fühlt sich unheimlich gut an. 

Endlich alle Lücken gefüllt

eine erste Sneak Peek auf das Filmnächte Programm 2019

Nach ca. 2 Stunden und einigen vielen kreativen (Raucher-)Pausen später, stand ein grobes erstes Programm ohne Lücken. Und ja, die meisten hätten hier sicher den Abend beendet. Aber wie ihr auch schon mitbekommen habt, sind wir nicht wie die meisten. Also wurden gefühlt alle Muster und Belegungen noch einmal neu vergeben, weil wieder irgendeinem von uns irgendwas Wichtiges einfiel, dass unbedingt mit ins Programm eingebaut werden musste. Auch hatten wir nach den besagten zwei Stunden die ersten Opfer zu beklagen. Aladin ist uns glatt unter den Tisch gefallen. Na, wenn das mal kein schlechtes Omen für die Aufnahme ins Programm ist?! 

Weitere 2 Stunden später waren dann alle Wünsche und Opfer erneut verbaut. Und ja, grundsätzlich waren wir als Beirat so mit dem Programm zufrieden, wäre da nicht noch eine dunkle ausführende Gewalt, die alle unsere Wünsche und Träume ändern wird. Doch nicht nur sie allein hat diese Macht inne. Natürlich spielen auch Filmkonditionen, Zu- oder Absagen der Verleiher oder auch neue Premierentermine eine große Rolle. Denn selbst wenn es bald ein finales Programm zu sehen gibt, Änderungen sind immer vorbehalten und allseits beliebt, denn sonst wäre es ja langweilig – oder?

 

Und genau an diesem Punkt wird euch Jakob nächstes Mal in die Welt der Disney-Realverfilmungen führen. Auch die sorgen bei uns immer für Gesprächsstoff. Freut euch drauf, denn auf dem Trockenen unseres verbalen Könnens sollt ihr ja nicht sitzen bleiben!

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